Niveauunterschied nach Wasserschadensbeseitigung

  • Nach einer Wasserschadenbeseitigung im Fußboden (Holzbalkendecke eines Gründerzeithauses) ist nun die Rückbauphase des komplett aufgenommenen Fußbodens in den aneinander grenzenden Bädern an der Reihe. Der Wasserschaden war durch eine vor vielen Jahren in die quer durch den Badfußboden verlaufende Kupferheizleitung eingeschraubte Schraube, welche vor sich hin korrodierte, passiert. Nun wurde eine gebundene Schüttung zwischen den Holzbalken und oberhalb dieser eingebracht worden. Die Heizleitung liegt in dieser Schüttung. Zuvor war es eine lose Schüttung. Nach 48 Stunden Ruhens wurden über die jetzt gebundene Schüttung zwei Fermacellplatten gelegt und verschraubt. Jetzt fehlen noch die Fliesen. Aber schon ohne Fliesen ist es jetzt 12,5 mm höher gegenüber dem übrigen Fußboden. Als ich vor 27 Jahren diese Räume für mein Gewerbe anmietete, war kein Niveauunterschied des Fußbodens. Der Chef der Bausanierungsfirma, die den Wasserschaden im Holzbebälk getrocknet hat und den Rückbau koordiniert, sagt, es ginge nicht anders nach den heute gültigen technischen Vorschriften. Ich müsse mit dieser Fußbodenerhöhung um 20 bis 30 mm in den zwei Bädern leben. Ich möchte es aber nicht wegen des regen Kundenverkehrs auch in diesen Räumen und der zu befürchtenden Stolpergefahr. Was sollte ich jetzt wissen und tun?

  • Welcher Aufbau war in jeweils welcher Höhe vor der Sanierung auf den Holzbalken?


    Wie hoch überragt die ( neue ) gebundene Schüttung die Holzbalken und warum wurde die gebundene Schüttung abweichend vom vorherigen Zustand über die OK Holzbalken hinweg verlegt. Lagen die Holzbalken nicht in einer Ebene?

  • Wasserschadenbeseitigung im Fußboden (Holzbalkendecke eines Gründerzeithauses) ... Nun wurde eine gebundene Schüttung zwischen den Holzbalken und oberhalb dieser eingebracht worden. Die Heizleitung liegt in dieser Schüttung. Zuvor war es eine lose Schüttung. Nach 48 Stunden Ruhens wurden über die jetzt gebundene Schüttung zwei Fermacellplatten gelegt und verschraubt. Jetzt fehlen noch die Fliesen.

    Historische Holzbalkendecken tragen weit überwiegend über auf die Balken aufgelegte Dielen. Die zwischen den Balken auf einer Stakung eingebauten Schüttungen haben gleichzeitig mehrere Aufgaben:

    • Luftschalldämmung durch Masse
    • Trittschalldämmung durch Masse und Hohlraumfüllung
    • Luftdichtigkeit
    • Brandschutz durch nichtbrennbare Masse

    Eine Aufgabe haben sie im Urspungsbauweise aber nicht: Die Dielung zu tragen. Hierauf ist weder die Stakung selbst, noch ihre Auflagerung ausgelegt. Bei Deiner Decke liegen die Fermacellplatten als neue "Dielung" bzw. hier "trockene Estrichschicht" direkt auf der gundenen Schüttung auf. Alle Bauteile bilden jetzt eine miteinander relativ starr verbundene Konstruktion. Die Lasteinleitung erfolgt von den Fermacell-Platten flächig über die gebundene Schüttung streifenförmig in die Holzbalken und dazwischen in die selbst kaum tragfähige Schüttung.

    1. Die Platten werden sich vermutlich zwischen den Balken durchbiegen, da spätestens die Stakung unter der gebundenen Schüttung nachgeben oder punktuell sogar brechen könnte. Das ist nicht gut für die darauf verklebten Fliesen. Diese können so reißen oder sich ablösen.
    2. Weiterhin wurde die Masse der Decke reduziert und ihre Brandschutz- und Schalldämmwirkung verkleinert. Weder der Schallschutz noch der Brandschutz der decke dürfen aber verschlechtert werden.

