Haus aus 70ern kernsaniert, extrem hellhörig

  • Hallo liebe Bauexperten,


    ich habe hier über eine längere Zeit immer wieder mitgelesen und viel nützliches erfahren... hätte ich mich nur früher angemeldet.


    Mein Mann und ich haben in den vergangenen drei Jahren eine Doppelhaushälfte aus den 70er Jahren aufwendig kernsaniert.

    Das Haus wurde dabei bis auf die 30cm dicken Grundmauern aus Porenbeton entkernt und komplett neu aufgezogen - was notwendig war, da

    - Holzfenster noch aus den 70ern

    - Wasserleitungen verrostet

    - Elektrik am Wegbröseln

    - Estrich aus Teer, der noch in geringer Mengd Schadstoffe ausdünstete (wie eine Laboruntersuchung ergab.)


    Asbest wurde vom Sachverständigen Gott sei Dank nur an zwei Stellen im Bodenbelag (Küche und Keller) gefunden und fachgerecht durch eine Spezialfirma entsorgt.


    Zum Problem:

    Wir haben das Haus aufwendig saniert,

    - mit neuer Installation (Pelletheizung, da Erdwärmepumpe bei uns keine Option war),

    - zentrale Lüftung mit WRG,

    - neue Elektrik

    - fachgerecht verlegter Estrich

    - 3 fach verglaste Schallschutzfenster von Internorm

    - fachgerechte Außendämmung in Absprache mit Energieberater


    Haus entspricht jetzt nach EnEV KfW 70.


    Wir hatten im Laufe der letzten Jahre viele Handwerker und Fachleute hier.

    U.A. zwei Architekten, zwei Statiker, Bausachverständige, Installateure usw.

    Jeder lobte die Planung und fand an den ausgeführten Arbeiten nichts auszusetzen.


    Nun sind wir vor ca. zwei Monaten mit Sack und Pack und den Kindern eingezogen... und meine Ernüchterung ist groß.


    Das Haus ist super hellhörig.


    Man hört die Nachbarn - zumindest Trittschall, wenn sie in ihrem steinernen Treppenhaus mit Stöckelschuhen die Treppen gehen, aber auch wenn sie ihre Gästetoilette benutzen oder ganz leise ihren Fernseher abends.


    Gut, dafür können wir wahrscheinlich nichts (?) - die beiden Doppelhaushälften (die von der Grundfläche und vom Schnitt her eher an ein Reihenhaus erinnern) werden wohl nicht ausreichend baulich getrennt sein und eine Bodenplatte und Geschossdecken teilen.

    (Waren vom selben Bauherrn/Besitzer gebaut.)


    Da kann man wohl leider nichts machen. (?)



    Aber auch IM Haus ist es extrem hellhörig.


    Man hört durch geschlossene Türen (Jeldwen/extra massive Ausführung) jedes Wort,

    und wenn in einer Etage jemand geht oder mal ein Kind etwas hüpft klingt es als wäre eine Herde Elefanten unterwegs.


    Ich bin sehr unglücklich, denn in unserer ehemaligen Mietwohnung (Bj2010) war es ganz anders.


    Aufgewachsen bin ich allerdings "so hellhörig", in einem 80er Jahre Mehrparteienhaus... bei dem mein Vater (Architekt, leider seit 3 Jahren nicht mehr unter uns) immer sagte, dass man einen Baufehler gemacht habe.



    Nun habe ich gelesen, dass eine solche Problematik von mangelhaften Zwischendecken her rühren könne.


    Schwimmender Estrich wurde bei uns durch einen professionellen Estrichleger verlegt, Ränder korrekt, soweit das beurteilt werden konnte.


    Können wir einen Fachmann zu Rate ziehen, der alles begutachtet und evtl. ermitteln kann, was hier das Problem ist und ob man noch etwas tun kann?


    Nur... welcher Fachmann wäre das überhaupt, könnt ihr mir hier helfen?


    Vielen Dank und viele Grüße,

    Karin

  • Hierfür wird es einen Sack voll Ursachen geben

    Innentüren. Röhrenspanplatte (Nicht nur Röhrenspanstreifen)? Zargen zur Wand VOLL ausgeschäumt oder nur punktweise?

    Leitungen haben keinen Kontakt zu angrenzenden Bauteilen?? (Ich hab erlebt, das ein Putzbrocken Mieter und Vermieter in den Wahnsinn trieb)

    Laminat stößt an die Wände an?

    usw.

    usw.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Oha, vielen Dank für diese Antwort, von der ich noch nicht sicher bin ob sie mir etwas Mut macht oder nicht (?)


