Verbietet das Bauen...

  • Unter diesem Titel lief gerade eine interessante Kurzdoku in "nano" von 3sat.


    "Jeden Tag beschließen Deutschlands Kommunen, eine Fläche von 82 Fußballfeldern zuzubauen.

    Manche verzichten darauf. Was gewinnen sie dadurch?"


    Ein Bürgermeister fragt nach dem Sinn, bei stagnierender oder gar sinkender Bevölkerung immer mehr Flächen zu versiegeln, während in den Ortszentren Häuser leerstehen und verfallen.


    Ich weiß, die Frage ist in einem Bauforum unbequem, aber sollten wir nicht trotzdem darüber diskutieren?

    Mir stieß das vorhin über das Wehklagen wegen zurückgehender, weil überbordender Inanspruchnahme von Fördermitteln sauer auf.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Für die verlassenen alten Häuser in Ortskernen gibt es meist mehrere Gründe (Arbeitsplätze, Infrastruktur, Kulturmangel u.ä.). Viele der alten Kisten sind kaum noch renovierungswürdig. Klein, muffig, dunkel, laut, niedrige Decken, energetische Katastrophen - ein Abriss wäre für die heutigen Wohnansprüche oft sinnvoller. Aber Abriss und Neubau ist teurer als nur Neubau. Die tristen Hinterhöfe und mangelnde Begrünung der Städte tun ihr Übriges. So will niemand wohnen. Also ab auf die Wiese.

    Die eigentliche Frage ist m.E. eine Lösung für den Rückbau zu finden. Ich fänd es z.B. super, wenn man hässliche Plattenbauten oder alte Kasernen in solchen Städten weg nimmt und das Land für kleinere Häuser oder ganz andere Zwecke nutzt. Nur wer bezahlt den Abriss?

    VG! Katja

  • Ein Bürgermeister fragt nach dem Sinn, bei stagnierender oder gar sinkender Bevölkerung immer mehr Flächen zu versiegeln, während in den Ortszentren Häuser leerstehen und verfallen.


    Meiner Erfahrung nach stehen in Ballungsräumen nur selten Häuser im Ortszentrum leer, in nicht so gefragten Landstrichen ist vom Ortskern bis grüne Wiese fast alles irgendwie vorhanden...


    Viele der alten Kisten sind kaum noch renovierungswürdig. Klein, muffig, dunkel, laut, niedrige Decken, energetische Katastrophen -

    gerne noch ergaenzt um unklare Eigentums-/Besitzverhältnisse (Erben-/Eigentuemergemeinschaften), Altlasten, Auflagen aller Art (Denkmalsschutz, Staedtebausatzungen...). Das ganze dann in Regionen wie z.B. Erzgebirgskreis, Vogtland usw, mit jaehrlich straff sinkender Bevoelkerungszahl. Da faellt solch eine Sanierung selbst mit massivsten Foerdermitteln in den Bereich der Liebhaberei, im guenstigsten Fall. Im wahrscheinlicheren Fall in den Bereich der Geldvernichtung...

  • "Jeden Tag beschließen Deutschlands Kommunen, eine Fläche von 82 Fußballfeldern zuzubauen. Manche verzichten darauf. Was gewinnen sie dadurch?"


    Ein Bürgermeister fragt nach dem Sinn, bei stagnierender oder gar sinkender Bevölkerung immer mehr Flächen zu versiegeln, während in den Ortszentren Häuser leerstehen und verfallen.

    Ein schon länger immer wieder ein wenig diskutiertes Thema. Es wird immer wichtiger darauf endlich zu reagieren - oder in den Kreisstädten offensiv "Central-Parks" anzulegen. Dazu vermutlich passenddas Buch eines früheren Kommilitonen: "Verbietet das Bauen!".

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Unter diesem Titel lief gerade eine interessante Kurzdoku in "nano" von 3sat.

    Zusammengefasst. Blödsinn.


    Man kann sagen, man weist keine Neubaugebiete mehr aus. erweitert keine Straßen mehr ect.

