Unterschiedliche Einblasdämmungen (Holzfaser vs. Zellulose)

  • Hallo zusammen,


    kann mir jemand den Unterschied zwischen den beiden Einblasdämmungen (Holzfaser bzw. Zellulose) erklären und was ihre Vor- bzw. Nachteile sind? Ist eins davor zu bevorzugen?
    Vielen Dank

  • der, der Holzfaser-Einblasdämmung anbietet, bietet Holzfaser an.
    Und der, der Altpapier-Zellulose-Einblasdämmung anbietet, bietet eben das an.


    die Unterschiede werden sich in der Rohdichte, im Preis, ggf. Behandlung der Flocke/Faser, vielleicht in der Verarbeitung, aber weniger in bauphysikalischen Gesichtspunkten finden lassen...

  • Also ist es eine falsche Fragestellung und diese müsste eher lauten:
    Welche Behandlung der Flocken/Fasern sind sinnvolle und gibt es hier Systeme von denen eher abzuraten / die empfehlenswert sind?


    Würde mich auch sehr interessieren da uns das ganze für das Dach nahe gelegt wurde.


    Grüße

  • Also ist es eine falsche Fragestellung

    Nö, die Frage ist schon berechtigt
    Holzfaser ist gegenüber Zellulose setzungssicherer.
    Zellulose braucht ca. 50% mehr Masse als Holzfaser um setzungssicher zu sein.
    Kann also unter statischen Gesichtspunkten schon mal interessant sein beide Dämmstoffe tu vergleichen.
    Preislich macht es keinen Unterschied, Zellulose ist deutlich günstiger im Einkauf.
    Physikalisch bietet mehr Masse natürlich auch mehr sommerlichen Hitzeschutz.

  • Aus meiner Sicht steht und fällt die Qualität von Einblasdämmstoffen mit dem Verarbeiter bzw. konkreter ausgedrückt mit der ausreichenden Verdichtung des Materials.


    Wir haben im ganzen Haus Zellulose verarbeitet. Ich kannte den Verarbeiter schon lange vorher und ich habe mit ihm eine Abrechnung nach Kilogramm verbautes Material vereinbart... Da kann man dann sicher sein, dass wirklich genug eingebaut ist. Und arm wird man dabei trotzdem nicht, weil irgendwann ist eine Grenze erreicht, "unendlich" dicht kann man das Zeugs ja gar nicht einbauen...

  • So viel zum Thema: Wenn der Gedanke nicht am Tellerrand endet.


    Es gibt genügend Sanierungsbaustellen auf denen der Planer über die Ziellinie getragen werden muss und Deinen Ansatz finde ich echt charmant.

    Durch Weisheit wird ein Haus gebaut und durch Verstand erhalten.
    (König Šəlomoh - um 950 v. Chr.)

  • Aus meiner Sicht steht und fällt die Qualität von Einblasdämmstoffen mit dem Verarbeiter

    Das liegt in der Natur der Sache, es steht und fällt immer alles mit demjenigen der es macht, egal ob er Handwerker, Arzt, Pharmazeut, Busfahrer, Pädagoge oder sonst was ist.

  • Um das hier kurz abzukürzen. Die durchschnittliche Schulungsdauer für die Zertifizierung zum Einblasen von Holzfaser dauert in etwa einen Nachmittag incl Katalog vorlesen und Essen, soviel zum Thema Qualitätssicherung.
    Entgegen den vielen Werbeslogans ist Holzfaser kein Stück setzungssicherer als Zellulose, im Gegenteil.
    Ich stehe im ständigen Kontakt mit den Anwendungstechnikern einiger Hersteller. Vor jedem Test auf dem Rütteltisch hilft nur Daumendrücken.
    Holzfaser ist ein sehr symphatischer Dämmstoff, dennoch habe ich als Verarbeiter mit Zellulose viele Vorteile, den ich habe den größeren Verdichtungsbereich und kann den Dämmstoff besser an den jeweiligen Anwendungsfall anpassen.
    Holzfaser hat seine Eigenarten beim Verarbeiten und die meisten Fehler entdeckt man auf Baustellen wo Holzfaser verarbeitet wurde. Eine Thermograpfie offenbart die Verarbeitungsfehler auf vielen Baustellen. Meiner Meinung nach sollte Holzfaser nur von geübten Einbläsern verarbeitet werden, da es eben nicht so einfach ist wi die Hersteller es versprechen.
    Von den Bauphsikalischen Eigenschaften her sind die beiden Dämmstoffe durchaus vergleichbar, wobei Zellulose eben das größere Anwendungsspektrum hat.
    Bei allen sympatien für Holzfaser würde ich bei mir Zellulose verarbeiten.(Habe ich auch, obwohl ich fast alle Einblasdämmstoffe verarbeite)