    Türen (Spanplatte, keine Streifen) - da vermute ich auch eine Ursache, da könnte man sicherlich noch Abhilfe schaffen.


    Aber die Leitungen... ließe sich da im Nachhinein überhaupt noch etwas tun? (- ohne nochmal alle Wände aufzuklopfen, meine ich?)


    Wie war das mit dem Putzbrocken, inwiefern trieb er Mieter und Vermieter in den Wahnsinn?


    Wir haben - leider - im ganzen Haus Fliesen in Holzoptik, da wegen Allergien Laminat oder Parkett nicht möglich war.

    An die Wand stoßen die Fliesen aber nicht an, ein Abstand ist eingehalten.


    Dass Fliesen die Sache mit dem Trittschall nicht besser machen, ist klar - aber wenn jemand fest auftritt oder ein Kind (nur ganz leicht) hüpft wirkt es als würde (zusätzlich zur Elefantenherde) der Boden vibrieren.

    Ein dicker Teppich (im Wohnzimmer) macht diesbezüglich leider gar keinen Unterschied.


    Der Statiker hat das ganze Haus (haben ein paar Kleinigkeiten am Grundriss verändert) komplett auf Herz und Nieren geprüft und alles durchgerechnet.

    Könnte da trotzdem etwas im Argen liegen?

  • Gibt es denn einen Experten, der sich wirklich vorwiegend auf diese Thematik konzentriert und der unser Haus dahingehend überprüfen könnte, zumindest sämtliche Bauteile an die man noch dran kommt ohne alles wieder aufzuklopfen?

    Oder muss man für alle Teile im Einzelnen jemanden rufen? Also z.B. für die Türen einen Schreiner?

    Nur - woher weiß ich, welche Bauteile am Ende alle betroffen sein könnten?


    1) Türen

    2) Leitungen

    3) Böden

    4) ...?

  • Grundmauern aus Porenbeton

    erstaunlich - sowas wurde (und wird) bei uns eigentlich seltenst (!) verwendet.

    falls also kein übermittlungsschreibfehler: warum? war das haus eine bastlerarbeit, womöglich mit porenbetondecken?

    apropos decke: wenn die wirklich 2 WE verbindet, dann auch akustisch .. und der (neue?) estrich? sauber von den wänden getrennt?

    das könnte man für alle bauteile durchexerzieren ..


    Gibt es denn einen Experten

    ja. zuerst mal ist aber dein architekt in verantwortung, ein zeitgemässes werk abzuliefern - d.h., der jetzige status muss, auch bzgl. schall, den ardt entsprechen.

    ob und was bautechnisch zu unternehmen ist, wird gemeinsam geplant - der a. ist natürlich nicht für fehlenden schallschutz verantwortlich, wenn er den bauherren aufgeklärt hat und keine schallschutzmassnahmen gewollt werden.

    die von dir aus nächstgelegenen schallschutzspezialisten sind in RO oder M zu finden. auch das gehört, vom hinweis auf *mögliche* schallschutzprobleme bis hin zum vorschlag einer expertenbeauftragung, erstellung einer zumindest grob strukturierten 2do-liste und angebotseinholung ins planungspaket.

  • Der Statiker hat das ganze Haus (haben ein paar Kleinigkeiten am Grundriss verändert) komplett auf Herz und Nieren geprüft und alles durchgerechnet.

    Könnte da trotzdem etwas im Argen liegen?

    Statisch mag das alles in Ordnung sein, aber hatte er das Thema "Schall" überhaupt auf dem Schirm? Mit Statik hat das ja weniger zu tun.


    Zu den "Elefanten", ist der Bodenaufbau bekannt? Wenn der Estrich erneuert wurde, dann sollte es dazu ja ein paar Details geben.

    Zu den Nachbarn, Ist der Wandaufbau bekannt? (Kommunwand, getrennt, Leitungen oder Schächte in der Wand, evtl. sogar Öffnungen für Leitungen)


    Wir müssten jetzt 3 Dinge auseinanderhalten, sonst geht´s durcheinander.


    a.) Luftschall

    b.) Trittschall

    c.) Gehschall


    Bei den Zimmertüren geht es beispielsweise primär um den Luftschall, beim Boden auch um Trittschall und Gehschall, bei den Fliesen eher nur um Gehschall, usw. usw.


