die liebe LBK

  • ich dachte, ich melde mich mal wieder mit einer Anekdote vom Bau, was so alles passieren kann.


    nicht dass ich was gegen die LBK hätte, wirklich nicht, aber manchmal wünsche ich mir etwas mehr Pragmatismus.

    Ich habe ja schon mal von den 2cm zu viel Außenputz bei einem mir bekannten Bauvorhaben berichtet, der zu abweichenden Außenmaßen führte und dann einen Teilrückbau zur Folge hatte.

    Ich dachte, mir passiert das nicht und wir geben in der Baugenehmigung gleich Rohbaumaß Ziegel plus immer 2,5cm Putz an, dass da sicher nichts passiert.

    (das muss man erst mal wissen, dass in der Baugenehmigung Fertigmaß anzugeben ist, und nicht wie meist üblich Rohbaumaß, aber gut, das war mir bekannt...meinem Archi übrigens nicht, dem musste ich das erst sagen. Aber der hat sonst auch wenig mit dieser LBK zu tun, weil eher auf dem Land tätig)


    Jetzt hat´s mich aber doch auch erwischt, und zwar im Keller.


    Da waren in der Baugenehmigung natürlich keine 2,5cm Außenputz drin, aber wir haben in der Ausführung die Dämmung 2cm stärker gemacht für KfW55 (bin gar nicht auf Idee gekommen, dass man dafür eine Tektur machen müsste und mein GU auch nicht). Kellerdämmung Außenseite somit (fast) bündig mit Putzaußenkante ab EG und nicht wie nach der Baugenehmigung 2,5cm zurückspringend.


    Korrekt wie wir sind, haben wir im Antrag auf Abgeschlossenheitsbescheinigung aber die Maßketten der tatsächlichen Bauausführung angegeben, eben dass jetzt Keller fast bündig mit EG.

    Ehrlich gesagt ist mir das gar nicht aufgefallen, dass wir hier jetzt jeweils 2cm mehr im Keller als im Eingabeplan haben, ich habe nur die Außenmaße im EG kontrolliert.


    Was passiert: Antrag auf Abgeschlossenheitsbescheinigung wird abgelehnt, weil die Ausführung nicht der Baugenehmigung entspricht. Man muss erst eine Tektur einreichen und eine Genehmigung erwirken, dann kann man wieder einen Antrag auf Abgeschlossenheitsbescheinigung stellen.

    Abgesehen von der Frage, ob das für eine Abgeschlossenheitsbescheinigung überhaupt relevant ist:

    Ja, es gibt Regeln, verstehe ich und ist auch ok, Aber sind die 2cm für bessere Wärmedämmung, noch dazu im Keller und komplett unterirdisch und immer noch nicht vor EG Außenwand (Abstandflächen, die noch dazu nicht mal komplett ausgereizt sind), wirklich ein Grund hier eine Tektur machen zu müssen (mit noch dazu unbekanntem Ausgang)? Innenmaße natürlich gleich, nur außen im Erdreich 2cm mehr Dämmung die immer noch hinter EG Außenkante liegen.


    Ja, offenbar ist das ein Grund...


    Nur falls jemand anders was ähnliches plant: Immer vorher fragen, dann den Keller besser dämmen :)


    P.s.: Ich frage mich gerade, ob das nach unten auch gelten würde, also wenn man unter der BoPla mehr Dämmung macht als in der Baugenehmigung. Wenn Ja: Muss man die dann wieder rausmachen? ;)

  • Nach Art. 57 Abs. 1 Nr. 11 e) BayBO sind "Außenwandbekleidungen einschließlich Maßnahmen der Wärmedämmung, ausgenommen bei Hochhäusern, Verblendungen und Verputz baulicher Anlagen,..." verfahrensfrei. Kann es sein, dass ein Keller keine Außenwand ist?


    Bei uns (Nachbarlandkreis) würde sowas vermutlich niemandem auffallen... :eek:


    Für die Abgeschlossenheitsbescheinigung ist das sowieso irrelevant. :wall:

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • ohne Worte...

    Da haben zuviele Beamte viel zu wenig Arbeit.

    das kann nicht sein, da die Baugenehmigung auf Basis eines positiven Vorbescheides (der 7 Monate gedauert hat), wieder 8 Monate gedauert hat, wegen Überlastung und viiiiielen Gremien die die Mülltonneeinhausungen für 3x120l ausserhalb der Baulinien genehmigen müssen.


    Nach Art. 57 Abs. 1 Nr. 11 e) BayBO sind "Außenwandbekleidungen einschließlich Maßnahmen der Wärmedämmung, ausgenommen bei Hochhäusern, Verblendungen und Verputz baulicher Anlagen,..." verfahrensfrei. Kann es sein, dass ein Keller keine Außenwand ist?


    Bei uns (Nachbarlandkreis) würde sowas vermutlich niemandem auffallen... :eek:


    Für die Abgeschlossenheitsbescheinigung ist das sowieso irrelevant. :wall:

    wie gesagt. Zum korrekten Bauantrag gehören hier die Fertigmaße der Außenwand. Werden diese nachträglich durch Putzauftrag überschritten und lösen dadurch Abstandsflächen aus die nicht auf dem Grundstück liegen, wird zurück gebaut.

