Carport - Dachbegrünung?

  • Guten Tag,


    da ich aktuell auf der Suche nach einer "Sichtweise" oder rechtlichen Begründung bin, fand ich dieses Forum :)

    Bevor ich nun einen Anwalt frage, reicht es vielleicht hier sogar aus.


    Wir haben in einer bayrischen Gemeinde 2019 gebaut. Das Haus und die Garage stehen schon. Nun wollten wir langsam auch das Carport bauen.


    Die zwei Stellplätze sind damals mit in der Einreichplanung in die Genehmigung gegangen und alles ist genehmigt worden.


    Das Carport soll 6x6m werden. Laut Bebauungsplan muss dieser min. 3 Meter von den Grenzen gebaut werden. Das wird eingehalten. Auch das Thema das der Carport in der Mitte nicht höher als 3m sein darf, wird auch eingehalten.


    Laut Gemeinde darf das Carport wie geplant gebaut werden. Allerdings muss es begrünt werden!

    Das kann ich aber gar nicht nachvollziehen. Vor allem weil die Begrünung im Bebauubgsplan sich vom Wortlaut her nur auf Garagen bezieht. Zudem hat ja das Carport kein Flachdach sondern so ein normales Riffeldach das nach hinten geneigt ist damit Wasser in die angebrachte Rinne ablaufen kann.


    Laut Gemeinde ist es im Bebauungsplan wohl unglücklich ausgedrückt, aber der Punkt 2 bezieht sich komplett auf Carports und Garagen. Und der Gesetztesgeber macht angeblich keinen Unterschied zwischen Garagen und Carports.


    Nun meine Frage. Wie ist der Bebauungsplan richtig zu lesen bzw. zu verstehen?


    Anbei der textliche Auszug.


    Vielen Dank für eure Hilfe und eure Einschätzung.


    Grüsse

    Matthias

  • Ich brech mir nicht die Augen beim Versuch da was zu lesen, aber vielleicht hilft ja schon Art. 2 Abs. 8 Satz 2 der BayBO:


    "Garagen sind Gebäude oder Gebäudeteile zum Abstellen von Kraftfahrzeugen."

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Die Punkte 2.1 - 2.3 des Bebauungsplanes unterscheiden doch sehr deutlich nachdem, was für Garagen und was für Carports gilt. Damit dürfte das "unglücklich ausgedrückt" wohl eher dem Wunschdenken der Gemeinde entsprechen, als irgendeiner belegbaren Forderung.

  • Wozu kann man die Bilder im Anzeige-Editor vergrößern? Klick "Original", Klick auf das Bild, und schon kann man lesen, auch ohne Brille mit 20dpt. :D



    Die Punkte 2.1 - 2.3 des Bebauungsplanes unterscheiden doch sehr deutlich nachdem, was für Garagen und was für Carports gilt.

    Dem würde ich mich anschließen. Es wird immer von Garage (oder) von Carport geschrieben, auch Stellplätze sind unter 2.5 getrennt aufgeführt. Unter 2.2 steht ausdrücklich, dass nur bei Flachdachgaragen zwingend eine Begrünung erforderlich ist. Wenn man immer zwischen Garage und Carport unterscheidet, würde ich mal voraussetzen, dass diese Unterscheidung auch für 2.2 Gültigkeit hat.

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    .

  • "Gebäude sind selbständig benutzbare, überdeckte bauliche Anlagen, die von Menschen betreten werden können."

    "Garagen sind Gebäude oder Gebäudeteile zum Abstellen von Kraftfahrzeugen."


    Das Carport ist eine bauliche Anlage mit einem Dach und kann von Menschen betreten werden. Damit ist ein Carport ein Gebäude. Da es zum Abstellen von Kraftfahrzeugen dient ist ein Carport entsprechend BayBO ein Garage.


    "Stellplätze (hingegen) sind Flächen, die dem Abstellen von Kraftfahrzeugen außerhalb der öffentlichen Verkehrsfläche dienen. "


    Die Unterscheidung nach Garage und Stellplatz ist also klar geregelt. Ob man aus dem Text eine Unterscheidung zwischen Carport und Garage herleiten kann, kann man eventuell der Begründung entnehmen. Ich denke aber eher nicht.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Danke euch schon mal ;)


    Ja die Gemeinde hat sich immer darauf berufen das der "Gesetzgeber" da keine Unterscheidung macht. Daher muss ich zwingend begrünen.

