Betondecke geschlitzt-bedenklich?

  • Sehr geehrte Profis,

    ich benötige bitte Rat. Vor ein paar Jahren hatte ich eine Mietwohnung und in dieser war der Lampenauslass falsch platziert. Damals dachte ich mir nicht viel und schlitzte mit der Flex einen ca. 1m langen und maximal 1cm tiefen Schacht in eine rund 35cm dicke Betondecke.


    Jetzt im Nachhinein mache ich mir große Sorgen, ob ich hier nicht Gefährliches getan habe. Reagiere ich aktuell total über oder sind es schon berechtigte Sorgen? Ich Idiot hatte damals dem Vermieter nicht Bescheid gegeben. Kann ich das beruhigt so lassen oder soll ich Maßnahmen setzen (Vermieter kontaktieren und vermutlich heftig Ärger bekommen)? Ein Foto meiner fertigen Tat habe ich angehängt.


    Um Rat wäre ich wirklich sehr dankbar!

  • Du hast Glück gehabt, weil Du dem Bild nach im Feld in der Zugzone geschnitten, aber keinen Bewehrungsstahl getroffen, geschweige denn durchtrennt hast. Der Schlitz dürfte in diesem Fall also unkritisch sein.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Du hast Glück gehabt, weil Du dem Bild nach im Feld in der Zugzone geschnitten, aber keinen Bewehrungsstahl getroffen, geschweige denn durchtrennt hast. Der Schlitz dürfte in diesem Fall also unkritisch sein.

    Auch wenn der Schlitz 15 mm tief sein sollten, ist das vermutlich unkritisch, solange kein Bewehrungsstahl angeschnitten oder gar völlig durchtrennt wurde. Eine örtliche Besichtigung ist im Zweifel immer besser als ein Foto.


    Zum Brandschutz sollte der Schlitz wieder mit Zementmörtel verschlossen werden.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Auch wenn der Schlitz 15 mm tief sein sollten, ist das vermutlich unkritisch, solange kein Bewehrungsstahl angeschnitten oder gar völlig durchtrennt wurde. Eine örtliche Besichtigung ist im Zweifel immer besser als ein Foto.


    Zum Brandschutz sollte der Schlitz wieder mit Zementmörtel verschlossen werden.

    Ok besten Dank!


    Ich habe damals normale Spachtelmasse genommen, ist das problematisch?

  • Ok besten Dank!


    Ich habe damals normale Spachtelmasse genommen, ist das problematisch?

    ... also das was man im Baumarkt so bekommt. Also diese Fertigspachtelmasse.

    Nein, das ist nicht wirklich problematisch, aber Zementmörtel wäre besser gewesen.. Vielleicht schreibt ja noch einer unserer Tragwerksplaner hier etwas dazu, mls  Thomas T. ...?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Off-Topic:

    ich nicht, ich bin nur ein teil des "sachkundigen planerteams", weil ich auch bei sanierungen nur für´s tragwerk (praktisch: reststandsicherheit), aber bspw. nicht für rheologie zuständig bin.

  • jetzt haste mal wieder geschafft dass ich googeln musste um wenigstens die Worte in Deiner Antwort zu verstehen.

    Die Aussage aus dem Satz habe ich dennoch nicht kapiert.=o

    öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Maurer- und Betonbauerhandwerk

  • Ich weiß es ehrlich gesagt nicht eindeutig und will mich daher auch nicht zu weit aus dem Fenster hängen.


    Für die Zugzone ist es statisch unproblematisch, für die Druckzone auch wegen der paar cm Schlitz.


    Grundsätzlich hat Gips nichts auf der Bewehrung zu suchen, da er nicht alkalisch und hygroskopisch ist, also korrosionsfördernder als Luft ist.


    Der Schlitz soll ca. 1 cm tief sein. Die Mindestbetondeckung innen beträgt i.d.R. 10 mm. Wenn die Bewehrung vorschriftsmäßig mit Vorhaltemaß verlegt wurde, sind min. 10 mm Betondeckung übrig. Das kann ich aber nicht beurteilen, jedenfalls ist auf dem Foto keine Bewehrung zu sehen.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Gips ist korrosionsfördernder als Luft, ok. Allerdings wenn die Bewehrung noch nicht freiliegt, kommt diese auch nicht mit dem Gips in Kontakt. Macht der Gips dennoch etwas aus? Sollte ich für diesen Fall einen Statiker kontaktieren oder ist das übertrieben? Bzw. komme ich ja in diese Wohnung auch nicht so ein mehr rein, reicht da mein Foto aus?

  • Allerdings wenn die Bewehrung noch nicht freiliegt, kommt diese auch nicht mit dem Gips in Kontakt.

    Deshalb habe ich das mit der Mindestbetondeckung erläutert. Ob die wirklich noch vorhanden ist, kann aus dem Forum keiner sehen.

    reicht da mein Foto aus?

    Nein. Man müsste schon feststellen, wieviel Betondeckung noch vorhanden ist, siehe z.B. hier (keine Werbung für das Büro, nur zur Erläuterung).

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Was ich noch nicht verstehe, es werden ja ständig auf ner Decke Lampenauslässe versetzt und so viel ich weiß, macht man sich da sowieso keine Gedanken darum. Ich kenne das von bekannten Elektriker, da fragt ja auch kein einziger um einen statischen Nachweis. In der ÖNORM1996-1-1 ist leider immer nur von Wänden und nie von Decken die Rede. Da gilt allerdings, das 20mm Tiefe unbegrenzt möglich seien (ab einer gewissen Wandstärke) ohne statischen Nachweis.

  • Du hast richtig erkannt, dass aufgrund der völlig anderen Kraftverhältnisse in sich Decken anders als Wände gerade nicht geschlitzt werden sollen!


    Die von Dir zitierte ÖNorm bezieht sich nach oberflächlicher Recherche auf Mauerwerkswände. Mauerwerk kann wiederum anders als Stahlbeton sowieso keine Zugkräfte aufnehmen. Deshalb dürfen sie in Grenzen geschlitzt werden. Insofern sind auch diese Wände aber kein geeignetes Vergleichsobjekt für StB-Decken.


    Und ja, Elektriker und auch Sanitär- und Heizungsinstallateure scheren sich leider meistens einen Dreck um die Statik. Pro 100 m2 Gebäudefläche, Projekt und Jahr zähle ich mind. je einen Versuch, die Standfestigkeit von Häusern ernsthaft zu prüfen. Besonders beliebt sind im Altbau das Quer-Schlitzen von Deckenbalken oben wie unten und bei Neubauten das Schlitzen von StB-Bauteilen in der Zugzone und das Setzen von Kernbohrungen unmittelbar an hochbelasteten Stützenköpfen: "ist doch nur ein Loch!"

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Besonders beliebt sind im Altbau das Quer-Schlitzen von Deckenbalken oben wie unten und bei Neubauten das Schlitzen von StB-Bauteilen in der Zugzone und das Setzen von Kernbohrungen unmittelbar an hochbelasteten Stützenköpfen: "ist doch nur ein Loch!"

    Den Vogel schoß kürzlich ein Elektriker ab, der eine kräftige Zulage für "überdurchschnittlich viel Bewehrung" haben wollte, welche zu überdurchschnittlicher Werkzeugabnutzung geführt habe. Der Fachbauleiter TGA hat diese Zulage freigegeben. Von einer max. zulässigen Bewehrungsmenge hatte der Elektriker noch nie gehört und dass er die angeblich getroffene Bewehrung instandsetzen sollte, war ihm völlig unverständlich: "völlig überflüssig das Zeug, ist doch da sonst auch nicht drin!"

