Allgemeines Vorgehen bei einer Kernsanierung / Modernisierung

  • Hallo zusammen,

    ich befinde mich noch ganz am Anfang und bitte daher um strategische Tipps zum Vorgehen.

    Bei der Doppelhaushälfte aus dem Jahr 1965 muss alles neu gemacht werden (Dach, Außendämmung, Heizung, Fenster Elektrik, ...) zudem soll an die Stelle einer Einzelgarage eine Doppelgarage und da öfters Wasser im Keller stand soll der Schacht im Keller vor das Haus gesetzt werden. Die Fenster sollen an vielen Stellen vergrößert werden (i.d.R. als bodentiefe Fenster).

    Die reinen Sanierungskosten betragen vermutlich rund 300.000 - 400.000 EUR.

    Der erster Schritt ist die Erstellung eines energetischen Gutachtens. Das wird vom Bund gefördert.

    Bei dem zweiten Schritt tue ich mir jedoch schwer, aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Den Architekten braucht man nur für den Bauantrag der neuen Doppelgarage und zum einzeichnen der vielen neuen Fenster.

    1. Bauen mit Generalunternehmer

    Ist komfortabel, aber er verdient dann überall mit (schätzungsweise 30.000 - 50.000 EUR).


    2. Bauen mit Archtekt

    Ist komfortabel, aber der Architekt verdient dann vermutlich auch die 30.000 - 50.000 EUR wenn er alles macht.

    3. Anhand des Energiegutachtens alle Gewerke selbst beauftragen.

    Ist wahrscheinlich am günstigsten, aber vermutlich schwierig zu koordinieren und aufwändig/schwierig Angebote einzuholen (Beispiel: Elektriker will Strom verlegen => Absprache mit dem Heizungsbauer der eine neue Fußbodenheizung verlegt; Dach erneuern => Übergang Fassadendämmung => Fensterbauer). Geschätzt sind hier ca. 10 - 15 Einzelgewerke zu vergeben.

    Die Frage ist also, wie kann man den Kreis der mitverdienenden klein halten, aber den Umbau dennoch als Gesamtprojekt sinnvoll gestalten. Auf ein paar Monate länger kommt es mir nicht an, da ich derzeit in einer Mietwohnung wohne. Was macht für so eine Gesamtsanierung Sinn.


    Vielen Dank für alle Tipps.

  • Architekt mit Erfahrung solcher Sanierungen. Der kann dann nämlich auch die Bauüberwachung übernehmen.

    Der GU überwacht sich höchstens selbst.

    Und Du selbst findest die Fehler gar nicht oder erst, wenn es zu spät ist oder zu teuer wird,


    der Architekt verdient dann vermutlich

    Richtig ausgedrückt, die *verdient* er dann. Er leistet eine Arbeit, für die er von dir angemessen entlohnt wird.

  • Darum geht’s mir ja gar nicht, wenn der Architekt arbeitet verdient er sich natürlich diese 30-50.000 €. Aber ich frage mich halt, ob es nur diesen Weg gibt oder was grundsätzlich Sinn macht, damit ich im Ergebnis wirtschaftlich am besten wegkomme

  • Als Architekt bin ich voreingenommen. Ja, ich halte meine Arbeit, die Arbeit unseres gesamten Berufsstandes, für sinnvoll und ihre Inanspruchnahme damit auch.


    Zu Deinen Punkten:


    1. GU schlagen üblicherweise ungefähr ca. 15 % (Daumenwert) auf eingekaufte Leistungen auf. Bezogen auf ein Volumen von 360.000 € (inkl. Mwst.) wären das ca. 54.000 €, zusammen also rd. 415.000 €. Dafür bekommst Du dann zwar alle Leistungen aus einer Hand und meist auch eine leidliche Koordinierung der Leistungen, aber keine Planung und auch nicht unbedingt eine fachlich qualifizierte Bauleitung. Planung kostet definitiv extra. Wäre die Planung inklusive, bräuchte es einen GÜ "Generalübernehmer", denn dieser plant auch. Dafür bedient er sich oft externer freier Architekten. Für deren Leistungen gilt wieder das selbe wie für einen GU. Wenn sie billiger sind als bei Direktbeauftragung, dann sicherlich nicht aus Nettigkeit.


    2. Architekten errechnen aus den selben 360.000 € (inkl. Mwst.) anrechenbare Kosten von rd. 300.000 € inkl. Mwst. und daraus wiederum ein Honorar von rd. 65.000 € inkl. Mwst. Das macht dann zusammen 425.000 € inkl. Planung und Bauleitung. Du hast vermutlich einen hier zu erwartenden Umbauzuschlag von 25 % - 50 % übersehen. Ich habe dafür mit 35 % gerechnet und Nebenkosten von 5 %.


    3. Ganz ohne fachliche Unterstützung kann man das auch machen. Es ist eine wenig so, als wenn man mit der Krankschreibung von Arzt oder Ärztin in die Apotheke geht - ohne Rezept und ohne zu wissen, ob eine medikamentöse Behandlung überhaupt sinnvoll ist. Es gibt als keine Planung, keine Koordination der Gewerke und keine fachliche Kontrolle der Ausführung oder Abrechnung. Um im Bild zu bleiben: Krebsbehandlung allein mit der Krankschreibung, ohne Therapievorschlag und ohne Erfolgskontrolle.

    Die Frage ist also, wie kann man den Kreis der mitverdienenden klein halten, aber den Umbau dennoch als Gesamtprojekt sinnvoll gestalten.

    Wenn es Dir um's "Mitverdienen" geht, mach einfach alles selbst: Entwurf, Planung, Ausschreibung, Bauleitung, Abrechnung. Wenn es Dir um Effizienz geht, erwäge vielleicht doch die Hinzuziehung externen Sachverstandes - vor der Ausführung oder auch erst hinterher. Nach meiner Erfahrung als SV ist die Mangelbeseitigung immer teuerer, wenn man schon gebaut hat ... "ach hätten wir doch ... und uns hat auch niemand gesagt, dass ...".

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Du hast als Beruf "Jurist" angegeben.

    Falls Du einen Kollegen, der auf Baurecht spezialisiert ist, kennst, frag den mal nach seiner Meinung.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • 1. GU schlagen üblicherweise ungefähr ca. 15 % (Daumenwert) auf eingekaufte Leistungen auf.

    Ja...und nein. Ja, der % - Satz dürfte in etwa passen.


    Und Nein, weil ein GU idR einen Festpreis anbietet. Dies ist beim Neubau recht gut kalkulierbar. Baut der GU mit einem gut eingespielten Team von Handwerksbetrieben ist das sicherlich mit nur geringen Unsicherheiten verbunden. Ganz anders sieht das beim Umbau aus. Auch den kann man zwar kalkulieren, aber es ist viel schwieriger. Zum einen weil man nicht die "normalen" m²- oder m³ - Preise ansetzen kann, zum anderen, weil man vielfach gar nicht weiß was unter der Oberfläche schlummert.


    Konkretes Beispiel von einer Sanierung letztes Jahr: Haus aus den 60er Jahren. Es sollte putzmäßig nach Möglichkeit nur ausgebessert, Schlitze verspachtelt usw. werden. Bei der genauen Untersuchung des Putzes stellte sich heraus, dass dieser extrem absandete, nur einen sehr geringen Gipsanteil enthielt und letztendlich komplett abgeschlagen werden musste. Kostete natürlich viel mehr.


    Nach dem Entfernen des Putzes offenbarte sich dann auch ein lustiges Mischmauerwerk. Da ist offenkundig verbaut worden, was man gerade so zu fassen bekam. Auch das weiß man im Vorfeld natürlich nicht.


    GU mit Festpreis ist von daher eher schwierig, wird also, wenn man dies partout möchte, sicherlich ganz erhebliche Sicherheitszuschläge nach sich ziehen.


    Bliebe die Variante GU mit variablem Preis. Also zB normale Ausschreibung en machen / Angebot einholen und der GU bekommt einen gewissen %-Satz für seine Leistungen oben drauf. Dann aber hätte er natürlich kein wirklich großes Interesse die günstigsten Firmen anzuschreiben....vielmehr wären teure Angebot für ihn sogar von Vorteil.


