Dehnfugen Heizestrich durch Parkettleger verharzt

  • Am Freitag stellte ich überrascht fest, dass der Mitarbeiter eines Parkettlegers auf einer Baustelle zahlreiche Dehnfugen von Zementestrichen "saniert", also vernadelt und verharzt hat.


    X/


    An der handwerklichen Qualität dieser Ausführung ist an sich nichts zu bemängeln, außer dass die Ausführung nicht bestellt, nicht beauftragt und meiner Meinung nach an sich auch nicht fachgerecht ist, da kontraproduktiv. Meiner Erinnerung nach (heute ist Sonntag, die VOB/C steht gebunden im Büro), sagt doch


    :rulez:


    die DIN 18356 sinngemäß, dass Fugen aus tieferliegenden Bauteilen auch in deren Belägen weiterzuführen sind.


    Es geht um schwimmenden Zementestrich als Heizestrich, auf dem überwiegend Fertigparkett fest verklebt werden soll. Der Parkettleger (Meister- und Innungsbetrieb, mit dem ich schon seit über 10 Jahren regelmäßig zusammenarbeite, Inhaber ist auch studierter Architekt und sogar Mitglied, von Handwerks- und Archicktenkammer, also sicher nicht doof) meint, man könne das schadensfrei so machen und er würde die Gewährleistung für Rissfreiheit übernehmen.


    Die Vorgewerke brauch' ich nicht fragen, weil der Heizungsbauer angeblich sonst nie Fugen bauen soll und der Estrichleqer fachlich keine, aber wirklich gar keine, Ahnung hat und nicht einmal mündlich die deutsche Sprache ansatzweise beherrscht. Habe ich irgendwas verpasst? Werden Dehnfugen zwischen unterschiedlichen Heizkreisen heute nicht mehr benötigt?


    :sos:


    Begründete Einschätzungen hier im Forum?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • , man könne das schadensfrei so machen und er würde die Gewährleistung für Rissfreiheit übernehmen.

    gleiche Verfahrensweise und Begründung bei mir vor 6 Jahren. O-Ton "wer will schon Fugen im Belag, wenn es auch ohne geht". Am krassesten im OG, wo 6qm Flur, 10qm Büro und 2 mal 15qm Kinderzimmer auf diese Weise miteinander verbunden und der Parkett durchgehend verlegt wurde.

    Wobei ich gerade nicht sicher bin ob der Estrich geklammert und verharzt wurde oder doch etwas abgeschliffen und mit einer Art Entkoppelmatte versehen. So stands nämlich im Angebot, gesehen habe ich es nicht.


    Ich (und mein Architekt) haben dem Betrieb damals vertraut (der hat seit zig Jahren gefühlte 80% Marktanteil im Landkreis).

    Bis dato keine Probleme. Ich könnte mir auch nicht erklären was passieren sollte, bei den heute üblichen Vorlauftemperaturen. Wenn ich jetzt natürlich in einen Raum 35 Grad reinjage und in den anderen nix, wer weiß was dann passieren würde.

  • Ich habe meine feste Meinung zu Dehnfugen mittlerweile revidiert.

    Die heute üblichen niedrigen Medientemperaturen führen anscheinend wirklich nicht zu Schäden in Estrich und Oberbelag.

    Selbst bei hohen Temperaturen älterer Fußbodenheizungen sind mir keine Schäden bekanntgeworden. In der Konzerthalle, die Anfang der siebziger Jahre in eine alte Klosterkirche eingebaut wurde, gab es keine wirklichen Dehnfugen, obwohl sie mit Temperaturen bis fast 70° betrieben wurde. Die einzelnen ablesbaren Felder waren geschätzt 200 qm groß.

    Ab Anfang der 90er Jahre, als ich beruflich anfing FBH zu planen und verlegen zu lassen, habe ich und alle mir bekannten Verantwortlichen, brav die Richtlinien des Verbandes Fußbodenheizung in Troisdorf befolgt. Ob es wirklich notwendig war?

    Beispiel: In meinem Arbeitszimmer hat der auslegende Systemhersteller zwei Heizkreise, über einen ERR gesteuert und deshalb fugenlos, festgelegt. Ich habe sofort nach Bezug den Heizkreis in der Zimmerhälfte mit den Aktenschränken stillgelegt. Seit über 7 Jahren ohne Probleme und RLT von ~22°C.

    Trotz dieser Erfahrungen würde ich auch heute noch bei Planungsverantwortung auf Dehnfugen bestehen, um aus dem Haftungsrisiko zu kommen.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • gleiche Verfahrensweise und Begründung bei mir vor 6 Jahren. O-Ton "wer will schon Fugen im Belag, wenn es auch ohne geht". Am krassesten im OG, wo 6qm Flur, 10qm Büro und 2 mal 15qm Kinderzimmer auf diese Weise miteinander verbunden und der Parkett durchgehend verlegt wurde.

