Berechnung Schalldämmmaß ?

  • Anstelle der vereinbarten 160 mm PUR-Aufdachdämmung hat der Dachdecker nur 120 mm aufgebracht. (Wurde aufgrund von Mieterbeschwerden über Straßenlärm im DG erst durch den Dach-SV festgestellt).


    Wie wirkt sich die dünnere Dämmung auf den Schalldurchgang aus?

    Gibt es eine Formel, wie hier das Schalldämmmaß berechnet werden kann?

  • Wie wirkt sich die dünnere Dämmung auf den Schalldurchgang aus?

    Die (Luft)schalldämmung wird etwas geringer sein, die Resonzfrequenz des Aufbaus verschiebt sich ein wenig.



    Gibt es eine Formel, wie hier das Schalldämmmaß berechnet werden kann?

    Wenn man den vollständigen Aufbau und alle Materialkennwerte hat, dann ja. Ansonsten hätte man nur einen isolierten Wert für eine Schicht, das hilft aber nicht weiter.

    Hier gebe ich zu Bedenken, dass eine PUR Platte nur eine geringe Luftschalldämmung hat, und bei 4cm mehr reden wir dann über Werte die innerhalb der Prüftoleranzen (typ. +- 1-3dB) liegen. Es gibt optimierte Platten, also ein sandwich bestehend aus unterschiedlichen Materialien (PUR + MiWo o.ä.), diese erreichen höhere Schalldämmwerte, und somit würden sich die 4cm weniger auch stärker bemerkbar machen, je nachdem welche Schicht davon betroffen ist.


    Ich würde für verlässliche Zahlen auf den Hersteller zurückgreifen. Die können bei Platten die mit Merkmalen wie "besonders hohe Schalldämmung" beworben werden, meist auch Prüfberichte oder zumindest Prüfergebnisse liefern. Ob sie für ihre Standardplatten Prüfwerte haben, das könnte man ja herausfinden.


    Ein einfacher Dachaufbau bestehend aus einer Aufdachdämmung aus PUR und einer Eindeckung erreicht nur eine geringe Schalldämmung (ich sage mal aus dem Bauch heraus 30dB). Ergänzt man diesen Aufbau mit zusätzlichen Lagen (beispielsweise GKP raumseits, Holzschalung oder HWF Platten auf den Sparren), dann erhöht sich die Schalldämmung der Kombination schon deutlich (40dB aufwärts), und optimiert man weiter (Sparrenzwischenraum etc.), dann sind auch Schalldämmwerte jenseits 50dB erreichbar, sogar 60dB sind denkbar.


    Und immer daran denken, neben den Materialkennwerten ist die Verarbeitung entscheidend (Latten, Schrauben, Fugen etc.) ob der geplante Schallschutz erreicht wird.

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  • Die Luftschalldämmung ist also nicht um 1/4 schlechter, wie ich als Laie angenommen habe?

    Nein. Aber das ist bei dem leichten, starren Material eh ziemlich egal, weil die eh lausig nichts so super toll ist.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Nein. Aber das ist bei dem leichten, starren Material eh ziemlich egal, weil die eh lausig nichts so super toll ist.

    Lausig? Besch.... Ich kann nur abraten.

    Der Archi hat es mir empfohlen. Und ich habe es mir aufschwatzen lassen. Ich gehe jetzt dagegen vor, weil im LV eine andere Dämmung vereinbart war. Mal sehen, was rauskommt.

  • weil im LV eine andere Dämmung vereinbart war.

    Um argumentieren zu können stellt sich die Frage ist, was noch vereinbart war, bzw. was man aus den Spezifikationen des vereinbarten Materials ableiten könnte. PUR zeichnet sich aus durch eine hohe Wärmedämmung (WLG025?), bei moderater Schalldämmung (diplomatisch ausgedrückt) und geringer spez. Wärmekapazität. Details müsste man den techn. Spezifikationen der bei Dir verbauten Platten entnehmen, und diese mit den vereinbarten Spezifikationen vergleichen.


    1. Besonders hervorstechen dürfte die geringere Wärmedämmung der verbauten 12cm Platten, schließlich beträgt der U-Wert dann "nur" noch ca. 0,2W/m²K gegenüber den geplanten 0,15W/m²K (kann man mit den Daten dann noch genauer rechnen). Für die Einhaltung der EnEV (heute GEG) dürfte es vermutlich trotzdem ausreichen, aber es wäre denkbar, dass Förderbedingungen (KfW xx?) nicht mehr eingehalten wurden.

    Durch die schlechtere Wärmedämmung erhöht sich auch Dein Heizenergiebedarf. Dieser dürfte grob 4-5kWh/m*a höher sein als geplant. Bei einem 200m² Dach (ich glaube es handelt sich um ein MFH?) wären das immerhin knapp 1.000kWh pro Jahr.


    2. Zur Schalldämmung hatte ich ja schon etwas geschrieben. Durch die unterschiedliche Dicke verändert sich die Resonanzfrequenz die aber sowieso im Bereich 700-900Hz liegt, also sehr hoch ist. Die Schalldämmung selbst kann sinnvollerweise nur in Verbindung mit dem kompletten Aufbau betrachtet werden. Eine einzelne Platte würde nicht einmal 20dB erreichen, wobei der Unterschied zwischen 12cm und 16cm wie erwartet bei ca. <1dB liegen wird.

    Hersteller von sandwich Dachdämmplatten geben beispielsweise 25dB (PUR beidseitig mit 0,5mm Blechen belegt) an, irgendwo habe ich eine Gruppierung mit gerundeten Werten gefunden (Kingspan), da werden die dünnen Platten bis 80mm mit 24dB, die Platten von 10-14cm mit 25dB und die 16cm Platten mit 26dB angegeben.


    Für die gesamte Schalldämmung ist wie gesagt der vollständige Aufbau zu betrachten. Wenn Schalldämmung bei der Planung eine Rolle gespielt hat, dann muss es weitere Schichten geben, denn nur in Kombination mit weiteren "Dämm"lagen kann hier Schallschutz erreicht werden. Ansonsten bleibe ich bei meinem o.g. Bauchgefühl, dass die Dämmung des Steildachs irgendwo im Bereich um die 30dB liegen könnte, viel mehr würde ich nicht erwarten.


    3. Die spez. Wärmekapazität ist bei solchen Platten gering. Sie können zwar den Wärmedurchgang verzögern, aber selbst nur sehr wenig Energie speichern. Für eine Stabilierung der Raumtemperatur kommt sowieso nur ein Teil der Masse in Frage (raumseits). Wir bewegen uns dann im Bereich von gerade mal 1Wh/m²K. Auch hier ist entscheidend, wie der gesamte Dachaufbau aussieht, denn jeder Dachsparren, jeder cm Beplankung, speichert ein Vielfaches an Wärmeenergie.


    Fazit:

    Durch die geringere Dicke der Dämmlage dürfte der größte "Schaden" in Form einer schlechteren Wärmedämmung entstanden sein. Auf Schalldämmung oder "Wärme"Speicherfähigkeit hat der Unterschied keinen nennenswerten Einfluss.

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