Brandschutz von Wohnkuben in einer Industriehalle

  • Hallo zusammen


    für ein Studienprojekt möchte ich die Anforderungen an den Brandschutz ungefähr wissen und verstehen.

    Es handelt sich dabei um eine bestehende Industriehalle, in die Wohnkuben eingestellt sind.

    Die Wände der Halle sind aus Mauerwerk und das Dach aus Betonplatten. Die Tragstruktur des Dachs ist aus Stahl. Die Fläche ist ca. 1000m² und die Höhe 7m.


    Geplant ist in diese Halle zweigeschossig gestapelte gedämmte Einheiten/Räume reinzustellen, die nur mit dem Boden in Verbindung sind und eine Fläche von bis zu 20m² haben sollen. Von diesen Einheiten soll es 6 - 8 geben und etwa die selbe Anzahl Bewohner.

    Ausgänge gibt es 3 und der Rettungsweg unterschreitet die 35m bei Weitem nicht. Der Raum zwischen diesen Kuben ist als Verkehrs- und Aufenthaltsfläche genutzt.

    Welche Anforderungen müssen für die Konstruktion der Kuben erfüllt werden bzw. ist das überhaupt möglich?


    Ich bin überfragt wie dieses Konstrukt an Gebäude einzuordnen ist und wäre über eure Hilfe sehr dankbar!

  • Dazu wird man sicher ein Brandschutzkonzept benötigen. Weiter dann ggf. auch eine Baugenehmigung. Je nach Nutzung ist dann zum einen das jeweilige Bauamt zuständig und u.U. auch das Gewerbeaufsichtsamt.


    Üblicherweise haben die Wohncontainer ein eigenes Brandklassenzertifikat und das Gesamtprojekt dann ein sog. Brandschutzkonzept, das u.A. vom Bauamt abgenommen werden muss. ggf. hat die Feuerwehr da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Da diese Dinge u.A. auch vom bearbeitenden Beamten mit abhängig sind, wird Ihnen das hier keiner Pauschal mal eben so beantworten können.


    Außerdem stellt sich mir die Frage ob eine derartige Wohneinrichtung in einer Halle, die üblicherweise eher in Nichtwohngebieten steht, überhaupt umsetzbar ist.

    It doesn´t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.

    Steve Jobs

  • Dazu wird man sicher ein Brandschutzkonzept benötigen. Weiter dann ggf. auch eine Baugenehmigung. Je nach Nutzung ist dann zum einen das jeweilige Bauamt zuständig und u.U. auch das Gewerbeaufsichtsamt.


    Üblicherweise haben die Wohncontainer ein eigenes Brandklassenzertifikat und das Gesamtprojekt dann ein sog. Brandschutzkonzept, das u.A. vom Bauamt abgenommen werden muss. ggf. hat die Feuerwehr da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Da diese Dinge u.A. auch vom bearbeitenden Beamten mit abhängig sind, wird Ihnen das hier keiner Pauschal mal eben so beantworten können.


    Außerdem stellt sich mir die Frage ob eine derartige Wohneinrichtung in einer Halle, die üblicherweise eher in Nichtwohngebieten steht, überhaupt umsetzbar ist.

    Danke für deine Antwort!


    Da es sich um ein Studienprojekt handelt bin ich von keinem Amt abhängig und muss das auch nicht mit der Feuerwehr besprechen. Es geht mir vorwiegend darum welchen Standard die innenliegenden Wände erfüllen müssen, ob es Brandabschnitte geben muss oder ob ein Doppelgeschoss überhaupt zulässig wäre.


    Über Einschätzungen wäre ich dankbar.

  • Vielleicht können unsere Architekten dazu ja was sagen. Ich gehe aber davon aus, das Bundesland, Gebiet (Gewerbegebiet, Mischgebiet, Wohngebiet, etc.) und noch einige andere Fakten benannt werden müssten. Sind das "fliegende bauten die temporär genutzt werden oder dauerhaft, etc.. Das wird alles eine Rolle spielen.


    Auch wenn das ein Studienprojekt ist, müssen ja irgendwelche Regularien zu Grunde gelegt werden. Von daher bist Du theoretisch eben doch abhängig von Vorgaben. In der Theorie ist vieles denk- und machbar; in der Praxis kann das aus meiner Erfahrung ganz anders aussehen. Viel Erfolg. ;)

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    Steve Jobs

  • Wer will schon in einer Halle wohnen? Ich würde die Halle abreißen und die Cuben in freier Natur hin stellen. Da hat man wenigstens freien Blick gen Himmel und in die Umgebung. Das ist wieder mal so eine Aufgabe an Studenten, die irgend wie sinnfrei ist.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Wer will schon in einer Halle wohnen? Ich würde die Halle abreißen und die Cuben in freier Natur hin stellen. Da hat man wenigstens freien Blick gen Himmel und in die Umgebung. Das ist wieder mal so eine Aufgabe an Studenten, die irgend wie sinnfrei ist.

    Es handelt sich dabei um eine frei gestellte Aufgabe, die untersuchen soll ob und wie es Sinn macht alte Industriehallen weiter zu nutzen und eben nicht abzureissen. Eine Möglichkeit ist selbstverständlich auch, dass es keinen Sinn macht.

    Wir wollen doch nicht die Natur weiter zumüllen mit Eigenheimen auf der grünen Wiese oder nicht?

  • Vorausgesetzt die Halle hat genügend Fensterfläche finde ich die Idee mindestens interessant. Für Wetterschutz ist gesorgt, die Wohneinheiten müssen selber nur den Wärmeschutz mitbringen.


    Bei der eigentlichen Frage kann ich leider nicht helfen, sorry.

  • Naja, bei einer 08/15 Werkhalle oder Lagerhalle ist das leider nicht so.


    Außerdem verschandeln die Cuben nicht die Landschaft, wenn dort eh eine hässliche Halle gestanden hat. Es wird ja kein Neuland verbaut, sondern nur bestehendes umgestaltet. Cuben wäre dann eher eine temporäre Sache, wie z.B. Flüchtlingsunterkunft.



    Was den Brandschutz angeht. Was nutzen Brandabschnitte, wenn alles offen ist? Man kann auf diesem Wege nichts schützen, weil alles offen ist. Schwer entflammbare Baustoffe wären eher ein Weg des Brandschutzes. Leichte Zugänglichkeit für Rettung, kurze Fluchtwege (evtl. Perforieren der Außenwände der Halle mit zusätzlichen Ausgängen), vorinstallierte Brandbekämpfungsmittel usw. Jeder Cubus solte für sich ein geschlossener Brandherd sein. Es darf das Feuer nicht raus kommen und keines rein gelangen. Und wenn es raus gelang, dürfen die benachbarten Cuben kein Feuer fangen, ergo Materialauswahl!


    Das wäre mein Ansatz dafür.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Es handelt sich dabei um eine frei gestellte Aufgabe, die untersuchen soll ob und wie es Sinn macht alte Industriehallen weiter zu nutzen und eben nicht abzureissen.

    Dann wäre der Anfang doch, zunächst die bisherige Grundlage für den Bau heranzuziehen, z.b. die aus der IndBauRL bisher bestehenden Anforderungen an die Halle. Dann kommt der Punkt Umnutzung. Kann weiterhin irgendein Nutzen aus der IndBauRL gezogen werden, oder muss nun das Objekt nach LBO betrachtet werden? Einstufung GK, Sonderbau, Bebauungsplan, Stellflächen usw.

  • In eine bestehende Halle bei einer Umnutzung kleinere Einheiten hineinzusetzen ist eine grundsätzlich sinnvolle Vorgehensweise. Das echte Leben ist dabei oft viel einfacher, als hier jetzt diskutiert wird, denn aus einer großen Nutzungseinheit werden dann eben mehrere kleinere und deren Brandschutz muss dann auch wieder gewährleistet werden. Das ist inhaltlich keine Raketenwissenschaft, sondern Alltagsgeschäft für Architekten. Dafür stehen alle wesentlichen Regeln, jedenfalls die, welche man auf dem Niveau einer Studienarbeit beachten muss, in der regional zutreffenden Landesbauordnung, hilfsweise bei unbekanntem Bauort in D in der "Musterbauordnung". Und da sind alle wesentlichen Punkte definiert, nämlich die konkreten


    technischen Anforderungen an die

    • Entrauchung
    • Feuerwiderstandsklassen der Bauteile
    • Rettungswege
    • Trennwände der Nutzungseinheiten
    • ...

    Und das arbeitet man dann einfach ab. Genau so macht man das auch bei der Erstellung von Brandschutzgutachten. Möglicherweise gelten bezüglich der konkreten neuen Nutzung auch noch weitere Bauvorschriften mit weiteren Vorgaben zum Brandschutz.


