Sind die behaupteten Mängel zutreffend?

  • Guten Abend, zusammen,


    ich habe 2017 das Dach meines Reihenhauses neu decken lassen. Ich habe bei windigem Wetter Lufteintritt an der Innenverkleidung der Dachfenster. Da der ausführende Dachdecker nicht reagiert, hatte ich überlegt, rechtliche Schritte einzuleiten. Ich habe einen anderen Dachdecker angefragt wegen eines Angebots zur Behebung des Mangels. Dieser behauptet nun, dass an der gesamten Dachdeckung noch weitere gravierende Mängel vorliegen. Ich greife hier die 2 gravierendsten Mängel heraus:


    Erstens müsse wegen der geschlauften Verlegung die Dampfbremse über den Sparren mit zusätzlicher Wärmedämmung abgedeckt werden, damit diese nicht den vollen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist.



    Zweitens seien die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten. Die Unterspannbahn und die Traglatten dürfen nicht über die Brandschutzwand geführt werden. Dieser Mangel könne sogar zu Schadenersatzansprüchen der Nachbarn bei einem möglichen Brand führen.



    Da alleine wegen des ersten Mangels das gesamte Dach quasi neu gedeckt werden müsste, wären die Kosten (bzw der Streitwert, es geht ja um eine mögliche Klage) immens. Ich frage mich nun, ob die behaupteten Mängel zutreffen, und wäre dankbar für Meinungen hierzu.


    Danke & Gruß!

  • ich befürchte, wir können das hier nicht online beantworten, da wir die Randbedingungen nicht vollständig kennen.

    Könnte sein. Könnte aber auch nicht sein. in beiden Fällen...


    Hier empfiehlt sich zunächst die Einbindung eines qualifizierten Privatsachverständigen. Möglicherweise aber sogar von zwei Kollegen: einer, der den Dachaufbau beurteilt und einer, der die Frage nach dem Brandschutz beurteilt, jeweils unter Berücksichtigung der Gesamtsituation.

  • Moin,


    grundsätzlich klingt das was angeführt wurde als richtig. In wie weit es tatsächlich zum Schaden kommt kann man nicht mit Gewissheit prognostizieren.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • ich befürchte, wir können das hier nicht online beantworten, da wir die Randbedingungen nicht vollständig kennen.

    Könnte sein. Könnte aber auch nicht sein. in beiden Fällen...

    Welche Randbedingungen wären das denn? Der Dachdecker, der die Mängel behauptet, hat übrigens das Dach auch nicht geöffnet o.ä. Er war zwar hier, aber seine Diagnose resultiert letztlich aus den obigen Fotos.

  • ...dann solltest Du erst Recht jemanden kommen lassen, der sich das vor Ort ansieht.

    Er war doch "vor Ort", habe ich doch geschrieben. Aber er hat halt das Dach nicht geöffnet WEIL ich Fotos habe. Hätte er das Dach geöffnet, würde er genau das sehen, was auf den Fotos zu sehen ist.


    Im übrigen: ein Privatgutachten ist teuer, bringt aber vor Gericht wenig. Wenn, dann möchte ich gleich ein Beweis-Sicherungsverfahren in die Wege setzen. Bevor ich aber diese ganze Maschinerie mit Anwalt etc. in Gang setze, muss ich wissen, dass die behaupteten Mängel nicht aus der Luft gegriffen sind.

  • Zweitens seien die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten. Die Unterspannbahn und die Traglatten dürfen nicht über die Brandschutzwand geführt werden.

    Zum Brandschutz steht was in der HBO. Es könnte sogar noch viel weiter gehen. In Nds ist bei solch einer Maßnahme regelmäßig eine Erhöhung der Brandwand über die Dachhaut fällig. Diese wird aber gern ignoriert. Wer hat denn die Planung gemacht? Der Dachdecker?

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Wer hat denn die Planung gemacht? Der Dachdecker?

    Die Dachdeckung war nicht genehmigungspflichtig, insofern musste kein Antrag beim Bauamt o.ä. eingereicht werden. Aber es war nie ein Architekt oder jemand anderes involviert, von daher: ja, die Planung hat der Dachdecker gemacht.

  • Ausgangspunkt war das hier:


    Zitat

    Ich habe bei windigem Wetter Lufteintritt an der Innenverkleidung der Dachfenster.

