Mineralischer Edelputz - Muss die Fassade gestrichen werden

  • Hallo zusammen.


    Ich habe ein kleines massives gemauertes Gartenhäuschen. Das Mauerwerk wurde beim Bau in den 70er Jahren normal verputzt und dieser Oberputz war angestrichen. Nun blätterte die Farbe nach und nach ab und ich habe mich entschlossen, die Fassade rundherum zu erneuern. Dazu habe ich sie komplett abgekärchert und anschließend alle lockeren Farb- und Putzstellen entfernt. Danach mit Putzgrund grundiert und Armierungsgewebe mit Armierungsmörtel geklebt. Darauf nochmals Putzgrund gestrichen und dann den mineralischem Edelputz von Hornbach als Oberputz aufgetragen. Eigentlich war von Beginn an der Plan, den Putz bzw. die Fassade in einer schönen Farbe zu streichen. Jedoch gefällt mir die weiße Fassade jeztzt so gut, dass ich sie gar nicht mehr streichen möchte, was zudem natürlich auch Geld und Arbeit sparen würde.


    Nun meine Frage: Sollte oder muss man gar diesen Putz überstreichen? Oder kann ihn so belassen, ohne Gefahr zu laufen, dass er in zwei Jahren grün und braun ist und abbröckelt, weil er nicht mit einer Farbschicht geschützt wurde??


    Vielen Dank.

  • baumitmanni12

    Das Technische Merkblatt sagt unter "Verarbeitung":

    "Mineralische Oberputze sind im Außenbereich grundsätzlich mit einem Anstrich zu versehen
    (bei Erfordernis mit einem zweilagigen Fassadenschutzanstrich).


    s. Technisches Datenblatt (download) in deinem Link.

    In Weiß dürfte es den Anstrich auch geben.

  • Hallo und danke fürdie Antwort.


    Das Datenblatt hatte ich natürlich gelesen und da steht irgendwo ja auch, dass der Putz sehr widerstandsfähig ist usw...


    Meine Frage zielte auch weniger auf den Verweis auf das Datenblatt, sondern viel mehr auf Erfahrungswerte von Fachleuten a la "wir verarbeiten einen ähnlichen Putz und haben die Erfahrunggemacht, dass..... "


    Zwischenzeitlich hatte ich auch direkt beim Hersteller angefragt und die Aussage erhalten, dass der Putz nicht zwingend gestrichen werden muss.

  • Nun, "nicht zwingend" ist aber auch keine Aussage...


    Das Ziel, die Dauerhaftigkeit, ist klar definiert: Entweder muss er dafür gestrichen werden oder eben nicht. Ja oder Nein. Aber "nicht zwingend" ist keine klare Angabe. Da kann wieder jeder reinlesen, was er möchte. Das technische Merkblatt ließt sich da eindeutig -> "[...] grundsätzlich mit einem Anstrich zu versehen."

  • Da hast du natürlich Recht. Aber ebensolche Aussage wollte ich ja nicht haben - dann hätte mir das Datenblatt gereicht. Ich hatte es ja auf Meinungungen bzw. viel mehr noch auf Erfahrungswerte abgesehen.


    Konservendosen sollen auch grundsätzlich innerhalb des aufgedruckten MHD verzehrt werden. Und trotzdem werden viele Leute sagen, dass sie das nicht zwingend müssen und dass sie auch nach ein paar Jahren über das MHD hinaus noch (eingeschränkt) schmackhaft und genießbar sind. Man sollte also die Dose innerhalb MHD aufbrauchen, kann sie aber bedenkenlos auch ein paar Jahre später verzehren.

  • Ohne Garantie für den konkreten Putz:


    Beim ähnlichen (oder gleichen?) Produkt von Kn..f ist ein Anstrich nur bei farbigen Putzen nötig. Ich habe den seit 10 Jahren ohne Anstrich auf der Fassade, und der sieht fast aus wie neu, siehe Foto.


    Das Malerblatt sieht die Notwendigkeit von Anstrichen auch nur bei Farbe.



    Vielleicht haben unsere Fassadenprofis noch eine Anmerkung, aber ich würde auf einen Anstrich verzichten, wenn der Putz ohne gut aussieht.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Das Malerblatt sieht die Notwendigkeit von Anstrichen auch nur bei Farbe.