    Und die nächste Aussage, als ich sagte das es ja kein Flachdach wie bei einer Garage ist, sondern nach hinten geneigt damit das Wasser ablaufen kann, das es ja trotzdem ein Flachdach ist.

    Dazu sagte ich der Dame, das es aber so ein klassisches Riffelblechdach ist, wie halt bei vielen Carports, und das lässt sich nicht begrünen. Daraufhin, dann darf ich dieses Dach so nicht bauen. :-)


    Alles sehr seltsam.

  • Alles sehr seltsam.

    Nein. Bis auf die in den Texten fehlende Dachneigungsangabe und die merkwürdige teilweise Unterscheidung zwischen Garagen und Carports ist da nix seltsam.

    Klar, wenn Begrünung sein muss und Dein geplantes Dach die nicht trägt, dann muss halt eine andere Tragkonstruktion her - ganz einfach. Nix mit 999,99 € aus dem Bieber

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Alles klar, wenn das so tatsächlich ausgelegt werden kann, dann werde ich mich dran halten. Durch die unglückliche Formulierung (in meinem Verständnis) ist es nicht eindeutig, aber wenn es rechtlich haltbar ist, dann ist das halt so. Ich bin ja net auf unnötigen Stress aus.


    Und ein 999€ Carport aus dem Aldi soll es ja nicht werden. Daher kann man das alles vernünftig planen.


    Mir ging es nur darum, wenn es nicht eindeutig ist, dann kann ich mir ja die Kosten für eine Begrünung sparen.


    Ich will aber nicht das ganze Carport irgendwann abreißen müssen, nur weil es bemängelt wird.


    Bin gespannt ob alle anderen Nachbarn im Baugebiet, welche quasi schon ein Carport ohne Begrünung haben, abreisen oder Strafe zahlen müssen falls tatsächlich irgendwann mal kontrolliert wird.

  • Und was ist ein "Flachdach" Wo ist die Definition?


    Tja, was ist eine Flachdachgarage?

    Ich würde mal sagen, eine Garage mit einem flachen Dach :lach:


    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man Dächer mit unter 5° DN als Flachdach bezeichnet, somit wird durch das Gefälle zum Ablauf aus dem Flachdach kein geneigtes Dach. ;)


    Aus einem Beschluss des VG München vom 28.04.2010

    Zitat


    ...........Die Bayerische Bauordnung enthält keine Definition des Flachdachs. Es bedarf deshalb einer Auslegung anhand allgemeiner Kriterien. Ein Flachdach ist im Gegensatz zu einem geneigten Dach zu sehen. Ein solches ist anzunehmen, wenn bei natürlicher Betrachtungsweise davon auszugehen ist, dass dieses einen First aufweist, also das Dach von seiner höhenmäßigen Ausdehnung unterschiedliche Ausmaße hat. Dabei ist es unerheblich, ob die höchste Stelle des Dachs in der Mitte ist, also ein Sattel- oder Walmdach vorliegt oder ein Pultdach, das seine höchste Stelle am Rand hat. Eine absolute Grenze, ab wann ein Pultdach anzunehmen ist oder ein geneigtes Flachdach, gibt es nicht. Es entscheiden die Besonderheiten des Einzelfalls. Als Flachdach bezeichnet man allgemein einen mehrschichtigen Dachaufbau, der kein oder nur ein geringes Gefälle aufweist. Um ein solches Dach bautechnisch ordnungsgemäß errichten zu können muss ein Mindestgefälle von etwa 3° vorhanden sein, damit sich kein Wasser ansammeln und gefrieren kann oder der Wuchs von Algen oder Pflanzen gefördert wird. Aus dem bei den Akten befindlichen nicht maßstäblichen Plan ist zu entnehmen, dass das Dach auf dem Anwesen der Antragsteller eine Neigung von 5° hat. Es ist deshalb nur geringfügig stärker geneigt, als man bei einem bautechnisch ordnungsgemäß ausgeführten Flachdach mindestens anzusetzen hat.



