Fliesenplanung vom Architekturbüro

  • Über fast zwei Jahrzehnte habe ich überwiegend Ausführungspläne für mittlere und größere Objekte der öffentlichen Hand und privater Auftraggeber in den Honorarzonen III oben bis V Mitte erstellt. Dabei wurde für jede Toilette, für jedes Bad, einen vollständige Fliesenpläne gezeichnet.


    In den letzten Jahre beobachte ich außerhalb meiner eigenen Planungspraxis, dass häufiger Sanitärräume für Privateigentümer durch Fliesenhändler (!) bei Bemusterung komplett geplant werden, für den Endverbraucher dem ersten Anschein nach kostenlos und das auch (auch dem Anschein nach zumindest) komplett in 3D-Darstellung.

    Wie ist die Beobachtung der privaten Bauherrn und der Kollegenschaft zu den folgenden Punkten:

    1. Ist die kostenlose Badplanung durch Fliesen- bzw. Sanitärgroßhändler ein Einzelphänomen oder inzwischen bei Entkunden Regelfall?
    2. Planen Architekturbüros für Privatkunden bei Vollbeauftragung überhaupt noch Bäder im Detail? (Bei Vollbeauftragung der Grundleistungen nach HOAI ist das in jedem Falle geschuldet).
    3. Wollen Architektinnen und Architekten überhaupt noch Bäder planen oder ist ihnen dies zu arbeitsaufwändig, nicht ertragsträchtig genug, ... sowieso sinnlos, weil die Bauherrn sich noch dreimal Umentscheiden und die Umplanung dann nicht zahlen wollen?
    4. Von wem sollten Privatkunden beim Neubau / Umbau von privaten Wohnräumen bei Beauftragung eines Planungsbüros betreut werden und sind sie erfahrungsgemäß bereit, diese Betreuung zu bezahlen?
    5. Welches Maß an Darstellung wird den Privatkunden von den Architekturbüros für das einzelne Bad heute geboten?
      1. 2D / 3D / VR zum Mitnehmen
      2. Drahtmodell / Hidden Line / einfaches Rendering / komplexes Rendering mit Raytracing / Film(e)
      3. Darstellung reduziert auf das Fugenraster / detaillierte Darstellung der Oberflächen bis hin zum Fliesenmuster / zusätzlich mit Dekorationselementen/ ...

    Ich bin auf Antworten aus unterschiedlichen Richtungen gespannt!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Planung der Fliesen und deren Verlegung beim Fliesenhändler. Warum? Kostete 150 Euronen, wurde aber bei Einkauf de Fliesen wieder vergütet. (Schätze war ein halber Tag Arbeit für die Mitarbeiterin des Händlers.) Vor allem aber: der Händler hatte jede Fliese im Lieferprogramm auch als Textur im Renderer -> die (3D-) Ansicht hat uns vor Fehlentscheidungen bewahrt... und haben's nicht bereut. Keine Ahnung wieviel derlei beim Archi gekostet hätte. Stand aber nie zur Debatte. Irgendwie ist da ja auch eine Kaufentscheidung für ein Produkt dabei. Könnte man also auch als erweiterte Produkt-Präsentation sehen. (Die Haustürverkäufer machen inzwischen (vor 5 Jahren) ja auch Fotos vom Eingang und fügen dann am Rechner die Tür aus dem Katalog ein, damit man sieht, wie es bei dem eigenen Haus aussehen wird. Das hatte uns dann aber nicht überzeugt, da war die Beratung vom Schreiner besser. )

    Wir konnten uns halt anhand eines Fliesenmusters im Laden nur schwer vorstellen wie unser Bad damit aussehen wird.

    Die anderen Räume mit Fliesen (Küchenboden, WC, Dusche) liefen dann allerdings ohne jegliche vorab Fliesen-Planung, was auch den dann bereits sehr konkreten Vorstellungen der Bauherrenschaft geschuldet war. Und auch das haben wir nicht bereut.

  • Warum sollen sie es nicht machen? Die haben heute sogar eine spezielle CAD Software dafür mit inkludierten Texturen des aktuellen Fliesenprogramms. Für den 08/15 Planer ein erheblicher Aufwand, weil man die x Fliesen, für die sich der Kunde nicht entscheiden kann erst mal als Textur für die eigene Soft erst mal besorgen oder selber malen muss. Ohne Rendering können sich das die Kunden kaum vorstellen und sie erwarten ein solches vom Planer. Dann wird ein Fliesenplan für Größe x gezeichnet und paar Tage später will man Größe y. Der Aufwand ist zu groß. Da gibt es wichtigeres zu tun. Ich habe das seit einiger Zeit nur für gewerbliche Kunden gemacht, weil die für gewöhnlich nicht x mal die Farbe und Fliesengrößen wechseln.


    Nee, dann ist es mir ganz recht, wenn man vom Fliesenanbieter den Job abgenommen bekommt.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Wir haben in unserem Bestand alle Bäder und Küchen vom Fliesenhändler in 3D darstellen lassen. Grund war ebenfalls das vorhandene Sortiment, welches sich unsere Vermieterinnen vor Ort ausgesucht und dann gleich am Bildschirm auf sich wirken lassen haben.

