Schmale Wand mit gutem Schallschutz Massivwand vs. Trockenbauweise

  • Hallo in die Runde.

    Ich werde eine Wand komplett versetzen: Rabitzwand, Stärke 7cm, Rohdichte: 1200kg/m³ bzw 84kg/m². Eigentlich wollte ich dann eine massive Wand aus Gips-Wandbauplatten errichten mit Rohdichte 1200kg/m³ und Wandstärke 8cm, so wie die Rabitzwand war, da ich aus haptischen Gründen kein Fan von Ständerbauweise bin. Nach Recherchen komme ich damit auf ca einen Rw von 37dB.

    MultiGips -


    Mit Wandstärke 10cm sagt mir Rigips bei Trockenwand komplett in Ständerbauweise (und 63kg/m², also absolut ok für meine Decke) einen Rw von weit über 50dB voraus.


    Ich vermute, das große Problem bei den Gips-Wandbauplatten ist die Koinzidenzfrequenz? Die ist ja bei Gips bei Stärke 8cm nach meinen Recherchen irgendwo bei 400Hz, omG. Wie sich das im Verhältnis zur Masse des Gipses verhält, konnte ich leider nicht finden (hängt ja glaube ich vom Elastizitätsmodul ab), weil der hier angepeilte Gips mit 1200kg/m² nicht der Standard ist. Aber Wunder wird man wohl trotzdem nicht erwarten können?


    Gehe ich richtig davon aus, dass eine Wand aus Gips-Wandbauplatten niemals in der Stärke mit einer Ständerbauweise mithalten kann, was den Schallschutz angeht, bei gleichem Gewicht und Wandstärke bis z.B. 12cm? War die Rabitzwand (auf Zementbasis?) evtl sogar besser als die Wand aus Gips-Wandbauplatten? Und gibt es irgendeine Massivbauweise, die mit ähnlichem Gewicht wie die Rabitzwand und ähnlicher Stärke mindestens an den Schallschutz der Rabitzwand rankommt, oder sogar an den der Ständerbauweise? (8-11cm Stärke, maximal 84kg/m²).

  • Gehe ich richtig davon aus, dass eine Wand aus Gips-Wandbauplatten niemals in der Stärke mit einer Ständerbauweise mithalten kann, was den Schallschutz angeht, bei gleichem Gewicht und Wandstärke bis z.B. 12cm?

    Niemals würde ich nicht schreiben, aber unter Berücksichtigung der logistischen Aspekte kenne ich aus dem Stand und im Alltag unter den üblichen Materialien bis zu Wandstärken von ca. 15 cm keine akustisch leistungsfähigeren Konstruktionen als Trockenbauwände.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Mir ist gerade aufgefallen: alle Rigips-Trockenbau-Systeme mit 0,5mm Stahlblech unter der Beplankung bringen 6dB mehr Schallschutz! Ist eigentlich als einbruchhemmende Variante gedacht, aber wohl eine super Möglichkeit, mit 1 mm mehr Platz 6dB rauszuholen, wobei 1m² Stahlblech für 17 Euro zu haben ist. Die Masse liegt pro Blech bei 3,9kg/m², die Beplankung hat schon 24kg/m² pro Seite. Wundert mich dass der Effekt so groß ist?


    Habe gerade hier geschaut:

    Kapitel 29.00 - 30.00


    Das Stahlblech hat folglich bei 3,9kg/m² selbst schon einen Dämmwert von 23dB und bei 0,5mm liegt die Koinzidenzfrequenz bei 2200 Hz.


    Dann macht es doch Sinn, Stahlbleche in eine schmale Wand für guten Schallschutz immer zu integrieren (wenn man es sich leisten möchte), oder? Und wäre für eine Vorsatzschale um vom Nachbarn Ruhe zu haben ebenso der Hit?

  • Zur Begrifflichkeit: Dein „schmal“ würde man bezogen auf die Wand (-stärke) eher als „dünn“ bezeichnen.


    Du möchtest die Wand nicht als Handwerker bauen müssen! Das Blech muss übrigens überlappend verbaut werden und die Schrauben gehen da nicht ganz so easy durch. Und besonders viel Spaß macht der Rückbau, gar keinen hingegen der Einbau von Unterputzdosen für Elektroanschlüsse. Eine Lage Diamant o.ä. bringt da bei nur rd. 10 mm Mehrstärke noch mal deutlich mehr und ist einfacher zu bauen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Das Blech muss übrigens überlappend verbaut werden und die Schrauben gehen da nicht ganz so easy durch

    Da ist sicherlich was dran. Andererseits ist die Wand dann auch stabiler, wenn man man was dranhängen will. und 12mm mehr mit Diamant sind wieder 12 mm mehr, verglichen zu 0,5mm . Bei einem kleinen Zimmer mit 13m² ist 12mm manchmal nicht wenig. Aber faires Argument. Aber ob die Diamant so deutlich viel mehr bringt als das Stahlblech geben die Datenblätter nicht her, im Gegenteil:


    2 Rigips-Systeme zum Vergleich

    (CW50mm Profil, nicht entkoppelte Ständer, 40mm Dämmung):

    3-fach mit Die Harte (=Diamant) > Rw 62db (MW13DH) Gesamtstärke: 12,5cm, Gewicht: 82kg/m²

    2-fach mit Die Harte + 0,5mm Blech > Rw 63db (EW13DH) Gesamtaufbau: 10,1cm, Gewicht: 64kg/m²


    Das hier könnte der Grund sein:

    Siehe Diagramm "Schalldämm-Maß R in Abhängigkeit von der Flächenmaße m'":

    Kapitel 29.00 - 30.00


    Da hat Gips mit 12,8kg/m² (die Diamant) das Schalldämmmaß (28db), dass 0,5mm Stahlblech mit 3,9kg/m² 24db. Weil Stahl in dem Bereich linear bleibt, aber Gips bei 28dB einbricht. Und im Zusammenspiel über die Frequenzbereiche ergibt sich so offenbar sogar ein besserer Rw im Aufbau.