    O-Ton der LBK vor Ort. Es gibt hier auch keine Toleranzen, 3,00m sind 3,00m. Nicht 2,99 auch nicht 2,999m. So beim Nachbarn meiner Eltern geschehen.


    Warum die Kellerdämmung in meinem Fall relevant für die Abgeschlossenheitserklärung ist, weiß ich auch nicht. Manche Sachen sind halt so, ich habe es aufgegeben mich zu wundern.

  • Warum die Kellerdämmung in meinem Fall relevant für die Abgeschlossenheitserklärung ist, weiß ich auch nicht. Manche Sachen sind halt so, ich habe es aufgegeben mich zu wundern.

    ...ist wahrscheinlich auch vernünftiger.


    Ich vermute mal die Pingeligkeit der LBK ist eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. :freaky:

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Fällt das nicht in die "Maßtoleranzen am Bau"?

    Nein, die gibt es bei den öffentlich bestellten Vermessern in D meines Wissens nicht. Allerdings haben die Vermesser auch eine technisch und geometrisch bedingte leichte Ungenauigkeit, die meines Wissens in B im Grundriss bei + / - 3,0 cm liegt, in der Höhe etwas geringer. Aber die amtliche Vermessung kennt tatsächlich per se keine Maßtoleranzen. Die DIN 18202 ist ja auch nur eine privatrechtliche Vereinbarung, die nur bei Anwendung der VOB/B zwingend gilt.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • ...ist wahrscheinlich auch vernünftiger.


    Ich vermute mal die Pingeligkeit der LBK ist eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. :freaky:

    das ätzende ist halt nur, das dauert vermutlich wieder und kostet natürlich Zeit und auch Geld.

    Weißt Du, ob man den Antrag auf Abgeschlossenheitsbescheinigung wenigstens gleichzeitig mit der Tektur einreichen darf?

    Gefunden habe ich nur, dass es bei Neubauten frühestens zusammen mit der Baugenehmigung erteilt werden kann. Wann ich bei Tektur einreichen darf steht wieder nirgends.

    Das lustig ist ja, dass ich mich im Vorfeld mit dem (wirklich sehr freundlichen) Spezialisten für Abgeschlossenheit der LBK 2x ausgetauscht habe, wie der Antrag auszusehen hat (wegen dem neuen WEG und dass Freiflächen jetzt auch Sondereigentum sein können und nicht nur Sondernutzungsrechte), aber da wurde natürlich nicht mit der Baugenehmigung abgeglichen, sondern nur die Formalien.

    Freiflächen als Sondereigentum müssen z.B. unterschiedlich schraffiert und unterschiedlich farblich abgegrenzt sein, durch gestrichelte Linien (sollen den Zaun darstellen) getrennt sein usw....das war dann aber auch nicht Recht. Neben der Linie muss Einfriedung stehen. Na ja...dann soll es halt so sein.

  • Bei uns dürftest Du den Antrag auf Abgeschlossenheit mit der Tektur einreichen. Die Bescheinigung würde dann mit dem Nachtragsbescheid erteilt.


    Zu den Feinheiten kann ich Dir leider auch nicht mehr sagen - für Abgeschlossenheitsbescheinigungen war ich noch nie zuständig.

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  • Allerdings haben die Vermesser auch eine technisch und geometrisch bedingte leichte Ungenauigkeit, die meines Wissens in B im Grundriss bei + / - 3,0 cm liegt, in der Höhe etwas geringer.

    Als verkürzte Zusammenfassung kann ich das gelten lassen. Allerdings beziehen sich die Genauigkeitsklassen auf das Liegenschaftskataster, wo zum einen die über 200 jährige Geschichte des deutschen Katasterwesens eine Rolle spielt, die immer wieder einen Vergleich mit den historischen Messungen erfordert, zum anderen die Verzerrungen, die bei der Projektion einer Kugel in die Ebene entstehen. Beides ist hier unerheblich. Es geht um die Abmessungen eines Gebäudes ohne Lage- oder Historienbezug. Die Genauigkeitsangabe ergibt sich somit nur aus der Messgenauigkeit der eingesetzten Vermessungsgeräte und der Eindeutigkeit der angemessenen Bauteile, die üblicherweise unterhalb des Zentimeters liegt.


    Hier liegt aber anscheinend auch gar kein vermessungstechnisches Problem vor, sondern ein Widerspruch bei der Dokumentation.

    Korrekt wie wir sind, haben wir im Antrag auf Abgeschlossenheitsbescheinigung aber die Maßketten der tatsächlichen Bauausführung angegeben

    Ich vermute hier hat ein praxisferner Verwaltungsmitarbeiter nach der leider nicht übereinstimmenden Aktenlage entschieden. Keine am tatsächlichen Bau beteiligte Berufsgruppe würde auf die Idee kommen, so einen Aufstand wegen unterirdischer 4cm zu machen.

  • Sowas gibt es nur in Deutschland.

    nö, aber ist es sagt durchaus etwas über ein Land aus, was seine Staatsangehörigen selbst als "typisch" für sich und vor allem ihre Mitmenschen ansehen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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