Wegerecht gerichtlich erzwingen

  • Servus,


    hab die Tage nach längerer Zeit wieder mit einem guten Bekannten gequatscht und er hat mir erzählt, dass ihn sein Nachbar gerichtlich dazu zwingen will ihm Wegerecht auf seinem Grundstück zu geben, damit er von außen an seinen Garten kommt.
    Man muss dazu sagen, dass sie aufgrund mehrere Unstimmigkeiten seitens des Nachbarn ein eher schlechtes Verhältnis haben. War mal anders, aber Leute verändern sich ja auch.

    Die Frage die ich mir stelle, kann man so was tatsächlich erzwingen?

    Ach ja, wir reden da nicht vom Hammer und Leiterschlagsrecht sondern wirklich alltägliche Dinge, wo der gute Nachbar keinen Bock hat durch sein eigenes Haus zu gehen. Kann auch eine einfache Retourkutsche sein...wie gesagt, es gibt da Unstimmigkeiten.....
    Lg
    Frank

  • ... hat mir erzählt, dass ihn sein Nachbar gerichtlich dazu zwingen will ihm Wegerecht auf seinem Grundstück zu geben, damit er von außen an seinen Garten kommt. ... kann man so was tatsächlich erzwingen?


    Ach ja, wir reden da nicht vom Hammer und Leiterschlagsrecht sondern wirklich alltägliche Dinge, wo der gute Nachbar keinen Bock hat durch sein eigenes Haus zu gehen.

    Mir fallen für den Alltag nur zwei Möglichkeiten ein, in denen ein einforderbares Wegerecht bestehen könnte:

    1. Hammerschlag- und Leiterrecht
    2. Notwegerecht nach § 917 f. BGB

    Punkt 1. trifft nach Deiner Beschreibung hier nicht zu.

    Punkt 2. wäre denkbar, aber nur unter Einschränkungen, denn nach deutschem Baurecht ist ganz einheitlich die Bebauung von Grundstücken ohne gesicherten Zugang zur öffentlichen Erschließung praktisch nicht genehmigungsfähig, so dass meines Wissens ein echtes Notwegerecht nach § 917 BGB nur sehr selten gegeben ist. Wenn doch, dann ist die Inanspruchnahme dieses Rechts aber zu vergüten.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wenn der Garten für den Nachbarn durch sein Haus erreichbar ist, warum sollte er dann Anspruch auf ein Wegerecht haben? Das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Was ist denn das für eine Situation, dass man zwar durchs eigene Haus den Garten erreichen kann, diesen aber lieber durch Nachbars Grundstück betritt? Ist die Grenze unmittelbar an der Hauskante und der Nachbar läuft ums Haus, also auf Nachbars Grundstück zum Garten? Ist das ein Reihenendhaus und der Nachbar hat ein normales EFH und deswegen diese Grenzziehung? Oder liegt seine Garage zwischen Haus und Grenze und er kommt deswegen nicht in seinen Garten (dann müsste er doch von der anderen Seite hin kommen)?

    Hmmm...


    Zeichne mal kurz auf Papier die Lage. Würde mich mal interessieren.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Ja, aber dann muss man von der gegenüber liegenden Seite ran. Wenn man den Umweg auf sich nimmt...

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Wir waren mit so einem Fall schonmal vor Gericht - der Gartenbesitzer wollte den Baukontolleur nicht durch seine Wohnung gehen lassen, damit er die Schwarzbauten in dessen Garten aufnehmen konnte. Von außen konnte man den Garten nicht betreten oder besichtigen. Wegen Unvereltzlichkeit der Wohnung mussten wir also erst eine entsprechende Anordnung erlassen, dann kam irgendwann das ganze Gericht zu Besuch und es latschten schließlich ca. 12 Personen durch die Wohnung in den Garten, um die dortigen Schwarzbauten zu besichtigen... :wall:

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Heute gibts für sowas Drohnen. Aber da müssen sicher auch erst gerichtlich die Überflugrechte geklärt werden.:D




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Zur Schwarzbautenentdeckung gibt es heute ja Drohnen!


    Viele Gärten von Reihenhäusern haben Versorgungswege, aber wer will schon 20m³ Muttererde mit der Schubkarre über 150m auf einem Trampelpfad mit der Schubkarre schieben?

    In Hamburg haben wir eine Wasserfallanlage aus Natursteinen gebaut. Durch den Marmorpalst durften wir nicht mit Material oder Werkzeug.

    Da kam dann 1x/Woche der Telekran und hievte die Granitfindlinge und weiteres Material über das 20m hohe Dach.

  • Ich hab mir die genaue Situation vor Ort nicht angeschaut, habe aber gerade nochmal ein Blick auf Google Maps geworfen. Eigentlich verstehe ich es jetzt noch weniger. Rechts und links vom Haus ist genug Platz um in den Garten zu gehen. Zumindest ist es kein typisches Mittelreihenhaus ohne Zugang rechts oder links. Es ist ein "normales" Zweifamilienhaus.

    Ich vermute mal, dass sie sich von der Straße aus alles zugetackert haben und jetzt natürlich keinen Zugang mehr haben ohne irgendwas wieder abzureißen. Dann kommen noch die Animositäten dazu, die die Herrschaften pflegen und rums kommt dann so ein Bullshit dabei rum.


    Ist ein schlechter Screenshot, ich will aber auch nicht, dass es jemand identifizieren kann, weils nicht meins ist und ich einfach nur neugierig bin.
    Das geschwärzte ist das Haus des Nachbarn und die beiden roten Pfeile die von oben nach unten gehen sind potentielle Wege für ihn.
    Der Pfeil unten zeigt nach links auf das Grundstück des Bekannten wo er Wegerecht haben will.


  • Man könnte ja dem Nachbar ein eingeschränktes Wegerecht anbieten, so sagen wir mal werktags zwischen 08:00 Uhr und 20:00 Uhr, im Gegenzug für 500,- €/m² der für den Weg benötigten Grundstücksfläche. :D


    Dann vielleicht noch begrenzt auf 5-10 Jahre? Kostenübernahme, Instandhaltungspflichten, usw.


    Ob er dann noch seinen Weg eines Streits weiter verfolgt? Nach meiner Erfahrung ist der Geldbeutel das beste Druckmittel. ;)

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  • Aber vermutlich wird’s dann noch mehr eskalieren.

    Das lässt sich bei manchen Nachbarn leider nicht vermeiden, selbst wenn man still hält und zu allem Ja und Amen sagt. Die suchen und finden dann einen anderen Grund.

    Deeskalation funktioniert nicht grenzenlos, so meine (sicherlich unmaßgebliche) Erfahrung. Irgendwann muss man sich durchringen und die Grenzen aufzeigen, sonst wird man nicht ernst genommen.

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  • Das lässt sich bei manchen Nachbarn leider nicht vermeiden, selbst wenn man still hält und zu allem Ja und Amen sagt. Die suchen und finden dann einen anderen Grund.

    Deeskalation funktioniert nicht grenzenlos, so meine (sicherlich unmaßgebliche) Erfahrung. Irgendwann muss man sich durchringen und die Grenzen aufzeigen, sonst wird man nicht ernst genommen.

    Vollkommen richtig!

    Mir ist es mittlerweile auch egal, ob es eskaliert - sicherlich nicht wegen jeder Kleinigkeit.

    Man kann ein vermeintlich gutes nachbarschaftliches Verhältnis nicht immer nur dadurch aufrecht erhalten, indem man ständig nachgibt und alles mögliche schluckt. Und wenn dann bemerkt wird, dass man alles klaglos akzeptiert, kommt das nächste ganz bestimmt.


    Gruß

  • Und wenn dann bemerkt wird, dass man alles klaglos akzeptiert, kommt das nächste ganz bestimmt.

    Da kann ich nur beipflichten.

    Mein Nachbar (fast 90) hat auch bei jeder Kleinigkeit rumgemotzt, Wasser hier, Zaun da, und ich war eher auf Apeasment. Aber das Maß war voll als er bei Bau meines Schuppens das LRA auf den Plan rief. Ich war safe, aber auch angepisst. (ich berichtete).

    Meinen Unmut hab ich kund getan, und ihn dann auch aufgefordert seine 3m hohe Thuja-Hecke an der Grenze doch bitte auf 2m zurückzuschneiden. Das saß. Ich war dann kulant und mit Kappung der Spitzen auf ca 2,50 einverstanden.

    Seitdem ist Ruhe.


    Was im kalten Krieg funktionierte (Abschreckung durch gegenseitige Vernichtung) funktioniert auch in der Nachbarschaft. :thumbsup:

  • Dein Nachbar könnte Pickerl drucken und für jede Überquerung seines Grundstückes ein solches verkaufen. :D

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...