    Allerdings ist nach Formel von R.B. die Resonanzfrequenz bei der Stahlblechvariante wohl ein bisschen höher, weil weniger Masse für m1' und m2'
    f0 = 160 * SQRT(Edyn/d*(1/m1'+1/m2') Hz

    Aber das scheinen andere Eigenschaften des Stahls auszugleichen. Oder irre ich? (Warum rücken die Hersteller nicht mit Dämpfung pro Frequenz heraus, sondern oft nur Rw :( )

  • Da ist sicherlich was dran. Andererseits ist die Wand dann auch stabiler, wenn man man was dranhängen will. und 12mm mehr mit Diamant sind wieder 12 mm mehr, verglichen zu 0,5mm . Bei einem kleinen Zimmer mit 13m² ist 12mm manchmal nicht wenig. Aber faires Argument.

    Das Blech kostet erheblich mehr als die entsprechende Platte und eine hölzerne Konsole zur Verstärkung für beispielsweise Hängeschränke kostet deutlich weniger.

    Warum rücken die Hersteller nicht mit Dämpfung pro Frequenz heraus, sondern oft nur Rw :( )

    Weil der Handwerker das am Ende prüfbar schuldet und weil sinnigerweise deshalb üblicherweise auch ausgeschrieben wird. Oder man beauftragt eben eine echte Fachplanung, weil bei Rw schon mind. jeder dritte durchschnittliche Architekt ausgestiegen ist.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • das blech kann deshalb so scheinbar überproportional viel bringen, weil es nicht besonders biegesteif ist.

    möglichst geringe biegesteifigkeit ist bei vorwandgeschichten aus schallschutzgründen das ziel.

    andererseits soll die vorwand nicht wackeln wie ein kuhschwanz - also: irgendeinen kompromiss suchen.


    btw:

    die randfugenausbildung macht angeblich sehr viel aus, vielleicht steht dazu was im kleingedruckten bei rigips, knauf, fermacell usw.

  • btw:

    die randfugenausbildung macht angeblich sehr viel aus, vielleicht steht dazu was im kleingedruckten bei rigips, knauf, fermacell usw.

    Dazu gibt es (zumindest bei Knauf, nein, ich bekomme nichts dafür!) sogar hervorragende Detailzeichnungen zu allen relevanten Punkten!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Allerdings ist nach Formel..............

    1. Bitte achte darauf, welche Formel für welchen Anwendungsbereich hergeleitet wurde. Eine Formel für eine biegeweiche Schale vor einer biegesteifen Wand gilt auch nur unter diesen Bedingungen, nicht aber wenn man jetzt eine biegesteife Vorsatzschale baut. In diesen Formeln stecken viele Vereinfachungen damit man sie leichter handhaben kann. Dadurch kann man sie aber nicht mehr "universell" einsetzen.


    2. Du darfst nicht einschalige Konstruktionen mit mehrschaligen Konstruktionen durcheinander bringen. Deswegen hatte ich oben auch schon einmal geschrieben, dass Du Dich für ein Konzept entscheidest bzw. entschieden hast, und dann dabei bleiben musst. Möchtest Du irgendein neues Konzept entwickeln, dann musst Du bei den physikalischen Grundlagen beginnen und eigene Formeln entwickeln.


    3. Bedenke auch, dass es sich bei Rw um das "bewertete" Schalldämm-Maß handelt. Wie dieser Wert zustande kommt, das dürfte (sollte) hinreichend bekannt sein. Richtigerweise müsste man die Schalldämmwerte für jede Frequenz miteinander vergleichen. Ein Kompromiss war die Einführung von Korrekturwerten für bestimmte Frequenzbereiche (Bsp. für Verkehrsgeräusche etc.).

    Es ist möglich, dass eine Konstruktion mit einem schlechteren Rw in dem für mich interessanten Frequenzbereich besser ist.


    4. Kombiniere ich Materialien in 1 Schale, dann kommt es darauf an, wie ich diese kombiniere. Ein Stahlblech flächig mit GK beklebt verhält sich anders als wenn beide Materialien eher "lose" miteinander verbunden werden. Deswegen sollte man GK Platten bei mehreren Lagen niemals großflächig miteinander verkleben. Nur dann erhöht sich der Schalldämmwert während der Frequenzgang annähernd gleich bleibt. Entwickelt man ein Kompositmaterial, dann muss man erst dessen Eigenschaften neu bestimmen, denn diese unterscheiden sich von denen der Einzelmaterialien.


    Noch einmal zur Erinnerung. Wenn man von bewährten und hinreichend untersuchten (und dokumentierten) Konstruktionen abweicht, dann sollte man die Grundlagen und alle zugehörigen Mechanismen nicht nur verstanden haben, sondern diese auch auf die "neue" Konstruktion anwenden können. Weiterhin sollte man am Ende auch den Erfolg (oder Misserfolg) verifizieren können. Eine "Hörprobe" genügt dafür nicht.

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