    Fermacell sieht in seinen Systemaufbauten eine Entkoppelung von Trockenestrich und Untergrund vor: Eine aufkaschierte Trittschalldämmung aus EPS oder Mineralfaser.


    Ohne alle Details Deiner Decke zu kennen:

    • Eine gebundene Schüttung kann aus statischer Sicht nur nach entsprechender konstruktiver Aufrüstung in / auf eine Holzbalkendecke aufgebracht werden. Diese scheint es bei Dir nicht zu geben. Die vorherige Tragfähigkeit der decke ist möglicherweise nichts mehr gegeben. Dies sollte ein Statiker oder eine Statikerin prüfen.
    • Der Brandschutz der Decke ist vermutlich nicht mehr gegeben. Das kann die Person, welche die Tragfähigkeit prüft, gleich mit bewerten.
    • Der vorherige Schallschutz der Decke ist möglicherweise nicht mehr gegeben. Das kann die Person, welche die Tragfähigkeit prüft, evtl. auch gleich mit bewerten.
    • Es fehlt konstruktiv (vermutlich, dies ist aber rechnerisch zu prüfen) eine elastische Trennlage unter dem Trockenestrich.

    Aber schon ohne Fliesen ist es jetzt 12,5 mm höher gegenüber dem übrigen Fußboden. Als ich vor 27 Jahren diese Räume für mein Gewerbe anmietete, war kein Niveauunterschied des Fußbodens.

    Das ist ärgerlich, aber eigentlich (nur) ein sekündäres Problem. Dieses hätte sich wie auch das primäre Problem durch ein vernünftiges Tieferlegen der Dielung zwischen die Deckenbalken (weitgehend) vermieden werden können. Es gibt hier im Forum einige Fäden dazu. In einem davon hatte ich auf passende Produkte für den Trockenestrich verwiesen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Vielen Dank erst einmal. Habe nun noch zwei Fotos von den aufgenommenen Böden der Bäder vor Einbringen der gebundenen Schüttung anbei. Etwas unklar ist mir die Argumentation von Skeptiker, denn diese hat dann zur Folge, dass alles noch einmal neu gemacht werden müsste nach Beurteilung durch einen Statiker. Ich bin jetzt an dem Punkt, dass auf jeden Fall die Heizleitungen aus dem Fußboden raus müssen und „auf Putz“ verlegt werden. Vielleicht habt Ihr noch einen Tipp für mich in Anbetracht der heute Nachmittag anstehenden Baubesprechung hier vor Ort.

  • Vielen Dank erst einmal. Habe nun noch zwei Fotos von den aufgenommenen Böden der Bäder vor Einbringen der gebundenen Schüttung anbei.

    Die bestätigen Deine Beschreibung.

    Etwas unklar ist mir die Argumentation von Skeptiker, denn diese hat dann zur Folge, dass alles noch einmal neu gemacht werden müsste nach Beurteilung durch einen Statiker.

    Ja, das ist möglich.

    Ich bin jetzt an dem Punkt, dass auf jeden Fall die Heizleitungen aus dem Fußboden raus müssen und „auf Putz“ verlegt werden.

    Das hat keine Einfluss auf die von mir dargestellten weiteren Probleme. Es spricht nichts dagegen, die Leitungen dort zu verlegen!

    Vielleicht habt Ihr noch einen Tipp für mich in Anbetracht der heute Nachmittag anstehenden Baubesprechung hier vor Ort.

    Nimm eigenen Sachverstand mit.


    Aber: Habe ich richtig verstanden, dass Du (Gewerbe-) Mieter bist? Da sieht Deine Anspruchsituation möglicherweise sehr speziell aus. Ein Fall für die Fachjuristen!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Herzlichen Dank für Eure Beiträge, durch ich gut gerüstet in die gestrige Baubesprechung gegangen bin. Jetzt werden Ende des Monats die gebundene Schüttung und die Fermacellplatten wieder entfernt. Alles wird überprüft und dann eine neue Strategie für den Fußbodenaufbau geplant.

    Hier bin ich Mieter (Gewerbe) und die Versicherung des Vermieters ist zur Schadensregulierung herangezogen worden.