Erschließung verlegen - wer trägt die Kosten?

  • Zwei Geschwister mussten sich 1968 einen Bauplatz zwischen zwei Straßen teilen. Das Flurstück wurde geteilt, zwei Bungalows hintereinander gebaut. Es wurde damals Haus 2 komplett über Haus 1 angeschlossen als wäre es ein Mehrfamilienhaus, das heißt, Gas, Wasser und Abwasser von Haus 2 laufen durch Haus 1 durch (kein entsprechender Grundbucheintrag, innerhalb der Familie gab es nie Probleme). Inzwischen gehören die Häuser der zweiten Generation und Haus 1 soll irgendwann in fremde Hand verkauft werden. Vor wenigen Jahren wurde deswegen schon der Gasanschluss von Haus 2 über die hintere Straße ins Haus geführt und in Haus 1 gekappt. Die Kosten waren wenige Hundert Euro nach Gebührenordnung. Nun soll auch der Wasseranschluss (der auf Grund einer Sanierung von Haus 1 in dessen Keller nun stört) ebenso über die hintere Straße zugeführt werden, doch plötzlich heißt es so ganz schwammig am Telefon vom Rathaus "das ist kompliziert, da liegen Kabel dazwischen, das werden locker 10-15.000 Euro für Sie, machen Sie das lieber nicht."

    Sowas ist keine rechtsverbindliche Aussage, eine Mail gab's darüber nicht. Was soll ich davon halten? Ist das ein suggestives "Spar"-Gespräch, das den Eigentümer davon abhalten soll, der Stadt so hohe Kosten zu verursachen, oder dürfen die das tatsächlich dem Eigentümer in Rechnung stellen? Und wenn, warum war dann der neue Gasanschluss so billig? Die wenigen Hundert Euro haben die Kosten des Versorgers gewiss nicht abgedeckt. Woher bekomme ich eine glaubhafte und rechtsverbindliche Aussage in meiner Gemeinde?

  • Gas und Wasser sind unterschiedliche Unternehmen. Deshalb kann es sein, dass Dir der Gasversorger ein nicht kostendeckendes Angebot gemacht hat und die wahren Kosten über den Verkauf des Gases wieder reinholt. Vielleicht war es auch sehr einfach?

    Grundsätzlich haben die Anschlussnehmer die Kosten dafür zu tragen. Wie aufwändig der Wasseranschluss wird, kann von hier aus nicht beurteilt werden. Wenn eine Umverlegung anderer Medien notwendig ist, können die Kosten sehr schnell steigen und sind ebenfalls von demjenigen zu tragen, der den Anschluss beantragt.

    Natürlich kann es sein, dass der Mitarbeiter am Telefon nur seinen Schreibtisch von Arbeit freihalten wollte. Deshalb bringt nur ein schriftlicher Antrag zur Erstellung eines Angebotes Klarheit.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • der erste Schritt wäre ein Blick in die Satzung / Preisblatt eures Wasserversorgers.
    Da steht üblicherweise drin, wer welche Kosten trägt.


    Bei uns trägt die Kosten für den Leitungsbau bis zu Grundstücksgrenze der Versorger, innerhalb ist der Eigentümer zuständig.
    Die Kosten werden über Erschließungsbeiträge pro m² Grundstück/Wohnfläche abgerechnet. Einmalig - muss also z.B. ein Schieber in der Straße erneuert werden, entstehen dem Eigentümer keine Kosten.


    https://www.swe.de/de/Dienst-leistung/Hausanschluss/Wasser-Anschluss/Ihr-Anschluss-an-unser-Wassernetz/AVBWasserV-Stand-11-12-2014.pdf

    Zitat

    (4) Das Wasserversorgungsunternehmen ist berechtigt, vom Anschlussnehmer die Erstattung der bei

    wirtschaftlicher Betriebsführung notwendigen Kosten für

    1. die Erstellung des Hausanschlusses,
    2. die Veränderungen des Hausanschlusses, die durch eine Änderung oder Erweiterung seiner Anlage

    erforderlich oder aus anderen Gründen von ihm veranlasst werden,

    zu verlangen. Die Kosten können pauschal berechnet werden.


    gibts es aktuell 1 oder 2 Anschlüsse? Also 1 oder 2 offizielle Zähler?
    Sind die Grundstücke real geteilt, WEG oder gar nicht?

  • Und wenn, warum war dann der neue Gasanschluss so billig? Die wenigen Hundert Euro haben die Kosten des Versorgers gewiss nicht abgedeckt.

    Da muss ich spekulieren: Viele Netzbetreiber haben vor Jahren die Gasanschlüsse massiv gefördert, denn nur so rechnete sich der Ausbau der Netze. Gerade in Gemeinden in denen es noch keine umfangreichen Gasnetze gab, wurden Neuanschlüsse fast gratis hergestellt, schließlich konkurrierte man mit den gängigen Ölheizungen, und später auch mit Wärmepumpen und Holz-/Pelletkesseln.