    Wesentlich spannendere Punkte dürften die Belüftung und die natürliche Belichtung der einzelnen kleineren Nutzungseinheiten werden, vielleicht auch die Heizung.


    Energetisch hat das sogar dann einen Sinn, wenn die vorhandene Gebäudehülle ungedämmt und die Halle ungeheizt ist, wie dieses Beispiel eines Museumsbaus in B zeigt. (Unser Vermieter war der Kontaktarchitekt der Entwerfer aus den USA und wir haben ihn ein wenig bei der Ausführungsplanung unterstützen dürfen. Pläne werden davon aus Sicherheitsgründen nur sehr restriktiv veröffentlicht, eigentlich garnicht.)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • ob und wie es Sinn macht alte Industriehallen weiter zu nutzen und eben nicht abzureissen.

    Bedenke dabei, dass man sich dann nicht nur um die Instandhaltung der Kuben kümmern muss, sondern auch um die Instandhaltung der eigentlichen Halle. Diese kann um ein Vielfaches teurer werden als die für alle Kuben zusammen.


    Industriehallen werden abgerissen weil die ursprüngliche Nutzung enfällt und/oder weil die Instandhaltungskosten zu hoch werden, diese müssen (sollten) ja irgendwie erwirtschaftet werden. Kein Eigentümer investiert Unsummen in eine Industriehalle die nur sinnlos in der Landschaft steht.


    Da es sich um ein Studienprojekt handelt bin ich von keinem Amt abhängig

    Das ist zwar richtig, aber wozu ein Studienprojekt wenn dieses offensichtlich nicht einmal theoretisch realisierbar ist? Dann genügt doch 1 Blatt, Überschrift, 1 Satz, Namen drunter, fertig.


    Die Umnutzung von Industriegebäuden zu Wohnzwecken kann also nicht nur an technischen Details scheitern. Industriehallen stehen überlicherweise in Industriegebieten, zusammen mit anderen Industriebetrieben. Eine Nutzung zu Wohnzwecken ist damit schon einmal ausgeschlossen. Keine Stadt oder Gemeinde wird ein Industriegebiet zu einem Wohngebiet erklären, weil dann die anderen Industriebetriebe ausgesiedelt werden müssten. So etwas wäre nur denkbar, wenn es dort keine anderen Betriebe mehr gäbe.


    Ich würde ein Studienprojekt so strukturieren, dass alle Aspekte berücksichtigt werden. Dann könnte man auch erklären, warum so ein Vorhaben machbar oder nicht umsetzbar ist. (Bsp.: Scheitert nicht an der technischen Machbarkeit, ist aber aus o.g. Gründen nicht umsetzbar).

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  • Industriehallen werden abgerissen weil die ursprüngliche Nutzung enfällt und/oder weil die Instandhaltungskosten zu hoch werden, diese müssen (sollten) ja irgendwie erwirtschaftet werden. Kein Eigentümer investiert Unsummen in eine Industriehalle die nur sinnlos in der Landschaft steht.

    Die Halle ist Teil eines alten Industrieareals inmitten von Zürich. Durch die starke Vergrösserung der Stadt über die letzten 100 Jahre ist das Areal heute eigentlich in einer attraktiven Wohnzone. Daher soll es auch umgenutzt werden. Der Bestand befindet sich in sehr guter Verfassung weshalb nicht viele Ausbesserungsarbeiten gemacht werden müssen insofern man nicht die gesamte Hülle dämmen möchte.

    Was den Brandschutz angeht. Was nutzen Brandabschnitte, wenn alles offen ist? Man kann auf diesem Wege nichts schützen, weil alles offen ist. Schwer entflammbare Baustoffe wären eher ein Weg des Brandschutzes. Leichte Zugänglichkeit für Rettung, kurze Fluchtwege (evtl. Perforieren der Außenwände der Halle mit zusätzlichen Ausgängen), vorinstallierte Brandbekämpfungsmittel usw. Jeder Cubus solte für sich ein geschlossener Brandherd sein. Es darf das Feuer nicht raus kommen und keines rein gelangen. Und wenn es raus gelang, dürfen die benachbarten Cuben kein Feuer fangen, ergo Materialauswahl!


    Das wäre mein Ansatz dafür.

    Das sind sehr hilfreiche Punkte, danke!

