Statik vs Solaranlage

  • Hallo Forum,

    ich befasse mit der Realiserung einer Solaranlage in Berlin auf ein Reihenmittelhaus. Nachdem ich nun hoffe die Brandschutzhürde diese Woche zu meistern, fürchte ich das ich heute ein Rückschlag in Sachen Statik erhalten habe. Vorgeschichte: Wenn man sich die Angebote einholt erzählen ja alle Solateure immer, dass die Statik bei einen 22 Jahre alten Haus kein Problen darstellt. Im Angebot steht im Kleingedruckten dann aber immer: "Statiknachweis obliegt den AG" also den Auftraggeber. Im Rahmen dessen musste ich leider feststellen das die damals erhaltenden Bauunterlagen sehr rudimentär sind ( Einzige Verteidigung wir haben schlüselfertig von einen großen Bauträger gekauft :-( ). Die Statikberechte war leider nicht Bestandteil der übergebenen Unterlagen. Heute habe ich dann im Bauamtarchive den Statikbericht einsehen können. Leider war es vor 22Jahren noch nicht üblich eine Solaranlage mit in die Konstruktion einzurechnen. Darüber hinaus zeigt die Berechnung nun

    auch das der der Knickwert der Sparren in dieser Berechnung nicht gerade großzügig ausgelegt wurde , Er beträgt für die normalen Sparren 0,93 und für die Sparren um das Dachfester 0,96.

    Gibt es hier im Forum jemand der Überschlagen kann, ob trotzdem noch eine Chance besteht eine Solaranlage statisch sauber zu montieren. Mein Gefühl sagt mir nämlich das dass aüßerst knapp wird da die Befestigung der Dachhaken ja den Sparren um ca 5% schwächt und dazu auch noch das Gewicht der Module hinzukommt.

    Ich möchte nämlich ungerne die Kosten für ein Statiker ausgeben, wenn schon im Vorfeld klar ist das wird nichts.

    Für jeden hilfreichen Kommentar wäre ich sehr dankbar


    PS ich weiß es gibt natürlich auch die Möglichkeit die Statik zu verbessern, Aber da die PV Anlage nach meinen Berechnungen eh schon kaum nach 20 Jahren ins positive kommt, was A an meinen Anforderungen bzgl Brandschutz liegt und B an den Motageort Berlin (Die Preise die hier in Berlin aufgerufen werden unterscheiden sich doch etwas von den Preisen die im Forum genannt werden im westdeutschen Raum) würde das das Projekt weiter ins negative schieben. So das es dann besser wäre einfach Ökostrom zu beziehen und auf die Solaranlage zu verzichten ;(

  • Gibt es hier im Forum jemand der Überschlagen kann, ob trotzdem noch eine Chance besteht eine Solaranlage statisch sauber zu montieren.

    Ich glaube kaum. Es sind nicht nur die Sparren zu betrachten, die i.d.R. ausreichen dürften. Weiter geht es mit Pfetten, Schwellen, diversen Anschlüssen usw. Ohne etwas in die Tiefe zu gehen, wird das nix. Auch eine Überschlagsrechnung zieht im Schadensfall Haftungsprobleme nach sich.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

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  • was wiegt eigentlich so ne Solaranlage pro m^2 ?


    Aus dem Bauch heraus würde ich auch sagen, dass es bei einem gut 20 Jahre alten Haus kein Problem sein sollte...

    aber wer weiß...muss sich ein Fachman detailliert bzw vorort anschauen

    unter dem Strich gehts um Haftungsgeschichten.....

  • Hi

    so ein Modul wiegt ca 12-13kg /m²

    Ich suche aber auch keine haftungsichere Berechnung, sondern eher eine Abschätzung ob es sich überhaut noch lohnt eine Hafttungsicherer Berechnung durch einen Statiker (ca 300-500Euro) durchrechnen zu lassen.

  • um das abschätzen zu können, müsste man wissen, wie sich die lastannahmen (wind, schnee) in berlin geändert haben.


    von einem anderen standort in franken weiss ich, dass einem da ganz schön was um die ohren fliegt, wenn man glaubt, ein paar prozent reserve in der urstatik würden reichen ... ganz und garnicht. da urstatik und pv-nachrechnung grad mal 15 jahre auseinander waren (und beides von mir verzapft), sehe ich das thema auflastung durch pv+uk seitdem (!) ganz und garnicht entspannt. das heisst aber nix, jeder bauort ist anders, versuch macht klug.


    falls in den lastannahmen der urstatik reserven sein sollten (eher unwahrscheinlich, aber wer weiss), kann man vielleicht nochmal drüber nachdenken.