    Wichtiger wäre mir, dass dort steht "Flachdachgarage" und nicht Carport oder Flachdach-Carport oder was auch immer. Müsste man das Flachdach eines Schuppens auch begrünen? Dann könnte ich verstehen, wenn man das auch auf andere Dinge, wie einen Carport, überträgt, sofern dort nicht ausdrücklich etwas anderes genannt ist. So aber wird immer zwischen Garage und Carport unterschieden.

    Dort steht weiterhin, dass alle Dachformen und Eindeckungen zulässig sind, und nur die Flachdachgaragen sind zu begrünen.

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  • Ich verlange Schmerzensgeld wegen Augenbruch.

    Müsste man das Flachdach eines Schuppens auch begrünen?

    Unter "C Hinweise" Pkt. 7

    "Es wird angeregt, flach geneigte Dächer und Garagen zu begrünen."

    Welche Bedeutung die "Hinweise" haben, von wem die kommen und für wen die gedacht sind - keine Ahnung.

    Der B-Plan muss halt als Ganzes und einschließlich der Stellungnahmen und Begründungen betrachtet werden.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Bin gespannt ob alle anderen Nachbarn im Baugebiet, welche quasi schon ein Carport ohne Begrünung haben, abreisen oder Strafe zahlen müssen falls tatsächlich irgendwann mal kontrolliert wird.

    es gibt keine Gleichbehandlung im Unrecht.

    Sind denn die Carports der Nachbarn befreit worden (dann hättest Du evtl. Chancen)? Oder eher nicht, dann sieht es wohl anders aus...

  • Also zum Thema Flachdach steht auf Wiki folgendes:

    "Flachdächer sind Dächer mit einer Dachneigung von weniger als 10°. Manche Quellen nennen eine Obergrenze von 5°. In deutschen Bauordnungen findet sich keine eindeutige Aussage zur Dachneigung von Flachdächern. In der Regel wird die Dachhaut von Flachdächern als Dachabdichtung ausgeführt."


    Zitat

    Sind denn die Carports der Nachbarn befreit worden (dann hättest Du evtl. Chancen)?

    Nicht das ich wüsste. Die haben halt gebaut, weil die das so verstanden hatten wie ich. :)

    Nur hab halt ich nicht auch einfach gebaut, sondern die Gemeinde gefragt.


    Zitat

    Dort steht weiterhin, dass alle Dachformen und Eindeckungen zulässig sind, und nur die Flachdachgaragen sind zu begrünen.

    Ja das wäre auch der Punkt der für mich etwas irreführend ist. Würde bedeuten, wenn ich kein Flachdach, sondern ein Pultdach auf das Carport setze, muss ich nichts begrünen.


    Klar nun muss ich halt prüfen ob eine Begrünung samt Konstruktion günstiger komme :-)

  • Von einer ganz anderen Seite her:

    Kostet zwar was, aber ich habe es sehr bereut, dass ich es nicht gemacht habe bei unserem (echten) Flachdach. Einfach aus ökologischen Gründen. Wir versiegeln so viel, da kann man schon was zurückgeben in kleinem Rahmen.


    Was ich sehr schätze: Du frägst vorher, nicht wenn schon das Kind in den Brunnen gefallen ist.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Ganz spitzfindig sehe ich auch keinen Zwang zur Dachbegrünung auf dem Carport. Das Wort "Carport" taucht in anderen Sätzen auf, also werden in diesem Abschnitt Carport und Garagen unterschieden, siehe auch Abstände zur Straße.


    Letztlich stimme ich

    Der B-Plan muss halt als Ganzes und einschließlich der Stellungnahmen und Begründungen betrachtet werden.

    zu. Evtl. steht in der Begründung etwas umfangreicher, was eigentlich gewollt ist.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Was ich sehr schätze: Du frägst vorher, nicht wenn schon das Kind in den Brunnen gefallen ist.

    Danke ;)


    Evtl. steht in der Begründung etwas umfangreicher, was eigentlich gewollt ist.

    Wenn es Hilfreich ist, anbei der Bebauungsplan. Dachte nur ich erspare euch das sehr klein geschrieben Dokument, wenn schon über meine Screenshots gejammert (nur Spass) wird :-P


    Zum hochladen ist der Plan leider zu gross.

    Daher hier die Links. Im ersten ganz unten das Planblatt = Bebauungsplan.