    Ich selbst habe nur die Objekte platziert und die Leitungen gezogen und mich aus den Geschmacksfragen rausgehalten. Da hätte ich als Mann ohnehin keine Chance gehabt, gegen die weibliche Übermacht.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Wie das beim Privatkunden aussieht, kann ich nicht wirklich beurteilen. Ich würde es jedoch als Merketing der Händler bewerten.

    Ohne der "Service" wird in den Ballungszentren vermutlich deutlich weniger verkauft. Bei uns auf dem platten Land ist das noch nicht wirklich angekommen ;)


    Beim Fliesenleger ist es eine besondere Leistung [Pkt. 4.2.6 DIN 18352 VOB/C].


    Auch wenn der Architekt "Ausführungs-, Detail- und Konstruktionszeichnungen nach Art und Größe des Objekts im erforderlichen Umfang und Detaillierungsgrad unter Berücksichtigung aller fachspezifischen Anforderungen, " [Lph 5 lit. b) Anlage 10 HOAI)] schuldet, würde ich darunter keine Ansetz- und Verlegepläne für den Fliesenleger verstehen.

    Anders könnte es beim einem repräsentativen öffentlichen Gebäude (z.B. Museum) aussehen, bei dem die Gestaltung einenhervorgehobene Bedeutung hat.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Meine Erfahrung - seit Jahren bereits - ist, dass Fliesenandiewandklatscher (Fliesenleger mag ich die nicht nennen) sich einen Dreck um von mir mühsam ausgetüftelte Fliesenpläne scheren und sie eher als "nette, bunte Bildchen" betrachten, die man nicht beachten muss.

    Meckert man dann, weil die Fliesen nicht so liegen, wie im Plan geplant, gibts noch dumme Gesichter und Unverständnis oben drauf.


    Daran sind auch diese 3D "Planungen" der Fliesenhändler mitschuld, weil die sich (scheinbar) in der Hauptsache um den schicken Gesamteindruck des Bades drehen, aber nicht um Dinge wie Fugenschnitt oder Anordnung der Auslässe.

    Hauptsache, es sieht toll aus.


    Aber auch die "rein handwerkliche" Fähigkeit, ausführbare Fliesenpläne zu zeichnen, scheint bei vielen Kollegen abhanden gekommen zu sein. Klar - im CAD sind z.B. Ecken immer 90°. Toleranzen oder Schiefwinkligkeit bzw. deren Berücksichtigung sind scheinbar zunehmend Fremdworte.


    Das beginnt aber schon bei den Sani-Leuten, die nicht mehr gewohnt sind, Wandauslässe nach (Fliesen)Plan im Rohbau an die Wand zu bringen.

    Was hinterher auch Auswirkungen beim Fliesen selber hat. Eli für Steckdosen und Schalter das selbe.

    Viele Kollegen empfinden es scheinbar als Zumutung, diese Dinge, für die sie ja nach HOAI nicht zuständig sind, mitzuplanen.



    Das Ad Hoc verhalten der Bauherren und -damen kommt verschärfend hinzu. Und der Trend der Industrie, Planungsdaten für solche Pläne zugunsten toller, künstlerisch sehr wertvoller bunter Bilder wegzulassen.

    Hilfe von den Sanitärausstellungen (Bemusterungsausstellungen) gibts auch nicht. Da find ich bei den Online Händler wie Megabad oder Reuter mehr techn. Infos als die mehr zu geben bereit sind.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Wird denn noch so viel gefließt im Bad? Jedes bzw fast jedes höherwertigere Archtiktenbad ist doch mittlerweile gespachtelt.Bei anderen BV ist das Budget gewiss nicht auf "Fliesenraster" ausgelegt. :D

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • ich kann nur was zu 1) sagen.

    Es erfolgte beim Fliesen- und Sanitärgroßhändler eine 3D-"Planung" der Sanitärobjekte. Mehr ziemlich schlecht als recht. Für uns - nutzlos. Ähnliche 3D-Ansichten konnte ich mit meinem Sweethome 3D erzeugen..

    Fliesenplanung erfolgte außschließlich durch den Fliesenleger, der aber da durchaus gut gearbeitet hat und nur an einer Stelle etwas gepfuscht hat, das ist aber in der Speisekammer unterm Regal, so what...

  • Bei mir hat's der Fliesenleger gerichetet. Der Plan vom Hiwi des GÜ war nicht brauchbar - unser Fliseur aber ein alter Meister und in meinen Augen hat er seine Arbeit gut gemacht. Allerdings haben wir auch keine Luxusbäder, weil wir das für Geldverschwendung halten.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Ist wohl mittlerweile ein "Must do" für alle richtigen Fliesenhändler um sich vom Baumarkt und den Billiganbietern abzuheben.


    Gerade bei Bädern auch sehr sinnvoll, um Boden- Wandfliesen samt Bordüre vernünftig planen zu können.


    Da bezahlt man gerne etwas mehr :thumbsup: