Kündigung Bauvertrag

  • Guten Tag ins Forum,

    wir haben im Frühjahr ein Grundstück gekauft, was wir mit einem EFH bebauen möchten. Dafür haben wir am 05.09. einen Vertrag mit einem Bauträger abgeschlossen, was schon nicht so ganz reibungslos ablief. Wir haben den 1. Vertrag nochmal abändern lassen, nachdem nach Unterzeichnung des 1. Vertrages plötzlich die Haustechnik erweitert werden musste und um knapp 15.000 € teurer wurde.

    Mehr als ein paar Gespräche mit dem Verkaufsberater, die sich vor allem um den Haustyp und die Ausstattung drehten und woraus dann der detaillierte Bauvertrag resultierte, ist jedoch nicht passiert. Am letzten Freitag (08.10.) bekamen wir einen Anruf mit einem Terminvorschlag für das 1. Planungsgespräch am 10.12. (!). Zuvor hieß es: Nicht vor Oktober! Da die Firma laut deren Zeitachse (die wir mit unterschreiben mussten, die aber nicht Bestandteil des Vertrages ist) dann nochmal mehrere Monate - insgesamt bis zu 10 Monaten vom Vertragsabschluss bis zum fertigen Bauantrag - brauchen möchte, sind wir geneigt, den Vertrag wieder zu kündigen und weiter zu suchen, sonst wohnen wir in 2 Jahren noch nicht drin. Das Bauamt soll im Moment 5-6 Monate für die Baugenehmigung benötigen. Als Bauzeit gibt die Firma 12-15 Monate ab Baugenehmigung an.

    Und nun meine Fragen: Können wir den Vertrag einfach so kündigen? Mit welchen Kosten müssten wir rechnen?

    Im Zahlungsplan ist angegeben: 1. Rate fällig mit 5% der Bausumme nach Übergabe der Unterlagen zum Bauantrag.

    Über eine kurze Rückmeldung zu unseren Fragen aus dem Forum würden wir uns freuen!

  • Dafür haben wir am 05.09. einen Vertrag mit einem Bauträger abgeschlossen,

    Das Grundstück stammt also vom Bauträger? Getrennte Verträge über Grundstück und Gebäude? Was ist schon bezahlt?

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  • Wenn es nur um die Zeitdauer geht, was macht euch so sicher, dass es wo anders schneller geht? In Zeiten von Bauboom hat kaum einer die Zeit euch in sechs Monaten nen Haus hin zu stellen. Es ist eher so, dass es wegen Lieferproblemen zu Terminverschiebungen kommt und man seine Mietwohnung lieber nicht zu einem festen Termin kündigen sollte.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Und wenn einer einen kürzeren Zeitraum verspricht, dann würde ich das schriftlich in den Vertrag mit aufnehmen, gleich die Schadenersatzzahlungen klären, und eine Bankbürgschaft fordern, falls er untertauchen sollte. :D

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  • Der Bauträger ist also ein GÜ.

    Sehr wahrscheinlich. Es wäre halt auch denkbar, dass im Frühjahr irgendwas vereinbart wurde, aber noch kein notarieller Kauf des Grundstücks. Die arbeiten gerne mit irgendwelchen Verträgen, Vorverträgen, und was weiß ich. Der Kunde meint dann er hätte xy "gekauft". Das Wort "Dafür" könnte sich also auch auf beides beziehen, Grundstück und EFH. Wenn sie einen Vertrag kündigen möchte, dann sollte sie genau wissen, was da gekündigt wird und welche Konsequenzen das hat. Deswegen zur Sicherheit lieber zweimal fragen, denn da kann der kleinste Fehler richtig teuer werden.


    Eine anwaltliche Beratung wäre in so einem Fall auch nicht schlecht, schnell hat man etwas übersehen oder falsch eingeschätzt, was einen Anwalt auffallen sollte.

