stinkende Dispersionsfarbe verarbeitet

  • Moin,


    heute ist mal wieder so ein Tag wo ich besser im Bett geblieben wäre.... wider besseren Wissens habe ich Farbe die vor 1 Monat noch OK war, nun aber angefangen hat zu stinken auf ca. 2m² im Flur verarbeitet (Verschmutzungen ausgebessert). Ja ich weiss - man hätte sie direkt entsorgen sollen wegen Schimmelpilzen und sonstigen Keimen die da nun drin sein werden. Die Schelte habe ich mir bereits selber verpasst. Es war einfach dumm dumm und nochmal dumm. Es ist nun aber passiert....

    Beim verrühren konnte man 2 Verunreinigung in der durchsichtigen Phase der Farbe sehen. ca. 1EUR-Stück groß jeweils.


    Muss ich mir irgendwelche Gedanken machen bzgl. Schimmelbildung an der Wand oder sonstiges? Geht von den gestrichenen Stellen eine erhöhte Schimmelgefahr aus, als von anderen Stellen? Ich würde ungerne die 2qm Tapete wieder runter holen, neu tapezieren und neue passende Farbe finden... aber bevor ich mir jetzt Schimmel ins Haus hole würde ich das machen....


    Ach so ein Mist...

  • Dispersionsfarbe ist im Prinzip sehr lange haltbar - wenn sie nicht mit Wasser verdünnt wurde. Sobald die Farbe mit Wasser verdünnt wurde, fängt das Wasser an zu faulen und zu stinken. Sowas sollte man natürlich nicht mehr verarbeiten.

    Allerdings stinkt die Farbe dann im Regelfall so fürchterlich nach faulen Eiern, dass man sowas freiwillig nicht mehr verarbeitet.

    Wenn Du von der Farbe noch was übrig hast, kannst Du ja mal einen Maler fragen, wie er die Sache einschätzt.

    Im Zweifelsfall lieber noch einmal neu machen.


    Gruß

  • Ich gehe davon aus, das sie vor ca. 2 Monaten mit Wasser gestreckt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon ein paar Jahre alt. Dann wurde sie wahrscheinlich verdünnt vom Maler verarbeitet. Vor einem Monat habe ich sie selber auch nochmal auf gehabt - sie war quasi geruchslos. Nun riecht sie deutlich - man könnte auch sagen sie stinkt. Nach Eiern würde ich nun aber nicht sagen. Meine Frau riecht nix sagt sie - aber ich habe es direkt gerochen.......


    Die Frage ist, ob von der Farbe an der Wand noch irgendeine Gefahr ausgeht und wenn ja welche. Was ich so gelesen habe ist, das es bei der Verarbeitung zum Freisetzen von Sporen und Bakterien kommen kann - da bin ich nun quasi schon durch. Nach der Verarbeitung kann es wohl sein, dass die Farbe nicht richtig hällt und "reissen" kann auf der Wand.

    Die Frage die sich mir jedoch stellt ist, ob in an der Wand getrockneter Form noch eine Gesundheits- oder Gebäudeschädliche Gefahr ausgeht und ich Farbe und Tapete abmachen und entsorgen muss.....

  • Bei mir im Keller stehen auch 2 Eimer Caprol Indeko plus. Bereits vor ein paar Monaten verarbeitet. Ein Eimer unverdünnt, ein Eimer mit etwas Wasser verdünnt.

    Hab grad eben beide mal zum Geruchsvergleich geöffnet. Beide riechen gleich. Sie riechen halt nach Farbe (nicht nach Parfüm). Auch die verdünnte Farbe richt noch absolut ok, sodass ich sie verarbeiten würde. Die Eimer sind luftdicht verschlossen und kühl gelagert.

    Ich hab auch schon verdünnte Disp.farbe geöffnet, die kaputt war. Allerdings stinkt das dann so fürchterlich, dass kein Mensch mehr auf die Idee käme, sowas an die Wand zu streichen.