    Auch bedarf es bei einer Sanierung eines nicht unerheblichen Aufwandes bei der Bauüberwachung. Eben weil alle Nase lang etwas völlig Unerwartetes auftauchen kann. Ebenso bedarf es einer sehr umfangreichen Planung (schönes Beispiel: FB-Aufbauhöhen. Haut man den alten Estrich raus, so wird der neue Estrich wegen erhöhter Dämmstoffstärken und erhöhter Estrichdicken sicherlich höher ausfallen. Schon passt die Treppe nicht mehr, schon passen die Türen nicht mehr,...). Entwurfsmäßig mag es einfacher sein (der Grundriss steht ja im Großen und Ganzen fest), die Herausforderungen liegen eher im Kleinen. Dafür aber umso mehr.


    Insofern würde ich hier tatsächlich zum Architekten raten.

  • 300.000 - 400.000 Euro nur für die Sanierung einer Doppelhaushälfte?

    Das Objekt muss ja riesig sein, um so hohe Kosten bei der Sanierung zu verursachen, ist es evtl. eine Doppelschlosshälfte? 😉


    Wenn das Haus komplett entkernt und auch die Raumaufteilung sich ändert, du nicht absolut fit im Baubereich bist, dann solltest du auf jeden Fall einen Architekten mit an Bord nehmen, den brauchst du schon alleine für die Bauanträge.


    Vergiss bei der Sanierung nicht auch die BAFA und KFW Förderungen rechtzeitig einzureichen, hier kann der Architekt evtl. auch weiterhelfen bzw. der Energieberater.

  • Wenn das Haus komplett entkernt und auch die Raumaufteilung sich ändert, du nicht absolut fit im Baubereich bist, dann solltest du auf jeden Fall einen Architekten mit an Bord nehmen, den brauchst du schon alleine für die Bauanträge.

    Wofür braucht man bei einer Sanierung einen Bauantrag?? Nutzungsänderung??

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Bei einer umfassenden energetischen Sanierung winken tolle Förderungen....

    Die können durchaus 50.000 € oder mehr sein

    Aber ich denke ihr habt einen Energieberater mit im Boot

  • 300.000 - 400.000 Euro nur für die Sanierung einer Doppelhaushälfte?

    Das Objekt muss ja riesig sein, um so hohe Kosten bei der Sanierung zu verursachen, ist es evtl. eine Doppelschlosshälfte?

    Sehe ich nicht so. Vielmehr scheint mir das Budget eher realistisch.


    Komplettsanierung letztes Jahr: Geschätzte Kosten EUR 297k. Es wurde dann aber -wie so oft- etwas mehr, weil dies oder das dann eben doch noch ein "Must have" wurde. Andererseits gab es kostenmindernde EL!


    Insofern sehe ich ein Budget für 300k - 400k schon als gut positioniert an. Die Spanne ist ja auch recht groß. 100k Unterscheid sind da schon recht ordentlich.


    Nachtrag: Mein Umbau von letztem Jahr war allerdings keine DHH, sondern ein großes EFH.

    Nachtrag: Aber hier: Baden-Württemberg. Nicht gerade Niedrigpreisgegend.

  • Es handelt sich doch "nur" um eine Doppelhaushälfte, mit vllt. 150m2.


    Ehrlich gesagt fehlt mir da die Fantasie um 300-400k Euro unterbringen zu können.


    Bei uns kriegt man für das Geld schon ein stattliches EFH ohne Grundstück hingestellt, zwar kein absoluter Luxus, aber in sehr gehobener Ausstattung.

  • Wofür braucht man bei einer Sanierung einen Bauantrag?? Nutzungsänderung??

    Denke für die Garage wird er einen Antrag einreichen müssen, vorallem sollte kein Baulaie einen so großen Betrag "unbeaufsichtigt" und ohne externe Kontrolle investieren, dafür gibt es zuviele schwarze Schafe in der Baubranche.

  • vorallem sollte kein Baulaie einen so großen Betrag "unbeaufsichtigt" und ohne externe Kontrolle

    Das ist aber nicht LP 4, sondern LP 8! Also kein Bauantrag nötig, sondern eine (erfahrene ) Bauleitung


    Und ob in BaWü für eine weitere/größere Garage ein Bauantrag nötig ist, weiß ich nicht. Immer mehr LBO gehen dazu über, bestimmte Garagen(größen) verfahrensfrei zu stellen

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Wir sanieren nächstes Jahr auch eines unserer Häuser. Dazu haben wir einen zeichnungsberechtigten Bauingenieur engagiert. Er übernimmt LP 1-5 - also alle Pläne und Bauanträge. Die Vergabe der Gewerke machen wir selbst.