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  • wir haben im Frühjahr ein Grundstück gekauft,

    Damit mein Beitrag nicht zu sehr verwirrt, ich wollte an sich nur sicherstellen, dass es jetzt "nur" um den Vertrag über das EFH geht. Das Grundstück habt Ihr im Frühjahr von irgendjemandem gekauft, bezahlt, notarieller Vertrag liegt vor, und Ihr seid im Grundbuch eingetragen. Die Baufirma um die es geht hat nichts mit dem Grundstück zu tun. Es gibt keine Vereinbarungen zum Grundstück, Rechte, Pflichten oder sonst irgendwas was Euch bei Kündigung auf die Füße fallen könnte.

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  • Und nun meine Fragen: Können wir den Vertrag einfach so kündigen

    Kündigen könnt ihr, dann werdet ihr aber ziemlich sicher mit ordentlichen Kosten belastet.


    Wir sind ja nicht im Onlinehandel. Pacta sunt servanda, also Verträge muss man einhalten.


    Solltet ihr wirklich kündigen wollen ist eine fachanwaltliche Beratung mehr als angebracht, weil die Kosten in die 10.000€ gehen können...

  • Richtig, das Grundstück haben wir von privat gekauft. Das ist erledigt und bezahlt, wir sind im Grundbuch eingetragen. Der Bauträger hat damit nichts zu tun.

    Was steht zum Rücktritt im Vertrag:

    - Widerrufsbelehrung

    - es gilt das Recht der Bundesrepublik Deutschland

    - §§ 631 ff. BGB sind Vertragsbestandteil


    Danke schon mal an dieser Stelle für die Einschätzungen und Hinweise!

  • Ihr habt also einen Vertrag über eine 6-stellige Summe geschlossen, ohne da mal einen Anwalt drüberschauen zu lassen? Obwohl schon bis zur Vertragsunterzeichnung "nicht alles ganz reibungslos" lief?

    Das macht mich sprachlos.

  • Kündigen könnt ihr, dann werdet ihr aber ziemlich sicher mit ordentlichen Kosten belastet.


    Wir sind ja nicht im Onlinehandel. Pacta sunt servanda, also Verträge muss man einhalten.


    Solltet ihr wirklich kündigen wollen ist eine fachanwaltliche Beratung mehr als angebracht, weil die Kosten in die 10.000€ gehen können...

    Wird nicht aufgerechnet? Bis auf den Anruf der Planerin mit dem Terminvorschlag für Dezember hat der Bauträger bislang keine Leistungen zur Vertragserfüllung erbracht.

  • Der Bauträger hat damit nichts zu tun.

    Gut. Zur Erinnerung, das ist dann kein Bauträger. Bei einem Bauträger geht man immer davon aus, dass man von dem Grundstück mit Haus kauft, das könnte hier also für Verwirrung sorgen.


    Ein Rücktritt vom Vertrag ist möglich, aber das wird richtig teuer. Ob sich anhand der bisherigen Vereinbarungen ein Ansatzpunkt findet um die Schmerzen etwas zu lindern, das müsste ein Anwalt klären. Nachdem aber noch nicht viel passiert ist, dürfte das nicht so einfach sein. Ich schließe mich SirSydom an


    weil die Kosten in die 10.000€ gehen können...

    (Fach)Anwalt, Vertrag und alle Vereinbarungen prüfen lassen, und dann beten, dass es nicht zu teuer wird. Ansonsten würde ich schon einmal das Sparschwein schlachten.

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  • Wird nicht aufgerechnet?

    Es wird schon aufgerechnet, aber selbst für nicht erbrachte Leistungen steht der Firma ein entgangener Gewinn zu. Deswegen kam ja auch der Ratschlag, "Anwalt einschalten", denn das zu prüfen ist nicht so einfach.

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  • Es wird schon aufgerechnet, aber selbst für nicht erbrachte Leistungen steht der Firma ein entgangener Gewinn zu. Deswegen kam ja auch der Ratschlag, "Anwalt einschalten", denn das zu prüfen ist nicht so einfach.

    Okay, danke - diese Information fehlte uns in unseren Überlegungen.

  • Na und was steht unter Widerrufsbelehrung?

    Ja, schon klar - jedoch wussten wir innerhalb der Widerrufsfrist noch nicht, dass sich die Firma nicht nur bei der Berechnung der Haustechnik geirrt hat (okay, Fehler können passieren), sondern auch in ihrer Zeitplanung. Erst die Haustechnik , jetzt aber noch der Zeitplan und wer weiß, was als nächstes kommt?

    Und ja, wir haben uns vorab über die Firma erkundigt und waren auch schon bei Baustellenbesichtigungen von Häusern dieser Firma in verschiedenen Bauphasen.

  • Der ist wie der Name sagt INGENIEUR für Baudinge, nicht für Rechtsdinge. Der nennt sich Rechtsanwalt.

    Vielen Dank für die Belehrung! Über den Mustervertrag dieser Firma haben wir in einem viel früheren Stadium eine Anwältin drüberschauen lassen. Über den konkreten Kostenvoranschlag mit der Bau- und Leistungsbeschreibung dann den Bauingenieur.

  • Was hat Euch dann von dieser Firma überzeugt?

    Ich bin froh, das ich derzeit nicht bauen muss. Bestimmte Materialien sind Mangelware, Preise im Steigflug.


    Mich wundert eher, dass GÜs überhaupt noch auf dem Markt anbieten.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Und ja, wir haben uns vorab über die Firma erkundigt und waren auch schon bei Baustellenbesichtigungen von Häusern dieser Firma in verschiedenen Bauphasen.


    Ich kann verstehen wenn Du nervös bist, aber das geht wohl jedem so der zum ersten Mal baut (für die meisten ist das auch das einzige Mal, frei nach dem Motto, 1 Magengeschwür reicht).

    Der Fehler mit der Haustechnik hätte der Firma nicht passieren dürfen. Meine Vermutung, man hat bewusst günstig angeboten, der "Aufpreis" war schon eingeplant bevor die Tinte unter dem Vertrag trocken war.

    Wenn es um die Bauzeiten geht, da sind momentan halt verrückte Zeiten. Irgendwie kann ich verstehen, wenn eine Firma hier immer wieder anpassen muss. Viele Liefer- und Zeitprobleme sind aber hausgemacht. Das Ziel war ja steigende Inflation, und jeder schaut jetzt dass er nicht zu kurz kommt.Gerade im Bausektor explodieren die Preise, und das nicht erst seit heute. Wenn eine Firma heute ein Angebot macht und sich auf die sichere Seite legt, dann wird sie damit nie einen Kunden gewinnen, weil sich niemand vorstellen kann, dass sich die Preise so entwickeln werden.


    Es ist wirklich verrückt, aber ich würde heute jedem Bauherrn empfehlen min. 10-15% Reserve einzurechnen, wenn nicht gar noch mehr. Im Laufe eines Jahres kann sehr viel passieren. Wohl dem der sich schon sein Grundstück gesichert hat, denn die Grundstückspreise gehen auch durch die Decke. Trotzdem ist kaum etwas am Markt verfügbar.

    Hier in der Gegend lagen einige Grundstücke die letzten 20-30 Jahre brach, keiner wollte dort bauen. Selbst die sind zwischenzeitlich verkauft und bebaut. Ich habe hier ein Gutachten für ein Grundstück aus dem Jahr 2014. Zwischenzeitlich hat sich der Grundstückspreis um 80% erhöht. Der Preisindex für Bauland geht seit einigen Jahren steil nach oben.


    Angesichts dieser Verhältnisse würde ich mir an Deiner Stelle gut überlegen ob es sinnvoll ist jetzt den Vertrag zu kündigen. Ich bezweilfe, dass Du bei einer Kündigung schneller zu Deinem Haus kommst, denn momentan sind die Auftragsbücher der Firmen voll bis zum Anschlag.