    Gruß

  • Ich vermute, das es gerade am "keimen" war.. ein paar Wochen vorher war ja noch alles ok. Es waren zwei kleine graue Verunreinigungen zu erkennen. Wahrscheinlich war sie gerade am kippen.... Es roch auf jedenfall nicht mehr normal.

  • Ich wüde es riskieren. Pilze, Bakterien etc.. brauchen freies Wasser zum Leben. Der ist in der aufgetragenen Farbe nicht mehr vorhanden, damit keine Aktivität mehr und nach einer gewissen Zeit sind die dann auch ganz tot..



    Sofern also keine optische Beeinträchtigung da ist, würde ich mal abwarten.

  • Das waren tatsächlich auch meine Überlegungen. Habe nur auch überlegt ob die normale Luftfeuchtigkeit die Keime am Leben halten könnte.


    Ich muss im Flur noch 2 Wände komplett neu streichen - da werde ich mir nun neue bestmöglich passende Farbe abmischen lassen. Bei kompletten Wänden sind minimale Fabrunterschiede nicht so wild.....

  • (Schimmel-) Pilze benötigen für ihre Entwicklung

    • organisches Material
    • ausreichende Feuchtigkeit
    • eine für sie optimale Oberflächen- und Raumlufttemperatur.

    Die Feuchtigkeit ist beim Trocknen der Farbe weg und sofern es keine bauphysikalischen Probleme gibt bleibt sie das in Innenräumen auch. Wenn es keine Tapete gibt und die Farbe keine nennenswerten organischen Substanzanteile hat, fehlt auch zur verstoffwechselndes Substrat. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass sich kurzfristig oder langfristig Schimmelpilze entwickeln könnten.


    Sporen von Schimmelpilzen sind ständig in hoher Zahl in unserer Umgebung und der Luft vorhanden. Eine nennenswerte Belastung in Räumen ist erst / nur dann anzunehmen, wenn die Raumluft etwa doppelt so hoch belastet ist, wie die angrenzende Außenluft. Kritisch werden diese Sporen immer nur dann, wenn sie unter optimalen Lebensbedingungen auf ein ausreichend feuchtes Substrat treffen.


    Wie SirSydom bereits richtig schrieb: Eine verbleibende Belastung ist deshalb bei Dir sehr unwahrscheinlich.


    Wenn ich richtig informiert bin, verhindern in flüssigen Farben Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Algi- und Fungizide Schlimmelpilzwachstum. Die Sporen sind aber auch dort immer vorhanden.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • OK, alles klar. Dann werde ich beobachten ob sich optisch irgendwas tut (Farbe abblätter o.ä.) aber ansonsten nicht weiter tätig werden. Material (Tapete) hätten sie, aber rel. Luftfeuchte wird hier aktiv in den am Flur angrenzenden Räumen überwacht und liegt so um die 50% ausser Morgens in den Schlafbereichen (die dann aber gelüftet werden). Im Flur wird es dann ähnlich sein.


  • Wenn ich richtig informiert bin, verhindern in flüssigen Farben Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe, Algi- und Fungizide Schlimmelpilzwachstum. Die Sporen sind aber auch dort immer vorhanden.

    Farben, die für Innenräume bestimmt sind, enthalten keine Algi- u. Fungizide. Im Regelfall ist das zugemischte Wasser das Problem, da dieses relativ schnell anfängt zu faulen und dann eben stinkt. Ausserdem fängt die Farbe, sobald der Eimer geöffnet wurde, an zu verkeimen. Wie schnell das geht, hängt wohl auch damit zusammen, ob der Eimer nach Gebrauch gut verschlossen wurde und wie ergelagert wurde. Im kühlen Keller dauert der Prozess wohl deutlich länger als bei Lagerung in sehr warmer Umgebung. Inwieweit die Verarbeitung so einer gekippten Farbe gesundheitliche Folgen hat - keine Ahnung.

    Wie bereits geschrieben, trocknet die Farbe ja im Regelfall. Allerdings gibt es auch genügend Wände, die soweit auskühlen, dass der Taupunkt unterschritten wird - und dann kommt halt schon wieder Feuchtigkeit ins Spiel. Aber da würde auch eine frische Farbe irgendwann versagen.

    Kürzlich hatte ich mal einen Artikel gelesen - keine Ahnung mehr wo - indem berichtet wurde, dass es gesundheitlich eher bedenklich sei, wenn eine zu alte Farbe im Innenbereich verarbeitet wird.


    Gruß

  • Farben, die für Innenräume bestimmt sind, enthalten keine Algi- u. Fungizide.

    Anders als bei Fassadenfarben besteht bei Innenraumfarben in trockenen Räumen natürlich keine Gefahr der Besiedlung der fertiggestellten Fläche mit Algen oder Pilzen. Hier sind die Farbdipersionen selbst das Problem, weil sie ideale Bedingungen für die Besiedlung insbesondere mit Pilzen bieten. Deshalb werden ihnen Konservierungsstoffe zugesetzt, um genau solche Besiedlungen zu verhindern. Dies sind, wie Wikipedia meine Erinnerung bestätigt ganz allgemein "Biozide". Im verlinkten Artikel steht unter "Umweltverträglichkeit" dazu:

    Umweltverträglichkeit


    Dispersionsfarben enthalten in der Regel Konservierungsmittel und Biozide, um Bakterienbefall und Schimmelbildung zu unterbinden. Ohne Konservierungsmittel würden viele Farbsysteme bereits im Topf verderben.

    Und das sind dann eben nichts anderes als Stoffe, die Pilze oder ihre Sporen abtöten, also ihrer Definition nach Fungizide. Im verlockten Artikel wird genau diese Anwendung auch gleich als eine der ersten in der Aufzählung genannt:

    ... Daneben dienen sie auch zur Bekämpfung von Schadpilzen (z. B. Schimmelpilzen) auf Holz, Farbe, ...

    Dennoch ist Deine Aussage

    Im Regelfall ist das zugemischte Wasser das Problem, ...

    insofern richtig, als dass schon durch die Wasserzugabe die Fungizidmenge in einer Dispersion unter ihre Wirksamkeitsgrenze verdünnt wird und so das Wachstum von Pilzen oder Fäulnisbakterien erleichtert wird. Zum anderen bringt dieses Wasser - sofern es nicht frisches Trinkwasser aus der Leitung ist - oft zusätzliche Keime mit in den Eimer, so dass sich der vorgenannte Effekt noch verstärkt. Wirklich reines Trinkwasser allein kann nicht faulen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • richtig, als dass schon durch die Wasserzugabe die Fungizidmenge in einer Dispersion unter ihre Wirksamkeitsgrenze verdünnt wird und so das Wachstum von Pilzen oder Fäulnisbakterien erleichtert wird. Zum anderen bringt dieses Wasser - sofern es nicht frisches Trinkwasser aus der Leitung ist - oft zusätzliche Keime mit in den Eimer, so dass sich der vorgenannte Effekt noch verstärkt.

    Damit ist das Meiste gesagt. Wobei das Problem i. d. R. eher das verschmutzte, rostende Werkzeug, als das Wasser (bzw. beides) ist.



    Erwähnenswert ist noch, dass wenn kaputte Farben (Dispersionsfarben) verarbeitet wurden, tatsächlich mit keinerlei Gesundheitsgefährdung zu rechnen ist.

    Einzig kann es ein technisches Problem geben insofern, dass der kalte Fluß (das ist der Erhärtungsvorgang) wegen einer veränderten Struktur des Materials möglicher Weise nicht im erforderlichen Ausmaß stattfinden kann, was bedeutet, dass das Material evtl. kreidet und für ein späteres Überstreichen nicht geeignet ist.

    Gruß Werner :)