Darf ich Energieausweise erstellen!?

  • Hallo,


    ich habe eher eine rechtliche Frage.

    Wer kann mir sagen, ob ich aufgrund meiner Ausbildung/Tätigkeit berechtigt bin, auch selber Energieausweise nach GEG auszustellen?


    Ich habe beim dibt angerufen, die haben mich an die geg-registrierstelle verwiesen, die haben mir wiederum geschrieben, dass sie keine Aussagen zur Zulassung

    der Ausstellungsberechtigten beantworten sondern nur einen Support für ihre Homepage machen und mögliche Probleme beim Kontingentkauf etc.!


    Kann es denn sein, dass mir in ganz Deutschland niemand verbindlich sagen kann, ob ich Energieausweise nach GEG ausstellen darf?

    Das würde ja bedeuten, man macht es einfach solange bis man eines besseren belehrt bzw. "erwischt" wird...


    Danke für qualifizierte Rückmeldungen

  • Welche fachliche Qualifikation sollte denn die Berechtigung nach § 88 GEG begründen?

    Ich kann mir bei einem Lehrer da nichts vorstellen. Ich kenne aber auch nicht Deine Ausbildungen.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Diplom-Gewerbelehrer Bautechnik/Hochbau RWTH Aachen

    Lehrtätigkeit für Auszubildende Anlagenmechaniker SHK - Mitglied im Gesellenprüfungsausschuss

    Lehrtätigkeit für staatlich geprüfte Bautechniker - Vertiefungsrichtung Haustechnik, Erstellung des Examens Haustechnik,
    Mitglied im Vorprüfungsausschuss Bautechnik der Bez.Reg Köln


    Mir "fehlt" halt die praktische Tätigkeit in dem Bereich...

  • Ich möchte nur Energieausweise für Wohngebäude und Nichtwohngebäude ausstellen bzw. die Lehrtätigkeit dahingehend ausbauen.


    Ich möchte aber auch klar haben, welche vertiefende Ausbildung wir unseren Studierenden in der Fachschule (Qualifikation D6) noch zusätzlich anbieten müssen, damit auch diese nach ihrem Examen direkt Energieausweise erstellen dürfen (der Techniker ist ja in §88 aufgeführt)


    Ich möchte wissen, ob ich im Rahmen meiner Nebentätigkeit bei einem Immobilienmakler auch Energieausweise anbieten darf.

  • Ist für am Bau tätige Ingenieure/Ingenieurinnen/Batchelors/Batchelinnen/Masters/Mistresses nicht auch eine gewisse berufliche Erfahrung Voraussetzung?

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Da die Praxis und/oder der Ausbildungsschwerpunkt fehlen, wäre noch die Schulung nach § 88 (2) Nr. 2 GEG erforderlich.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Ich bin ja weder Ingenieur, noch Bachelor noch Master - sondern "nur" Diplom-Gewerbelehrer


    Natürlich habe ich auch praktisch gearbeitet, da eine gewisse Menge an Praxiserfahrung ja nachgewiesen werden muss, ich habe auch

    Fortbildung im Bereich BHKW, Gasinstallationen, Trinkwasserinstallationen etc. und weitere Praktika während der Sommerferien.


    Das Problem ist, dass der §88 nur sagt, dass man einen Hochschulabschluss im Bereich der Bautechnik oder einen ähnlichen technischen oder naturwissenschaftlichen Abschluss haben muss.

    Nach Abs.2 braucht man nur dann praktische Tätigkeit in diesem Bereich, wenn man keinen gebäudeenergetischen Schwerpunkt im Studium hatte.


    Schon mal danke sehr für die bisherigen Antworten...

  • Das heißt, ich darf seit 10 Jahren Heizungen mit allen Komponenten, sowie regenerativen Anteilen planen und mit meinen angehenden Technikern tiefgehende Projekte bearbeiten, aber mir fehlt die PRAKTISCHE Erfahrung, die ich dann mit einer SCHULUNG nachweisen kann...


    ....das wäre mal wieder typisch deutsch!

  • Ich habe nichts gegen Praxiserfahrungen, aber mir ist noch nicht ganz klar, wie ich die mit einer SCHULUNG erwerben soll.,


    Ich plane mit meinen Auszubildenden und Studierenden ja nicht einfach ins Blaue, sondern an konkreten Projekten.

    Und wenn man Mitglied in einem Prüfungsausschuss ist, sollte man auch die Unterschiede zwischen Theorie und Praxis kennen...


    Bitte nicht falsch verstehen, ich habe kein Problem mit Fortbildungen, aber die Inhalte einer theoretischen Schulung als Praxiserfahrung zu werten, verstehe ich halt nicht.

    ...vor allem, weil ich die Inhalte der theoretischen Schulung in meiner Lehrtätigkeit selber unterrichte!

  • Wobei das Gesetz schon sehr schwammig ist, muss man schon sagen. Wie muss denn ein Studium aussehen, um einen Schwerpunkt in energiesparender Bauweise zu haben? Bei uns im Studium, noch vor der Energieausweisgeschichte, wurde auf Energie sparen geachtet, aber viel rum gerechnet haben wir nicht. Wie soll das jetzt nachgewiesen werden, dass man im Studium so gehandelt hat? Ich gehe davon aus, dass heute eh prinzipiell auf energiesparende Bauweisen im Studium geachtet wird, also sind per se alle Absolventen zur Ausstellung von Energieausweisen berechtigt. :corn:

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Ich bin ja weder Ingenieur, noch Bachelor noch Master

    Dann habe ich das oben wohl falsch gelesen.

    Da vermutlich auch kein Handwerksmeister vorliegt scheitert die Zulassung bereits im Absatz 1 § 88 GEG.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • ....das wäre mal wieder typisch deutsch!

    Ob das typisch deutsch ist, vermag ich mangels Einblick in ausländische Voraussetzungen nicht zu beurteilen.


    Tatsache ist, dass ein Berufsschullehrer wohl Handwerker unterrichten darf, aber kein meisterpflichtiges Gewerbe ausüben darf, genauso wenig wie ein Unidozent im Bauwesen automatisch bauvorlageberechtigt ist oder Standsicherheitsnachweise machen darf.


    Ich könnte mir vorstellen, dass ein Diplom-Gewerbelehrer die Voraussetzungen nach §88 (2) 1. hat und nach (2) 2. eine Schulung machen darf. Also ran!

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Danke Thomas,


    in etwa so sehe ich das mittlerweile auch. Ich darf zwar die Techniker in Gebäudetechnik ausbilden, brauche aber die formale Bestätigung einer Schulung, dass ich die Inhalte auch kann ;-)


    Werde mir mal ein paar Schulungsangebote vertiefen ansehen - das wird schon...

  • Ralf,


    ich habe einen Abschluss der RWTH Aachen als Diplom-Gewerbelehrer Bautechnik/Hochbau.


    Und da ich die meisten Inhalte bei den Bauingenieuren und Architekten gehört habe, behaupte ich mal, dass das auch kein Feld-Wald-und-Wiesen-Abschluss ist. Zumal die Klausuren oft auch die gleichen waren, da die Professoren keine Lust hatten, für die Gewerbelehrer eine differenzierte Klausur anzubieten.

    Zudem habe ich selber einige Jahre als HiWi am Institut für Baumaschinen und Baubetrieb gearbeitet - aber im Tiefbau...ein bißchen Praxis kann ich schon.

    Aber das alles nutzt im Rahmen von Abs.2 §88 gerade wenig ;-)

  • Ob das typisch deutsch ist, vermag ich mangels Einblick in ausländische Voraussetzungen nicht zu beurteilen.


