Mauersperrbahn V60 S4 + Dampfsperre

  • Hallo,

    ich bin gerade auf der Suche nach einer passenden Dampfsperre auf die WU-Bodenplatte (nicht-unterkellert, kein drückendes Wasser).

    Bin dabei u.a. auch über diverse Informationen gestolpert, wie die Mauersperrbahn ausgeführt werden sollte. Wir haben hier eine Bauder V60 S4 (ohne AL, einseitig feinbestreut) verwendet und diese ca. 10 cm nach Innen rausstehen lassen zum späteren Anschweißen.

    Zu meinen Frage / Punkten:

    1) Ist diese wirklich nicht erlaubt und kann ich hier Probleme erwarten und wenn ja, welche und warum? Austauschen lässt sich diese ja nicht mehr.

    2) Welche Dampfsperre, würdet ihr aktuell aus Preis-Leistungssicht empfehlen? Schweißbahn vs. Kaltklebebahn? Vor-Anstrich?

    3) Macht es Sinn, die Dampfsperre dann an den Rändern bis Höhe Estrich stehen zu lassen (als Art Wanne)

    4) Bei der Sockelabdichtung würde ich nach den Leitfäden von Remmers MB 2K ausführen. Hier möchte ich ein Fugendichtband zwischen XPS Dämmung und Mauerwerk zusätzlich einsetzen.


    Vielen Dank für eure Antworten.

  • 4) Bei der Sockelabdichtung würde ich nach den Leitfäden von Remmers MB 2K ausführen. Hier möchte ich ein Fugendichtband zwischen XPS Dämmung und Mauerwerk zusätzlich einsetzen.

    Skizze?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Im Prinzip entspricht das meinem Aufbau, bis auf dass anstatt der R500 eine V60 S4 verwendet wurde, welche meiner Meinung nach den Vorteil hat, dass diese an die Dampfsperre angeschweißt / verklebt werden kann.

  • Nachtrag:

    Inzwischen hab ich auch rausgefunden, dass generell keine Schweißbahnen als Mauerwerkssperre verwendet werden dürfen, da diese empfindlicher sind bzw. weggleiten können.

    Interessant wäre, ob es hier wirklich zu Problemen kommen kann, da die Schweißbahn ja zwischen Beton und Mörtelband liegt und somit eine homogene Lastverteilung gewährleistet werden sollte.

    Wenn ich eine R500 neben einer V60 S4 in der Hand halte, hab ich nicht das Gefühl, dass die R500 reißfester bzw. "stabiler" sein soll als die verwendete V60 S4.

    Wassereinwirkungsklasse ist im Übrigen W1.2-E.


    Vielen Dank

  • Inzwischen hab ich auch rausgefunden, dass generell keine Schweißbahnen als Mauerwerkssperre verwendet werden dürfen, da diese empfindlicher sind bzw. weggleiten können. ... Wenn ich eine R500 neben einer V60 S4 in der Hand halte, hab ich nicht das Gefühl, dass die R500 reißfester bzw. "stabiler" sein soll als die verwendete V60 S4.

    Du kannst mit Deinen Händen weder die unter tragenden Wänden auftretende Druckkräfte, noch deren Wirkung über 20, 50 oder gar 100 Jahre simulieren. Und ja, Wände können dann tatsächlich zu gleiten beginnen und so feinste Risse entstehen lassen, die dann z.B. in der Fassade durch Eiskristalbildung zu wachsen beginnen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Vor allem drücken sich Unebenheiten leichter durch die dann nicht mehr Abdichtung hindurch.

    Austauschen lässt sich diese ja nicht mehr.

    Doch. Untere Steinreihe(n) abschnittsweise wegnehmen und die Bahn mit entsprechenden Überlappungen ersetzen. Abschnitte <= 1,25 m.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Danke für die schnellen Rückmeldungen und auch die Hintergründe hab ich soweit verstanden. Wichtig für mich wäre nun eine praxisnahe Abschätzung, ob hier wirklich etwas unternommen werden muss. Von Querkräften ist die V60 S4 laut Datenblatt stärker als die R500 wenn ich das richtig sehe. Seht ihr das so kritisch oder liegt das ganze noch im Toleranzbereich, da Glasvlieseinlage etc.? Einmal vorausgesetzt, dass ich nun auf die saubere Ausführung von Sockelabdichtung und Dampfsperre im Inneren achte.