    Wirklich? Zitat aus dem Artikel von öbuv SV Kussauer aus dem Malerblatt:


    "So werden Mineralputze meist nur mit einem einmaligen Anstrich versehen, der zudem oft auch noch stark mit Wasser verdünnt wird. Die geforderten Funktionen können jedoch mit einer Beschichtung bestehend aus einem einmaligen Anstrich nicht erzielt werden. Dies gilt nicht nur für Anstriche auf weißen, sondern selbstverständlich auch für Anstriche auf eingefärbten Mineralputzen."

  • Wirklich? Zitat aus dem Artikel von öbuv SV Kussauer aus dem Malerblatt:

    "Werden mineralische Fassadenputze verarbeitet, so besteht die Forderung, zumindest bei eingefärbten Putzen, auf diese einen Egalisationsanstrich aufzubringen."


    Das war der erste Satz des Artikels, Hervorhebung von mir.


    Hier schreibt ein weiterer Gutachter:

    "Allerdings fordern einige Putzhersteller, das bei eingefärbten, dünnlagigen Außenputzen generell ein Egalisierungsanstrich auszuführen ist.
    Wenn es sich also um einen eingefärbten, dünnlagigen Außenputz handelt, muß grundsätzlich ein Egalisierungsanstrich in der Ausschreibung und im Angebot aufgenommen werden."


    Bei weißem Putz besteht die Forderung anscheinend nicht grundsätzlich.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Thomas T. Danke für den weiteren Beitrag! Vielleicht hat der sarkas auch noch eine fachmännische Meinung dazu.

    Ich selber würde mich nach dem Technischen Merkblatt des Herstellers richten. Der Anstrich dürfte kostenmäßig machbar sein.

  • Der Anstrich dürfte kostenmäßig machbar sein.

    Für das Gartenhäuschen des TE schon. Ansonsten ist oft beim Bau am Ende des Geldes noch ausstehende Leistung übrig.


    Bei Wolkenbildung hätten wir den Putz auch streichen lassen, aber besser als wie bei uns ausgeführt hätte der nicht ausgesehen. Und aus technischer Sicht gibt es kein Grund, den Putz zu streichen. Im Gegenteil, Fungizide und Algizide im Garten müssen ohne Not nicht sein. Mineralischer Putz ist ja schon alkalisch und behindert die Vermehrung organischer Lebewesen auf der Fassade.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Thomas T. Ralf Dühlmeyer Fungizide und Algizide sollten überhaupt nicht sein. Ich hatte deshalb an einen Silikatanstrich auf Kaliwasserglasbasis von Baumit gedacht. Ist aber ein Gartenhaus, geht sicher auch ohne.

    Ich bin ja ein gebranntes Kind: Vereinbart ist ein Dickschicht-Kaliwasserglas-Silikatputz mit Silikatanstrich - ohne Zusätze. Verarbeitet hat der "Meister" einen Dünnschicht-Kunstharzputz mit Zusätzen und einen Anstrich. Das Zeug scheint ausgewaschen zu sein, denn die Algen grünen so grün...

    Problem: Der Auftrag eines Silikatputzes auf Kaliwasserglasbasis auf einen Kunstharzputz geht wegen Materialunverträglichkeit nicht. Tja, vermutlich alles runter.

  • Nur kurz in Steno-Form:

    Ja, vorgeschrieben ist er erst mal schon - der Egalisationsanstrich .

    Sowohl bei weiß (da streiten sich aber trotzdem manchmal die Gemüter) als auch überhaupt.


    Technisch sehe ich bei diesem o. g. Material aber erst einmal keine Veranlassung für einen solchen Egal-Meier .

    (wenn man die Möglichkeit von ein paar Wölkchen mal billigend in Kauf nehmen würde).

    Es ist halt noch etwas poriger, wenn keiner drauf ist und die Oberfläche ist einer gering höheren Erosion ausgesetzt.

    Das ist aber marginal und vernachlässigbar.


    Eine Überlegung "für" Diesen würde ich "dann" in Betracht ziehen, wenn die zu bearbeitenden Flächen schwierig oder nur mit einem

    größerem Gerüstaufwand zu meistern wäre.