    Das sieht man aktuell auch beim Ausbau der Glasfasernetze für Datenkommunikation (Telefon, Internet). Auch da werden Neuanschlüsse im Rahmen des Netzaufbaus massiv gefördert.


    Woher bekomme ich eine glaubhafte und rechtsverbindliche Aussage in meiner Gemeinde?

    Das ist ganz einfach. Jeder Netzbetreiber hat eine Preisliste, eine AVBWasser usw.

    Ist das ein suggestives "Spar"-Gespräch, das den Eigentümer davon abhalten soll, der Stadt so hohe Kosten zu verursachen, oder dürfen die das tatsächlich dem Eigentümer in Rechnung stellen?

    Ich glaube nicht an ein "Spar Gespräch", denn jeder Netzbetreiber reicht seine Kosten an die Anschlussnehmer weiter. Jeder Eigentümer ist verpflichtet sein Haus an die öffentlichen Netze anzuschließen, und dafür muss er auch die Kosten tragen. Das "Spar Gespäch" müsste man also so interpretieren, dass der Netzbetreiber DIR Kosten sparen möchte.


    Du schreibst von "Wasser", aber was ist mit Abwasser? (oder Strom oder Telefon?)


    Wenn Eure Gemeinde gleichzeitig auch Netzbetreiber und Versorger für "Wasser" ist, dann schickt man einfach eine Anfrage an die Gemeinde, die schauen in ihre Preisliste, und teilen Dir die Kosten mit. Ein großer Brocken sind meist die Erdarbeiten, die ja davon abhängen, wie weit das Gebäude vom Anschlusspunkt in der Straße entfernt ist. Erdarbeiten kann der Hauseigentümer auch selbst erbringen, aber ob das wirklich günstiger wird, das steht in den Sternen. Die Berechnungsgrundlage findet sich üblicherweise in der AVBWasser, die technischen Anforderungen in der TAB Wasser. Beides kann der Netzbetreiber zur Verfügung stellen (findet man auch oftmals online auf deren Webseite).


    Das gilt auch für Abwasser.


    Für Strom und Telefon gibt es üblicherweise andere Netzbetreiber, obwohl auch manche Stadtwerke die lokalen "Strom"netze selbst betreiben. In BaWü ist das meist die Netze-BW die die Stromnetze betreibt, bei Telefon gehört ein Großteil der Netze der Telekom.


    Um die Gebäude komplett zu trennen, sollte man also nicht nur an "Gas" und "Wasser" denken. Sinnvollerweise koordiniert man die Arbeiten so, dass Erdarbeiten nicht mehrfach erforderlich werden. Dann verlegt man alle Leitungen in einen gemeinsamen Graben, unten auf der Sohle liegt dann die Wasserleitung und darüber Strom und Telefon. Details stehen in den TAB, aber die Netzbetreiber kennen die auswendig, die für sie tätigen Firmen sollten sie auswendig kennen.


    vom Rathaus "das ist kompliziert, da liegen Kabel dazwischen,

    Ein wichtiger Hinweis. Also Vorsicht bei den Erdarbeiten.


    In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen, dass auch Arbeiten innerhalb des Gebäudes erforderlich werden, um die Hausinstallation mit den neuen Anschlüssen zu verbinden. Das kann sich sehr einfach gestalten, aber auch sehr kompliziert werden. Dementsprechend hoch sind dann auch die Kosten. Man sollte sich also genau überlegen, wie und wo man die neuen Versorgungsleitungen in das Gebäude führt, wo ausreichend Platz für Zähler etc. ist (TAB beachten), und wie man von dort weiter verfährt.

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    .

  • Interessant wird es auch mit dem Abwasser. Wenn die Leitungen von Haus 2 unter Haus 1 verlaufen und Haus 2 hat Probleme, weil Leitung von Haus 2 unter Haus 1 verstopft, beschädigt oder sonst was ist...


    Ich würde gucken was man alles trennen kann und es in einem Aufwasch machen, auch wenn es weh tut. Kann man ja auf die Verkaufskosten anrechnen und unterm Strich hast Du ja keine Verluste. Z.Z. wird ja eh fast jeder Preis bezahlt.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Bei uns gibt es in der Nachbarschaft ein ähnliches Problem. Gebäude wurde an einer nicht erschlossenen Straße von einem Nichtwohngebäude in ein Mehrfamililienwohnhaus umgebaut (damas zwecks Unterbringung von Flüchtlingen). Die Wasserversorgung sowie das Abwasser erfolgte über ein dahinterliegendes Gebäude (damals Gaswirtschaft) welches zum damaligen Zeitpunkt dem selben Eigentümer gehörte.