    Danke!

  • Wichtig für mich wäre nun eine praxisnahe Abschätzung, ob hier wirklich etwas unternommen werden muss.

    Die Definition der "anerkannten Regeln der Technik" sagt, dass diese "theoretisch richtig, in der Praxis bewährt und einem nach neuestem Erkenntnisstand vorgebildeten Techniker bekannt" sind. Insofern können a.R.d.T. definitionsgemäß kaum "praxisfern" sein. "Praxisferne" wird oft von "bildungsfernen" "Praktikern" ohne tiefergehendes Fachwissen behauptet, um die eigene mangelhafte Nichtanwendung von a.R.d.T. zu rechtfertigen.


    Deine Fragen ...

    ... ob hier wirklich etwas unternommen werden muss. ...

    ... Seht ihr das so kritisch oder liegt das ganze noch im Toleranzbereich, da Glasvlieseinlage etc.? ..

    lassen auf bei den bei privaten Bauherrn häufiger anzutreffenden Versuch schließen, Mängel eher durch intensive Gebete verschwinden zu lassen als den Mangelverursacher zur fachlich korrekten Beseitigung des Mangels aufzufordern. Bspw. im Maschinenbau würde man das doch nie tun, oder? (Hinzu kommt bei solchen Bauherrn oft eine für die anderen Beteiligten erfreuliche "Alles-wird-gut"-Haltung, welche die Mangelprodizenten immer wieder durchkommen und immer bildungsferner werden lassen.

    Einmal vorausgesetzt, dass ich nun auf die saubere Ausführung von Sockelabdichtung und Dampfsperre im Inneren achte.

    Was hat die Bauphysik hier mit der Statik, das eine Problemfeld mit dem anderen, zu tun?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Danke für die Infos, vielleicht habe ich mich mit praxisnaher Abschätzung etwas falsch ausgedrückt. Meine Frage zielte eher drauf ab, ob es den Aufwand wert ist, hier die Schweißbahn wirklich austauschen zu müssen, oder über eine bedachte Risikoabschätzung das Thema doch noch abwenden zu können augrund der äußeren Bedingungen. Damit meine ich, kein drückendes Wasser von unten (W1.2-E) sowie kein Keller und damit keine seitlich wirkende Kräfte vom umgebenden Erdreich. Die Mauerstärke beträgt 42 cm, hier sollte die Lastabtragung i.d.R. doch sehr gleichmäßig sein? Könnte das Bitumen wirklich unter den hohen Drücken abfließen?

    Wäre es hier aus eurer Einschätzung wirklich verhältnismäßig diesen Aufwand zu betreiben lassen?

    Ich kann verstehen, dass hier die "Alles-Wird-Gut" Haltung nicht unbedingt zum Positiven beiträgt. Deswegen möchte ich hier auch Bedacht Entscheidungen treffen, sowie ich es im Maschinenbau auch tätige.

    Bzgl. Sockelabdichtung und Dampfsperre im Inneren meinte ich, dass vom Erdreich bei korrekter Ausführung keine zusätzlich schädigende Feuchtigkeit aufsteigen kann und somit nicht noch mehr Schwachstellen für aufsteigende Feuchtigkeit entstehen kann.


    Viele Grüße!

  • ... kein Keller und damit keine seitlich wirkende Kräfte vom umgebenden Erdreich.

    nein, aber Horizontalkräfte aus Windlast

    Könnte das Bitumen wirklich unter den hohen Drücken abfließen?

    Das weiß ich nicht. Aber es ist in jedem Fall eine ganz tolle vollflächige Gleitlage!

    Wäre es hier ... wirklich verhältnismäßig diesen Aufwand zu betreiben lassen?

    Hast Du ein "Haus mit Mängeln" oder ein "mangelfreies Haus" bestellt?


    Juristisch ist die Sache klar: Nach BGB hat das Werk "mangelfrei" zu sein, nicht "fast mangelfrei". Eine Maschine hat doch auch ihrer Spezifikation zu entsprechen, nicht fast zu entsprechen. Sie sol ja auch immer funktionieren und nicht nur meistens und wenn die Sonne scheint, oder?