    Nun ist das zwar erstmal sehr konkret, wir haben aber mit ihm vereinbart, dass er uns bei Fragen Auskunft gibt und sollte es größere Probleme geben, dann fährt er auch mal zur Baustelle. Dafür haben wir einen Stundensatz vereinbart, den er dann extra abrechnet. So bleiben die Kosten für uns hoffentlich überschaubar und wir zahlen nicht für nix.

    Das geht natürlich nur, da wir ein recht hohes Vertrauen in unsere Handwerker haben und selbst auch die ein oder andere Erfahrung einbringen können.

    VG! Katja

  • Dafür haben wir einen Stundensatz vereinbart, den er dann extra abrechnet. So bleiben die Kosten für uns hoffentlich überschaubar und wir zahlen nicht für nix.

    Irrtum. Bei der Konstellation zahlt Ihr keine Objektüberwachung sondern Anwesenheit. Ihr zahlt also (überspitzt) für nix.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Irrtum. Bei der Konstellation zahlt Ihr keine Objektüberwachung sondern Anwesenheit. Ihr zahlt also (überspitzt) für nix.

    Richtig. So wie mich mein Arbeitgeber auch für Anwesenheit bezahlt, ob ich was leiste oder nicht. Geht trotzdem in 99% der Fälle gut.

  • Wir sanieren nächstes Jahr auch eines unserer Häuser. Dazu haben wir einen zeichnungsberechtigten Bauingenieur engagiert. Er übernimmt LP 1-5 - also alle Pläne und Bauanträge. Die Vergabe der Gewerke machen wir selbst.

    ........ und sollte es größere Probleme geben, dann fährt er auch mal zur Baustelle.

    Das ist der dümmste Rat, den man Laienbauherren geben kann. LP 1-4 haben wenig bis nichts mit der Ausführungswirklichkeit zu tun.

    Und ob ein Laie die Leistung seiner/ihrer Handwerker wirklich beurteilen kann, ist sagen wir mal fraglich.

    Wenn das aber Voraussetzung für eine Kontrolle der Bauleistung(en) ist, was passiert dann mit den Dingen, die zwar chic aussehen, aber :pfusch: sind?

    Die wird der BauIng nicht erkennen, weil er ja von nichts weiß!


    Beispiel: Ich war grad gestern zu einer Besichtigung einer (jahrealten) Handwerkerleistung. Da war als Entlüftungsleitung vom Bad OG bis in den Spitzboden, ein rechteckiger Lüftungskanal verlegt worden. Ist naja, könnte man aber machen. Problem: Er war falschrum zusammengesteckt. Anfallendes Kondenswasser lief im Rohr runter (normal) und an den Stoßstellen raus, weil die Muffe (ohne Dichtung) aussen lag und nach unten zeigte.

    War nur aufgefallen, weil sich Wasserflecken an der Tapete zeigten,

    Der Bauherr war damals sogar glücklich, weil so ein Quadratrohr den Dämmquerschnit weniger beeinträchtigte als ein DN 100 Rundrohr

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Architektenvertrag = Werkvertrag = Das Ergebnis (= "Werk") wird geschuldet und honoriert.

    Angestelltenvertrag = Dienstvertrag = Das Bemühen wird geschuldet und honoriert.


    Als Auftraggeber wäre ich ja eher am erreichten Ergebnis interessiert, als nur am Bemühen darum.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Die letzte Frage war nicht ernst gemeint - nur um sicher zu gehen, dass keine Gerüchte entstehen. :)

    Angestelltenvertrag = Dienstvertrag = Das Bemühen wird geschuldet und honoriert.

    Als Auftraggeber wäre ich ja eher am erreichten Ergebnis interessiert, als nur am Bemühen darum.

    Zum Glück sind wir nicht im Gewerkschaftsforum oder so. :D

    VG! Katja

  • Architektenvertrag = Werkvertrag = Das Ergebnis (= "Werk") wird geschuldet und honoriert.

    Angestelltenvertrag = Dienstvertrag = Das Bemühen wird geschuldet und honoriert.


