Wie passenden Architketen finden, Altbausanierung

  • Hallo zusammen


    ich lese jetzt ein paar Tage hier mit und will mich mal melden.


    Wir planen die Sanierung einer alten Scheune ( EG = Bruchstein, 1 OG = gemauert) mit ca. 120 qm und Satteldach.

    mit dem Bauamt habe ich jetzt gesprochen und benötige für die passenden Anträge einige Dinge die im Grunde der Architekt oder Bauingenieur liefern muss.


    Wir wollen mit einem Fachmann Sanieren/umbauen, daher passt das ganz gut. Nur suche ich mir seit zwei Tagen den Wolf im Internet nach passenden Architekten, die auf Sanierung bzw. Altbau spezialisiert sind.

    Gibt es irgendwo eine Anlaufstelle wo ich fragen kann welche Architekten es im Umkreis gibt und was deren Spezialgebiet ist? (bitte keine Gelben Seiten vorschlagen)

    Ich habe schon am Bauamt nachgefragt aber die konnten mir niemanden empfehlen...

    Ich will jetzt auch keinen Architekten nehmen der 100 km entfernt ist, das würde google mir vorschlagen irgendwas in Essen oder so...Leider zu weit entfernt.

    Muss es den ein Architekt bei so einer Sanierung sein? Oder mach dies auch ein Bauingenieur? wobei der sicher ja sagen würde aber können die sowas auch?


    Die Sanierung sieht den neu Aufbau aller Räume + Dämmung + Dach + Heizung + Elektrik + Bäder + Fenster... Die Scheune ist leer abgesehen von einem Zwischenboden der sicher raus muss.

    Im Grunde bleiben nur die Außenwände stehen vermute ich und der Rest muss geplant werden von einem Fachmann und auch von Ihm betreut werden.

    Eigenleistung würde ich gerne mit einbringen da ich Handwerker (Installateur) bin.


    Als Sanierungsbudget haben wir uns so 350.000 € gesetzt inklusive Architekt / Bauingenieur, bei knapp 120 qm reicht dies hoffentlich...Aber das wird mir dann ein Fachmann hoffentlich bestätigen...


    Viele Grüße

    Andreas

  • Ich habe schon am Bauamt nachgefragt aber die konnten mir niemanden empfehlen...

    Falsch. Die dürfen keinen empfehlen, sondern müssen neutral sein

    Gibt es irgendwo eine Anlaufstelle wo ich fragen kann welche Architekten es im Umkreis gibt und was deren Spezialgebiet ist?

    Schon mal mit der zuständigen Architektenkammer versucht?

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Die Architektenkammern bieten mittlerweile meist online-Suchen an. Au0derdem würde ich erstmal nicht primär nach Umgang mit Altbauten suchen, sondern generell nach Objekten, die gefallen. Heute gibt es fast keine Kollegen mehr, die nicht immer wieder auch im Bestand arbeiten.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Schönen Gruß an die Architekten. Die Ingenieurkammern bieten den gleichen Service ;)


    Die Suche über die Architekten- und die Ingenieurkammer als ersten Schritt ist aber sinnvoll.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Hi,


    wie schon von Ralf gesagt - die Architektenkammer sollte weiterhelfen können.


    Architekt und Bauleitung vor Ort macht auf jeden Fall Sinn.


    Es gibt ja hier schon den ein oder anderen Thread zum Thema Umbau Scheune. Ich glaube Dein Ansatz - alles muss neu bis auf die Grundmauern ist der richtige Ansatz. Ein Neubau (ohne die 4 Wände stehen zu lassen) kommt billiger, aber ist aus meiner Sicht nicht so schön. Dämmungstechnisch (wenn man die Außenwände in Ihrer Schönheit erhalten will) ist das schwierig.