  • wobei man nicht vergessen darf, bei Holzfaser brauchst ja auch nen Haufen mehr Technik, um das das rein zubekommen. Mit den üblichen Maschinen funktioniert das nur mit Zusatzausstattung, da Holzfaser nen ziemlichen Luftdurchsatz benötigt. Und zum Thema Statik: 35 Kilo bleiben 35 Kilo :D

    Ich hasse schleimerei. Aufm Bau wird Tacheles geredet

  • bei Holzfaser brauchst ja auch nen Haufen mehr Technik, um das das rein zubekommen.

    So iss es, wer die entsprechende Einblastechnik nicht hat sollte bei Zellulose bleiben.
    Die Häckselwerke der klassischen Einblasmaschinen bekommen die Holzfaser nicht vernünftig aufgeflock und die Luftleistung die für 60kg/m³ Zellulose ausreicht reicht eben für 35kg/m³Holzfaser nicht.

  • Um das hier kurz abzukürzen. Die durchschnittliche Schulungsdauer für die Zertifizierung zum Einblasen von Holzfaser dauert in etwa einen Nachmittag incl Katalog vorlesen und Essen, soviel zum Thema Qualitätssicherung.

    Bedeutet für mich als Kunde auf Cellulose bestehen.
    Aber woran erkenne ich eine fähige Firma, gibt es da auch irgendwelche Qualitätsstandards wie [definition=43,0]RAL[/definition] bei Fenstern
    oder W-120 bei den Brunnenbauern?
    Oder gibt es andere Indizien die auf einen guten oder weniger guten Handwerker hindeuten?


    Grüße Thomas

  • Also die Zertifizierung zum einblasen von Zellulose dauert zwei Tage.
    Auch wenn zertifizierte Verarbeiter pfuschen können würde ich nur an ein Unternehmen einen solchen Auftrag erteilen der mir auch zertifizierte Arbeiter auf die Baustelle schickt.
    Zertifizierte Einbläser wissen wie ein Wärmebild aussieht und die werden ganz sicher nicht absichtlich pfuschen und hoffen das der, der die Thermographie macht zu blöd dazu ist.

  • Rausgeschmissenes Geld. Der Knüller ist ja, das Zeug setzungssicher einzubringen. Wie setzungssicher das ausgeführt wurde (berechnen wir mal 55/60 kg und führen aber nur 45 aus) das wirst Du zum einen ja nur in der kalten Jahreszeit sehen und zum andern setzt es sich mit Sicherheit nicht in den ersten zwei Wochen nach Rechnungsstellung. Sicherlich kann man einen Probezylinder nehmen, ja gut, dann hat man eine Momentaufnahme, aber wenn man will?
    ?
    Und dann bei offenem Aufblasen, sieht es noch mal anders aus.
    Eigentlich sieht man es schon an der Menge, die angefahren wird. Kommt einer da mit nem PKW-Anhänger fürs DG, da weiß man schon, daß es nicht reicht.

    Ich hasse schleimerei. Aufm Bau wird Tacheles geredet

  • Tip: Da unten bei Euch ist Einblasdämmung doch eher an der Tagesordnung. Frag doch Deinen favorisiertern Bläser mal, ob Du ihm mal zugucken kannst. Oftmals, als Fingerzeig, schaut man sich mal den Maschinenpark an, den er so hat. Die richtig professionellen haben alle eigene Maschinen. Können auch alt sein, aber gepflegt. Kommt einer mit ner Leihmaschine an (ich überlasse es Deinem detektivischem Spürsinn, wie Du das herausbekommst.. ;-) ) dann weiste schon, was Sache ist...