    Also scheint die Luftdichtheit nach DIN 4108-7 nicht vorhanden zu sein. Das könnte dazu führen, dass im Bereich der Sparrenlage und an den Sparren Tauwasser ausfällt. Dann kann es zu Durchfeuchtungen und Verrottung der Dachkonstruktion aus Holz kommen. Ausgeführt wurde offenbar eine sog. Dachsanierung von oben. Hierzu giibt es ausreichend Lesestoff im Internet , u.a. eine Broschüre mit Anleitung bei Isover. Zu empfehlen wären auch die entsprechenden Filme, die die richtige Ausführung einer solchen Sanierungvariante zeigen unter www.isover-live.


    Ob die Luftdichtheit nicht gegeben ist, kann nur ermittelt werden durch partielle Öffnung des Dachs von oben bzw. durch einen raumseitigen Blower-Door-Test mit Leckageortung. Hierzu gibt es auch ausreichenden Lesestoff im Internet.


    Die Ausführung am Brandgiebel ist in jedem Fall falsch, da nach allen mir bekannten Landesbauordnungen über den Brandgiebel kein brennbares Material ( hier: Holzlatten ) hinweggeführt werden dürfen. Ob hier auch noch der Brandgiebel bis 30 cm über Dachoberkante = Ziegeleindeckung ) hätte hinweggeführt werden müssen, hängt davon ab, in welche Gebäudeklasse das Reihenhaus fällt.


    Die Wärmedämmung ist durch die fehlende Dämmung auf den Sparren geschwächt. Ob dies zu einem Schaden geführt hat, kann nur vor Ort überprüft werden. Wenn raumseitig noch eine Untersparrendämmung ausgeführt worden ist, sehe ich kein Problem. Die Untersparrendämmung widersprcht allerdings dem Prinzip der Dämmung von oben mit schlaufenförmiger Verlegung der Dampfbremse. Denn diese macht man nur dann, wenn man die raumseitige Verkleidung der Dachuntersichten erhalten will.


    Die von Dir gezeigte Sanierung/Dämmung von oben wird in den Broschüren als " einfach " dargestellt, ist es in Wirklichkeit aber nicht. Knackpunkt sind die luftdichten Anschlüsse an den Giebeln und an den Traufen. Dort ist altes ausgefranztes Mauerwerk, dass vor der Verlegung der Dampfbremse überarbeitet werden muß. Hinzu kommt der ständige Wechsel der Ebenen durch die schlaufenförmige Verlegung. Die Luftdichtigkeit gelingt daher allenfalls dann, wenn der Unternehmer entweder " supergut " ist oder er permanent überwacht wird, was hier nicht der Fall war.


    Die Gewährleistungsansprüche verjähren nach BGB 5 Jahre nach dem Tag der Abnahme, also irgendwann in 2022. Mithin wird´s Zeit, das Dach von einem versierten Fachmann eingehend überprüfen zu lassen. Dadurch werden die Schwachpunkte/Mängel geklärt und man kann im Streitfall entscheiden, ob man ein selbständiges Beweisverfahren oder gleich ins Klageverfahren einsteigt. Der Privatgutachter wird schon vorher benötigt. Denn wie willst Du die Beweisfragen formulieren, wenn nicht bekannt ist, ob und welche Mängel/Schäden an dem Dach vorhanden sind?

  • Die Ausführung am Brandgiebel ist in jedem Fall falsch, da nach allen mir bekannten Landesbauordnungen über den Brandgiebel kein brennbares Material ( hier: Holzlatten ) hinweggeführt werden dürfen. Ob hier auch noch der Brandgiebel bis 30 cm über Dachoberkante = Ziegeleindeckung ) hätte hinweggeführt werden müssen, hängt davon ab, in welche Gebäudeklasse das Reihenhaus fällt.

    Das Haus ist in Hessen. Als Wohnhaus genutzte Reihenhäuser können in unterschiedliche Gebäudeklassen fallen? In einer benachbarten Hausreihe (gleicher Haustyp) ist etwa 2010 eine ähnliche Dachsanierung gemacht worden, hier wurde der Brandgiebel auch nicht erhöht. Auch liegen die Dachziegel nicht höher als die ursprüngliche Dachdeckung (was ja der Fall sein müsste, wenn eine Aufsparrendämmung gemacht worden wäre). Es sieht von außen ganz ähnlich aus wie bei mir.