    Experimente helfen immer, das menschliche Wissen weiterzuentwickeln, aber ich würde sie nicht ohne Bestellung an "den Grundmauern" meines Hauses machen lassen!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Hast Du ein "Haus mit Mängeln" oder ein "mangelfreies Haus" bestellt?

    Ich vermute mal, der TE hat gat nichts bestellt, sondern baut selbst bzw. lässt bauen? Und hat halt einen Fehler gemacht, weil er die falsche Mauersperrbahn verwendet hat bzw. verwenden ließ?

    Wäre es mein Haus, würde ich die falsche Mauersperrbahn nicht austauschen lassen, unabhängig davon ob es mein eigener oder der Fehler eines AN war.

    Warum? Bei einem abschnittsweisen Tausch wie von R.D. vorgeschlagen befürchte ich mehr potentielle Folgeprobleme als mit der falschen Bahn. Ist ja dann quasi eine Wand, die schonmal zerttückelt und wieder zusammengesetzt wurde.

    Ein Abriss/Rückbau und Neuaufbau würde ich vor keinem Gericht der Welt durchbekommen, da gehe ich jede Wette ein. Und Selbst bezahlen wäre mir unverhältnismäßig viel zu teuer im Vergleich zum Schadensrisiko.


    Ich weiß, dass das nur die Sicht eines Laien ist Aber als Außenstehender sagt man halt leicht mal: Pfusch, geht so nicht, ohne sich ernsthaft mit realisitischen Möglichkeiten der Behebung auseinanderzusetzen.

  • ... als Außenstehender sagt man halt leicht mal: Pfusch, geht so nicht, ohne sich ernsthaft mit realisitischen Möglichkeiten der Behebung auseinanderzusetzen.

    "Pfusch" denke, sage und schreibe ich nie, aber es ist mein Alltagsgeschäft für meine Auftraggeber Mangelbeseitigung zu verlangen und auch durchzusetzen, was bisher auch immer ohne Hinzuziehung von Gerichten funktioniert hat. Und ja, das ist mitunter schmerzhaft.


    Juristische Bewertungen überlasse ich im Einzelfall den Fach-Juristinnen und Juristen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ein Abriss/Rückbau und Neuaufbau würde ich vor keinem Gericht der Welt durchbekommen, da gehe ich jede Wette ein.

    Also, das abschnittsweise Wechseln der Abdichtung habe ich gegenüber einem BT schon mal durchbekommen - ohne Gericht! Und das ohne Folgeschäden!!


    Da muss man halt wissen, was man tut. So mit Quellmörtel und so.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Ich vermute mal, der TE hat gat nichts bestellt, sondern baut selbst bzw. lässt bauen? Und hat halt einen Fehler gemacht, weil er die falsche Mauersperrbahn verwendet hat bzw. verwenden ließ?

    Richtig, es gibt in meinem Fall kein GU. Wurde im Bauzentrum nicht korrekt beraten bzw. haben uns leider missverstanden. Letztendlich tuts nichts zur Sache und ich werde hier auch keinen Schuldigen ausfindig machen wollen. Logischerweise versuche ich nun das Ganze zu verstehen und das Risiko abschätzen zu können, um dann entsprechend richtig zu handeln.

    Zustimmen muss ich natürlich auch dem Skeptiker, dass dies aus offizieller Sicht ein Baumangel darstellt, ich möchte dem auch nicht widersprechen. Nur leider hilft mir die gesetzliche Lage nicht wirklich weiter und ich müsste die Folgekosten selber tragen.

    Hab mir heute nochmal den Bodenaufbau angeschaut. Es liegen hier 16 cm Dämmung XPS unter der Bodenplatte (25 cm) sowie 14 cm Randabschalung XPS. Seht ihr die Rissbildungsgefahr sowie die ggf. Feuchteeindringung aufgrund der falschen Mauersperrbahn als so kritisch, dass diese gleich ausgetauscht werden muss? ich meine, es ist ja eine Bitumenbahn verbaut, die gewisse Eigenschaften mit sich bringt. Zudem wird im Sockelbereich mit einem Fugenband gearbeitet, was die Rissbildung nach Außen verhindern soll. Die Abdichtungsbahn nach Innen lasse ich an der Wand bis auf Höhe Estrich stehen also als Art Wanne.


    Vielen Dank!