    Als Auftraggeber wäre ich ja eher am erreichten Ergebnis interessiert, als nur am Bemühen darum.

    Wobei aber auch ein Vertrag mit Abrechnung auf Stundenbasis unter das Werkvertragsrecht fallen kann.

    Problem ist im geschilderten Fall dich eher, ob der Planverfasser, ob jetzt Bauingenieur oder Architekt, zum richtigen Zeitpunkt auf die Baustelle gerufen wird, um Probleme tatsächlich zu erkennen.

    Im übrigen ist es ja mitnichten so, dass der Architekt bei Lph 8 24/7 auf der Baustelle anwesend ist.

    Im übrigen die 2.: Im Ingenieurbau ist die Objektüberwachung eine besondere Leistung. Da ist zumindest eine Kalkulation über Stundensatz und geschätzten Aufwand nicht unüblich, auch wenn der Vertrag in der Regel einen Pauschalbetrag vorsieht.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • LP 1-4 haben wenig bis nichts mit der Ausführungswirklichkeit zu tun.

    Na...das hoffe ich jetzt mal nicht! Aber es ist schon so, dass ein Bauantrag (sagen wir mal, da sei ein Fenster dargestellt) keine verlässlichen Ausführungsinformationen enthält (Fenster: RBL, Sturzhöhe, Brüstungshöhe, evtl. notwendige Aufdoppelung der Fensterprofile, Lage Gurtwickler, usw. usf.).


    Im übrigen ist es ja mitnichten so, dass der Architekt bei Lph 8 24/7 auf der Baustelle anwesend ist.

    Das ist natürlich richtig. Aber wenn ich eine Baumaßnahme planerisch erfasst habe, dann weiß ich in etwa wann kritische Situationen/ Ausführungen anstehen. Gibt es eine umfassende Werkplanung, ist die Schadenswahrscheinlichkeit ungleich geringer.


    Ich verwöhne die Werkplanungläubigen mal mit einem ganz einfachen, aber letztendlich wichtigem Beispiel.


    Haus bekommt Fenster mit Rollos und zum Teil Fenster ohne Rollos (Bäder usw.).


    Hierdurch ergeben sich zwei recht unterschiedliche Einbaudetails.




    Hier skizzenhaft.


    Mit Rollo:




    oder eben ohne Rollo:




    Einmal mit Rahmenaufdoppelung, einmal ohne, -->andere Rohbauhöhen.


    Nichts Gewaltiges? Schon. Aber hätte man überall die gleiche Höhe angenommen, so würden man in der Fassade bei den Fenstern ohne Rollo immer ein paar cm niedrigere Stürze sehen. Unschön! Funktional natürlich erst einmal egal.


    Ist so etwas vollständig geplant, muss es "nur noch" überwacht werden. Aber wenn es planerisch erfasst und dargestellt ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es schief geht deutlich geringer.



    Nachtrag: Nein, das sind nicht die Werkpläne für die Baustelle, sondern das (interne) graphische Erfassen des Problem und das Erarbeiten der Lösung, so dass ein gutes Endergebnis herauskommt.

  • Im übrigen ist es ja mitnichten so, dass der Architekt bei Lph 8 24/7 auf der Baustelle anwesend ist.

    Völlig richtig - was aber auch niemand behauptet hatte, oder?


    Vor zwei Jahren habe ich bewußt und angekündigt ein Experiment gemacht, als die Bauherrin eines von mir bereits bis dahin voll betreuten kleinen Umbaus das Honorar für die Bauleitung nach HOAI zu hoch fand: Wir haben vereinbart, dass ich zum Stundensatz ausschließlich zu den von ihr ausdrücklich gewünschten Zeitpunkten / Problemen auf die Baustelle komme, maximal aber der Satz nach HOAI bezahlt wird. Auch die Koordination, schriftliche Korrespondenz und die Rechnungsprüfung sollten nur zum Nachweis abgerechnet werden. Am Ende lag die Differenz im unteren einstelligen Prozentbereich bzw. bei wenigen hundert €. Wenn man sich also auf das objektiv erforderliche Maß an Kontrolle beschränkt, wird "Objektüberwachung" nicht wesentlich günstiger als nach HOAI bzw. bei "Vollbeauftragung" der Grundleistungen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • dass ich zum Stundensatz ausschließlich zu den von ihr ausdrücklich gewünschten Zeitpunkten / Problemen auf die Baustelle komme

    ... das setzt aber voraus, dass der Auftraggeber die "kritischen" Punkte rechtzeitig erkennt und den Planer rausruft.

