Anbau Siedlerhaus, Eure Meinung zum Grundrissentwurf

  • Hallo zusammen,


    wir haben vor 5 Jahren ein Siedlerhaus aus den 30er Jahren erworben. Im Laufe der Zeit hat es schon einige Veränderungen durchlebt, u.a. eine Verdoppelung des ursprünglichen Baukörpers, ein Anbau mit Flachdach, ein Anbau auf dem Flachdach und einen Garagenanbau. Zuletzt haben wir nach unserem Erwerb eine komplette Grundrissveränderung am Erd- und Obergeschoss vorgenommen, um die vormals kleineren und nach Norden ausgerichteten, dunklen Wohnräume im EG zu einem offenen Grundriss mit mehr Lichteinfall umzugestalten, sowie das einzige Bad aus dem EG zu den Schlafzimmern im OG zuzuordnen. Haben dazu den Treppenaufgang versetzt und sowieso kernsaniert, die Bausubstanz war gut.


    Nun ist in den letzten Jahren unsere Familie gewachsen, für unsere drei Kinder und uns Eltern soll ein weiteres Schlafzimer und Duschbad her. Noch sind die Kinder alle im Vorschulalter, aber in einigen Jahren möchten wir uns nicht zu fünft eine Dusche teilen und wir möchten jedem Kind ein eigenes Zimmer bieten. Ein Umzug kommt nicht in Frage, wir planen somit derzeit die nächste Entwicklungsstufe im Leben unseres Hauses, ein weiterer Anbau soll/muss her. In den letzten 6 Wochen haben wir daher schon einige Runden mit unserem Architekten zu möglichen Grundrissen gedreht.


    Variante 1 mit Elternschlafzimmer, Elternbad und - wenn wir schon dabei sind - kleinem Gästezimmer (meine Eltern verbringen mehrere Wochen im Jahr bei uns) und vllt auch noch Gästebad ist relativ unspektakulär. Die Verbindung zw. Anbau und Bestandshaus ist eher rationell dem jetzigen Grundriss geschuldet, als das hier eine wertvolle Symbiose Anbau und Bestand entsteht. Das ist das eine Ende der Überlegungen.


    Variante 3 und 4 zeigen das andere Ende der derzeitigen Überlegungen, würden weitere kleine Luxusproblemchen lösen: Den aus unserer Sicht viel zu kleinen Eingangsbereich zum gleichzeitigen Handling unserer Söhne und ohne ausreichenden Stauraum für die mitwachsende Bekleidung (gerade im Winter ein Unterbringungsproblem). Und damals und heute zwar immer noch geliebt, aber gleichzeitig ein Fragezeichen aufwerfendender offener Wohn/ Essbereich, wenn wir einige Jahre vorspulen: Wie werden wir den in ein paar Jahren mit dann 3x vielleicht 1,90 ausgewachsenen pubertierenden Jungs nutzen, wenn wir alle zeitgleich im EG sind (sofern sie die Zeit denn dann mit den Eltern verbringen wollen) und ggf. noch Besuch mitbringen (Anzahl und Positionierung der Sitzgruppen etc). Das wird ein schönes Tohubawohu werden.


    Variante 3 ist die bevorzugte Lösung unseres Architekten. Die aus seiner Sicht beste Verbindung zwischen Anbau und Bestand, mit der Küche als Zentrum des Hauses (darauf legt er großen Wert), einer schönen Sichtachse von Küche zu Hauseingang sowie Küche - Essen. Die Flursituation ist dank mehr Stauraum etwas verbessert. Das jetzige Gäste-WC würde entfallen, gut, es gibt schlimmeres als, wenn Gäste auch das Elternbad nutzen würden. Was uns etwas stört ist hier das wir an Arbeitsfläche in der Küche verlieren, 80cm erscheinen vielleicht nicht viel, aber für uns macht es einen Unterschied, wir kochen gerne, auch unter der Woche abends oft warm, die Kleinen helfen schon mit, wir haben gerne Besuch, kurzum wir verbringen viel Zeit in der Küche. Alle anderen Zimmer im Bestandshaus könnten, wie unserer Architekt sagt, gefühlt 20% größer sein.