    Die Wärmedämmung ist durch die fehlende Dämmung auf den Sparren geschwächt. Ob dies zu einem Schaden geführt hat, kann nur vor Ort überprüft werden. Wenn raumseitig noch eine Untersparrendämmung ausgeführt worden ist, sehe ich kein Problem.

    Auch wenn es (noch) nicht zu einem Schaden geführt hat, ist ja die Frage, ob es fachgerecht ausgeführt worden ist. Eine Untersparrendämmung ist nicht vorhanden.


    Die Gewährleistungsansprüche verjähren nach BGB 5 Jahre nach dem Tag der Abnahme, also irgendwann in 2022. Mithin wird´s Zeit, das Dach von einem versierten Fachmann eingehend überprüfen zu lassen. Dadurch werden die Schwachpunkte/Mängel geklärt und man kann im Streitfall entscheiden, ob man ein selbständiges Beweisverfahren oder gleich ins Klageverfahren einsteigt. Der Privatgutachter wird schon vorher benötigt. Denn wie willst Du die Beweisfragen formulieren, wenn nicht bekannt ist, ob und welche Mängel/Schäden an dem Dach vorhanden sind?

    Naja, der Fachmann war ja da und hat alle Punkte genannt, die er für mangelhaft hält. Anhand dessen würde ich dann zusammen mit dem Anwalt die Beweisfragen formulieren. Aber das geht halt nur dann, wenn ich einigermaßen sicher sein kann, dass die genannten Mängel auch tatsächlich welche sind.

  • Und Deine Frage, ob es fachgerecht ausgeführt ist, kann nur ein Fachmann vor Ort durch entsprechende Untersuchungen feststellen. Wir haben hier keine " Glaskugeln ", die Dein Dach zeigen.


    Dein Fachmann hat nach Deinen eigenen Angaben nur die Bilder aus der Bauzeit gesehen. Er hätte zumindest mal einige Ziegel an den besonders kritischen Stellen ( Traufe, Brandwand, Dachflächenfenster ) aufnehmen und die Konstruktion - gegebenenfalls nach partiellem Aufschneiden der USB - prüfen können.


    Aber, wenn Du meinst, dass ein Anwalt anhand der spärlichen Angaben des Dachdeckers ( außer Holzlatten über den Brandgiebel hinweg , ist klar! ) Beweisfragen für ein selbständiges Beweisverfahren formulieren kann, dann versuchs halt. Daran denken, dass Ausforschungsfragen, wie


    " Wurde das Dach vom Dachdecker x im Jahre 2017 ordnungsgemäß eingedeckt und die Dämmung sowie die Dampfbremse ordnungsgemäß verbaut ? "


    nach der ZPO nicht zulässig sind und zur sofortigen kostenpflichtigen Zurückweisung des Antrags führen werden. Aber das wird Dir auch der Anwalt sagen, sofern er denn vom " Bauen " etwas versteht.

  • Und Deine Frage, ob es fachgerecht ausgeführt ist, kann nur ein Fachmann vor Ort durch entsprechende Untersuchungen feststellen. Wir haben hier keine " Glaskugeln ", die Dein Dach zeigen.

    Ergänzend: Baue nie für Lehrer, Rechtsanwälte und Ärzte ;)


    Fachmann vor Ort, schriftliches Gutachten, Ergebnis abwarten und dann handeln.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Die Dachdeckung war nicht genehmigungspflichtig, insofern musste kein Antrag beim Bauamt o.ä. eingereicht werden. Aber es war nie ein Architekt oder jemand anderes involviert,

    Das sie nicht genehmigungspflichtig war, bedeutet nicht, das an sie keine baurechtlichenAnfordrungen gestellt werden.

    Und Architekten machen mehr als nur Bauanträge. Das Dumme - sie kosten halt auch dann.

    etwa 2010 eine ähnliche Dachsanierung gemacht worden,

    Und wer sagt, dass dort nicht genauso luschig mit den Brandschutzregeln umgegangen worden ist? Wieder der baurechtliche Laie? Ausserdem 2010 ist 11 Jahre her. Da ist viel Wasser die Werra runtergeflossen. Vielleicht auch die HBO reformiert worden.

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