    Ich hasse schleimerei. Aufm Bau wird Tacheles geredet

  • Ist es sinnvoll bei Zellulose Dämmung danach eine Thermografie machen zu lassen? (um sicher zu gehen, dass die Dämmung auch sauber ausgeführt wurde)

    manchmal kann auch das Androhen der Überwachung zu einer deutlichen Verbesserung der Qualität führen.
    Aber das ist natürlich Glücksspiel.
    Ich persönlich würde nur einen erfahrenden Einbläser wählen oder mir verlässliche Empfehlungen nennen lassen...
    Bei Euch in der Gegend kenne ich leider niemanden...

  • Hallo miteinander,


    ich wollte mich dieser Unterhaltung nach 1,5 Jahren anschliessen :-)


    Ich versuche gerade rauszufinden, ob es signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Zelluloseprodukten gibt. Ich wohne in Kanada, und es erscheint mir so, als ob die Zellulosehersteller hier tuen und lassen koennen was sie wollen. Ich kann mir vorstellen, dass in Deutschland die Qualität besser reguliert ist. Gibt es bei Euch Qualitätsunterschiede zwischen Herstellern? Woran kann man diese erkennen, und worauf sollte man achten?


    Vielleicht muss ich mal "Herrn Flocke" besuchen kommen, um von ihm zu lernen. Ich weiss nicht, ob ich den hiesigen "Profis" immer trauen kann.


    VG, HaJo

  • @flocke kann sicherlich noch mehr Infos liefern. Mein Eindruck ist, dass Probleme eher durch die Verarbeitung verursacht werden, als durch das Material selbst. Praktische Erfahrungswerte kann ich leider nicht beisteuern, ich kenne nur ein einziges Objekt wo eine Einblasdämmung verarbeitet wurde. Unsere Region ist fest in den Händen der "MiWo Stopfer ".

    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragestellern, die hier kostenlos Hilfe bekommen haben. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung

    .

  • "MiWo Stopfer" lustiger Begriff :thumbsup:


    Gibt es eigentlich eine [definition=25,0]DIN[/definition]/ISO nach der die Zellulose in die Wandmodule eingeblasen werden muss?

  • Off-Topic:

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Off-Topic:

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Seit langem mal wieder hier.
    Um es für alle kurz zu fassen, es gibt auch in D keine Norm die die Zusammensetzung regelt und keine einheitliche Regelung für die Verarbeitung. Hier sollte man mit dem dem Produkt vertraut sein und natürlich die Vorgaben des entsprechenden Herstellers auch einhalten Es gibt natürlich einige Hersteller die wiederum auch ein dutzend anderer Verkäufer beliefern, dann ist der Sack halt anders gelabelt.
    Im Grunde aber hat jeder Produzent seine eigene Art die Papier, oder auch Holzfasern, aufzubereiten. Die Zusammensetzung variiert auch sehr stark.
    Je nach Art der Herstellung lassen sich verschiedene Flocken auch sehr unterschiedlich verarbeiten, so kann die gewünschte Verdichtung bei ein und dem selben Bauteil, je nach Hersteller, schon mal um mehrere Kilogramm schwanken.
    Auch wenn es eigentlich selbstverständlich sein sollte, nicht jeder Hersteller hat eine bauaufsichtliche Zulassung. Die Zulassung gilt allerdings auch nur dann, wenn der Vearbeiter zertifiziert ist und vor dem Einblasen der Prüfkörper befüllt wurde und anschließend natürlich ein Protokoll erstellt wird.
    Leider läßt die Qualität der Schulung in vielen Bereichen sehr zu Wünschen übrig. Es gibt mittlerweile Schulungen bei denen man nach 2 Stunden ein Zertifikat erhält, bei anderen sind es zwei Tage bis zu einer Woche.
    Der Hersteller mit den zwei Stunden hat lustigerweise regelmäßig auch keine Zulassung....