    Varianten 4 spielen in der Liga "think bigger", Variante 4.A hatten wir mal ins Spiel gebracht, Variante 4.B war die Antwort des Architekten als Detailverbesserung vom Anschluss Anbau zu Bestand. Bei 4.C und 4.D hab ich nochmal mit der Idee, den Durchgangsbereich zu erweitern gespielt. In allen Varianten kann der Anbaukörper problemlos um 2-3m nach planoben/ unten geschoben werden und die Ausrichtung Küche/Essen/Wohnen ist noch zu überlegen. Die Zimmer im Bestandsbau sind jetzt potentiell 20% zu groß, es gibt vielleicht auch eine Raum zu viel. Aber für den würde sich auch schon ein Nutzen finden lassen (uns gefällt der amerikanische Ansatz eines zweiten family/ game rooms, oder wie auch immer man das nennen mag).


    So, das ist ein langer Text geworden. Uns interessieren natürlich Eure Meinungen dazu.

    Beste Grüße

  • ohne auf den Inhalt im Detail einzugehen:

    • der Kollege ist mir in seiner Arbeitsweise sympathisch, könnte so ähnlich auch von mir kommen, guter Mann!
    • V 1 ist mit dem direkten Weg / Blick zum Fenster der Küche beim Eintritt offen und großzügig - hat aber eben auch den direkten Blick in die Küche - nicht schlecht, aber muss man mögen.
    • V 3 ist wirklich offen und großzügig, gefällt mir sehr mit den beiden parallelen Wegen über die Stufen zum Essen hinab, erstmal mein Liebling!
    • V4 ist mir in allen Untervarianten mit dem Zugang gegen die Wand der Küche und der resultierend abknickenden Wegeführung etwas zu wenig einladend und etwas dunkel, geht so aber auch.
    • ich vermisse Ansichten / Schnitte und die Umgebung in einem Lageplan

    insgesamt: das wird schon! :thumbsup:

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich würde eher zu einer Version von 4a votieren.


    V3 ist gut, aber ich finde die Möblierbarkeit der Küche problematisch. Öffnungen zu Flur und Essen, sowie das Fenster beschränken die Möglichkeiten. Auch die Stufen von der Küche in den Wohnraum finde ich im Alltag eher hinderlich. Die Küche im Anbau (Anbau dann natürlich etwas größer!) wäre mein Favorit.


    Allerdings würde ich etwas umsortieren....

    210127_Grundriss Siedlerhaus_01.pdf


    Das WC würde ich in den Erschließungsflur setzen. die Garderobe dem großen Bad abzwacken. Das SZ sollte ausreichend Schrankstellfläche bekommen.

    Ansichten Und Schnitt würden eine Beurteilung natürlich einfacher und vor allem sinnvoller gestalten.

  • Variante 4a gefällt mir. Den Anbau würde ich als eigenständigen Cubus ausführen, mit Eingangsbereich als Verbindungselement zwischen Anbau und Altbau. Somit ist das Siedlerhaus gut ablesbar und der Neubau als solcher hebt sich vom Altbau ab.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • ich vermisse Ansichten / Schnitte und die Umgebung in einem Lageplan

    Hatten wir bislang nicht beim Architekten angefragt, da wir erst einmal einen für uns funktionierenden Grundriss erarbeiten wollten. Wir kennen einen von ihm durchgeführten Anbau in der Nachbarschaft, der uns sehr gut gefällt, deswegen dachten wir, dass wir da schon auf einer Wellenlänge sind.

    Würden Ansichten eine Grundrissentscheidung erleichtern?


    V3 ist gut, aber ich finde die Möblierbarkeit der Küche problematisch.

    Das ist genau der Punkt, der uns an diesem sehr gelungenen Entwurf am meisten stört. Zentrum des Hauses, tolle Sichtachsen, zweifellos die beste Symbiose aus Bestand und Anbau, aber in der Nutzung eine Verschlechterung gegenüber der heutigen Situation. Ein Tausch Küche gegen Essen hatten wir hier auch überlegt, dann verliert allerdings die Küche die Zentrumsfunktion und die Sichtachse auf den Eingangsbereich ist nicht mehr gegeben. Dafür sähe man aus dem Wohnzimmer das Chaos in der Küche, wenn sie nicht ständig aufgeräumt wird (wird sie nicht bei drei Kindern ;)) bzw. hier müsste ein "Sichtschutz" her.


    Um zumindest die Idee der Sichtachse Küche-Eingang aufzugreifen entstand Variante 4A, auch wenn ein klares Zentrum verloren geht. Dafür eine starke Hierarchisierung zwischen öffentlich und privat.


    Allerdings würde ich etwas umsortieren....

    210127_Grundriss Siedlerhaus_01.pdf

    Auch eine interessante Idee, die die Liste der Varianten verlängert. Ein wenig schade, dass hier der Blick vom Eingang durch den Flur in den Gartenbereich verloren geht. Und wir haben immer von einem en-suite Bad geträumt, vllt als Geheimtür durch den Kleiderschrank...

  • Würden Ansichten eine Grundrissentscheidung erleichtern?

    Sie gehören zur Darstellung der dritten Dimension zwingend dazu. Und mind. bis an die Grundstücksgrenzen und die andere Seite der Straße sollte der Lageplan reichen!

    ... wir haben immer von einem en-suite Bad geträumt, vllt als Geheimtür durch den Kleiderschrank...

    Das liest sich ziemlich paradox.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich bin ja kein ARCHITEKT, nur

    wir haben vor 5 Jahren ein Siedlerhaus aus den 30er Jahren erworben. Im Laufe der Zeit hat es schon einige Veränderungen durchlebt, u.a. eine Verdoppelung des ursprünglichen Baukörpers, ein Anbau mit Flachdach, ein Anbau auf dem Flachdach und einen Garagenanbau. Zuletzt haben wir nach unserem Erwerb eine komplette Grundrissveränderung am Erd- und Obergeschoss vorgenommen, um die vormals kleineren und nach Norden ausgerichteten, dunklen Wohnräume im EG zu einem offenen Grundriss mit mehr Lichteinfall umzugestalten, sowie das einzige Bad aus dem EG zu den Schlafzimmern im OG zuzuordnen. Haben dazu den Treppenaufgang versetzt und sowieso kernsaniert, die Bausubstanz war gut.

    Die Siedlerhäuser hatten einen "guten" Zuschnitt. HIER wurde mehrfach umgebaut und "verbessert".


    Warum hat keiner der ausgewiesenen "Architekten" bisher nach einer "Gesamtlösung" gefragt?

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Ohne jetzt auf die Profi-Lageplanzeichnung unseres Architekten zu warten, hier ein selbst erstellter auf Basis einer amtlichern Flurkarte. Auf Seite 1 ist das Bestandsgebäude mit der Garage links davon abgebildet, auf Seiten 2 und 3 dann mal entsprechend Varianten 3 und 4 (wobei hier der Baukörper noch geschoben werden könnte). Zuwegungen hab ich nicht abgebildet, die werden bedarfsweise neu gestaltet. Das Grundstück ist grundsätzlich mit Hecken zu allen Seiten umfriedet, hier sind nur Bäume dargestellt.

    Dateien

    • Lageplan.pdf

      (487,69 kB, 27 Mal heruntergeladen, zuletzt: )
  • Ein wenig schade, dass hier der Blick vom Eingang durch den Flur in den Gartenbereich verloren geht.

    Weiß nicht....von aus scheut man in den Garten? Vom Essplatz vielleicht. Vom Wohnzimmer aus, auf der Couch sitzend. Von der Küche...beim Schnippeln, die Vögel im Garten beobachtend? Aber vom Eingangsbereich? Da sind andere Prioritäten gesetzt, denke ich. Kann mir nicht vorstellen, dass Jemand den ganzen Gang entlangläuft, seine Jacke aufhängt und dabei, leise seufzend, in den Garten guckt.


    Und wir haben immer von einem en-suite Bad geträumt, vllt als Geheimtür durch den Kleiderschrank

    Das muss dann natürlich anders gelöst werden...

  • Die 3 find ich auch die beste. Ich denke, ich würde versuchen, diese ganzen Wände und das Türengeklapper mit wegzureißen. Ist natürlich eine Frage, was die Statik dazu sagt. Außerdem geht man zwangsläufig durch die Küche - das ist nicht jedermans Sache. Aber dafür, dass sie groß und offen ist, wär's mir das wert.

    VG! Katja