Energieausweis - einfach erklärt, Teil1: Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis

Welche Ausweise gibt es?
Auf dem Markt gibt es zwei verschiedene Ausweise für Wohngebäude:

Den Bedarfsausweis und den Verbrauchsausweis. Beide bestehen aus 5 Seiten. Welchen Ausweis man in der Hand hält, kann man gleich auf Seite 1 erkennen. Dort ist das Häkchen entweder für den Bedarfsausweis oder für den Verbrauchsausweis gesetzt.


Wie unterscheiden sich die beiden Ausweise?

Der Verbrauchsausweis basiert auf dem tatsächlichen Verbrauch für Heizen und Warmwasser. Diese müssen für mindestens drei aufeinanderfolgende Heizperioden vorliegen, also z.B. die drei letzten Gasabrechnungen oder die letzten Tankfüllungen für den Öltank.

Wichtig hier: Er spiegelt also das Verhalten der jeweiligen Bewohner im Gebäude wieder.


Der Bedarfsausweis berechnet den theoretischen Energiebedarf eines Hauses auf ein Jahr bezogen.
Er bildet bewohnerunabhängig die energetische Qualität eines Hauses ab. Als Daten hierzu benötigt man zum einen die Außenhülle des Hauses: Fenster, Dach, oberste Geschoßdecke, Kellerfußboden bzw Kellerdecke; zum anderen geht die sogenannte Anlagentechnik mit ein, also Heizung und Warmwassererzeugung. Dazu noch wird ein theoretisches Jahr angenommen mit einer bestimmten Durchschnittstemperatur (je nach Standort), Sonneneinstrahlung etc.

Somit kann man also die Häuser selbst unter gleichen Bedingungen energetisch vergleichen.


Wann brauche ich welchen Ausweis?

Ein Bedarfsausweis kann im Prinzip kann bei jedem beheiztem Gebäude erstellt werden. Der Verbrauchsausweis ist nur bei Gebäuden mit mehr als 4 Wohneinheiten zulässig oder deren Bauantrag nach dem 1. November 1977 eingereicht wurde.


Was bedeutet der Unterschied für mich beim Kauf/beim Mieten?

Beispiel: Einfamilienhaus BJ 1979 mit einer Gasheizung BJ 1995.

Hier sind beide Ausweise zulässig, der Verbrauchsausweis und der Bedarfsausweis.

Bewohnt wurde das Haus von Oma Trude, die das Schlafzimmer immer hübsch ungeheizt ließ, die beiden Kinderzimmer nicht mehr gebraucht und sich zumeist in der Essküche aufgehalten hat. Das Wohnzimmer wurde nur zu besonderen Gelegenheiten richtig geheizt.

Einziehen will Familie Müller mit ihren beiden Kindern (6 Monate und 2 Jahre alt). Frau Müller will auf jeden Fall noch während der Elternzeit zu Hause bleiben, danach maximal Teilzeit arbeiten.


Beim Verbrauchsausweis wird der angegebene Wert relativ gering sein. Familie Müller glaubt also, dass das Haus energetisch recht gut wäre. In Realität werden sich die Verbräuche zwischen Familie Müller und Oma Trude logischerweise gewaltig unterscheiden, schließlich bildet der Verbrauchsausweis eine alleinstehende sparsame Dame in diesem Haus ab.

Liegt hingegen ein Bedarfsausweis vor, wird Oma Trude mit Fug und Recht sagen können, sie habe nie so viel Gas benötigt, wohingegen der angegebene Wert für Familie Müller schon eher passen kann, tendenziell werden sie sogar etwas mehr verbrauchen als der Ausweis angibt.

Der Bedarfsausweis bildet das Haus bei einer Beheizung mit 19°C ab. Sowohl der erhöhte Heizbedarf, als auch der erhöhte Warmwasserbedarf mit Kleinkindern ist hier nicht mit eingerechnet.


Was nutzt mir dann der Ausweis?

Beim Hauskauf/beim Mieten sollte man zuerst darauf achten, ob ein Bedarfsausweis vorliegt oder ein Verbrauchsausweis.

Je nachdem sagt dieser dann etwas über den Bewohner des Hauses oder das Haus selbst aus. Dazu muss ich noch meinen eigenen Lebensstil im Vergleich dazusetzen, um die Werte richtig verstehen bzw. interpretieren zu können.


Wieso ist der Verbrauchsausweis so viel günstiger als der Bedarfsausweis?

Für den Verbrauchsausweis benötigt man im Endeffekt nur den Verbrauch der letzten drei Jahre.

Bei einem seriös ausgestellten Bedarfsausweis muss ein Energieberater sich das Haus vor Ort komplett anschauen, Dämmungen, Wände, Fenster und die Heizung beurteilen und bestimmte Größen aufmessen. Auch das Berechnen ist hier deutlich aufwändiger.


Was sind das überhaupt für Werte?

Hierzu gibt es Energieausweis einfach erklärt,Teil 2 ( folgt noch)

    Über den Autor

    Studium der Architektur an der BTU Cottbus - als der erste Wessijahrgang damals.


    Nach dem Studium war ich als Bauleitung 2 Jahre vor allem nachts in der Berliner U-Bahn unterwegs - vor allem Betonsanierung. Ich kenne die U2 von innen auswendig, aber auch die dazugehörigen Eingänge. Hier hatte ich eine Zusammenarbeit mit vielen Behörden und vielen Controllern.


    Danach gings als Bauleitung im kirchlichen Bereich nach Oberfranken, zumeist alte Kirchen unter Denkmalschutz und einige Umbauten von Kindergärten im Bestand. Hier habe ich zusätzlich Planung und Ausschreibung gemacht.


    In Mittelfranken habe ich mein eigenes Haus gebaut, mein einziges EFH und mein einziger Neubau, ansonsten habe ich immer nur Gebäude im Bestand bearbeitet. Da habe ich die Bauherrenseite besser kennengelernt habe (und die AWG-Hormone ;-) )


    Inzwischen erstelle ich Energieausweise (Bedarfsausweise) und rechne hydraulische Abgleiche, muss und möchte da aber noch viel lernen.

    Anda Moderator

    Kommentare 2

    • Hallo,


      finde ich verständlich geschrieben.


      Eine Anmerkung hätte ich aber noch und zwar gilt das oben geschriebene für Wohngebäude.


      Bei einem Nichtwohngebäude ist auch für ältere Gebäude der Energieausweis nach dem Verbrauch zulässig. Hier muss man aber aufpassen was Leerstand und vorliegende Daten angeht. Benötigt werden neben dem Energieverbrauch der letzten drei Abrechnungsperioden für die Beheizung auch der Stromverbrauch (gleicher Zeitraum) für Beleuchtung, Zusatzheizung, Kühlung, Lüftung ,Warmwasser oder sonstiges. Da meist der Stromverbrauch für z.B. Fertigungsmaschinen, Kühltheken oder was sonst noch so dranhängt, nicht gesondert aufgenommen wird, muss man ingenieurmäßig entscheiden ob die zugrunde liegenden Daten noch über den Energieverbrauch im Sinne der EnEV für das jeweilige Gebäude aussagekräftig sind. Ist dies nicht der Fall bleibt nur der deutlich kostenintensivere Bedarfsausweis.

      • Danke für die Rückmeldung!

        Ich wollte mich vor allem auf Wohngebäude beziehen, da das für viele User ganz wichtig ist.

        Aber stimmt schon, Erläuterungen für Nichtwohngebäude wären auch wichtig.