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Danke Skeptiker für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Also ich hab jetzt einen Statiker kontaktiert und warte auf einen Rückruf. Mal schauen, was der sagt. Ich hoffe, das Ganze wird kein riesen Theater. Wenn wir schon dabei sind: Ich habe eine Steckdose montiert und dafür ca. 30cm vertikal geschlitzt und ein 68mm Loch gebohrt, soll ich dieses auch erwähnen? Das fällt ja unter komplett normale Elektroinstallation.

  • Könnte ein Schallschutz- und/oder Brandschutzproblem werden. Wandstärke?

    Ich glaube 25cm. An der Wand sind aber (etwas entfernt) auch andere Steckdose gesetzt von der E-Firma. Auf der anderen Seite der Wohnung sind im Schlafzimmer auch Steckdosen zur Nachbarswohnung von der E-Firma gesetzt. Da spielt doch die eine Steckdose keine Rolle mehr?!

  • An der Stelle dürfte weder ein statisches noch ein bauphysikalisches Problem entstanden sein. Relax!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • An der Stelle dürfte weder ein statisches noch ein bauphysikalisches Problem entstanden sein. Relax!

    Ich achte bei Trennwänden, wenn sich das Dosensenken schon nicht vermeiden lässt, darauf, dass sich keine Dosen direkt gegenüber stehen.

    Hat das der TE auch gemacht?




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Ich achte bei Trennwänden, wenn sich das Dosensenken schon nicht vermeiden lässt, darauf, dass sich keine Dosen direkt gegenüber stehen.

    Hat das der TE auch gemacht?

    bei einer 24er Wand sollte da immer noch etwas dazwischen verbleiben, aber der Kraftfluss wird davon auch dann kaum beeinträchtigt - würde ich als Halblaie schreiben ...

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich achte bei Trennwänden, wenn sich das Dosensenken schon nicht vermeiden lässt, darauf, dass sich keine Dosen direkt gegenüber stehen.

    Hat das der TE auch gemacht?

    Nein, leider nicht. Wäre aber schon großes Pech, wenn sich das genau so ausgeht.

  • der Kraftfluss wird davon auch dann kaum beeinträchtigt

    der Schallschutz schon. Bei 2 Steckdosen genau gegenüber bleibt nicht mehr viel Wand von den 24 cm übrig. Es ist allerdings recht unwahrscheinlich, dass der Nachbar genau an dieser Stelle auch nachträglich eine Dose gesetzt hat.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • So unwahrscheinlich ist das gar nicht, Gern werden Steckdosen auf 30 cm Höhe und 20-30 cm Entfernung von der Außenwand gesetzt. Auf welche Höhe hatte doch gleich der TE geschlitzt?

    Wie monolytisch die Trennwand aufgebaut ist und ob nicht gerade das Griffloch des KS- Steins hinter der Dose liegt, weiß vorher auch keiner.

    Mit dem Zollstock mal beim Nachbarn zu klingeln kann viel Ärger ersparen.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • "Hätte" etc. bringt mir in der jetzigen Situation nichts mehr. Ich kann die Zeit leider nicht zurückdrehen, jeder macht halt einmal einen Blödsinn. Am Montag gebe ich dem Vermieter über mein Getanes Bescheid und hol mir erstmal ne große Runde Ärger ab :) Dann seh ich eh, was alles anfällt und dann will ich von dem Scheiß endlich meine Ruhe haben. Vom Bau will ich nix mehr wissen, ich weiß ja, warum ich lieber in der Industrie arbeite.

  • ... und dann will ich von dem Scheiß endlich meine Ruhe haben. Vom Bau will ich nix mehr wissen, ich weiß ja, warum ich lieber in der Industrie arbeite.

    Wenn man von einer Sache keine Ahnung hat, kann man bei jeder Sache gravierende Fehler machen. Das liegt aber nicht an der Sache, sondern am eigene Unwissen. Hier herrscht aber große Sorge über vermutlich wenig kritische Aktionen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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