    Aber es braucht immer Bau. Ob das nun Umbau ist, Erweiterung oder Abriss mit Neubau.

    Es ist halt bequemer und manchmal auch billiger einfach Neubaugebiete zu erstellen und darauf neu zu bauen als im gewachsene Gebiet was modernes einzupflanzen.

    Unsere Gemeinde versucht alles was möglich ist, im Stadgebiet zu kaufen und entsprechend zu entwickeln.

    Das ganze erfolgt dann entweder in einer Sanierung oder als Abriss mit angrenzenden Gebäuden , wenn die auch abgerissen werden bzw erworben werden können.

    Nur so klappt eine Stadtentwicklung. So ungern ich großen Immomogulen zuspreche. Aber diese Engstirnigkeit bei machen Hausbesitzern stört oft beim zentralen Umbau der Stadtgebiete , was das auch moderner und Attraktiver machen würde.

    Man baut lieber von Millionenbeträge im 2-3stelligen Bereich eine Umgehungsstraße die nur bedingt Entlastung schafft, als für das Geld

    die alten, grottigen Häußer am Straßenrand einzuebnen um der Straße mehr Platz und den Anwohnern mehr Bäume und damit Raum zu geben.

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Buch eines früheren Kommilitonen: "Verbietet das Bauen!".

    Das wusste ich gar nicht, dass es ein gleichnamiges Buch gibt und schon gar nicht, dass es ein Studienkollege von Dir geschrieben hat. Muss ich mir besorgen und lesen.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Das wusste ich gar nicht, dass es ein gleichnamiges Buch gibt und schon gar nicht, dass es ein Studienkollege von Dir geschrieben hat. Muss ich mir besorgen und lesen.

    Ich vermute, der Beitrag geht auf das Buch zurück. Das wurde bei der Neuauflage (2020?) mehrfach in Medien wie Deutschlandfunk Kultur, Arte, 3SAT, Zeit, FAZ vorgestellt und besprochen. Ich habe nur zwei Interviews dazu gehört und eines gelesen, das Buch selbst aber nicht gelesen - wollte ich 'mal. Ob ich die Daniels Ansichten im Detail teile, weiß ich folglich nicht, halte dies aber für möglich. Einige seiner vorgestellten Beobachtungen teile ich durchaus.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ob ich die Daniels Ansichten im Detail teile, weiß ich folglich nicht,

    Das muss man ja auch gar nicht, aber zu sagen "Zusammengefasst. Blödsinn." wird der Frage nun gar nicht gerecht.

    Natürlich gibt es in den Zentren vom München, Frankfurt und Berlin kaum leerstehende Häuser. Ging eher um Klein- und Mittelstädte, deren Innenstädte veröden während draußen Ackerboden versiegelt wird, um Leuten, die dann täglich fünfzig Kilometer zur Arbeit fahren ihr Menscherecht auf Häuschen mit Garten zu erfüllen.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Spannendes Thema. Ich glaube, das Buch schaffe ich mir an.

    ( Mit tun trotzdem die Leute leid, die mit Förderung bauen wollten und jetzt vielleicht nicht mehr können, aber das ist ein anderes Thema)

    Ich denke, da ist schon in den 70er und 80er viel in der Stadtplanung mit den EFH Siedlungen schief gelaufen. Wenn ich mir diese so anschaue. Ich selbst stamme aus einem solchen Ort und habe gerade überlegt, ob es da überhaupt MFH gibt. Das Dorf wurde in den 70ern angelegt und ist riesig von der Fläche. Das maximale dort sind einige wenige Reihenhäuser.


    In den 60ern waren noch deutlich mehr ZFH/MFH üblich, so jedenfalls mein Eindruck von den Energieausweisen in Bayern. Ob da die Not ( Kosten) der Treiber waren?


    Was mich an einem Beitrag von quer erinnert, der erst kürzlich erschienen ist. Darin ging es um das Problem Chipmangel bei Neuwagen und dadurch den höheren Bedarf bei Gebrauchtwagen.


    Der Mensch schränkt sich nie ohne Not ein.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Das Problem ist je nach Region sehr unterschiedlich. Aber ein paar Sachen kann man fast überall beobachten:


    1. Die Boomer-Generation hat einen hohen Eigentumsanteil und bewohnt jetzt zu großen Teilen Wohneinheiten, die für den Bedarf eines älteren Ehepaares eigentlich viel zu groß sind. Aber man kann es sich leisten und außerdem wollen die Menschen verständlicherweise nicht aus dem gewohnten Umfeld wegziehen.

    2. Als letzte richtig geburtenstarke Generation ist (durch die schiere Menge) auch deren Kindergeneration noch relativ zahlreich. Die sind seit ca. 10-15 Jahren dabei, für die eigenen Familien Wohnraum zu suchen, der aber (noch) von ihren Eltern gehortet wird. Das generiert natürlich Nachfrage, die vielleicht noch 5-10 Jahre anhalten wird, bis auch die Kinder der Boomer "versorgt" sind oder sich arrangiert haben.


    Das vorausgeschickt scheiden sich nun die Wege der Kommunen:

    - In Ballungsgebieten mit hoher Wirtschaftskraft wird der anhaltende Zuzug inkl. Einwanderung den Bedarf nach neuem Wohnraum wohl auch auf absehbare Zukunft hoch halten, d.h. dort hat man kaum eine andere Wahl, als auch neu zu bauen, denn auch wenn bei der Boomergeneration in den nächsten 10-15 Jahren die Biologie mit der Freisetzung von Wohnraum im größeren Umfang beginnt, wird das wahrscheinlich nur kleine Entlastung bringen.

    - In allen anderen Gebieten, wo jetzt gerade noch durch die ungünstige Wohnraum- und Generationenverteilung ein Strohfeuer an Wohnraumnachfrage brennt, dürfte die Nachfrage dann jedoch dramatisch zurück gehen, und dann dürfte sich die jetzt schon beobachtbare Schere zwischen den Bodenpreisen in Deutschland noch viel deutlicher auftun.


    Eine Besonderheit dürften hier die ländlichen Regionen in Ostdeutschland sein, die diesen Demografie-Sturz quasi im Zeitraffer innerhalb von weniger Jahre von 1990-1995 schon vorgezogen haben: Die Boomergeneration, damals noch jung und mit vielen Erwerbsjahren vor sich, ist durch schlagartige Abwanderung schnell geschrumpft und auch Ihre Kinder wurden entweder nie geboren oder sind mit ihnen abgewandert. Dort dürfte im ländlichen Raum, jetzt auf deutlich niedrigerem Niveau als noch vor 30 Jahren, eine Stabilisierung eintreten, weil der große Schock schon durch ist. Die Nachfrage dort ist im Wesentlichen durch veränderte Lebensweisen getrieben und Neubau ist - dank niedriger Bodenpreise - meist günstiger als Abriss oder Sanierung. Das "Problem" - wenn man es so nennen darf - ist, dass viele Dörfer und Kleinstädte im Arbeiter- und Bauernstaat sich eher schlecht als recht 40 Jahre lang mit Vorkriegsbausubstanz durchgeschleppt haben. Es fehlte einfach an Prosperität um dort die klassischen Dorfverschandelungsmaßnahmen der 60er und 70er Jahre im Westen zu imitieren. Viele Denkmäler haben zwar schlecht überlebt, aber überlebt, weil noch gebraucht und immer wieder irgendwie zurecht gebastelt. Für den Denkmalschutz ein Fest. Heißt aber auch, dass bis jetzt nicht sanierte Substanz, selbst ohne Denkmalschutz, nur noch unter erheblichen finanziellem Mehraufwand gerettet werden kann (und ich weiß wovon ich da rede, denn das haben wir mit unserem Höfchen durch), den aber nicht so viele Menschen hier aufbringen können.

    Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt, denn jedermann meint, damit so gut versehen zu sein, dass selbst diejenigen, die in allen übrigen Dingen sehr schwer zu befriedigen sind, doch gewöhnlich nicht mehr Verstand haben wollen, als sie wirklich haben. ~ René Descartes

  • Ging eher um Klein- und Mittelstädte, deren Innenstädte veröden während draußen Ackerboden versiegelt wird, um Leuten, die dann täglich fünfzig Kilometer zur Arbeit fahren ihr Menscherecht auf Häuschen mit Garten zu erfüllen.

    Die Innenstädte würden auch veröden (und zwar noch schneller), wenn die Ackerböden nicht bebaut würden. Das Problem dieser Städte ist ja gerade, dass sie zum Arbeiten und Wohnen nicht mehr geeignet sind und vermutlich auch das Gymnasium für die Kinder 50km weit entfernt ist.

    Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, darauf zu hoffen, dass die Menschen ihre Ansprüche senken und wieder in die Ruinen mit den toten Betonwüsten ziehen.


    Viele Denkmäler haben zwar schlecht überlebt, aber überlebt, weil noch gebraucht und immer wieder irgendwie zurecht gebastelt. Für den Denkmalschutz ein Fest. Heißt aber auch, dass bis jetzt nicht sanierte Substanz, selbst ohne Denkmalschutz, nur noch unter erheblichen finanziellem Mehraufwand gerettet werden kann (und ich weiß wovon ich da rede, denn das haben wir mit unserem Höfchen durch), den aber nicht so viele Menschen hier aufbringen können.

    Rate mal, wer sich diese schönen Grundstücke mit den edlen Denkmalgebäuden leisten kann und hier her kommt, um sie zu kaufen? Und jetzt wollt ihr, dass der Ossi bitte schön in der Ruinen-Stadt bleibt und auch kein kleines Glück auf dem Land finden darf? (um mal bissl Schwung in die Diskussion zu bringen. ;) )


    Nein, ernsthaft. Das Regionen sterben und andere Aufblühen, ist der Lauf der Zeit. Wir brauchen eine Bauweise, die einen Rückbau einfacher macht, finde ich. Wenn ich die Bretterbuden aus den amerikanischen "Fixer Upper"-Serien sehe, dann hat es durchaus was für sich, wenn man die Häuser mit einem Hammerschlag wieder aus der Welt bekommt.

    VG! Katja

  • Das wäre ein interessanter Ansatz. Nicht ganz ernst, aber dennoch.


    Nachbar hat ein Holzbohlenbau. Der hat im Endeffekt etwas dazu getan CO2 einzulagern.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Rate mal, wer sich diese schönen Grundstücke mit den edlen Denkmalgebäuden leisten kann und hier her kommt, um sie zu kaufen? Und jetzt wollt ihr, dass der Ossi bitte schön in der Ruinen-Stadt bleibt und auch kein kleines Glück auf dem Land finden darf? (um mal bissl Schwung in die Diskussion zu bringen. ;) )

    Ich weiß jetzt nicht genau, wo Dein "hier" im Leipziger Land ist, aber natürlich kommen die Käufer bzw. Bauherren von sehr teuren Objekten häufiger aus der Stadt, weil dort eben auch häufiger die Einkommen erzielt werden können, die für solche Vorhaben benötigt werden. Aber bei uns zumindest auf dem Lande (Lommatzscher Pflege links der Elbe, Großenhainer Pflege rechts der Elbe) sind viele Denkmale auf dem Lande nicht so super edel, und so kenne ich auch viele Handwerker und andere Menschen, die ein Denkmal wieder herrichten, weil ihnen etwas daran gelegen ist. Und ja, darunter sind auch Dresdner oder Leipziger, denen es dort zu teuer (lol) oder zu städtisch ist. Eine Ruinenstadt sind Dresden oder Leipzig deshalb noch lange nicht, und auch viele andere kleine und große Städte sind in den letzten 30 Jahren ziemlich gut hergestellt worden. Tatsächlich will es auch niemand verbieten aufs Land zu ziehen - im Gegenteil, wir haben bspw. in der vorletzten LEADER-Periode eine Förderung erhalten, weil wir aufs Dorf gezogen sind und leer stehenden Wohnraum wieder hergerichtet haben.