    Dann kam die Insolvenz und der Eigentümer des dahinterliegenden Gebäudes wechselte.

    Die Eigentümer des Mehrfamilienwohnhauses waren dann der Meinung, dass die Kommune auf deren Kosten eine Wasserleitung über die nicht erschlossene Straße legen müsse, da der neue Eigentümer des dahinterliegenden ehemaligen Gasthauses sich weigert (hat seine Gründe) das Wasserleitungsrecht ins Grundbuch einzutragen.

    Es gab auch schon massive Probleme, weil die Abwasserleitung verstopft war der neue Eigentümer einen riesen Aufwand hatte, diese zu beseitigen und ganz offensichtlich die Ursache aus Richtung Mehrfamilienhaus lag.

    Deshalb kann ich mich dem Beitrag von "Frau Meier" nur anschließen, auch wenn eine Trennung oft mit sehr hohen Kosten verbunden ist.

    Langfristig hat man aber ansonsten im Regelfall immer Ärger.


    Gruß

  • Vielen Dank für Eure Antworten und Tipps!


    > gibts es aktuell 1 oder 2 Anschlüsse? Also 1 oder 2 offizielle Zähler?

    > Sind die Grundstücke real geteilt, WEG oder gar nicht?


    Es gibt 2 Zähler. Die Leitung von Haus 2 geht sogar ohne Zähler durch Haus 1 hindurch und der Zähler befindet sich erst in Haus 2.

    Die Grundstücke sind real geteilt. 2 Nummern, 2 Grundbücher, 2 Eigentümer.


    > Du schreibst von "Wasser", aber was ist mit Abwasser? (oder Strom oder Telefon?)


    Ja, auch das Abwasser läuft unter unserem Haus durch. Sonst nichts, also auch kein Strom oder Telefon.

    "Lustigerweise" wurde für das Abwasser in unseren Kellerfußboden ein offener Abwassersammelkontrollschacht eingebaut, wie er sich normalerweise sonst nur auf der Straße befindet. Wir können den Deckel heben und Nachbars Hinterlassenschaften durchfließen sehen. Und es riecht auch entsprechend im Keller.... Aber das ist jetzt kein spezifisches Nachbarproblem.


    > unterm Strich hast Du ja keine Verluste. Z.Z. wird ja eh fast jeder Preis bezahlt


    Naja, der Verkauf findet wahrscheinlich erst nach einer weiteren Generation statt, dauert also noch lange genug, um sich in aller Ruhe um eine "Wasserlösung" zu kümmern.


    Also ich werde mich jetzt mal an Euren Ratschlägen entlanghangeln, danke nochmal!

  • Naja, eine Realteilung ist gut und recht, aber wenn z.b. auf dem Abwassersystem keine Dienstbarkeit liegt, ist stress vorprogrammiert. Das zu ändern, ist ein sehr teures Problem.

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Und es riecht auch entsprechend im Keller...

    Das ist eher ungewöhnlich. Die Abwasserleitungen und natürlich auch Revisionsöffnungen müssen dicht" sein. Ein Schacht in dem die Rev.öffnung sitzt natürlich nicht.


    Bei "Abwasser"geruch im Keller käme mir zuerst eine Leckstelle in den Sinn. Falls es im Keller WC, Waschbecken o.ä. gibt, dann SIphon überprüfen.


    Vielleicht interpretiert man den Geruch auch falsch und er hat eine ganz andere Ursache. Gerade in älteren Nutzkellern kann man manchmal schon einen ungewöhnlichen Geruch wahrnehmen (Feuchtigkeit o.ä.).

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  • Ahja... hatte meine Glaskugel doch mal keinen Aussetzer (ja, die ist alt und hat schon paar Kratzer). Das mit dem Abwasser würde ich trennen, bevor das Haus verkauft wird. Das können natürlich erst eure Kinder machen, wenn das schon noch ne Generation dauert. Dass Strom durch Haus geht ist normal. Das geht oft in Straßenzügen von Haus zu Haus. Das mit dem Frischwasser blicke ich nicht, mal heißt es es geht durchs Haus, dann heißt es außer Abwasser ist nichts.


    Naja, wie auch immer.Ich denke Du hast verstanden, dass alles getrennt werden sollte. Dann gibt es auch keine Probleme, außer wegen Hecken und Trennzaun usw... Das Übliche eben...

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Das mit dem Frischwasser blicke ich nicht, mal heißt es es geht durchs Haus, dann heißt es außer Abwasser ist nichts.

    Spielt auch eine Rolle,

    da durch das Haus 1 und dessen Grundstück eine Leitung geht die auch Haus und Grund 2 versorgt.

    Ergo müsste hier , je nach Versorger, entweder eine Dienstbarkeit her, oder der Versorger haftet für Schäden durch die Wasserleitung die Haus 2 versorgt.

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D