Terrassenüberdachung an WDVS befestigen

  • Hallo,


    wir haben ein Terrassendach (3x3m, mit zwei einbetonierten Pfosten und einem Querträger an der Hauswand) bestellt, das laut Vertrag "fachgerecht an WDVS" befestigt werden soll. Für mich bedeutet "fachgerecht", dass

    1. keine Wärmebrücke erzeugt wird und
    2. eine Abstandsmontage gemacht wird

    damit die 15cm WDVS und die Fassade nicht beschädigt werden. Der Anbieter sieht das leider anders und will nur den zweiten Punkt berücksichtigen. Die Befestigung soll mit normalen Kunststoffdübeln und einer Distanzhülse erfolgen. Bei Kostenübernahme durch mich würden sie allerdings auch Thermax 16 Dübel verwenden.


    Kann ich den Anbieter dazu zwingen, dass er ohne Zusatzkosten für mich eine Variante verwendet, die keine Wärmebrücke erzeugt? Gibt es dazu irgendwelche Vorschriften? Oder zählt die Befestigung mit durchgehender Schraube/Gewindestange und Distanzhülse als "fachgerecht"?


    Über eine kurze Antwort würde ich mich freuen.

    Danke und viel Grüße

    Sam

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe vor ein paar Jahren mal ausgerechnet, wieviel (oder besser wie wenig) Wärmeenergie über die Kombination Betondecke-Dübel-Gewindestange-Konsole abgeleitet wird.

    Es waren bei maximaler Temperaturdifferenz nur wenige Watt. Da hat jeder Fenstergriff höhere Verluste.

  • Danke für die schnelle Antwort. Ich habe weniger Bedenken bzgl. Wärmeverlust, sondern eher wegen Schimmel/Feuchtigkeit im Innenbereich oder hinter der Dämmung. Wir hatten diesen Winter längere Zeit unter -10° und -20° ist auch keine Seltenheit. Der reine Wärmeverlust wäre mir aus finanzieller Sicht egal.

  • Oder zählt die Befestigung mit durchgehender Schraube/Gewindestange und Distanzhülse als "fachgerecht"?

    Wenn er den Nachweis der Standsicherheit bei einer 15(?) cm Auskragung liefern kann, vermutlich ja.


    Wenn wenig Wärme abgeführt wird (siehe Thomas), wie soll dann die Oberflächentemperatur so weit absinken, das Schimmel entsteht?

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

    • Offizieller Beitrag

    wir haben ein Terrassendach (3x3m, mit zwei einbetonierten Pfosten und einem Querträger an der Hauswand) bestellt, das laut Vertrag "fachgerecht an WDVS" befestigt werden soll. Für mich bedeutet "fachgerecht", dass

    1. keine Wärmebrücke erzeugt wird und
    2. eine Abstandsmontage gemacht wird

    damit die 15cm WDVS und die Fassade nicht beschädigt werden. Der Anbieter sieht das leider anders und will nur den zweiten Punkt berücksichtigen. Die Befestigung soll mit normalen Kunststoffdübeln und einer Distanzhülse erfolgen. Bei Kostenübernahme durch mich würden sie allerdings auch Thermax 16 Dübel verwenden.

    • Eine wärmebrückenfreie oder zerstörungsfreie Herstellung eines Auflagers durch ein WDVS hindurch ist nach Herstellung eines des WDVS unmöglich, sofern man nicht für minimale Lasten nur klebt.
    • Meines Wissens sind Nylondübel statisch nicht nachweisbar - jedenfalls für nennenswerte Lasten.
    • Allein mit horizontal gesetzten linearen Verbindungsmitteln kann meines Wissen kein Auflager für nennenswerte Vertikallasten auf Abstand hergestellt werden.
    • Auch Thermax-Dübel sind Wärmebrücken, leiten aber sehr viel weniger Wärme als andere Verankerungen. Es gibt also nur starke oder schwache Wärmebrücken.

    Ich habe weniger Bedenken bzgl. Wärmeverlust, sondern eher wegen Schimmel/Feuchtigkeit im Innenbereich oder hinter der Dämmung.

    • Schimmelpilzwachstum ist in diesem Zusammenhang die Folge von Kondensat auf kalten Oberflächen auf der warmen Seite eines Bauteils bei Anwesenheit eines organischen Materials, das als Substrat für Pilze dient.
    • Eine kalte Oberfläche ist immer die Folge eines Wärmeverlusts.
    • Insofern gehören beide Effekte zusammen.

    Deine Forderungen sind in sich nicht schlüssig und widersprechen sich teilweise.

    • Offizieller Beitrag

    zählt die Befestigung mit durchgehender Schraube/Gewindestange und Distanzhülse als "fachgerecht"?

    kommt drauf an - u.a. auf die art der beanspruchung.

    die gleiche frage kannst du mit mindestens gleich grosser berechtigung zum thema "spezialdübel" stellen.


    deswegen:

    Allein mit horizontal gesetzten linearen Verbindungsmitteln kann meines Wissen kein Auflager für nennenswerte Vertikallasten auf Abstand hergestellt werden.

