Höhe und Abstandsfläche Stelzenhaus

  • Hallo,


    ich wollte den Kindern in den Ferien ein Stelzenhaus bauen und zwar in einer der vier Grundstücksecken. Also habe ich zuerst beide Nachbarn gefragt was sie davon halten und dem einen war es komplett egal und der andere bat lediglich darum, dass es nicht all zu groß wird. Da ich lieber auf Nummer sicher gehen wollte habe ich schriftlich bei unserer Bauverwaltung nachgefragt was zulässig ist und sechs Wochen lang keine Antwort erhalten und erst auf Nachfrage dann gestern eine Mail die aber auch nur auf die ThürBO verweist. Ich komme da irgendwie nicht weiter obwohl ich die Frage an die Bauverwaltung konkret formuliert habe. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur zu blöd die nötigen Informationen aus der Bauordnung zu lesen und hoffe an dieser Stelle um eure Unterstützung.


    In der Grundstücksecke steht ein Baum mit je 1,50 Abstand zu den Nachbarn. Vor und in diesen Baum soll das Stelzenhaus gebaut werden. Somit ergibt sich ein Abstand des Stelzenhauses zur Grundstücksgrenze von mindestens 1 m. Die Fläche des Stelzenhauses beträgt 6 m² und die Höhe beträgt nach derzeitiger Planung 3,50 m.


    Was ich bereits heraus bekommen habe, dass das Vorhaben gemäß § 60 Abs. 1 Nr. 10 verfahrensfrei ist, siehe: Bürgerservice Thüringen


    Die Fläche ist mit 6 m² so denke ich auch kein Problem. Zu den Abständen und Höhen würde ich jetzt § 6 Abs. 8 Nr. 1 heranziehen, siehe Bürgerservice Thüringen


    Bin ich bis hierhin auf dem richtigen Weg?


    In § 6 Abs. 8 Nr. 1 steht nun:


    Zitat von ThürBO

    In den Abstandsflächen eines Gebäudes sowie ohne eigene Abstandsflächen sind, auch wenn sie nicht an die Grundstücksgrenze oder an das Gebäude angebaut werden, zulässig:

    1.

    Garagen und Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten mit einer mittleren Wandhöhe bis zu 3 m und einer Gesamtlänge je Grundstücksgrenze bis zu 9 m; abweichend von Absatz 4 Satz 3 bleibt die Höhe von Dächern mit einer Neigung von bis zu 45 Grad unberücksichtigt,

    Heißt das nun, dass ich mit dem 1 m Abstand zur Grundstücksgrenze keine Probleme bekomme (bzw. sogar an die Grundstücksgrenze bauen dürfte) solange die Wandhöhe maximal 3 m beträgt? Und das Dach wird nicht mitgegezählt insofern die Neigung maximal 45° beträgt?


    Ist das soweit richtig?


    Vielen Dank

  • Ist Dein Stelzenhaus zum Aufenthalt von Menschen (Kindern) bestimmt?


    Ohne juristische Ambitionen würde ich meinen, dass die Abstandsregeln u.a. zum Schutz vor ungewünschten Einblicken in Privatbereiche erlassen wurden. Deshalb genießen Garagen, Schuppen, Abstellräume das Abstandsprivileg. Fenster in den Grenzwänden sind i.d.R. nicht zulässig.

    Das alles trifft auf ein Spielhaus auf Stelzen nicht zu und selbst die Beschränkung der Benutzer auf Kinder ist hier nicht gesichert.


    Versteh mich nicht falsch. Ich bin nicht päpstlicher als der Papst und meine Kinder haben selbst für die Enkel ein Stelzenhaus in einem Meter Abstand zum Hühnerauslauf des Nachbarn gebaut. Mit dem Nachbarn haben sie das besprochen, mit den Hühnern nicht.

    Es würde aber niemand auf die Idee kommen, die Zustimmung notariell zu machen oder vom Amt einen Persilschein zu verlangen. Wenn sich der Nachbar gestört fühlt oder sonstwie nicht mehr gut drauf ist, dann muss das Ding halt wieder weg. Was solls?




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • dann muss das Ding halt wieder weg. Was solls?

    Danke für Deine Antwort. Ich hatte bisher immer den Eindruck, dass die meisten Experten hier im Forum dazu raten sich vor dem Bau Gedanken zu machen und nicht danach.


    Ich werde dem Nachbarn auch vor Baubeginn den Plan zeigen (und vielleicht unterschreiben lassen) damit er weiß was gebaut wird. Wir haben schon ein gutes Verhältnis und das soll auch so bleiben und nicht durch so eine Sache gestört werden.


    Dennoch wäre für mich eben Interessant zu wissen was zulässig ist und ich bin schon überrascht, dass das so schwer zu beantworten ist. Auch die Bauverwaltung konnte ja nichts konkret anworten.


    Du würdest jetzt eher sagen, dass ein Stelzenhaus NICHT mit "Garagen und Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten" gleichzusetzten ist und somit auch § 6 Abs. 8 Nr. 1 nicht gilt? Was gilt dann?


    Soll ich wirklich einfach bauen und schauen was passiert und im Streitfall wieder abreißen?

  • vor dem Bau Gedanken zu machen und nicht danach.

    Reden wir von einem Bau oder einer Bastelei?

    Soll ich wirklich einfach bauen und schauen was passiert und im Streitfall wieder abreißen?

    Nö, einfach mit dem Nachbarn reden. Wenn Du ihm einen Wisch unter die Nasen hälst, den er unterschreiben soll, macht der zu und lässt Dich stehen.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Heißt das nun, dass ich mit dem 1 m Abstand zur Grundstücksgrenze keine Probleme bekomme (bzw. sogar an die Grundstücksgrenze bauen dürfte) solange die Wandhöhe maximal 3 m beträgt? Und das Dach wird nicht mitgegezählt insofern die Neigung maximal 45° beträgt?

    Würde ich so sehen, zumal die betroffenen Nachbar schon zugestimmt haben und das Risiko einer Rückbauverfügung ja auch überschaubar ist.

    Das das "Bauamt" sich bedeckt hält ist normal. Die sind, sofern es sich nicht um die untere Bauaufsichtsbehörde handelte, für die Beurteilung nicht zuständig.

    Ohne juristische Ambitionen würde ich meinen, dass die Abstandsregeln u.a. zum Schutz vor ungewünschten Einblicken in Privatbereiche erlassen wurden

    Dazu gibt es in MV ein mehr oder weniger interessantes Pamphlet:

    "Neben der Belüftung der Räume, dem Schutz vor Feuerübergriff im Brandfall und einem Sozialabstand („Wohnfrieden"), ist auch die Ausleuchtung der Aufenthaltsräume mit Tageslicht im fensternahen Bereich (bis etwa 2,5 m Tiefe), die Lesen und Schreiben bei bedecktem Himmel gestatten soll, Ziel der Regelung der Abstandsflächentiefe."


    Landesbauordnung M-V
    Amtliche Begründungen Rechtsprechung des OVG Greifswald
    Bearbeitungsstand: August 2019
    Prof. Dr. Karsten Simoneit


    Dürfte sinngemäß für alle LBO's zutreffen.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Ich hatte irgendwo im Hinterköpfchen, dass bei solchen Baumhäusern wohl kein Faß aufgemacht wird. Genaueres weiß ich auch nicht, kann auch auf nichts verweisen. Ist schon Jahre her, dass ich mal deswegen was gesucht habe.


    Ich würde auch sagen: Keinen Wisch unterschreiben lassen, kein großes Traraa draus machen.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Reden wir von einem Bau oder einer Bastelei?

    Aufwand und Materialkosten sind jedenfalls mit einem gleichgroßen Gartenhaus vergleichbar. Ob nun Bau oder Bastelei, in beiden Fällen schadet es nicht sich vorher zumindest ein paar Gedanken zu machen. Da jetzt aber schon zweimal davon abgeraten wurde werde ich den Nachbarn nichts unterschreiben lassen. Ich will jetzt eigentlich nur noch für mich wissen was zulässig wäre und was nicht.


    Würde ich so sehen, zumal die betroffenen Nachbar schon zugestimmt haben und das Risiko einer Rückbauverfügung ja auch überschaubar ist.

    Du würdest also unverbindlich sagen, dass es bei einer Wandhöhe von 3 m und einem Abstand von 1 m voraussichtlich keine Probleme geben wird?


    Falls ja dann hätte ich leider noch eine Frage zur Wandhöhe.


    - Bei einem Stelzenhaus zählt die Wandhöhe vermutlich vom Boden, die Stelzen werden also quasi mit zur Wand gezählt oder? Falls ja dann sind 3 m nicht wirklich viel.

    - Bei einem Pultdach habe ich ja auf einer Seite eine höhere Wandhöhe als auf der gegenüberliegenden Seite, nimmt man hier den Mittelwert als Wandhöhe?


    Vielen Dank

  • - Bei einem Stelzenhaus zählt die Wandhöhe vermutlich vom Boden, die Stelzen werden also quasi mit zur Wand gezählt oder? Falls ja dann sind 3 m nicht wirklich viel.

    - Bei einem Pultdach habe ich ja auf einer Seite eine höhere Wandhöhe als auf der gegenüberliegenden Seite, nimmt man hier den Mittelwert als Wandhöhe?

    Ohne nochmal für Thüringen nachgelesen zu haben.

    Wandhöhe ist die Höhe vom Gelände bis zum Schnittpunkt Dachfläche/Wand.

    Bei der Höhe hinsichtlich der Priviligierung geht es um die mittlere Wandhöhe.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Bei der Höhe hinsichtlich der Priviligierung geht es um die mittlere Wandhöhe.

    Dann dürfte bei einem Pultdach die hohe Traufseite z.B. 330 cm und die gegenüberliegende Traufseite 270 cm betragen. Das ist bei einem Stelzenhaus durch die mitgerechneten Stelzen natürlich schon arg wenig.

  • Hier zwar ein Baumhaus, Aber das ist es ja eigentlich auch, was du bauen möchtest.



    Baumhaus Abstand


    Die Regelungen des deutschen Baurechts sind vielfältig und unübersichtlich.

    In den Bauordnungen der Länder gibt es zudem ein Abstandsgebot, das verhindern soll, dass man mit seinem Anbau dem Nachbar zu sehr auf die Pelle rückt.

    Diese Regelung hatte ursprünglich den Zweck, ein Ausbreiten von Bränden zu verhindern.

    So verklagte ein Grundstückseigentümer seinen Nachbar, da dieser unmittelbar an der Grundstücksgrenze ein massives Baumhaus für seine Kinder gebaut hatte.

    Das Landgericht Dortmund entschied, dass auch für ein Baumhaus der gesetzlich vorgeschriebene Abstand zum Nachbargrundstück gilt.

    Die Spielstätte musste daher abgerissen werden (Az.: 1 S 109/06).



    Quelle: Baumhaus Abstand: Baurecht – Bauordnung - Abstandsgebot – Nachbar - Grundstücksgrenze


    Hier das Urteil:

    LG Dortmund, Urteil vom 20.02.2007 - 1 S 109/06 - openJur


    Auszug:

    Das Baumhaus ist zwar nicht als ein Gebäude i.S.d. NachbG NRW anzusehen. Es stellt jedoch eine unzulässige Anlage im Bereich der Grenze gem. § 31 Abs. 1 NachbG NRW dar. Dem NachbG NRW ist zu entnehmen, dass an der Grenze von den jeweiligen Nachbarn eine besondere Rücksichtnahme gefordert wird. Nach § 31 NachbG NRW sind Aufschichtungen und sonstige Anlagen nur eingeschränkt zulässig. Das Baumhaus ist als sonstige Anlage i.S.d. § 31 NachbG NRW anzusehen. Damit ist gem. § 131 NachbG NRW abhängig von der Höhe der Anlage ein bestimmter Abstand einzuhalten. Diesen Abstand haben die Beklagten mit dem Baumhaus nicht gewahrt. Wie der in erster Instanz durchgeführte Ortstermin ergeben hat, ist das Baumhaus in einem Abstand von nur 20 cm zur Grenze und in einer Höhe von 2,20m bis 2,50 m von den Beklagten errichtet worden. Gem. § 31 NachbG NRW ist bei dieser Höhe ein Abstand von 20 cm jedenfalls unzureichend.

    Die Kläger können daher Beseitigung des Baumhauses verlangen.