Viel Gewicht an 11,5cm Mauerwerk - Unproblematisch?

  • Hallo Experten,


    ich habe eine 11,5cm dicke Ziegelwand an drei Seiten zu anderen Wänden angrenzend (links, oben und unten) 2,5m breit und 2,4m hoch.

    Die Wand besteht aus Hochlochziegeln. Im Nachhinein hätte ich sie dicker gemacht (17cm) aber mein Architekt und Statiker die wussten, dass da ein Waschbecken usw... kommt haben nichts gesagt, bzw. die haben die Wand so eingeplant.


    Nun zur Situation: Ich muss an diese relativ dünne Wand ein großes Waschbecken (ca. 30kg) ab und zu auch voll mit Wasser (ca.20kg), einen Waschtischunterschrank (ca. 20kg) mit Inhalt (10-15kg), und darüber einen sehr großen Spiegel (ca. 30kg) befestigen.


    Oben nahe der Decke muss ich dann noch ein Loch mit einem Kernbohrer (ca. 17cm Durchmesser) bohren wegen Belüftung wo auf der anderen Seite oben der Anschluss ist.

    Die Leitungen des Waschbeckens sind auch in der Wand, dazu musste ich die unten in der Mitte des Waschbeckens fast durchschlagen (20cm breit und 40cm hoch vom Boden).


    Am Anfang der Planung habe ich in einem Nebensatz bei meinem Statiker angesprochen, ob das schwere Waschbecken da kein Problem wäre und der sagte kurzum "nein passt schon".

    Ist das alles wirklich kein Problem für eine 11,5cm Ziegelmauer?


    Ich wäre da sehr dankbar eine etwas fachliche unverbindliche Einschätzung zu bekommen, einfach damit ich weiß ob ich meinem Statiker hier weiter vertrauen sollte oder noch einmal eine zweite Meinung einhole.


    PS: Wo drückt in einer Mauer eigentlich das Gewicht? Wenn da z.B. auf halber Höhe ein Waschbecken hängt, nach unten, nach oben, oder in beide Richtungen. Sprich sind Löcher in einer Richtung vom Gewicht weniger problematisch als in einer anderen Richtung (Bohrung für Belüftung unten oder oben?)

  • Ist das alles wirklich kein Problem für eine 11,5cm Ziegelmauer?

    Bei einem unguten Bauchgefühl hilft der Blick in Datenblätter.


    Schaut man in die Zulassungen der Befestigungssysteme, dann sind diese beispielsweise für eine Mindestbauteildicke (Wandstärke) von 110mm zugelassen. Dort finden sich auch noch Angaben zur maximalen Last pro Ziegel, bei mehreren Dübeln die eng beieinander platziert werden, Mindestabstände, Mindestrandabstände usw. usw.


    Ich würde mal einen Blick in die abZ Z-21.3-1771 werfen.


    Mit dem richtigen Dübel und der korrekten Verarbeitung kannst Du dann bei einer Montage in einem HLZ Mauwerk >110mm jeder Befestigung bis zu 1kN abverlangen. Bei 2 Dübeln für Dein Waschbecken sollte das mit viel Reserve ausreichen. Gem. EN14688 beträgt die Bruchlast bei einem Waschbecken 1,5kN, d.h. bevor die Dübel nachgeben bricht das Waschbecken. Es wäre daher nicht sinnvoll die Befestigung noch stärker auszulegen. Ansonsten müsste man über eine Vorwandmontage nachdenken und das Waschbecken an verstärkten Stahlprofilen befestigen, die die Last direkt in den Boden ableiten, ersatzweise die Wand durchbohren und diese mit Stahlplatten verstärken. Notwendig ist das aber in diesem Fall (Waschbecken) bei Verwendung der korrekten Befestigung nicht.


    Auch die Summe der Lasten die sich über die Wand verteilt ist kein Problem. Hier könnte man beim Spiegel oder Hängeschrank sogar auf Kunststoffdübel ausweichen die in HLZ je nach Ausführung um die 0,3-0,5kN sicher befestigen können.


    In Deinem Fall verteilen sich die ca. 120kg über einen Großteil der Wandfläche, so dass die Mindestabstände zwischen den Dübeln immer problemlos eingehalten werden, und die Wand selbst kommt mit den paar kg sowieso klar. Ich sehe anhand Deiner Beschreibung keinen Grund warum man an der Aussage Deines Statikers zweifeln sollte.

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  • Das wäre auch mein Favorit gewesen bevor ich die Wand über die komplette Tiefe schlitzen muss. Schalldämmung ist ja normalerweise auch ein Thema.

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  • Es ist ein Unterschied ob man den Statiker fragt, ob man an die Wand ein Waschbecken hängt mit x kg, oder ob man die zuerst die halbe Wand vergewaltigen muss um die Installation darin unterzubringen.

    Das schitzen bis 3cm tiefe ist für den Eli noch zugelassen, alles andere Bedarf einer Vorwandinstallation. DIN EN XYZ

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Das schitzen bis 3cm tiefe

    Bei einer 115er Wand sind es m.W. ohne Nachweis nur 10mm, also 1cm tief und max. 10cm breit. Die 3cm dürfte man erst ab einer 175er Wand ansetzen, wobei es bei einer 24cm Wand noch die Möglichkeit giobt, kurze vertikale Schlitze tiefer zu machen (ich glaube 70 oder 80mm).

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  • Ich bedanke mich für die Einschätzungen.

    Also sollte es für die Wand tatsächlich kein Problem sein, die sehr verteilten ca. 100kg zu halten.


    Ja das Aufflexen der Wand unten für die Anschlüsse hat schon irgendwo weh getan, denn viel vom Ziegel war an der Stelle dahinter nicht mehr übrig. Aber auch das hat der Statiker mitgekriegt weil er zu der Zeit wegen der Balkone mal zufällig hier war und hat das nur kurz angeschaut und hat gleich, ja sogar währenddessen, nur von den Balkonen gesprochen.


    Ich denke auch nicht, dass das ein Problem ist, weil das wirklich ordentlich und sauber vom Hydrauliker mit dichtem Schlitzputz ausgefüllt wurde, und dieser ja auch die Lasten von oben zum Boden transportiert, und so tief plus zwei Ziegelreihen nach oben sonst nichts hängt.


    Außerdem hätte ICH keine Angst gehabt, die Wand könnte die senkrechten Kräfte der paar Kg nicht aushalten, sondern eher die Hebelkräfte des Waschbeckens bei den angrenzenden Ziegeln. Vielleicht bohre ich beim Waschbecken wirklich durch und befestige hinten eine Stahlplatte, zumal das im angrenzenden Raum eh optisch völlig egal wäre auch wenn man die sieht. Das sorgt sicher dafür, dass die Ziegel um das Waschbecken herum stark entlastet würden, weil die Ziegel in der Wand dann ja praktisch zusätzlich stabil eingeklemmt wären.

  • Ich bedanke mich für die Einschätzungen.


    sondern eher die Hebelkräfte des Waschbeckens bei den angrenzenden Ziegeln. Vielleicht bohre ich beim Waschbecken wirklich durch und befestige hinten eine Stahlplatte, zumal das im angrenzenden Raum eh optisch völlig egal wäre auch wenn man die sieht. Das sorgt sicher dafür, dass die Ziegel um das Waschbecken herum stark entlastet würden, weil die Ziegel in der Wand dann ja praktisch zusätzlich stabil eingeklemmt wären.

    Danke,


    Aber jede Hebelkraft muss durch eine Gegenkraft ausgeglichen werden.

    Durch dein Waschbecken wird die Wand dazu genötigt, einen Bauch oberhalb des Waschbeckens , in der Richtung des Waschbeckens, zu machen.

    d.h. es gibt auf die Wand nicht nur senkrechte lasten, sondern auch horizontale Lasten. Im Gegenzug muss die Wand sich unterhalb des Beckens dagegenstemmen auf horizontaler Ebene. Und je weniger Wand unter dem Becken vorhanden ist, desto instabiler ist sie.

    Das Zeigen später Risse an allermöglichen Stellen der Wand.

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Vielleicht bohre ich beim Waschbecken wirklich durch und befestige hinten eine Stahlplatte, zumal das im angrenzenden Raum eh optisch völlig egal wäre auch wenn man die sieht. Das sorgt sicher dafür, dass die Ziegel um das Waschbecken herum stark entlastet würden, weil die Ziegel in der Wand dann ja praktisch zusätzlich stabil eingeklemmt wären.

    Du hast schon verstanden was ich geschrieben habe? Vorwandinstallation? Spar Dir das Experiment und mache es richtig!

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Ich werde das vor der Montage noch einmal mit meinem Statiker besprechen.


    Was sagt ihr zur genannten 170mm Lochbohrung oberhalb der Lasten?

    Beeinflusst eine solche die Statik auch noch nennenswert?


    Ich habe auch ein Foto der Wand vor dem Verputzen und könnte das Loch genau so bohren, dass ich genau in die Mitte einer Ziegelreihe bohre und genau darüber noch ein ganzer Ziegel der oberen Ziegelreihe liegt (sozusagen als "Überleger"). Oder ist es völlig egal, ob man ein solches Loch auch mitten in den Mörtel bohrt?

  • Du hast einen Statiker, der dir hörig ist?

    Bei den Balkonen jedenfalls ganz bestimmt nicht. Da ist er auf 150% sicher gegangen. Die sind nur noch Stahlkonstruktionen die leicht mit Beton ummantelt sind.


    Deshalb wundert es mich irgendwie, dass er dort so vorsichtig ist, denn über meine Balkone können mit Sicherheit Panzer fahren, aber bei den Innenwänden dagegen war ihm irgendwie alles egal?! Ich habe mehrere Wände dicker bauen lassen als er sie berechnet hatte und war jetzt echt froh darum, aber diese eine Wand habe ich leider komplett verpennt, denn 5cm mehr würden der sicher nicht schaden...


    Außerdem kann ich klar mit ihm darüber reden, etwas stärker zu bauen. Nur andersherum war er bei den Balkonen gnadenlos. Da haben auch die Arbeiter nur noch den Kopf geschüttelt und Witze darüber gemacht (alle rennen bei einem Krieg in die Bunker, ich laufe unter meinen Balkon etc...).