    Tatsache ist, dass ein Berufsschullehrer wohl Handwerker unterrichten darf, aber kein meisterpflichtiges Gewerbe ausüben darf, genauso wenig wie ein Unidozent im Bauwesen automatisch bauvorlageberechtigt ist oder Standsicherheitsnachweise machen darf.

    :thumbsup:


    In solchen Fällen ist es sinnvoll, kurz darüber nachzudenken, ob es einfacher / weniger aufwändig ist, die Zulassung auf dem formal vorgesehenen Weg durch Prüfung (nach Kurs) zu erlangen oder die Gleichwertigkeit zu erstreiten. (Bei 8 Stunden würde ich den schnellen Weg durch einen Kurs wählen, bei 200 Stunden erstmal versuchen Gleichwertigkeit bescheinigt zu bekommen.)

    ich habe einen Abschluss der RWTH Aachen als Diplom-Gewerbelehrer Bautechnik/Hochbau.


    Und da ich die meisten Inhalte bei den Bauingenieuren und Architekten gehört habe, behaupte ich mal, dass das auch kein Feld-Wald-und-Wiesen-Abschluss ist. Zumal die Klausuren oft auch die gleichen waren, da die Professoren keine Lust hatten, für die Gewerbelehrer eine differenzierte Klausur anzubieten.

    Zudem habe ich selber einige Jahre als HiWi am Institut für Baumaschinen und Baubetrieb gearbeitet - aber im Tiefbau...ein bißchen Praxis kann ich schon.

    Aber das alles nutzt im Rahmen von Abs.2 §88 gerade wenig ;-)

    Das mit den gleichen Klausuren kann ich von der TU-Berlin bestätigen. Jedoch bezweifle ich ein wenig den Praxisbezug und seine Aktualität.

    Off-Topic:

    Wenn ich an meine Gewerbelehrerinnen an der Berufsschule zurückdenke ... sie waren ein sinnvolles theoretisch gebildetes Gegengewicht, war aber praktisch leider völlig unerfahren ...

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Bei dem Kombikurs zu Wohngebäuden/Nichtwohngebäuden geht es um 120 Einheiten a 45 Minuten - da kommt schon ein bißchen was zusammen.

    Das mein Abschluss nicht von letzter Woche ist, heißt ja nicht, dass ich nicht in Fortbildungen weiter gelernt habe.


    Leider kann ich aber auch die Eindrücke über Berufsschullehrer, ihr Praxiswissen und die Aktualität des Wissens nicht ganz entkräften.


    Das Problem in dem gesamten Fall ist eher die Tatsache, dass die Registrierung zur Ausstellung der Energieausweise ja rein auf Eigenverantwortlichkeit beruht. Wenn ich also GLAUBE, dass ich ausreichende Fähigkeiten habe und diese auch nachweisen kann (im schlimmsten Fall mit einem diskussionswütigen Anwalt), dann kann ich mich registrieren und einfach loslegen...

  • Nun zu dem ganzen rechtlichen kann ich nix sagen....

    Aber um Energieausweise zu erstellen braucht man neben Fachwissen auch die notwendigen Programme .... und da kommen schnell mal ein paar Euro zusammen...Nur mit Energieausweise Geld zu verdienen ist schwer...

  • In der EneV war ja bzgl Energieausweisen die Aussage, dass die Länderbehörden dafür zuständig seien. Wer wäre das für NRW?



    Wir haben gerade (mal wieder eine Prüfung von Energieausweisen in der Stufe 2 und dort wird als ein Punkt abgefragt:

    Qualifizierung des Ausweisausstellers


    Zitat

    Qualifizierung des Ausweisausstellers:

    Nachweis der Qualifikation des Ausstellers gemäß der in § 21 EnEV bzw. § 88 GEG genannten

    Anforderungen. (z.B. Nachweis Berufsabschluss + eventuell notwendige Fortbildung)

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  • Das Problem in dem gesamten Fall ist eher die Tatsache, dass die Registrierung zur Ausstellung der Energieausweise ja rein auf Eigenverantwortlichkeit beruht. Wenn ich also GLAUBE, dass ich ausreichende Fähigkeiten habe und diese auch nachweisen kann (im schlimmsten Fall mit einem diskussionswütigen Anwalt), dann kann ich mich registrieren und einfach loslegen...

    Das ist richtig. Ich halte den Umfang von 120 UE auch für angemessen. Darunter würde ich mit dem Wissen nicht hausieren gehen. Es bleibt dann noch die Frage nach der Qualität der ausgestellten Ausweise und die gibt es ja inzwischen für rd. 30,- € online. dDeren Bezug zur Realität geht leider oft gegen Null. Das wiederum erkenne ich ohne den Kurs besucht zu haben auf den ersten bzw. zweiten Blick. Und: Hat man eine Versicherung, die für falsch ausgestellte Ausweise der Haftpflicht übernimmt? Wie dem auch sei ... das Thema GEG und der Energieausweis sind komplex. Ich bin froh, darum herum gehen zu können!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Nur mit Energieausweise Geld zu verdienen ist schwer...

    Alleine mit Ausweisen nicht, Aber als Zusatz. Es kommt auch auf die Menge an und die Vernetzung. Ich bin jetzt irgendwo bei Ausweis Nr. 1.020 (Und es gibt immer noch Überraschungen - ich liebe diesen Job!)

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  • ich habe einen Abschluss der RWTH Aachen als Diplom-Gewerbelehrer Bautechnik/Hochbau.

    Ich zitiere §88 (1) 2.:

    "(1) Zur Ausstellung eines Energieausweises ist nur eine Person berechtigt,

    ...

    2. die eine der in Absatz 2 genannten Voraussetzungen erfüllt und einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss erworben hat


    a) in einer der Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Hochbau, Bauingenieurwesen, Technische Gebäudeausrüstung, Physik, Bauphysik, Maschinenbau oder Elektrotechnik oder


    b) in einer anderen technischen oder naturwissenschaftlichen Fachrichtung mit einem Ausbildungsschwerpunkt auf einem unter Buchstabe a genannten Gebiet,..."


    Ich könnte mir vorstellen, dass Dipl.-Gewerbelehrer Bautechnik/Hochbau unter "andere technische Fachrichtung" zählt.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Es bleibt dann noch die Frage nach der Qualität der ausgestellten Ausweise und die gibt es ja inzwischen für rd. 30,- € online.

    Wo ich immer noch nicht verstehe, wie die durch die Prüfung kommen - ehrlich! :motz2:

    Wenn ich überlege, wie sorgfältig ich arbeite (und dennoch immer noch Fehler mache)


    Wobei, als Tip: Wenn man schon Energieausweise macht, dann sollte man auch gleich IFSPs können. Das eine ist eh die Vorarbeit für das andere.

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  • Wo ich immer noch nicht verstehe, wie die durch die Prüfung kommen - ehrlich! :motz2:

    Ich auch nicht und ich bemühe mich redlich, dass solchen Leuten das Gewebe entzogen wird. Die sollen Gebrauchtwagen verkaufen!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • das Thema GEG und der Energieausweis sind komplex.

    Kann ich bestätigen. Alleine die Paragraphen für den Schornsteinfeger. Wenn man sich mal so richtig tief reinbuddelt - spannend.


    Was ist das?

    ISFP -> individueller Sanierungsfahrplan, ausgestellt durch einen Energieberater. Dadurch kann der Kunde 5% mehr Förderung bei Einzelmaßnahmen bekommen. Wir werden derzeit massiv danach angefragt und können aufgrund von Zeitmangel die alle gar nicht bedienen. Ist auch um einiges zeitaufwändiger, aber eben: Wenn man gewohnt ist, halbwegs sorgfältig einen Energieausweis zu erstellen, hat man schon sämtliche Daten dafür im System.

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