    "So werden Mineralputze meist nur mit einem einmaligen Anstrich versehen, der zudem oft auch noch stark mit Wasser verdünnt wird.

    Das ist gängige Praxis, aber Pfusch.



    Also .... bei einem Gartenhäuschen - lassen, wenns einem gefällt und ggf. in ein paar Jahren ein bissl abwaschen und DANN anpinseln.....

    Gruß Werner :)

  • Fungizide und Algizide sollten überhaupt nicht sein. Ich hatte deshalb an einen Silikatanstrich auf Kaliwasserglasbasis von Baumit gedacht. Ist aber ein Gartenhaus, geht sicher auch ohne.

    Ich bin ja ein gebranntes Kind: Vereinbart ist ein Dickschicht-Kaliwasserglas-Silikatputz mit Silikatanstrich - ohne Zusätze. Verarbeitet hat der "Meister" einen Dünnschicht-Kunstharzputz mit Zusätzen und einen Anstrich. Das Zeug scheint ausgewaschen zu sein, denn die Algen grünen so grün...

    Problem: Der Auftrag eines Silikatputzes auf Kaliwasserglasbasis auf einen Kunstharzputz geht wegen Materialunverträglichkeit nicht. Tja, vermutlich alles runter.

    Ach - fällt mir gerade ein.

    Es gibt/gab da einen ziemlich ausführlichen und langwierigen Test, ich glaube es war die Firma mit dem Rüssel.

    Die haben verschiedene, mit Bioziden versehene Kunstharzfassadenmaterialien auf Testflächen im Freien über fünf Jahre

    (Wetterbedingungen für längere Zeit imitiert) beobachtet UND mögliche Anreicherungen im angrenzenden Böden untersucht.


    Sie haben, man soll es nicht glauben, KEINE ausgeschwemmten Biozide in den Böden gefunden.


    Rauchen ist nicht gesundheitsschädlich! Gezeichnet Dr. Marlboro



    Wenn ich das wieder finde, setze ich den Link rein

    Gruß Werner :)

  • Hallo an alle und vielen Dank für eure Kommentare und Gedanken zu dem Thema!! Sorry für die späte Rückmeldung.


    Und vor allem liebe Grüße aus Berlin Biesdorf an Thomas nach Oranienburg :bier: und ganz herzlichen Dank für deine ausfürhlichen Antworten, sogar mit Foto!!! :thumbsup: Genau so wie du es schreibst, ist es auch bei uns! Der Putz sieht jetzt bereits super aus (weiß) und der Bungalow sollte auch weiß bleiben, also wäre es mit dem Anstrich "nicht noch schöner" geworden. Genau auf solche Kommentare wie deinen hatte ich mit meinem Thread gehofft, also dass jemand ähnlichen Putz an der Wand hat und ihn auch nicht gestrichen hat und damit gute oder schlechte Erfahrungen gemacht hat.


    Ich habe in der Zwischenzeit auch mit einem erfahrenen Malermeister gesprochen, der mir das ebenfalls bestätigt hat: Sicherlich kann man den Putz streichen, ist aber seiner Meinung und Erfahrung nach nur notwendig, wenn man a) ohnehin eine andere Farbe haben möchte und/oder b) wenn man wirklich gaaaanz viel Wert drauf legt (auch für das ruhige Gewissen), dass die Fassade wirklich 1000% bestmöglich behandelt und geschützt ist, was vielleicht bei einem 1 Mio Euro teuren Neubau der Fall wäre und verhältnismäßig nicht mehr soooo ins Gewicht fallen würde. Allerdings hat er mir gesagt, dass man bei letzterem dann auch nicht den 50 Euro Farbeimer aus dem Baumarkt nehmen braucht, sondern schon die super teure Profi Farbe braucht. Klar :) Mein Putz, sagte er, ist jedenfalls super gut diffussionsoffen und wir werden lange Freude dran haben, auch ohne extra Schutzschicht. Und wenn er irgendwann hier und da ein paar unschöne Stellen haben sollte, einfach mal im Sommer mit dem Wasserschlauch oder mit dem Kärcher drüber gehen, sagte er.


    Also nochmal vielen Dank an alle, die sich hier so zahlreich aktiv an dem Thread beteiligt haben und ein schönes Wochenende!