  • Ah..., das alte "Problem" beim Bauen im Bestand.

    Selbst Berufskollegen in der öffentlichen Verwaltung haben oft ein Problem damit, zu verstehen, dass sie bei der Nachrechnung bestehender Konstruktionen als Ergebnis gesagt bekommen können, dass das Vorhaben nicht umsetzbar ist. Man erwartet vom Statiker irgendwie immer, dass er grünes Licht gibt.

    In so einem Fall kann es aber halt vorkommen, dass die "Ampel" des Statiker aus rot springt und der Auftraggeber für etwas bezahlen muss, was entweder dazu führt, dass das Vorhaben stirb oder, dass es deutlich teurer wird; im konkreten Fall dadurch, dass der Dachstuhl erneuert werden müsste.


    Wenn ich es richtig überblicke, sind wir seit dem Baujahr mindestens bei der dritten Normengeneration (sowohl was die Lasten, als auch was die Bemessung angeht) angelangt. Wenn ich den Holzbau jetzt noch richtig im Kopf habe (bin kein Spezialist), wurden insbesondere die Nachweise deutlich ungünstiger, so dass eine Nachrechnung zeigen könnte, dass das Dach rechnerisch auch ohne die PV-Anlage nicht mehr standsicher ist. Und 7% Reserve, wenn denn der TE die Bestandsstatik richtig gelesen hat, sind nicht wirklich viel...

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • die Anlage an sich wiegt doch kaum was. So 20-25kg pro m² vielleicht.

    Problematisch bei der Statik für die PV ist weniger die Tragfähigkeit des Daches, vielmehr geht es um die Einleitung der Kräfte in die bestehende Dachkonstruktion.

    Diese treten ja nun nicht mehr flächig auf (Schneelast, Windsog) sondern an wenigen Punkten, Haken oder Modulziegel


    Ich habs einfach gemacht. Ohne Statikus. So wie ungefähr 95% der privaten Bauherren.

  • Dein Haus ist aber auch keine 22 Jahre alt oder?

    Im modernen EFH-Bau sind im Dach meist relativ große Reserven, da in der Regel die Abmessungen der Sparren nach der Dicke der erforderlichen Dämmung und nicht nach statischen Erfordernissen dimensioniert werden, will sagen: Die Sparren sind aus statischer Sicht meist deutlich überdimensioniert...

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Das ist ja auch meine Befürchtung.

    Insbesondere da ja nicht nur 7 % reserve sondern 2 balken nur 4% reserve haben

    was durch den wechsel für die großen Dachfenster verursacht scheint

  • Das Haus ist 1999 geplant und 2000 gebaut


    Wie gesagt große Reserve sehe ich da nicht, kann ja mal wenn ich die Kopien (hab leider sehr schlechte aufnahemen per Foto gemacht)

    bekomme die statik hier reinstellen

  • Falls die Sparren problematisch sein sollten, dann könnte man auch "Schwerlast" oder sogenannte "Weitspannprofile" verwenden. Mit denen lassen sich freitragend bis 6m und mehr überbrücken, so dass man die Last an einer vielleicht besser geeigneten Stelle (Pfetten?) einleiten kann. Darauf dann mit Kreuzverbindern die "normalen" Profile und dann die Module. Billig wird das aber nicht.

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  • Dein Haus ist aber auch keine 22 Jahre alt oder?

    mein Haus ist 5 Jahre alt, das Dach ist kalt und ohne Dämmung (nur USB). D.h. die Sparren sind so dick we der Zimmerer meinte das passt. Günstig ist er auch - nix KVH sägerauhes Bauholz.


    Aber: Nur weil ich das so gemacht hab, heißt nicht dass es wo anders auch passt oder überhaupt dass es bei mir passt. Ich habe aber keine Zweifel..

    Wenn ich mir die Sparren so mancher 200 Jahren alten Scheunen so anschaue, die stehen auch noch...