    Fliesen erzeugen aufgrund ihrer harten Oberfläche Gehschall, der sich dann in den Räumen ausbreitet. Bei eher spärlichen Einrichtung und großen Räumen steht der Ausbreitung nichts im Wege, und große Wandflächen sorgen dafür, dass der Schall wieder reflektiert wird.

    Der Bodenaufbau beeinflusst wiederum die Trittschallausbreitung in das Geschoss darunter. Wurde der Estrich durchgängig verlegt, dann kann sich der Schall auch in andere Räume ausbreiten (auch wenn die Zimmertür zu ist).


    Du siehst, man muss versuchen einzugrenzen, sonst hast Du eine Menge Baustellen abzuarbeiten.

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    .

  • Gibt es denn einen Experten, der sich wirklich vorwiegend auf diese Thematik konzentriert und der unser Haus dahingehend überprüfen könnte, zumindest sämtliche Bauteile an die man noch dran kommt ohne alles wieder aufzuklopfen?

    Solche Experten sind "Bauphysiker" mit dem Schwerpunkt Bauakustik oder gleich "Bauakustiker". Die können messtechnisch Schwachstellen orten. (Aber eigentlich gehört das Thema an den Anfang einer Sanierung, nicht ans Ende.)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Vielen Dank für eure Hilfe, ich will versuchen, eure Rückfragen/Anregungen so gut wie möglich zu beantworten.


    mls, hier in der Gegend ist Ytong/Porenbeton offenbar nicht so selten, hier im Ort sind einige Häuser damit gebaut. Es wunderte sich auch keiner der Handwerker darüber. Was genau aber den Bauherrn 1975 dazu bewogen hat, Porenbeton zu verwenden, kann ich leider nicht sagen...


    Allerdings fällt mir ein, nicht nur hier im Ort wurde er in den 70er Jahren verbaut. Das Elternhaus meines Mannes ist aus Porenbeton gebaut (Bj'1973, damals schon fertig vom Bauträger gekauft), es steht in einem Vorort von M.



    Die Zwischendecken in unserem Haus sind aus Beton, 18 oder 19cm. Nicht so dick.

    Man konnte es abmessen nachdem alles entkernt war.


    Konkrete Schallschutzmaßnahmen wurden leider nie angesprochen, nur mit den Installateuren - es wurden überall gut isolierte Schallschutzrohre verbaut.


    Architekt/en war/en nur am Rande beteiligt, bezgl Plan/Grundriss, es führte kein Architekt Bauaufsicht.

    Hätten wir gewusst, dass das Thema so wichtig ist, hätten wir uns sehr gerne ausführlich dazu beraten lassen... leider sprach keiner der beiden Architekten, mit denen wir Kontakt hatten, das Thema auch nur oberflächlich an.

    Es ging in erster Linie um Grundriss und Statik, wofür der Statiker ins Boot geholt wurde, da sollte und müsste auch alles korrekt sein.

    Ich möchte den Architekten aber natürlich keinen Vorwurf machen. Wir hatten das Thema nicht auf dem Schirm, da insgesamt so viel zu bedenken und zu planen war - und bis zum Thema Hellhörigkeit dachten wir eigentlich auch, dass wir "ganz gut durchgekommen" wären... wie so oft steckt der Teufel im Detail.


    Zitat

    die von dir aus nächstgelegenen schallschutzspezialisten sind in RO oder M zu finden. auch das gehört, vom hinweis auf *mögliche* schallschutzprobleme bis hin zum vorschlag einer expertenbeauftragung, erstellung einer zumindest grob strukturierten 2do-liste und angebotseinholung ins planungspaket.

    Schonmal vielen Dank für die Information!


    Ich versuche in einem nächsten Beitrag, R.B. s Fragen zu beantworten. Dafür muss ich selbst kurz Rücksprache mit meinem Mann halten, der die technischen Details besser im Kopf hat als ich.

  • R.B. ich vermute, dass wir es hier tatsächlich mit allen drei Arten Schall zu tun haben.


    Bei den Türen war ich von Anfang an skeptisch, die werden wir auf jeden Fall noch einmal überprüfen lassen.



    Die Kommunwand sollte laut Plänen eigentlich getrennt sein. Ob es wirklich so ist?

    In den Plänen war einiges anders als dann in natura, bei den Arbeiten, zum Vorschein kam.

    Allerdings wirkt es von außen betrachtet schon so als ob es zwei Wände wären (da sehr dick).

    Laut Plan sollten es zwei 18cm Wände mit etwas Luft dazwischen sein.


    Leitungen - gehen zwei durch die Kommunwand: Stromzuleitung und Telefon.