    Ohne die Vereinbarung wäre der Zeitaufwand vermutlich höher gewesen, weil Du öfter rausgeschaut hättest.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Völlig richtig - was aber auch niemand behauptet hatte, oder?


    Vor zwei Jahren habe ich bewußt und angekündigt ein Experiment gemacht, als die Bauherrin eines von mir bereits bis dahin voll betreuten kleinen Umbaus das Honorar für die Bauleitung nach HOAI zu hoch fand: Wir haben vereinbart, dass ich zum Stundensatz ausschließlich zu den von ihr ausdrücklich gewünschten Zeitpunkten / Problemen auf die Baustelle komme, maximal aber der Satz nach HOAI bezahlt wird. Auch die Koordination, schriftliche Korrespondenz und die Rechnungsprüfung sollten nur zum Nachweis abgerechnet werden. Am Ende lag die Differenz im unteren einstelligen Prozentbereich bzw. bei wenigen hundert €. Wenn man sich also auf das objektiv erforderliche Maß an Kontrolle beschränkt, wird "Objektüberwachung" nicht wesentlich günstiger als nach HOAI bzw. bei "Vollbeauftragung" der Grundleistungen.

    Stimmt, hat niemand behauptet. Hatte sich für mich nur etwas angehört, als ob Abrechnung nach Aufwand in der Bauüberwachung was ganz böses wäre und unweigerlich scheitern muss, was ich aber bezweifle. Im konkreten Fall stellt sich halt nur die Frage, ob die Bauüberwachung rechtzeitig und bei den wichtigen Problemen gerufen wird.


    Off-Topic:

    Im Hochbau seid "Ihr" da aber halt auch in einer komfortablen Situation. Die Bauüberwachung ist eine Grundleistung. Wenn man nun davon ausgeht, dass die Honorare der HOAI mindestens auskömmlich kalkuliert sind und es einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen Bausumme (bzw. anrechenbaren Kosten) und Zeitaufwand gibt, wäre es doch eigentlich logisch, dass es keine größeren Unterschiede gibt, oder sehe ich da was falsch?

    Im Ingenieurbau sieht es wie gesagt etwas anders aus. Da ist die Bauüberwachung eine besondere Leistung und wird regelmäßig getrennt von den LPH 1 bis 7 ausgeschrieben und vergeben. Wobei dann natürlich trotzdem LPH 8 mit vergeben wird. Das ist aber halt "nur" die Bauleitung. Nach meiner Beobachtung gibt es da durchaus einen Preiskampf dahingehend, dass den Auftrag derjenige bekommt, der in seiner Kalkulation meint, den geringsten Aufwand zu benötigen, da je schlussendlich ein "pauschaler" Preis vereinbart wird.

    Der Bauende soll nicht herumtasten und versuchen. Was stehen bleiben soll, muß recht stehen und wo nicht für die Ewigkeit doch für geraume Zeit genügen. Man mag doch immer Fehler begehen, bauen darf man keine. (Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Wanderjahre)

  • Vielen Dank für die Antworten.


    Noch eine ergänzende Frage: In der Liste der zu förderfähigen Maßnahmen nach KfW 151, 152, 430 heißt es bei den Baunebenkosten:


    "Es werden die Kosten der Beratung, Planung und Baubegleitung, die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz stehen, anerkannt."


    Bedeutet das, dass die Architektenkosten zu den förderfähigen Maßnahmen dazuzählen? Wenn man dann aber noch eine neue Garage und ggf. Außenanlage mit neuem Kontrollschacht haben möchte, ist die Trennung vermutlich nicht so einfach.

  • Ergänzend:


    Bei dem Merkblatt zu den förderfähigen Kosten nach BEG EM heißt es:


    "Es werden die Kosten der energetischen Fachplanung und Baubegleitung, die im unmittelbaren Zusammenhang mit den Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz stehen, anerkannt."


    Sind damit die Architektenkosten gemeint?

  • Gegenfrage:

    Ist in dem Budget die Doppelgarage mit drin? sowie die Erdarbeiten für die Kanalisation?

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.