    :thumbsup:

  • Hallo,


    vielen Dank für die ganzen Einschätzungen und Tipps. Mittlerweile ist die Überdachung montiert, ich habe mich für Thermax 16 entschieden und dafür etwas mehr bezahlt. ich wollte mich nicht auf eine Befestigung einlassen, die möglicherweise keine Zulassung hat oder ich dann im Nachgang reklamieren muss, weil die Befestigung nicht hält.


    Daher nochmal vielen Dank für eure schnellen Antworten und guten Einschätzungen.


    VG

    Sam

  • Hallo zusammen,


    ich habe ein ähnliches Anliegen wie Sam. Und zwar geht es bei mir um die Befestigung eines Vordachs in Art und Weise wie https://skanholz.com/produkte/vordaecher/wismar-1242.html. Ein ähnliches Vordach aus 12/12 KVH habe ich mir mit meinem Zimmermann (Nachbar) selbst gebaut (siehe Bild im Anhang).


    Nun geht es um die Befestigung des Dachs. Es sollen unter anderem pro Pfosten 2 Befestigungspunkte entstehen. Außerdem soll die Firstfette(n) an 4 Punkten verankert werden. Das Dach soll an einer mit Styropor gedämmten Wand aus Hohlblocksteinen angebracht werden. Die Dämmstärke beträgt 12cm, die Wandstärke ca. 25cm, also insgesamt 37cm.


    Mein Zimmenmann sagt nun, dass ich an allen Befestigungspunkten das Styropor auf 20cm Höhe und 10cm Breite ausklinken soll, um anschließend einen Holzklotz passgenau an der Wand mittels Schwerlastbefestigung zu verankern. An diesen Holzklötzen soll anschließend der Balken des Vordachs angeschraubt werden.


    Was haltet ihr von der Art und Weise? Meine größten Bedenken sind die entstehenden Wärmebrücken. Es werden immerhin insgesamt 10 Befestigungspunkte entstehen. Gerechtfertigt, oder nicht?


    Ein befreundeter Maurer meinte zu mir, ich soll einfach ein Abstandsmontagesystem (z.B. Fischer Thermax) verwenden. Somit würde ich keine Wärmebrücken herstellen. Meine Bedenken hier sind allerdings die vertikalen Kräfte auf den horizontal angebrachten Wandanker.


    Ich weiß nun nicht, welchem "Experten" ich folgen soll. Ich hoffe, ihr könnt mir helfen.


    Viele Grüße, Martin :)

  • die Firstfette

    Vollschlanke Dame ritlings auf dem First? :D


    Ohne die Kräfte (und deren Richtung( zu kennen, die an den Befestigungspunkten auftreten wird es nicht leicht das passende Befestigungsmittel zu finden bzw. herauszufinden ob Thermax o.ä. ausreicht.

    => Statiker fragen, dann Datenblätter recherchieren


    Oder aber man verlängert die Pfosten an der Wand bis auf ein tragfähiges Fundament und hat dann nur noch Zugkräfte auf der Befestigung...


    Die Belastbarkeit im rechten Winkel mit 20cm Auskragung bei den Thermax o.ä. sind nicht der Hit.


    Zuglast in Porenbeton beim Thermax: 1,43kN

    Querlast mit 20cm Auskragung: 0,43kN (0,32kN bei unvermörtelten Stoßfugen im MW).


    um anschließend einen Holzklotz passgenau an der Wand mittels Schwerlastbefestigung zu verankern.

    Dafür gibt bessere Lösungen aus Kunststoff. z.B. StoFix Quader.

  • das will zwar nach meiner erfahrung niemand hören, aber: "das funktioniert so nicht". jedenfalls nicht regelkonform und nicht mit thermodübeln oder ankerklötzen. nicht mal mit gfk-hochleistungsankerklötzen.

  • das will zwar nach meiner erfahrung niemand hören, aber: "das funktioniert so nicht". jedenfalls nicht regelkonform und nicht mit thermodübeln oder ankerklötzen. nicht mal mit gfk-hochleistungsankerklötzen.

    So ist es! Uns wurde eine ähnliche Konstruktion in schlankem Stahl und VSG 'mal so gerechnet:



    Da wurde die Kopfplatte aber natürlich vor dem WDVS angedübelt, nein, nicht mit Nylon-Dübeln!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Aber was muss ich nun am Besten tun, um meine Konstruktion sicher an der Wand zu befestigen?

    Einen Tragwerksplaner (Statiker) finden und beauftragen, der die Befestigung bemisst.


    P.S.: Kumpel und ähnliche "Fachkräfte" sind ungeeignet.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Sie NICHT (nur) an der Wand befestigen.

    Doch, das geht schon, nur nicht so, wie der TS es sich wünscht, also nachträglich und ohne Beschädigung des WDVS (siehe hier).

    Einen Tragwerksplaner (Statiker) finden und beauftragen, der die Befestigung bemisst.


    P.S.: Kumpel und ähnliche "Fachkräfte" sind ungeeignet.

    :thumbsup:

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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