    Ich möchte hier keiner LBO oder ähnlichem folgen, da es sich ohnehin in der Schweiz befindet. Ein sinnvoller Ansatz wie man tatsächlich einen Brandschutz etablieren kann wäre eher das Ziel. Ich möchte hier auch nicht ein zu 100% durchführbares Projekt erarbeiten, das würde den Umfang sprengen. Ansätze von erfahrenen Personen wie Ihnen hilft mir da am meisten, um nicht komplett auf Abwege zu geraten.

    In eine bestehende Halle bei einer Umnutzung kleinere Einheiten hineinzusetzen ist eine grundsätzlich sinnvolle Vorgehensweise. Das echte Leben ist dabei oft viel einfacher, als hier jetzt diskutiert wird, denn aus einer großen Nutzungseinheit werden dann eben mehrere kleinere und deren Brandschutz muss dann auch wieder gewährleistet werden. Das ist inhaltlich keine Raketenwissenschaft, sondern Alltagsgeschäft für Architekten. Dafür stehen alle wesentlichen Regeln, jedenfalls die, welche man auf dem Niveau einer Studienarbeit beachten muss, in der regional zutreffenden Landesbauordnung, hilfsweise bei unbekanntem Bauort in D in der "Musterbauordnung". Und da sind alle wesentlichen Punkte definiert, nämlich die konkreten


    technischen Anforderungen an die

    • Entrauchung
    • Feuerwiderstandsklassen der Bauteile
    • Rettungswege
    • Trennwände der Nutzungseinheiten
    • ...

    Danke für den Tip. Vielleicht ist es am sinnvollsten sich einfach an die Musterbauordnung zu orientieren obwohl es nicht einmal im gleichen Land steht. Ich denke Entrauchung und Rettungswege sind ohne Probleme zu realisieren. Die Feuerwiderstandsklassen der Bauteile sind eher schwerer. Betrachte ich die Einheiten als würden sie aussen stehen oder welchen Einfluss hat die Halle auf den Brandschutz? Und wie weit müssen die Einheiten von einander entfernt stehen?

    Zur Lüftung: ich denke die Halle funktioniert ohne Lüftungsanlage, also nur über die Undichtigkeit der alten Hülle und über die grossen Gebäudeöffnungen an den Fassaden und Dach. Die neuen Räume müssen aber wahrscheinlich separat be- und entlüftet werden. Ich sehe da keinen grossen Spielraum auch aus Komfortgründen.

    Zur Belichtung: Das ist richtig. Über die Anordnung an den grossen bestehenden Gebäudeöffnungen kann aber ein Aussenbezug und eine ausreichende Belichtung hergestellt werden.

    Das Projekt in Berlin hat Ähnlichkeiten, sehr interessant!

  • ist das Areal heute eigentlich in einer attraktiven Wohnzone. Daher soll es auch umgenutzt werden.

    d.h. Die Stadt wird eine "Umnutzung" der Flächen veranlassen.



    Der Bestand befindet sich in sehr guter Verfassung weshalb nicht viele Ausbesserungsarbeiten gemacht werden müssen insofern man nicht die gesamte Hülle dämmen möchte.

    Vorsicht, es geht dabei nicht um aktuelle Ausbesserungsarbeiten, die lassen sich nach einer Begutachtung leicht bewerten. Ich meinte Instandhaltungsaufwand der ja regelmäßig anfällt. Bei einem Gebäude gibt es immer etwas zu tun, gerade wenn es schon älter ist. Bei großen Gebäuden sind die Kosten nicht zu unterschätzen denn es geht ja fast immer um größere Flächen die "repariert" werden müssen.

    Bsp.: Schäden nach einen Sturm, bei einem Kubus ein Fall für die Portokasse, bei einer großen Industriehalle kann das richtig in´s Geld gehen. Wände, Dach, Fenster, alles ist ein paar Nummern größer und auch teurer.


    Auch das Thema Grundsteuer (in der Schweiz Liegenschaftssteuer) wäre zu beachten. Die Grundsteuer für die eigentliche Halle kann deutlich höher sein als wenn man nur die Kuben in die Landschaft stellen würde. Man zahlt also für eine Menge Luftraum in der Halle den man eigentlich gar nicht nutzen kann. Na ja, man könnte vor den Kuben Fußball spielen, aber ob das die höheren Kosten rechtfertigt?


    Meine Sorge wäre eine gewaltige Schieflage beim Kosten-/Nutzenverhältnis wenn man die Kuben in der Halle aufstellt. Das könnte man wohl nur dadurch auffangen, dass man die Halle komplett mit Kuben voll stellt um die Kosten auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

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