Biegesteifigkeit von Plattenpaketen

  • Hallo, ich habe eine technische Frage aus dem Bereich Statik/Physik, auf die ich nirgendwo sonst eine Antwort finden konnte. Für einen Statiker vermutlich eine Kleinigkeit…

    Welche Kombination aus verschraubten und/oder vollflächig verleimten OSB-Platten ist biegesteifer?

    1. Dicke + Dünne Platte
    2. Zwei gleich starke Platten (Gesamtstärke identisch wie in Punkt 1)

    Eine darauf aufbauende Frage wäre noch, in welchem Fall die auf die Verschraubung/Verklebung der Platten wirkenden Scherkräfte geringer sind.

    Am Ende geht es natürlich darum, welche der beiden Optionen ist insgesamt zu bevorzugen ist.


    Besten Dank im Voraus

    Felix

  • Um welche Anwendung geht es? Oder anders gefragt: Wie soll die zusammengesetzte Platte belastet werden?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Welche Kombination aus verschraubten und/oder vollflächig verleimten OSB-Platten ist biegesteifer?

    biegefest sind OSBplatten eher nicht wirklich. geschraubt oder geklebt auch nicht besonders


    eine sperrholzplatte in der gewünschten stärke ist da viel besser aufgestellt , und die gibt es in der stärke von zwei OSBplatten zum durchaus annehmbaren preis im holzfachhandel zu kaufen ,( nicht im baumarkt , da ist der leim mit goldfäden verstärkt ;))

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Hallo zusammen,

    es geht um die Ersetzung eines alten/nicht mehr brauchbaren Dielenbodens (ursprünglich mal 25mm stark) auf einer Holzbalkendecke (80cm Achsabstand).


    Die Platten liegen quer über den Balken und sind mit Nut/Feder verbunden, Stoßfuge jeweils über einem Balken.

    Wurde in einem Raum bereits erfolgreich umgesetzt mit 30mm starken Platten, die jedoch ziemlich unhandlich sind und zudem nicht leicht zu bekommen.


    Der Plan ist, für einen weiteren Raum zwei verschraubte und/oder vollflächig verleimte OSM-Platten in den Stärken 18/12 oder 15/15mm zu verwenden (obere Schicht natürlich versetzt).


    Laut einem Test mit einem 120 x 60 cm großen Plattenpaket ist die Sandwich-Ausführung 18/12 eher noch biegesteifer als die 30mm Platte. Aber da ich die Wahl habe, wüsste ich gerne, ob 15/15 noch besser ist.

  • Laut einem Test mit einem 120 x 60 cm großen Plattenpaket ist die Sandwich-Ausführung 18/12 eher noch biegesteifer als die 30mm Platte.

    Das bezweifle ich, da selbst bei homogenem Verbund 18/12 die Steifigkeit gleich wie bei 30 mm ist. Gleiches Material natürlich vorausgesetzt.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Nur gefühlt. Wobei es mir ja völlig ausreicht, wenn die Sandwich-Konstruktion ebenso biegesteif ist wie die massive 30er Platte.

  • entscheidend wird die Frage sein, ob die Verleimung / Verschraubung für die auftretende Belastung ausreichend bemessen und auch so umgesetzt ist.

    Wenn ja, ist anzunehmen, dass beide Konstruktionen bei gleicher Gesamtstärke gleich steif sind.

  • Ok, aber meinst du mit "beide Konstruktionen" jetzt 30mm massiv vs. 18/12mm oder 18/12mm vs. 15/15mm?


    Letzteres war ja die ursprüngliche Frage.

  • du bekommst keine 100% verbindung mittels verleimung hin, daher kommen 2 verbundene platten mit gleicher dicke wie eine einzige platte bei weitem (!) nicht an deren steifigkeit ran und schrauben kannst du bzgl. aufwand-ergebnis-relation komplett vergessen.

  • Was spricht gegen die Verwendung von neuen, 30mm starken massiven Brettern (Rauhspund)?

    Das wäre sicherlich stabiler als zusammengebastelte OSB-Verbundplatten.