    (Da beide Haushälften in einer Hand waren und erst vor ein paar Jahren getrennt verkauft worden sind.)


    Sonst sind uns keine Schächte und Leitungen bekannt (was natürlich nicht zwingend heißen muss, das da keine sind...)



    Bodenaufbau ist bei uns

    Rohdecke, 2-3mm Flies, Klettbahn (Fußbodenheizungs-Systemplatte) Fußbodenheizung in 5cm Estrich (FBH ist ein Modell mit dünnen Rohren für Altbausanierungen), Bodenbelag.



    Zitat

    Fliesen erzeugen aufgrund ihrer harten Oberfläche Gehschall, der sich dann in den Räumen ausbreitet. Bei eher spärlichen Einrichtung und großen Räumen steht der Ausbreitung nichts im Wege, und große Wandflächen sorgen dafür, dass der Schall wieder reflektiert wird.

    Richtig "voll" sind unsere Räume noch nicht... dafür sind sie aber auch nicht riesig. Das Wohnzimmer ist mit knapp 27qm + 12qm Küche (offenes Konzept) der größte Raum im Haus, die Schlafzimmer im ersten Stock sind eher klein, 14 + 12 + 12qm.


    Der Luftschall stört mich nicht ganz so sehr, aber der Schall, der sich über den Boden und die Wände überträgt ist sehr unschön.

    Die Elefanten hatte ich schon erwähnt, aber noch ein anderes Beispiel...

    Man kann nachts im Keller oder im 1. Stock kaum ein Fenster öffnen oder schließen ohne dass derjenige, der im Wohnzimmer sitzt hochschreckt und sich denkt ach herrje, was war denn das..?


    Ich hoffe sehr, dass sich an vielen Stellen noch nachjustieren/nacharbeiten lässt... sonst müssen wir uns künftig wohl an Ohropax gewöhnen. (Gut, mit kleinen Kindern wäre das manchmal eh angenehmer. ;-))


    Der Bodenbelag/Fliesen grenzt nicht unmittelbar an die Wand an, da wir noch keine Randleisten haben, kann man es zum Glück noch sehen.

    Vielleicht kann der Spezialist, den wir sicher rufen werden, so auch noch die Ränder des Estrich inspizieren.

  • Laut Plan sollten es zwei 18cm Wände mit etwas Luft dazwischen sein.

    Luft ist dafür denkbar ungeeignet, wurde früher aber gerne so gemacht. Wenn dann noch 18cm Porenbeton dazu kommen, dann ist die Schalldämmung nicht so berauschend, auch wenn die "alten" PB Steine eine etwas höhere Rohdichte hatten als heutzutage für Außenwände üblich.



    Leitungen - gehen zwei durch die Kommunwand: Stromzuleitung und Telefon.

    Sollte unkritisch sein, sofern das richtig gemacht wurde. Bei Wasser/Abwasser hätte ich eher Bauchschmerzen.



    Rohdecke, 2-3mm Flies, Klettbahn (Fußbodenheizungs-Systemplatte) Fußbodenheizung in 5cm Estrich (FBH ist ein Modell mit dünnen Rohren für Altbausanierungen), Bodenbelag.

    Systemplatte mit Dämmlage? Das bisschen Vlies alleine ist mit der Schalldämmung überfordert.



    da wir noch keine Randleisten haben, kann man es zum Glück noch sehen.

    Vielleicht kann der Spezialist, den wir sicher rufen werden, so auch noch die Ränder des Estrich inspizieren.

    Da sollte ein Randdämmstreifen sichtbar sein. (sieht aus wie eine dünne Schaummatte, so um die 5-8mm dick). Der soll an sich sicherstellen, dass weder Systemplatte, noch Estrich oder Oberbelag Kontakt zu den Wänden haben. Falls der Randdämmstreifen mit Tackernadeln befestigt wurden, dann sollten sich keine Nadeln unterhalb Oberkante Oberbelag befinden, die dann direkten Kontakt mit dem Estrich haben könnten.


    Noch zu den Türen, bei Zimmertüren wird (leider) eher selten an Schalldämmung gedacht. Hier spielt aber auch die Wand eine Rolle, denn es macht keinen Sinn, in eine dünne Zwischenwand die als Porenbeton ein Schalldämm-Maß von irgendwas um die 38-40dB erreicht, eine Tür einzubauen die deutlich besser ist. Andererseits sollte das aber kein Grund sein, irgendeine billige Zimmertüre zu verbauen, die dann vielleicht mangelhaft eingebaut, nur ein Schalldämm-Maß von 20dB erreicht. Je höher das Schalldämm-Maß einer Tür sein soll, um so wichtiger wird die Montage. Einfach eine Zarge in die Wandöffnung stellen, ein bisschen Montageschaum rum und fertig, ist der falsche Weg.


    Es gilt also den "richtigen" Weg zu finden.


    Noch zur Gebäudetrennwand, das kann auch mit PB funktionieren, sofern es richtig ausgeführt wird. Es gab dazu schon einige Untersuchungen, und dabei hat man festgestellt, dass die Fuge zwischen den beiden Schalen einen enormen Einfluss hat. Der Unterschied zwischen 1-2cm Fuge und 5-6cm kann problemlos 6dB und mehr betragen. Das Füllmaterial (Luft, MiWo etc.) spielt auch eine Rolle. Das ist dann der Unterschied zwischen 55db der 65dB. Kommt es zu einer unerwünschten Verbindung zwischen den beiden Schalen, dann rauscht die Schalldämmung in den Keller und erreicht vielleicht nur noch Werte im Bereich einer "normalen" Zimmerwand (11,5cm + beidseitig Putz). Das sind dann die Fälle, bei denen man jedes Wort aus dem Nachbarhaus hört.


    An der Haustrennwand kann man nachträglich kaum noch etwas ändern, der Aufwand ist enorm. Nicht alles was technisch machbar ist, ist auch wirtschaftlich sinnvoll. Ist es nicht mehr möglich die Gebäude ordentlich zu trennen, dann kann man versuchen mit Vorsatzschalen die Schalldämmung etwas zu verbessern.


    Welche Lösungen in Deinem Fall noch möglich sind, das ist mit der Glaskugel schwierig zu beantworten. Für die Ursachenforscher gibt es Bauakustiker, liegen die Ergebnisse erst einmal vor, dann kann man weiter forschen.

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  • Bodenaufbau ... Rohdecke, 2-3mm Flies, Klettbahn (Fußbodenheizungs-Systemplatte) Fußbodenheizung in 5cm Estrich (FBH ist ein Modell mit dünnen Rohren für Altbausanierungen), Bodenbelag.

    Ich vermisse jegliche Trittschalldämmung und ich sehe einen Estrich, dessen Überdeckung über den Leitungen möglicherweise nicht den a.R.d.T. entspricht. Das trifft aber vor allem die Nachbarn.


    Bei durchlaufenden Decken hat man natürlich nur noch wenig Möglichkeiten zur Optimierung. Optimal wäre eine freispannende Trockenbaudecke darunter (keine Abhangdecke!). Die kostet aber locker 13 - 15 cm Raumhöhe. Und durch die (zu) leichten Wände zum Nachbarn und die anscheinend fehlende Trittschalldämmung wird damit nur einer von 8 Übertragunsgwegen reduziert. Allzuviel sollte man sich also nicht erwarten.


    Gegen den Nachbarn könnte man auch am meisten mit einer Vorsatzschale in Trockenbau erreichen. Auch hier geht es wieder um mind. 10 cm, evtl. mehr.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • R.B. vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen, das hilft mir enorm weiter.

    Ich fange an, zumindest eine rudimentäre Vorstellung von der komplexen Materie der Bauakustik zu entwickeln.... hätte ich doch nur früher hier um Rat gefragt.


    Die Erklärung zur Trennwand mit dem Porenbeton leuchtet leider ein, vermutlich ist der Effekt genau wie von dir beschrieben.


    Noch dazu befürchte ich, dass die Bodenplatte durchgeht... Gespräche/Alltagsgeräusche der Nachbarn hört man in der Regel nicht

    - abgesehen vom Fernseher (sehr leise aber wahrnehmbar), der sozusagen direkt auf der anderen Seite unserer Wohnzimmerwand steht und der Gästetoilette -


    ... lauter hört man dafür den Trittschall aus dem Treppenhaus oder wenn dort jemand einen Nagel in die Wand schlägt etc.


    Die Zimmertüren waren nicht so billig und Ich meine, dass das Schalldämmaß laut technischer Beschreibung tatsächlich zwischen 30-40 liegen sollte. Der Sache werden wir nachgehen.


    Estrich/Rand muss ich mir gleich noch einmal ganz genau ansehen.

    Diese Randdämmung ist mir bisher noch nicht aufgefallen... sollte sie fehlen würde mich das erschüttern, da der Estrichleger sehr gute Referenzen hatte - auch öffentliche Gebäude, Kindergärten usw... seine Erklärungen klangen auch schlüssig. Da würde man als Baulaie doch hoffen, auf der sicheren Seite zu sein..?


    Zitat

    Systemplatte mit Dämmlage? Das bisschen Vlies alleine ist mit der Schalldämmung überfordert.

    Das hatte ich von Anfang an auch befürchtet und mehrmals nachgehakt, aber sowohl der Installateur als auch der Estrichleger waren der Ansicht, dass es zwischen dieser Variante und einem Bodenaufbau von 14cm Höhe keine Alternative gegeben hätte.


    Bitte nicht steinigen, wer den Schaden hat...

    Hätte mir irgendjemand verdeutlicht wie die Konsequenz sein würde, hätte ich auf die Raumhöhe verzichtet (auch wenn die endgültige Raumhöhe dann nur noch bei 2,40m gelegen hätte), aber sowohl der Installateur als auch der Estrichleger warnten leider nicht vor "Elefanten" und donnernden Fenstern sondern meinten, dass die Trittschalldämmung in einem EFH eigentlich auch keine so große Rolle spiele wie in einem MFH.


    Wenn ich es nun richtig sehe sollten wir am besten so bald wie möglich einen Bauphysiker/Bauakustiker hinzuziehen und der Sache näher auf den Grund gehen.


    Mir ist bewusst, dass es nun wohl niemals mehr so werden kann wie es hätte sein können, wenn man das Thema Schallschutz ordentlich geplant hätte... und auch an der Kommunwand wird sich kaum etwas ändern lassen.


    Es sei denn diese Maßnahme, die mir ad hoc nichts sagt, könnte noch eine Besserung bringen?

    Zitat

    Ist es nicht mehr möglich die Gebäude ordentlich zu trennen, dann kann man versuchen mit Vorsatzschalen die Schalldämmung etwas zu verbessern.

    Wäre das eine Dämmung von innen?



    Wenn sich, egal auf welchen Wegen, zumindest eine gewisse Besserung erzielen ließe, so dass man auf ein erträgliches Maß an Hellhörigkeit käme wäre ich schon sehr froh.


    Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich für all die hilfreichen Antworten und ausführlichen Erklärungen bedanken.


    Sollte es von Interesse sein berichte ich gerne wie die Sache ausgegangen ist und werde natürlich auch weiter hier mitlesen (und wenn möglich auch etwas beitragen), ein großes Dankeschön an die Moderation und Administration für den respektvollen Umgangston, der hier herrscht. Es ist toll dass es ein Bauforum gibt, in dem so konstruktiv diskutiert und erklärt wird.

  • Wäre das eine Dämmung von innen

    Nein, eine

    Vorsatzschale in Trockenbau

    Eine freistehende Trockenbauwand, die vor die bestehende Wand zwischen die Rohdecken gestellt wird ohne die bestehenden Wand zu berühren. Die Schalldämmung dieser vorgesetzten Konstruktion rührt hauptsächlich nicht von (Wärme-) Dämmstoffen, sondern von der Masse der Trockenbauplatten (weshalb man hierfür sinnvollerweise besonders schwere Platten einsetzt) und deren Berührunsgslosigkeit zur hinteren Wand. Der Dämmstoff bedampft lediglich die Hohlräume der Konstruktion.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wäre das eine Dämmung von innen?

    Richtig. Eine Schalldämmung von innen.


    Es wird quasi eine Wand vor die Wand gestellt. man baut eine Konstruktion, der Zwischenraum zur alten Wand wird mit Dämmmaterial gefüllt, und raumseits kommen dann 1 oder 2 Lagen Gipskarton davor. Dadurch verbessert sich die Schalldämmung der Fläche- Aufbau alles in allem, wie Skeptiker geschrieben hat, um die 10cm. Die Schwachstelle Boden(aufbau) und Decke hat man damit natürlich noch nicht beseitigt.


    Vorher sollte man die Ursachen und (Schall)Ausbreitungswege erkunden, damit man nicht an einer Stelle viel Geld für wenig Nutzen investiert, während andere Schwachstellen unter den Tisch fallen.

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  • Wie sieht es denn bei den Nachbarn aus? Hören die Euch auch so gut (denke ich) und war das vorher auch schon so?


    Trampende Elefanten sind schon heftig. Manches ist eventuell Gewöhnung. Nachbars haben eine Holzbalkendecke, die wäre nichts für mich bzgl Geräuschkulisse. Sie stört es nicht.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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