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  • während in den Ortszentren Häuser leerstehen und verfallen.

    aus meinem kleinen Ort kenne ich einige deratiger Fälle.

    Außerdem sind auch im Hauptort im Innebereich zahlreiche unbebaute Flächen.


    Kaufen kann man trotzdem nichts! Gibt ja keiner was her. Und wenn mal was gebaut wird, war der Enkel, Urenkel, Neffe..

    Der einzige Grund warum wir damals was bekommen haben war weil wir 2015 bereit waren 50% über Bodenrichtwert zu zahlen. Die reichen Zuagroasten halt...


    Und so bleibt den Gemeinden nur doch für horrende Preise Acker aufzukaufen und Neubaugebiete zu entwickeln.

    Immerhin besser wie Neubaugebiete ohne Aufkauf zu entwicklen, und dann sitzen die Landwirte jahrzehnte auf den Grundstücken.


    Mir kam die Tage das unter... eher unüblich, meistens entwickeln die Gemeinden nur den Hauptort weiter und wollen Neubauten im Außenbereich eigentlich verhindern. Da versorgt man auch nur die alteingesessene Bevölkerung mit billigstem Bauland. Find ich nicht so gut.

  • Ich weiß jetzt nicht genau, wo Dein "hier" im Leipziger Land ist, aber natürlich kommen die Käufer bzw. Bauherren von sehr teuren Objekten häufiger aus der Stadt,

    Im Großen meinte ich eigentlich die Schlösser und Landsitze, welche oft von Westdeutschen gekauft wurden.

    Dresden oder Leipzig fallen natürlich nicht in die Kategorie Ruine (habe ich auch nie gesagt).

    VG! Katja

  • Im Großen meinte ich eigentlich die Schlösser und Landsitze, welche oft von Westdeutschen gekauft wurden.

    Dresden oder Leipzig fallen natürlich nicht in die Kategorie Ruine (habe ich auch nie gesagt).

    Ich kenne in der Tat einige Menschen, die selbst oder deren Eltern nach '45 enteignet und vertrieben wurden und die ihre alten Familiensitze wieder zurückkaufen mussten. Viele sind haben diese unter Einsatz erheblicher eigener Mittel wieder hergerichtet. Aber ich kenne auch viele, die einfach ihren Traum wahr gemacht haben und z.B. alte Vierseithöfe wieder herrichten. Die ziehen dafür nicht aus München irgendwo in die sächsische Walachei, sondern sind hier geboren und aufgewachsen.


    Was die Ruinenstädte betrifft, müsstest Du vielleicht mal konkret sagen, welche du da im Kopf hast?

    Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt, denn jedermann meint, damit so gut versehen zu sein, dass selbst diejenigen, die in allen übrigen Dingen sehr schwer zu befriedigen sind, doch gewöhnlich nicht mehr Verstand haben wollen, als sie wirklich haben. ~ René Descartes

  • Die ziehen dafür nicht aus München irgendwo in die sächsische Walachei, sondern sind hier geboren und aufgewachsen.

    Da sind die Erfahrungen vermutlich sehr unterschiedlich. Mein ehemaliger Chef kam aus Bayern nach Leipzig mit seiner Firma, Zitat: "weil hier alles so billig ist" und hat sich eine Villa mitten in der Stadt gekauft - ein kleines Schloss.

    VG! Katja

  • Hier am Bodensee kennen wir das Problem leer stehender Häuser in Kleinstädten und Dörfern nicht. Der Zuzugsdruck ist so groß und der Boden so teuer, da bleibt nichts lange leer. Es findet sich immer jemand der renoviert oder neu Baut, egal was es kostet. Selbst im Hinterland wird es immer teurer, auch weil es sich gleich am nächsten Boom-Gebiet, dem Allgäu anschließt. Hier gibt es, den Göttern und Göttinnen sei Dank, noch städtische Wohnungsgesellschaften, die auch selbst Grundstücke aufkaufen und bebauen und somit Baugebiete entwickeln. Somit ist durchaus eine Steuerung möglich und das Umland um die Städte zerfranst sich nicht so arg.


    Was bei uns im Städtle ist zudem auffällig, dass trotz Bauboom, trotz neu erschlossener Baugebiete mit mehrgeschossigem Wohnungsbau, sich die Einwohnerzahl nicht erhöht. Die Stadt ist nun dabei Bebauungsplan nach Bebauungsplan zu bearbeiten, um mehr Ferienwohnungen zu unterbinden. Zweitwohnungen kann man damit aber auch nicht verhindern, die dann auch so etwas wie eine Ferienwohnung ist.


    Es gibt jede Menge Investoren mit sagenhaft viel Geld, die nicht wissen wohin mit dem ganzen Zaster, die verzweifelt nach Baugrund suchen um zu bauen. Ich kenne selbst zwei solcher, die hier im Süden bauen wollen und kaum können, weil sie kaum Grund finden. Sobald die was finden, wird auch gleich alles zu betoniert. Man kann das kaum verhindern, außer man regelt es irgend wie gesetzlich. Aber so lange der freie Markt herrscht, müssen die Penunzen irgend wie in Beton und Steine umgesetzt werden.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Es gibt sicher wesentlich treffendere Beispiele aber aus irgend einem Grund kommen mir die Städte Anklam und Zeitz als erstes in den Sinn.

    Anklam - naja, wann warst du das letzte mal da, 1945? Klar: keine Schönheit unter den Hansestädten, war halt großflächig zerstört und ist sozialistisch aufgebaut worden. Aber Ruinenstadt? Ok, Zeitz kann man wohl als Ruinenstadt bezeichnen, allerdings ist es ja nicht so, dass die Leute da geblieben sind (sonst gäbe es nicht so viele Ruinen).

    Da sind die Erfahrungen vermutlich sehr unterschiedlich. Mein ehemaliger Chef kam aus Bayern nach Leipzig mit seiner Firma, Zitat: "weil hier alles so billig ist" und hat sich eine Villa mitten in der Stadt gekauft - ein kleines Schloss.

    Das jemand irgendwo von Bayern nach Leipzig zieht ist auch deutlich wahrscheinlicher, als jemand der von Leipzig nach Zeitz zieht. Das die Leute, die Geld haben, sich eine Villa kaufen um darin zu leben, ist für mich keinen Aufreger wert. Immerhin ist der Chef mit Mann und Maus umgezogen und hat nicht nur eine ferngesteuerte Betriebsstätte als verlängerte Werkbank aufgemacht...

    Allerdings sprachen wir ja vom ländlichen Raum - zumindest tat ich das, als Du mich zitiert hast, und das ist eben der Unterschied zu Ballungszentren wie Leipzig. Läge Zeitz etwas dichter an Leipzig, sähe es dort auch anders aus. Hier (Dresden vs. Umfeld) können 25 km teilweise ganz erhebliche Preisunterschiede machen, weil die Nachfrage nach speziell städtisch geprägtem Wohnumfeld sehr hoch ist.

    Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt, denn jedermann meint, damit so gut versehen zu sein, dass selbst diejenigen, die in allen übrigen Dingen sehr schwer zu befriedigen sind, doch gewöhnlich nicht mehr Verstand haben wollen, als sie wirklich haben. ~ René Descartes

  • Anklam - naja, wann warst du das letzte mal da, 1945?

    Vor ca. 3 bis 4 Jahren. Wir fahren oft nach Usedom und manchmal ist überall Stau außer Anklam. Leerstand ohne Ende. Und darum geht es doch hier, oder?

    Die ziehen dafür nicht aus München irgendwo in die sächsische Walachei, sondern sind hier geboren und aufgewachsen.

    Das jemand irgendwo von Bayern nach Leipzig zieht ist auch deutlich wahrscheinlicher, als jemand der von Leipzig nach Zeitz zieht.

    Ich hatte lediglich erwähnt, dass es sicher sehr unterschiedliche Erfahrungen gibt und meine ganz anders als Deine sind. Um gleich noch eins zu nennen wegen diesem hier:

    Allerdings sprachen wir ja vom ländlichen Raum -

    Wir hatten hier seit Jahren im Nachbardorf eine größere Villa zum Verkauf mit entsprechendem Grundstück am Marktplatz. Wir hatten sie uns auch mal angesehen - nur aus Neugier. Viel zu teuer. Die hat sich jetzt ein tschechisches Ehepaar einverleibt - soll wohl mit der Mibrag zusammen hängen. Aber dass nur so nebenbei.

    Die Stadt ist nun dabei Bebauungsplan nach Bebauungsplan zu bearbeiten, um mehr Ferienwohnungen zu unterbinden. Zweitwohnungen kann man damit aber auch nicht verhindern, die dann auch so etwas wie eine Ferienwohnung ist.

    Da fragt man sich, ob die Hotels und Gaststätten nicht mehr ausreichen? Sind die alle zu teuer? Wen wundert es noch, dass alle ein Eigenheim möchten, wenn man zur Miete nix mehr findet?

    VG! Katja

  • Leerstand ohne Ende. Und darum geht es doch hier, oder?

    Leerstand bedeutet für mich nicht unbedingt Ruinen. Und Deine Kernaussage war doch dies: "Und jetzt wollt ihr, dass der Ossi bitte schön in der Ruinen-Stadt bleibt und auch kein kleines Glück auf dem Land finden darf?" - Leerstand spricht doch wohl eher gegen die Theorie, das irgendwer "den Ossi" in Ruinen-Städten leben lassen will und das Glück auf dem Land verwehrt. Vielmehr ist es doch eher so, dass "der Ossi" unter Zurücklassung von Leerstand aus dem ländlichen Raum und den Kleinstädten wegzieht und in die Ballungszentren migriert. So, wie alle anderen auch. Nur, dass in Ostdeutschland diese Entwicklung schneller und früher statt gefunden hat und sich im ländlichen Raum noch mehr Vorkriegsstrukturen erhalten haben.

    Ich habe im Gymnasium Meißen mit 6(!) Parallelklassen in der 5. Klasse gestartet und es gab zwei Gymnasien in der Stadt. Am Ende der Zehnten wurde unser Gymnasium wegen Schülermangel geschlossen.



    Wir hatten hier seit Jahren im Nachbardorf eine größere Villa zum Verkauf mit entsprechendem Grundstück am Marktplatz. Wir hatten sie uns auch mal angesehen - nur aus Neugier. Viel zu teuer. Die hat sich jetzt ein tschechisches Ehepaar einverleibt - soll wohl mit der Mibrag zusammen hängen. Aber dass nur so nebenbei.

    Irgendwo müssen auch die wohnen, auch wenn sie nicht aus Westdeutschland kommen...


    Mir kommt die Klage ein bisschen so vor, wie die von den Hamburgern und Stuttgartern, die nach 1990 über die steigenden Mietpreise geklagt haben, weil die ganzen Migrationsströme aus Ostdeutschland den Wohnungsmarkt kaputt gemacht haben. 30 Jahre später ist das auch nur noch ein kleiner Ausschlag auf dem Radar.

    Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt, denn jedermann meint, damit so gut versehen zu sein, dass selbst diejenigen, die in allen übrigen Dingen sehr schwer zu befriedigen sind, doch gewöhnlich nicht mehr Verstand haben wollen, als sie wirklich haben. ~ René Descartes

  • Leerstand bedeutet für mich nicht unbedingt Ruinen.

    Wenn er massenhaft auftritt, wie würdest Du es nennen? Jetzt mal abgesehen von Kriegsdenkmälern oder verfallenen Schlössern aus dem Mittelalter. So ein unbewohnter, alter DDR-Plattenbau - welche Bezeichnung ist treffender?

    VG! Katja