    Bebauungsplan Nr. 37 "Hinter der Kirche" - Inkrafttreten - Gemeinde Großhabershabersdorf



    Bebauungsplan-Nr.-37-HInter-der-Kirche-Planblatt-Auslegung.o3900.html

  • das sehr klein geschrieben Dokument

    die pdf ist ordentlich skalierbar - so wie kreative baurechtsauslegungen.

    bautechnisch ist das dach i ü auch skalierbar: eine konstruktion mit 6°-dach würde kaum als teil einer "Flachdachgarage" gelten können .. bautechnisch ;)

  • Wir haben unser Carport auch begrünt, da die Gemeinde dies in ihrer Satzung forderte. Allerdings sind wir damit in der Minderheit - selbst viele Garagenbesitzer haben letztlich nur Kies draufgeschüttet. Klar, ist auch preislich ein Unterschied, ob man 3k oder 200€ dafür bezahlt. Allerdings wirkt eine Dachbegrünung optisch schon angenehmer, wenn man aus dem Haus auf das Dach sehen kann. Es ist bei sowas halt die Frage, wie streng die Gemeinden die Erfüllung handhaben. Gleiches auch mit Steinwüsten usw.

  • Von einer ganz anderen Seite her:

    Kostet zwar was, aber ich habe es sehr bereut, dass ich es nicht gemacht habe bei unserem (echten) Flachdach. Einfach aus ökologischen Gründen. Wir versiegeln so viel, da kann man schon was zurückgeben in kleinem Rahmen.

    Off-Topic:

    Geht mir auch so. Wir hätten die Garage gerne begrünt - nur hat der GÜ uns eine Garage hingestellt, die dafür nicht geeignet ist, obwohl er etwas anders behauptet hat. Extensive begrünte Dächer können wahre Bienenmagneten sein und wenn sie einsehbar sind auch eine Augenweide.


    Zur Sache:

    Ich würde hier zwischen Garagen und Carports unterscheiden und halte die Aussage der Gemeinde für falsch. Begründung: die Festsetzung findet sich unter der Überschrift "Örtliche Bauvorschriften". In Art. 81 BayBO steht in Abs. 1 Nr. 1 dass die Gemeinden örtliche Bauvorschriften über besondere Anforderungen an die äußere Gestaltung baulicher Anlagen zur Erhaltung und Gestaltung von Ortsbildern, insbesondere die Begrünung von Dächern, festsetzen dürfen. Da sind die m.E. ziemlich frei in der Auswahl der baulichen Anlagen und wenn sie schon Garagen UND Carports erwähnen, müssen sie auch im weiteren Text zwischen beidem unterscheiden.

    Allerdings kenne ich dazu keine Gerichtsurteil und im Fall dass Du tatsächlich eine Beseitigungsanordnung für ein nicht begrüntes Carportdach bekommen solltest, ist der Ausgang eines anschließenden Gerichtsverfahrens ungewiss.

    Ich würde deshalb dazu auch noch beim zuständigen Landratsamt nachfragen - die müssen ja im Zweifel die Beseitigung anordnen. Das darf die Gemeinde nämlich nicht selbst.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Das Dach zu begrünen ist die saubere und sympathische Variante. Ansonsten warum kein Satteldach?

    Haben das gestern auch diskutiert. Vermutlich machen wir dann ein Walmdach, passend zum Hausdsch drauf. Dann sieht das identisch aus.


    Mit begrünen hätte ich grundsätzlich kein Problem. Nur würde ich mir die Kosten gerne sparen wenn hier die Gemeinde einfach falsch liegen würde.


    Danke euch allen für eure Meinungen und Einschätzungen. Hilft uns ungemein weiter.

  • Walmdach für ein Carport ist ja so was von daneben... Kostet wahrscheinlich auch mehr als das begrünte Dach.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Keine Angst vor begrünten Flachdächern. Wir helfen Dir auch bei Fragen vorher. Ist doch schön so ein Teil.

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  • Nur würde ich mir die Kosten gerne sparen

    das wäre sparen , koste es , was es wolle .

    . Kostet wahrscheinlich auch mehr als das begrünte Dach.

    so ein walmdach bringt auch einiges an gewicht und windlast mit , also müsste schon die tragkonstruktion verstärkt werden , und schon sind die mehrkosten für gründach geschrumpft ...:yeah:

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer