Verwendung asbesthaltiger Putze, Spachtelmassen, Mörtel in der DDR?

  • Liebes Forum,


    das Thema Asbest in Putz, Spachtelmassen, Mörtel wird in den Medien diskutiert und hat auch schon in diesem Forum zu vielen verunsicherten Nachfragen geführt.


    Es sind sehr wenige Informationen zu der Verwendung von Asbest in Wandputzen, Mörtel, Spachtelmassen für Fenster- oder Türverlaibungen etc. in der DDR veröffentlicht. Ist das so, weil diese dort nicht zum Einsatz kamen oder weil das weniger erforscht ist? Wie häufig kommen asbesthaltige Putze, Spachtelmassen, Mörtel im privaten Wohnraum vor?


    Ich wohne im Osten Berlins, in einem Haus in den 1890ern gebaut und Anfang der 1990er umfassend saniert. Ist es ratsam, bevor ich hier die alte Tapete von der Wand kratze und Unebenheit im darunter liegendem Putz abschleife, eine Schadstoffprüfung vorzunehmen? In anderen Worten, was lässt euch in eurer Tätigkeit als Bauschaffende aufhorchen und veranlassen, den Putz, Spachtelmassen, Mörtel einer Immobilie auf Asbest zu testen?


    Ich als Laie kann schwer abschätzen, was hier eine angemessene Vorgehensweise ist und möchte euch nach eurer Kenntnis fragen. Danke schonmal für eure Hinweise.

  • Die Asbestangst scheint ein sich selbst speisendes Perpetuum Mobile zu sein.


    Ich kenne als ehem. DDR-Bürger einige wenige weit verbreitete Anwendungsfälle:


    1. Die allseits bekannten flachen und gewellten Asbestzementplatten


    2. Asbestzementrohre für unterirdische Trinkwasserleitungen


    3. asbesthaltige Morinolfugen im industriellen Wohnungsbau


    4. Spritzasbest als Brandschutzverkleidung in Großbauten (wurde m.W. nur aus dem kapitalistischen Ausland importiert)


    5. Weißasbestplatten als Installationshilfsmittel, in Nachspeicheröfen und Bügeleisen


    Als Putz- oder Kleberbeimischung ist mir dieser Stoff nicht bekannt.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • In anderen Worten, was lässt euch in eurer Tätigkeit als Bauschaffende aufhorchen und veranlassen, den Putz, Spachtelmassen, Mörtel einer Immobilie auf Asbest zu testen?

    Ich bin seit nunmehr mehr als 25 Jahre im Bereich der Sanierung tätig. Bisher ist mir kein Verdachtsfall untergekommen, der eine derartige Untersuchung veranlasst hätte.


    Solange Du aber andernfalls nicht ruhig schlafen kannst, lass eine Probe untersuchen.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Als Putz- oder Kleberbeimischung ist mir dieser Stoff nicht bekannt.

    Naja, asbesthaltige PVC-, Teppich- oder Fliesenkleber kamen schon zum Einsatz, oder warum sollte die DGUV sonst ein entsprechendes Informationsblatt veröffentlichen?

    Und hier wird davon ausgegangen, dass in ca. 25% aller Bestandsgebäude vor 1995 asbesthaltige Kleber und Spachtelmassen zum Einsatz gekommen sind.

    Hiernach kann der Asbestanteil an einer entsprechenden Spachtelmasse bis 7% betragen.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Naja, asbesthaltige PVC-, Teppich- oder Fliesenkleber kamen schon zum Einsatz,

    Wir sprechen aber beide von der DDR?

    Außerdem schrieb ich ja, "mir nicht bekannt".




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Wir sprechen aber beide von der DDR?

    Außerdem schrieb ich ja, "mir nicht bekannt".

    Ha, erwischt, das mit Ost-Berlin habe ich im Ausgangspost überlesen. So gesehen gilt das meiste von mir geschriebene hauptsächlich für die westdeutschen Gebiete der alten BRD.


    Hiernach kann aber zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass asbesthaltige Kelber für Fußbodenbeläge verwendet wurden. Hiernach allerdings gibt es Hinweise darauf, dass in der ehemaligen DDR überhaupt keine asbesthaltige Putze, Fliesenkleber und Spachtelmassen genutzt wurden.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Also im Westen waren Spachtelmassen und Fliesenkleber häufiger asbesthaltig. Mörtel und Putze eher nicht.

    In der DDR weiß ich das nicht. Aber da Asbest billig war und die Produkteigenschaften verbessert hat, warum nicht.

    Der zitierte Artikel der Lungensarztzeitschrift ist so alt, dass er den jetzigen Kentnisstand nicht beschreiben kann. Die Nachweismethoden haben sich stark verbessert und in der Folge die Fundstellen augeweitet.

  • Vielen Dank für eure vielen Hinweise! Ich habe selten so ein engagiertes Forum erlebt.


    KatMat du schreibst, dass Mörtel und Putze eher weniger asbesthaltig waren. Kann man diese Ausnahmen irgendwie klassifizieren? Also bspw. Putze, die besondere Eigenschaften erfüllen musste in Struktur, Optik, Funktion etc. und die dann eher in Gewerberäumen als in Privatwohnungen, eher im Treppenhaus als im Wohnraum verwendet wurden oder betrifft die asbesthaltige Beimengungen auch den gewöhnlichen Gips- oder Kalkputz als Oberputz?

  • Kann man diese Ausnahmen irgendwie klassifizieren?

    Nein. Das ist Kaffeesatzlesen. In einer Mangelwirtschaft wurde erstmal genutzt, was man auftreiben konnte. Ich kenne auch keine Beispiele fuer Putz, Beton o.dgl. mit Asbest in der DDR.

  • Der Asbest im Putz kommt nach meiner Erfahrung (und auch Literatur) eigtl immer aus Spachtelmassen.

    Das ist aber bei der Probenahme / Analytik oft kaum zu trennen. Ich hatte auch schon Asbest in Putzproben; bei Nachbeprobungen hat sich das dann nicht bestätigt. Der Rückschluss war, dass es eine Verunreinigung durch Spachtelmasse war.

    Mittlerweile liegt die Nachweisgrenze bei etwa 0,001%; da fallen auch Verunreinigungen ins Gewicht.

    In Spachtelmassen hat Asbest für gute Ausziehbarkeit gesorgt, in Klebern für Zusammenhalt. Im Putz hat er schlicht keine Funktion und die anderen Inhaltsstoffe sind billiger.