Geräusche hörbar im neuen 2-Fam.Haus

  • Hallo,


    wir haben vor 6 Jahren ein 2-Fam.Haus in Massivbauweise bauen lassen und ärgern uns immer mehr über Geräusche, die sicherlich auf Baumängel im Bereich Schallschutz zurückzuführen sind.
    Die Probleme sind folgende:

    1. Wenn man ohne Schuhe auf dem Parkett läuft und mit den Hacken zuerst aufsetzt, entstehen dumpfe Geräusche, die man in der ganzen Wohnung hört und auch im Stockwerk darüber bzw. darunter. Das hört sich wie eine dumpfe Trommel an.

    2. Wenn man im OG in der Küche auf dem Hackbrett etwas hackt, hört man es als dumpfe Hackgeräusche in der Küche im EG.

    3. Wenn man im Bad etwas lautere Klack-Geräusche erzeugt (z.B. eine Glasflasche auf den Waschtisch abstellt) hört man im darunter/darüberliegenden Badezimmer (beide sind übereinander) diese Klack-Geräusch.

    4. Wenn man im Bad duscht, hört man im darunter/darüberliegenden Badezimmer das Wassergeräusch

    5. Wenn man in einer Wohnung den Schalter für den elektr. Rollladen betätigt, hört man das Klick-Geräusch im darunter/darüberliegenden Zimmer (das Hören des lauten Geräusches des elektr. Rollladens selber ist ja wohl kein Schallschutzproblem).


    Hier nun ein paar Angaben zum Haus:

    Decke:

    - 25cm Betondecke

    - darauf verlegt Elektrokabel in Leerrohren, mit Schellen auf den Betonboden getackert + plus Rohre für die Wasserversorgung und für die Heizung

    - darauf Trittschalldämmung (Styroporplatten und Kugeln)

    - darauf Fußbodenheizung

    - darauf schwimmender Estrich; leider aber an manchen Türen falsch abgeschlossen (nicht an der Türschwelle, wo die Türe anliegt, sondern auf der anderen Seite der Schwelle)
    - darauf Holzparkett vollverklebt


    Wände:
    - Außenwände 36cm Hohllochziegel

    - Innenwände 11,5cm, 17,5cm und 24cm Hohllochziegel

    - keine Tapeten, sondern Kalkputz


    Versorgungsschacht für Wasser/Heizungsrohe und elektr. Leitungen vom Bad im OG zum Bad im EG zum Gästebad im UG.

    Der Schacht wurde mit Beton sowohl auf der OG als auch der EG Decke ausgegossen.

    Die Leitungen sind meines Wissens vorher nicht schalltechnisch ummantelt worden.

    Der Schacht selber ist mit Isolierwolle ausgefüllt worden, bevor er mit Rigipsplatten in den Badezimmern geschlossen wurde - und dann verfließt.

    Der Schacht grenzt direkt an die Duschkabine und die Badewanne an.


    Die Badewannen sind in beiden Badezimmern direkt auf den Betonboden gestellt, nicht auf den Estrich wegen der Höhe der Badewannen.


    Alle elektr. Leitungen liegen in Kunststoff-Leerrohren. Diese laufen über die Decke im OG über Bohrungen und den Versorgungsschacht ins EG (z.B. für Lampen im EG, aber natürlich auch ins UG zum Verteilerkasten). Das selbe für Leitungen im EG.


    Ich habe, auch nach Studium diverser Anfragen folgenden Verdacht:

    - mit dem Estrich oder der Trittschalldämpfung ist etwas nicht in Ordnung - daher die Geräusche beim Laufen. Aber was?

    - evtl. leiten die Leerrohre der elektr. Leitungen den Schall von unten nach oben und umgekehrt. Falls das stimmt, kann man das was machen (z.B. Leerrohre bei den Anschlussdosen verschließen?)

    - der Versorgungsschacht ist sicherlich nicht der Norm entsprechend bzgl. Schallschutz.


    Was können Sie mir empfehlen?
    Übrigens wird das Haus nur von Familienmitgliedern bewohnt, es wären also alle mögliche Test machbar.

  • Hallo

    Schall ist ne echt komplizierte Sache ... oft ist das Problem auch ne Kombination verschiedener kleinere Mängel


    Also ich kann nur raten einen Sachverständigen für Schallschutz kommen zu lassen der sich das Vorort anschaut

  • Hallo Klaus,


    vielen Dank für den Hinweis. Klar kann ich einen Experten beauftragen. Nur: ich werde mit Sicherheit bei einem fast neuen Haus keine umfangreichen Baumaßnahmen durchführen lassen.
    Ich hatte mir daher von diesem Expertenforum einige Vorschläge erhofft, wie man nachträglich den Schallschutz verbessern kann (z.B. habe ich heute einen Artikel über Akustikbilder gelesen, der sehr vielversprechend klang).
    Gbit es da Erfahrungen in diesem Forum, was man ohne bauliche Maßnahmen verbessern kann?

  • Schall kann man halt nicht durch ein Forum transportieren. Jeder Fall liegt anders. Die möglichen Uraschen hast Du ja schon alle aufgeführt. Ob und welche denn bei dir wirklich vor Ort zutreffen, kann aus dem Forum niemand feststellen.


    Nur: ich werde mit Sicherheit bei einem fast neuen Haus keine umfangreichen Baumaßnahmen durchführen lassen.

    Wasch' mich, aber mach mich nicht nass?

  • Definier mal deine Erwartungshaltung. keine Schallübertragung könnte schwer werden und nicht ganz billig.

    Aber mal meine aus erfahrung geprägte einschätzung.

    1. Wenn man ohne Schuhe auf dem Parkett läuft und mit den Hacken zuerst aufsetzt, entstehen dumpfe Geräusche, die man in der ganzen Wohnung hört und auch im Stockwerk darüber bzw. darunter. Das hört sich wie eine dumpfe Trommel an.

    Imho passt dies zu deinem Bodenaufbau.

    Parkett mit harten Schuhhacken ergibt Steptanz, gedämpft durch dein Schichten könnte dumpfe Trommel rauskommen.

    Abstellen imho mit Teppichboden,

    Es ist immer die Frage mit was kann man leben.

    2. Wenn man im OG in der Küche auf dem Hackbrett etwas hackt, hört man es als dumpfe Hackgeräusche in der Küche im EG.

    Ich hätte zweifel ob man dies abstellen kann, also wirtschaftlich. Mus es in der Küche leise sein?

    Auch bei Küchen wären Rohre und Schächte die nicht bedämpft sind.

    3. Wenn man im Bad etwas lautere Klack-Geräusche erzeugt (z.B. eine Glasflasche auf den Waschtisch abstellt) hört man im darunter/darüberliegenden Badezimmer (beide sind übereinander) diese Klack-Geräusch.

    4. Wenn man im Bad duscht, hört man im darunter/darüberliegenden Badezimmer das Wassergeräusch

    Hier wären meine Hauptverdächtigen Leitungsschächte, und bedampft reflektieren die den schall und tragen ihn so weiter.

    Leere Rohrleitungen eignen sich sogar zu Gespräche zu führen. Beim Schiff eingesetzt zur verständigung zwischen Brücke und Maschinenraum.


    5. Wenn man in einer Wohnung den Schalter für den elektr. Rollladen betätigt, hört man das Klick-Geräusch im darunter/darüberliegenden Zimmer (das Hören des lauten Geräusches des elektr. Rollladens selber ist ja wohl kein Schallschutzproblem).

    Nachtrag

    Vieleicht eine leerrohr verbindung?

  • - Außenwände 36cm Hohllochziegel

    - Innenwände 11,5cm, 17,5cm und 24cm Hohllochziegel

    Hochlochziegel ("HLZ") haben keine guten Schalldämmwerte und sind deshalb zumindest als Innenwände wenig sinnvoll. Du schreibst aber eher von Trittschall:

    1. Wenn man ohne Schuhe auf dem Parkett läuft und mit den Hacken zuerst aufsetzt, entstehen dumpfe Geräusche, die man in der ganzen Wohnung hört und auch im Stockwerk darüber bzw. darunter. Das hört sich wie eine dumpfe Trommel an.

    2. Wenn man im OG in der Küche auf dem Hackbrett etwas hackt, hört man es als dumpfe Hackgeräusche in der Küche im EG.

    3. Wenn man im Bad etwas lautere Klack-Geräusche erzeugt (z.B. eine Glasflasche auf den Waschtisch abstellt) hört man im darunter/darüberliegenden Badezimmer (beide sind übereinander) diese Klack-Geräusch.

    4. Wenn man im Bad duscht, hört man im darunter/darüberliegenden Badezimmer das Wassergeräusch

    5. Wenn man in einer Wohnung den Schalter für den elektr. Rollladen betätigt, hört man das Klick-Geräusch im darunter/darüberliegenden Zimmer (das Hören des lauten Geräusches des elektr. Rollladens selber ist ja wohl kein Schallschutzproblem).

    1. Körperschall über den schwimmenden Estrich (*)
    2. Körperschall über den schwimmenden Estrich (*)
    3. Körperschall über Schachtwand (auf Rohdecke?)
    4. welches "Wassergeräusch": Fließgeräusche in der Leitung oder Plätschern in Becken / Wanne ... ?
    5. Körperschall direkt durch die Wand

    (*) Der über den Estrich eingeleitete Körperschall wird einmal direkt durch Estrich und Decke, aber auch über die Decke in die Wand und dann über die Wand im anderen Raum an die Luft abgegeben. Dies ist der Schall-Nebenweg.


    Ich kann mir vorstellen, dass die Schalllängsleitung der HLZ-Wände zu den beschriebenen Effekten beitragen. Wenn dann der Estrich punktuell nicht sauber getrennt ist ("schwimmt"), oder zu leicht ist, wäre das in Summe eine mögliche Erklärung.


    Ist das Massivholzparkett vollflächig auf dem Estrich verklebt?

    A deckt sich nicht mit meiner Erfahrung, also eher nicht die Ursache. Schutzrohre sind durch ihre Riffelung ziemlich schlechte Schall-Längssleiter.

    B Dein "Schacht" ist keine "Schacht", sondern nach der bisherigen Beschreibung nur eine "Leitungsverkleidung" und damit vermutlich gerade nicht die primäre Ursache, da die Geschosse durch die Abschottung

    ... Schacht wurde mit Beton sowohl auf der OG als auch der EG Decke ausgegossen. ...

    nicht miteinander verbunden sind.


    Das könnte und sollte man messen lassen. Die Kosten dafür bewegen sich aber sicher im vierstelligen €-Bereich.

    Die Badewannen sind in beiden Badezimmern direkt auf den Betonboden gestellt, nicht auf den Estrich wegen der Höhe der Badewannen.

    schlecht, da keine akustische Entkoppelung gegeben!


    Sind die wasserführenden Leitungen ...

    • aus Metall?
    • von den "Massivbauteilen" durch Ummantelungen oder elastische Schelle entkoppelt?

    Was können Sie mir empfehlen?

    Von einem zertifizierten Bauphysik-Büro mit Schwerpunkt Bauakustik messen lassen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Gbit es da Erfahrungen in diesem Forum, was man ohne bauliche Maßnahmen verbessern kann?

    Wenn Dein Auto ein Loch in der Benzinleitung hat, dann hast Du 2 Möglichkeiten. Du kannst die Benzinleitung austauschen, oder mehr Benzin in den Tank nachschütten als das Auto bei der Fahrt verbraucht. Letzteres ist auf Dauer ziemlich unbefriedigend.


    Beim Schall verhält es sich ähnlich. Man kann versuchen an den Folgen herum zu basteln, oder die Ursache abstellen. Es ist gut denkbar, dass es Mängel gibt, aber die muss man zuerst einmal finden und dann beseitigen. Das geht ohne Kollateralschäden kaum ab.


    Dein Trittschallproblem erfordert mit hoher Wahrscheinlichkeit eine umfangreiche Untersuchung des Bodenaufbaus. Du kannst versuchen das Problem mit einem anderen Bodenbelag etwas zu kaschieren, aber das eigentliche Problem wird dadurch nicht beseitigt. Das hilft auch bei Gehschallprobemen, aber ohne den Schallausbreitungsweg zu betrachten wird man keine echten Erfolge erzielen.

    Ich kann verstehen wenn man in so einer Situation nach einfachen Lösungen sucht, doch die gibt es normalerweise nicht.

    2. Wenn man im OG in der Küche auf dem Hackbrett etwas hackt, hört man es als dumpfe Hackgeräusche in der Küche im EG.

    Du könntest die Küchenmöbel von Wand und Boden entkoppeln und damit die Schwächen des Bodenaufbaus teilweise kompensieren. Vom Aufwand her betrachtet kaum praktikabel.


    (z.B. habe ich heute einen Artikel über Akustikbilder gelesen, der sehr vielversprechend klang).

    Das hilft bei Trittschallproblemen kein bisschen weiter. Flächen mit absorbierenden Gegenständen auszustatten, ist eher etwas um die (Luft)schallausbreitung in einem Raum zu verändern. Damit solche Maßnahmen wirklich wirken können, müssen große Flächen "bedämpft" werden, ein einzelnes Bild von sagen wir mal 1m² bringt hier so gut wie nichts. Ja ich weiß, messen kann ich das auch, aber unser Gehör interessiert sich weniger für Messwerte und ein paar Nachkommastellen.

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