    Bitte beachten. Bei mir war der "Umbau" aus rechtlicher Sicht kein Umbau sondern Neubau. Das hat Auswirkungen auf potentielle Fördergelder der KFW (wenn gewünscht). Und es hat auch Auswirkungen auf Anforderungen der EnEv. Ist eben kein Umbau sondern Neubau. Das zieht sich auch durch den ganzen Beantragungsprozess.


    Richtig lösen und planen kann das nur der von Dir gesuchte Architekt!


    LG

  • Schönen Gruß an die Architekten. Die Ingenieurkammern bieten den gleichen Service ;)

    Ja, aber eben mit Bauingenieuren! Wenn eine Statikerin gesucht wird empfehle ich ja auch nicht die Datenbank der zuständigen AK, sondern gleich die passendere der Ing.-Kammer bzw. Baukammer.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Es sind nicht nur Architekten bauvorlageberechtigt und gerade bei der Sanierung einer alten Scheune ist der Ingenieur nicht die zweite Wahl.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Es sind nicht nur Architekten bauvorlageberechtigt und gerade bei der Sanierung einer alten Scheune ist der Ingenieur nicht die zweite Wahl.

    Der TS schrieb:

    Wir wollen mit einem Fachmann Sanieren/umbauen, ... Die Sanierung sieht den neu Aufbau aller Räume + Dämmung + Dach + Heizung + Elektrik + Bäder + Fenster... Die Scheune ist leer abgesehen von einem Zwischenboden der sicher raus muss.

    Wenn Du meinst, dass da ein Bau.-Ing die erste Wahl ist, bin ich auf die Gründe gespannt. Bau.-Ings. lernen in ihrer Ausbildung einfach nicht Entwerfen - was nicht heißen soll, dass es nicht manche gibt, die es können und auch nicht, dass alle Architektinnen und Architekten es könnten.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Super Danke, alle!


    de Bakel, warum nicht die zweite Wahl?

    Ist ein Ingenieur besser geeignet für so ein Projekt?

    Naja, früher waren sie alle Ingenieure. Heute sind Architekten ja Master of Arts... :D


    Wer besser geeignet ist lässt sich nicht sagen. Ich würde aber eher den Architekten als Generalisten aussuchen. Schau dir was die Architekten so machen, die Du so in der Umgebung hast. Hat einer extrem viele Altbauten, also Bestand, dann dürfte der eher Erfahrung mit Sanierungen haben als einer, der überwiegend nur Neubau macht.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Heute sind Architekten ja Master of Arts...

    oder martial arts?


    3. möglichkeit: jemanden suchen, der peilung hat, zb vertiefung "bib" (bauen im bestand) oder entsprechende fortbildung(en), zb johannesberg

    4. möglichkeit: versuch macht kluch - wenn die chemie passt, ist ja auch schon was gewonnen

  • Ist ein Ingenieur besser geeignet für so ein Projekt?

    Nein - eher gleichwertig.

    Wenn Du meinst, dass da ein Bau.-Ing die erste Wahl ist, bin ich auf die Gründe gespannt.

    Schrieb ich nie. Er ist aber auch nicht zweite Wahl.

    Jede Berufsgruppe hat Ihre Stärken und Schwächen.

    Mir viel nur auf, dass am Anfang gerade zwei ausgewiesene ARCHITEKTEN ausschließlich nur auf die Architektenkammer verwiesen.

    Auch hier gibt es Mitbewerber ;)

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Jeder Architekt ist nach dem Studium erstmal Ingenieur.


    Wenn man dann nach 3 Jahren Berufserfahrung Mitglied in einer Kammer sein möchte (die liefert berufsständische Vertretung, Fortbildung, will Qualitätsstandards sichern und kostet, liefert aber auch die nachgenannte Berufsbezeichnung und führt häufig die Listen der Bauvorlageberechtigungen), darf man sich dann „Architekt“ (in der Architektenkammer) bzw, „Beratender Ingenieur“ (in der Ingenieurkammer) nennen.


    Kammermitgliedschaften können also einen gewissen Anspruch an Qualität darstellen, sind aber kein Garant dafür (ich habe von Berufs wegen häufig mit nicht so guten Planungen zu tun und weiss, wovon ich schreibe).


    Viel wichtiger ist also das im Studium erworbene Grundwissen (da gibt es im Studiengang Architektur / Hochbau mehr Anleitung und Erfahrung bei Gebäuden, im Studiengang Bauingenieurwesen mehr im Bereich Ingenieurbauwerke) und dann vor allem die berufliche Tätigkeit, gewissenhafte Fortbildung, Schulung des Geschmacks, Lernen von den Besten, geistiger Wettbewerb um gute bauliche Lösungen usw.


    Behaupten tun das die meisten auf ihren Webseiten, aber wie sieht es mit der Realität aus?


    Finden tut man Planer über Kammerlisten, gute Beispiele die man selbst in der Region findet und Internetrecherchen. Man kann auch in der Bücherei nach Architekturbüchern oder ganzen Jahrgängen von Architekturzeitschriften schauen, da sieht man Beispiele und wer sie realisiert hat (nebenbei schult man den eigenen Geschmack und konkretisiert seine Vorstellungen - von guten Lösungen gleich Handyfotos machen und geordnet sammeln!). Auch wichtig: Literatur zum Thema „wer macht was am Bau“ - bei dem Beispiel des Fragestellers ist es ja mit einer Gebäudeplanung nicht getan, man braucht Fachplaner für Vermessung, Baugrund, Statik, Technische Ausrüstungen etlicher Art, Energienachweise oder sonstige Bauphysik usw. usw.


    Bekannte von Bekannten sind an sich kein Qualitätsmerkmal, das sollte einem bewusst sein.


    Stichworte bei Recherchen „Projektort“ und z.B. „Denkmalschutz“ - wer mit Denkmalbehörden zu tun hat, muss gestalterisch gute Arbeit leisten, damit die Bauherren auch an die Fördergelder kommen. Oder eben andere Stichwörter, die einem wichtig sind.


    Hat man eine Homepage gefunden, schaut man sich dort die Bilder von realisierten Projekten an - da sieht man gleich, wessen Lösungen einen ansprechen und wessen eher nicht.


    Am besten ist es, man erfährt vom Planer die Referenzadressen. Da meldet man sich mal und fragt, ob man auf einen Kuchen oder eine Flasche Wein vorbeikommen darf und fragt die Leute mal, wie die Zusammenarbeit mit dem Planer war, wie er auf ihre Wünsche einging, welche Ideen er hatte, wie die Kommunikation mit Bauherren und Handwerkern (Pläne, Ausführungskontrolle) lief, wie Kosten und Termine definiert und eingehalten wurden usw., halt alles, was einen als Bauherrn interessiert.


    Dann muss die „Chemie“ unter allen Beteiligten stimmen - mit dem Ergebnis der Planung hat man schliesslich länger zu tun als mit einem Arzt.


    Wer eine hochwertige Stereoanlage oder ein Auto kauft, informiert sich meist mehr über das „Produkt“ als Bauherren über den Planer - das geht besser!


    Und nicht zuletzt: man sollte sich vor (!) der Beauftragung von Planern darüber klar werden, was man eigentlich möchte - von Raumbedarf (Muss, kann, nice to have, soll nicht) über Funktionalitäten (was soll wo neben angeordnet sein und was nicht) über Standards (Materialien, Öko oder nicht, alternative Energien oder nicht), Aussengestaltung (Garten und Nutzflächen um das Gebäude) und Gestaltungsbeispiele (lesen und anschauen bildet, Innenstädte, „Architekturhighlights“ oder Wohnanlagen die einem gefallen, kann man am Wochenende besuchen…) über Kosten und Termine. Sowas nennt man Bedarfsplanung. Da kann man sich vom Fachmann helfen lassen, das kostet aber auch (extra).