  • Nun mal nüchtern beantwortet

    Wenn beide Platten vollflächig und kraftschlüssig miteinander verbunden ( verleimt) sind dann ist das wie eine Platte mit der doppelten Dicke

    ( ==> siehe Leimschichtholz)

    Wenn die beiden Platten irgendwie nachgiebig verbunden sind ( Schrauben) dann stellt sich irgendwas dazwischen ein

  • Wenn beide Platten vollflächig und kraftschlüssig miteinander verbunden ( verleimt) sind dann ist das wie eine Platte mit der doppelten Dicke

    ( ==> siehe Leimschichtholz)

    Glaubst Du wirklich, irgendjemand könnte "auf freier Wildbahn" unter Baustellenbedingungen das so verleimen wie in einer Produktion/Werkstatt? Druck/cm², Leim? :lach:

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Nun mal nüchtern beantwortet

    Wenn beide Platten vollflächig und kraftschlüssig miteinander verbunden ( verleimt) sind dann ist das wie eine Platte mit der doppelten Dicke

    Funktioniert das unter Baustellenbedingungen kontrolliert, vor allem der Pressdruck?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Also die Platten werden mit dem Sruboklin-System (eine Art Stellschrauben speziell für diesen Zweck) sauber waagerecht ausgerichtet (klappt millimetergenau, wenn man sich etwas Mühe gibt). Bei sauberer Oberfläche und bündig geschliffenen Kanten liegt die zweite Lage vollflächig und sauber auf.

    Verleimung mit Holzleim (gibts auch im Eimer...) und Verschraubung mit 4,5 x 30mm Spax mit Teilgewinde im Abstand von ca. 25cm als zusätzliche Sicherheit und für den Anpressdruck.


    Gegen Rauhspund und für OSB spricht die 4seitige Nut/Feder-Verbindung.

    Für die Sandwich-Bauweise und gegen 30mm starke Massiv-Platten spricht die gerade gemachte Erfahrung, dass die längsseitige Nut/Feder-Verbindung der 30mm Platten leider einiges an Spiel hatte, so dass es bei Gewichtsverlagerung von der einen auf die andere Platte (vielleicht 1mm Durchbiegung bei Belastung genau zwischen den Balken) zu Knarzgeräuschen kam. Sehr originalgetreu, wie man sie auch von alten Dielenböden kennt, aber dennoch nervig.

    Die Lösung war die nachträgliche Verschraubung der längsseitigen Nut/Feder-Verbindung – eine schöne Zusatzarbeit, die ich mir gerne ersparen möchte. Dass 2,5m lange OSB-Platten in 30er Stärke zudem im Handling kein Vergnügen sind (knapp 30kg!), sagte ich ja schon. Alles in allem: Eine perfekte Lösung gibt es nicht, aber OSP + Sruboklin hat sich für mich aber bewährt.


    Dass unter Idealbedingungen eine Sandwich-Platte mindestens so stabil/biegesteif ist wie eine massive Platte gleicher Stärke, war und ist mir klar.

    Mich interessiert ausschließlich die weiterhin unbeantwortete Frage, ob bei gleicher Gesamtstärke die Verbindung von zwei gleich starken Platten günstiger ist oder eine asymmetrische Aufteilung der Plattenstärken.


    Das ist eine rein theoretische Fragestellung und ich bin auch recht sicher, dass der Unterschied - wenn es ihn denn gibt - nicht sonderlich groß sein wird. Fall jemand die Antwort weiß, freue ich mich, ansonsten ist auch alles gut.

  • Dass unter Idealbedingungen eine Sandwich-Platte mindestens so stabil/biegesteif ist wie eine massive Platte gleicher Stärke, war und ist mir klar.

    Mich interessiert ausschließlich die weiterhin unbeantwortete Frage, ob bei gleicher Gesamtstärke die Verbindung von zwei gleich starken Platten günstiger ist oder eine asymmetrische Aufteilung der Plattenstärken.

    Deine Frage war aber eine andere. Du hattest nach "Kombination aus verschraubten und/oder vollflächig verleimten OSB-Platten" gefragt und nach den Scherkräften, die auf die "Verschraubung/Verklebung der Platten " wirken, gefragt.


    Da Du eine "rein theoretische Fragestellung" stellst und Dich die ideale Umsetzung weniger interessiert, gebe ich eine ebenso theoretische Antwort für den Fall, dass die Verklebung eben nicht funktioniert: Die Gesamtsteifigkeit der Platten ist die Summe der Einzelsteifigkeiten. Diese kannst Du Dir ja ausrechnen.

  • Die Gesamtsteifigkeit der Platten ist die Summe der Einzelsteifigkeiten. Diese kannst

    Fast...

    Sumne der Einzelsteifigkeiten zzgl. dem Steineranteil, wenn die gewählten Verbindungsmittel zw. den Platten einen vollständigen Verbund herstellen.

    Summe der Einzelsteifigkeiten dann, wenn die Platten gar nicht miteinander verbunden sind.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)