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  • Herzlichen Dank für Deine weitere ausführliche Einschätzung!

  • Was hat Euch dann von dieser Firma überzeugt?

    Ich bin froh, das ich derzeit nicht bauen muss. Bestimmte Materialien sind Mangelware, Preise im Steigflug.


    Mich wundert eher, dass GÜs überhaupt noch auf dem Markt anbieten.

    Die Häuser, die wir uns in verschiedenen Bauphasen angeschaut haben, fanden wir überzeugend, ferner auch die Bewertungen von Bauherren in Internetforen, Bautagebüchern u.ä. und natürlich auch die Einschätzungen von Rechtsanwältin und Bauingenieur, die sich ja konkret auf unser Vorhaben bezogen.

    Die auf dem Papier versprochene Qualität wurde in der Vergangenheit offenbar auch tatsächlich eingehalten, soweit wir das beurteilen können. Vielleicht kann diese Baufirma auch einfach mit den Verrücktheiten des Marktes im Moment nicht mehr mithalten. Wenn der Druck zu groß wird, wächst die Fehlerquote. Wer weiß?

  • Ja, schon klar - jedoch wussten wir innerhalb der Widerrufsfrist noch nicht, dass sich die Firma nicht nur bei der Berechnung der Haustechnik geirrt hat (okay, Fehler können passieren), sondern auch in ihrer Zeitplanung. Erst die Haustechnik , jetzt aber noch der Zeitplan und wer weiß, was als nächstes kommt?

    Und ja, wir haben uns vorab über die Firma erkundigt und waren auch schon bei Baustellenbesichtigungen von Häusern dieser Firma in verschiedenen Bauphasen.

    Nix ist klar. Was steht denn drin? Ist das geheim?

    VG! Katja

  • Vielleicht kann diese Baufirma auch einfach mit den Verrücktheiten des Marktes im Moment nicht mehr mithalten.

    Das ist gut möglich, denn auch (gutes) Personal wächst nicht auf den Bäumen. Wenn die Anzahl der Aufträge steigt kann man nicht so einfach über Nacht das Personal aufstocken. Der Unternehmer hat nun ein Problem. Einerseits braucht er Aufträge um Geld zu verdienen, andererseits kriegt man nicht die MItarbeiter zusammen um diese Aufträge auch bearbeiten zu können. Gerade Gewerke die nicht so "beliebt" sind haben heftige Nachwuchssorgen.

    Jetzt könnte man natürlich auf die Idee kommen und einfach Sub-Unternehmer beauftragen, aber deren Auftragsbücher sind auch voll, und daher ist das Interesse als Sub zu arbeiten nicht gerade groß, die Gewinnspanne wenn man Aufträge selbst abwickelt ist sowieso höher.


    Wenn heute eine Baufirma sagt "in 4 Wochen können wir loslegen", dann würden bei mir sämtliche Alarmglocken klingeln. Ich würde mich fragen, warum ausgerechnet diese Firma so viele Kapazitäten frei hat. Ja, es gab auch schon andere Zeiten, aber seit vielen Jahren ist der Trend nach oben ungebrochen.


    Wenn Du Referenzprojekte angeschaut hast und damit zufrieden warst, dann würde ich das höher gewichten als ein Versprechen den Bau ein paar Wochen früher absuschließen. Alternativ hätte man einen "Fertighaus-Hersteller" in Erwägung ziehen könnnen, bei denen sind die Fertigungsprozesse besser durchorganisiert, und wenn man alles aus einer Hand bekommt hat das auch Vorteile.


    Bei Einzelvergabe der Gewerke würde ich mich jetzt schon von jedem Zeitplan verabschieden. Es wäre ein Wunder wenn das alles nach Plan läuft, jedes Gewerk pünktlich auf der Matte steht, und seine Arbeit termingerecht abschließen würde.

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