    Fazit: Planersuche ist Bauherrenarbeit (wie Planung übrigens auch)!


    (Alle Aussagen gelten übrigens genauso für auch für die andern Geschlechter…)

  • Jeder Architekt ist nach dem Studium erstmal Ingenieur.

    Nö, schon länger erstmal "Bachelor", viele dann "Master", zu deutsch also "Geselle" / "Meister". Architekt kann man dann nach zwei Berufsjahren als Master durch Kammermitgliedschaft werden. Also, ja, wer sich Architekt / Architektin ist, hat auch einen Studienabschluss als Master / Dipl.-Ing., weil das heute überall in D Voraussetzung für die Architektenkammern ist. Für die Ingenieur- bzw. Baukammern gilt das meines Wissens analog.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Zitat aus ingenieur.de:


    „In Deutschland gibt es 16 Ingenieurgesetze, für jedes Bundesland eins. Denn die Ingenieurgesetze sind Ländersache. Ingenieur darf sich demnach jeder nennen, der

    • das Studium einer technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung
    • an einer deutschen Hochschule
    • mit der Dauer von mindestens drei Jahren (Vollzeit)

    mit Erfolg abgeschlossen hat. Der Ingenieur muss also im Unterschied zum Techniker einen akademischen Abschluss vorweisen können. In diesem Punkt sind sich bislang alle Bundesländer einig.“


    Das ist nicht zu verwechseln mit dem konkreten akademischen Grad, den man nach Abschluss des Studiums erhält, z.B. Ing. grad., Dipl.-Ing., Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Ing. (univ.), Master, Bachelor… usw.


    Der Satz „Jeder Architekt ist nach dem Studium erstmal Ingenieur“ stimmt also.

  • Der Satz „Jeder Architekt ist nach dem Studium erstmal Ingenieur“ stimmt also.

    Nein, er stimmt nicht (mehr) Der akademische Titel ist Bachelor oder MA (Master of Arts). Welche Bezeichnung dann wer wo zu Recht oder Unrecht führt, steht auf einem anderen Blatt.


    Woher stammt das obige Zitat? (Das mit "" gekennzeichnete, nicht das von mir zitierte) Quellenangabe nicht mehr Trend?

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Der Satz „Jeder Architekt ist nach dem Studium erstmal Ingenieur“ stimmt also

    Nein, er stimmt nicht (mehr) Der akademische Titel ist Bachelor oder MA (Master of Arts). Welche Bezeichnung dann wer wo zu Recht oder Unrecht führt, steht auf einem anderen Blatt.


    Woher stammt das obige Zitat? (Das mit "" gekennzeichnete, nicht das von mir zitierte) Quellenangabe nicht mehr Trend?

    Das kommt darauf an, wie man "Ingenieur" definiert. Bezogen auf den akademischen Titel "Diplom-Ingenieur" kann man Ralf Dühlmeyer zustimmen. Der akademische Abschluss ist M.A. (warum eigentlich Master of Arts? Bauingenieure sind M.Sc oder M.Eng, ist aber ein nebensächliches Thema).


    Allerdings ist der Begriff "Ingenieur" auch in den jeweiligen Ingenieurgesetzen der Bundesländer definiert und geregelt. Z. B. im §1 IngG des Landes Berlin:

    Die Ingenieurgesetzte der restlichen 15 Bundesländer enthalten ähnliche Bestimmungen, eine Übersicht gibt es hier.


    Ich denke, dass wir uns einig darüber sind, dass es sich beim Architekturstudium um ein Studium einer technischen Fachrichtung handelt, so dass die Aussage


    Zitat

    Jeder Architekt ist nach dem Studium erstmal Ingenieur

    durchaus als korrekt angesehen werden kann, wobei es wohl besser heißen würde:


    Zitat

    Jeder Architekt ist nach dem Studium erstmal berechtigt, sich Ingenieur zu nennen.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)