Risse im Beton?

  • Hallo,


    ich habe ein kleines Sanierungsproblem, das ich gerne mal den Experten hier im Forum zeigen möchte, da ich selbst nicht einschätzen kann, was man hier am besten machen sollte.


    Ausgangslage: ein Split-Level-Reihenmittelhaus in Beton-Fertigbauweise (BJ 1989). Wir haben das Haus 2007 gekauft. 2014 hatten wir hier eine Serie mittlerer Erdstöße (bis zu 4,3 auf der Richter-Skala). Danach haben sich in der Wand des Treppenhauses senkrechte Risse gezeigt. Man hatte auch vorher schon gesehen, dass wohl an diesen Stellen mal die Tapete ausgebessert wurde. Auch in der Waagerechten sieht man an mehreren Stellen schon immer leichte Verwerfungen in der Tapete. Wir haben dann einen Bausachverständigen hinzugezogen, um die Risse zu bewerten. Seine Aussage: Das Haus besteht aus Beton-Fertigplatten, die vor Ort nebeneinandergestellt und dann mit Ortbeton/Betonmörtel verfugt wurden. EIne Rissbildung entlang der Plattenfugen sei leider nicht zu vermeiden, und wir müssten damit rechnen, dass auch in Zukunft immer mal sowas durch die Tapete durchkommen würde.


    Wir haben das Thema dann erst einmal auf sich beruhen lassen. Nun wollten wir die Stellen ausbessern, um die betroffenen Wände endlich mal wieder "schön" zu bekommen. Der Plan war: Tapete und die hauchdünne Putzschicht rund um die Risse entfernen, alles mit einem kunststoffvergüteten Reparaturspachtel ausbessern, Armierungsgewebe darüberlegen und alles wieder sauber verputzen. Neue Tapete, fertig. Die alte Tapete kam gestern teilweise schon mal runter, nun habe ich angefangen, den Putz um die Risse herum etwas zu entfernen, um mir ein genaueres Bild vom Schaden zu machen. Dabei musste ich feststellen, dass im unteren Bereich tatsächlich der Stoß zwischen den Platten die Ursache zu sein scheint. Im oberen Bereich sieht es allerdings so aus, als würde ein weiterer Riss nach links von der Fuge weg durch die Betonplatte verlaufen. Diesen sieht man auch im Stockwerk darüber noch ca. 10 cm weit in der Tapete.


    Wie würdet ihr weiter vorgehen? WIe geplant sanieren und hoffen, dass es unter Armierung und Vließtapete nicht mehr hervorkommt?

  • Elementarschäden sind nicht versichert?


    Zuspachteln und Gewebe wird nur so lange halten, bis weiter Bewegungen erfolgen. Wann dies der Fall ist, kann keiner hier abschätzen. Ein Geologe könnte hier helfen, wenn er die Gegend kennt.


    Um die Risse zu sanieren, ist eine Firma mit entsprechendes Befähigung notwendig. Es geht dabei um die Instandsetzung von Betonteilen, dafür gibt es Spezialfirmen. Die werden vermutlich die Risse verdämmen und verpressen mit Epoxidharz. Das ist ziemlich dreckig und teuer. Danach wären die Risse kraftschlüssig geschlossen, das hält solange, bis ein entsprechend starkes Beben auftritt. Vermutlich reißt es dann daneben neu. Damit wären wir wider bei der Versicherung für Elementarschäden.

    Würde mir das passieren, würde ich meine Versicherung den Schaden anzeigen und die können sich dann mit der Beseitigung herumschlagen. :)

    Ob ein Mensch klug ist, erkennt man viel besser an seinen Fragen als an seinen Antworten. 8o

  • Elementarschaden „Erdbeben“ ist seitdem versichert. Vorher hätte hier keiner damit gerechnet, zumindest hat jeder, mit dem ich damals darüber gesprochen habe, eine solche Versicherung ebenfalls nicht gehabt.


    Ich frage mich halt, ob da tatsächlich ein statisches Problem vorliegt, oder ob das eben passieren kann, weil so weit am Rand in der Betonplatte kein Stahl ist. Der Riss geht ja nicht mitten durch die Platte sondern ist vielleicht 5 cm von der Kante entfernt.

  • Noch ein Nachtrag: ich glaube nicht, dass allein das Erdbeben die Risse verursacht hat. Sie haben sich dadurch verschlimmert und sind deutlicher zu Tage getreten. Das zeigen ja auch die Ausbesserungsspuren der Vorbesitzer. Hier wurde wohl schon mal oberflächlich zugeschmiert und scheinbar auch neu tapeziert. Vielleicht handelt es sich sogar um einen Baumangel, den damals noch der Bauträger nachgebessert hat.


    Generell ist hier schon etwas Unruhe in der Erde, aufgrund der Nähe zum Rheingraben. Aber in den 20 Jahren, die ich in der Gegend lebe, war diese Häufung von mehreren Erdstößen schon einzigartig. Vielleicht bleiben wir ja in den nächsten 20 Jahren davon verschont, dann kann ich damit leben ;).

  • Wenn in der Gegend Bergbau betrieben wurde/wird, sollte sich das ein Sachverständiger für Bergschäden ansehen. Dann zahlt die Sanierung ggf. das Bergbauunternehmen.

    It doesn´t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do.

    Steve Jobs

  • Ich frage mich halt, ob da tatsächlich ein statisches Problem vorliegt

    kann sein - ich glaube aber eher an ein dynamisches problem.

    ob das einmalig oder wiederholt auftritt, hat (neben deinem versicherungsstatus und deiner leidensfähigkeit) einfluss auf die bestmöglich angepasste sanierung.

    technische aspekte spielen dabei auch ein rolle - aber das muss man erst dann detaillieren, wenn gleichzeitig der kostenrahmen abgesteckt werden kann.


    apropos technik: was ist das schwrze auf bild 03? fugenband? thiokol, schaumstoff, irgendwas elastisches?

    dann wäre *vielleicht* eine (sichtbare) bewegungsfuge von vornherein die einzig richtige lösung > ggfs. eine frage an deinen fachmann.

  • Nein, das ist einfach Zementmörtel oder Beton, womit beim Bau anscheinend alle Fugen verfüllt wurden.

    Der Sachverständige meinte, man müsste vermutlich damit leben, dass immer mal an Plattenstößen solche Risse in der Tapete auftreten, und er geht nicht von statischen Problemen aus.