    Bei meinem Projekt geht es um in der Summe pro WE rund 100 m2, die auf Gesamtausdehnungen von 12 m x 10 m kommen.

    Bis dato keine Probleme.

    Laut meinem Parkettleger auch noch nie und aufgrund der gemeinsam geprüften Haftzugfestigkeit des Klebers und der hohen Dauerelastizität des vorgesehenen Klebers sind auch keine zu erwarten.

    Ich könnte mir auch nicht erklären was passieren sollte, bei den heute üblichen Vorlauftemperaturen. Wenn ich jetzt natürlich in einen Raum 35 Grad reinjage und in den anderen nix, wer weiß was dann passieren würde.

    Genau diese Möglichkeit besteht eben weiter, da ERR verbaut sind und wahlweise einzeln abgedreht werden oder defekt sein könnten bei VL max der Anlage etwas über 40 °C.

    Ich habe meine feste Meinung zu Dehnfugen mittlerweile revidiert. ... Die heute üblichen niedrigen Medientemperaturen führen anscheinend wirklich nicht zu Schäden in Estrich und Oberbelag. ...Trotz dieser Erfahrungen würde ich auch heute noch bei Planungsverantwortung auf Dehnfugen bestehen, um aus dem Haftungsrisiko zu kommen.

    Ich habe mit dem Parkettleger besprochen, dass ich die Bauherrn schriftlich auf das theoretische Risiko hinweisen werde, aber einer fugenlosen Ausführung der Flächen dann nicht widersprechen werde, wenn der Ausführende die volle Gewährleistung für die Rissfreiheit der Konstruktion zu übernehmen bereit ist, was er bereits zugesagt hat.


    Anscheinend ist mir da wohl aufgrund meiner über längere Zeit ausschließlichen Arbeit mit Holzbalkendecken im Altbau einerseits und auf estrichlosen bzw. sehr speziellen Konstruktionen im Neubau andererseits ein Aspekt der technischen Entwicklung der letzten Jahre, nämlich die neue Leistungsfähigkeit der Parkettkleber entgangen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich habe mit dem Parkettleger besprochen, dass ich die Bauherrn schriftlich auf das theoretische Risiko hinweisen werde, aber einer fugenlosen Ausführung der Flächen dann nicht Widersprechen werde, wenn der Ausführende die volle Gewährleistung für die Rissfreiheit der Konstruktion zu übernehmen bereit ist, was er bereits zugesagt hat.

    Ich würde mit Deiner Haftpflichtversicherung klären, ob Du auf dem Wege wirklich aus der gesamtschuldnerischen Haftung raus bist, Nicht dass der Parkettleger im Falle eines Schadens raus oder inslovent ist und der Bauherr sich Deiner und der gesamtschuldnerischen Haftung erinnert, nicht aber an Deine Erklärungsarbeit.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Da sollte man nur nicht den Schallschutz aus den Augen verlieren! Klar, innerhalb einzelner Wohneinheiten gibt es da keine Anforderungen. Aber spätestens wenn die Fuge zum gemeinsamen Treppenhaus ausgeharzt wird gibt's Probleme mit dem Trittschall.


    Ich halte eine Trennung auch innerhalb von Wohneinheiten für sinnvoll. Vor allem in Bereichen unterschiedlicher Nutzung, also tendenziell laute zu leisen Räumen (Fitnesszimmer zu Schlafzimmer, Küche zu Kinderzimmer). Wenn das aber mit dem Bauherrn abgesprochen werden kann und der sich der Konsequenzen der Fugenlosigkeit bewusst ist, dann ist das ok.

  • Ich würde mit Deiner Haftpflichtversicherung klären, ob Du auf dem Wege wirklich aus der gesamtschuldnerischen Haftung raus bist, Nicht dass der Parkettleger im Falle eines Schadens raus oder inslovent ist und der Bauherr sich Deiner und der gesamtschuldnerischen Haftung erinnert, nicht aber an Deine Erklärungsarbeit.

    Die Erklärung der Risiken liegt ihnen bereits dokumentiert vor und ist ausdrücklich schriftlich mir gegenüber zu bestätigen, sonst wird so nicht ausgeführt.

    Da sollte man nur nicht den Schallschutz aus den Augen verlieren! Klar, innerhalb einzelner Wohneinheiten gibt es da keine Anforderungen. Aber spätestens wenn die Fuge zum gemeinsamen Treppenhaus ausgeharzt wird gibt's Probleme mit dem Trittschall.

    Es geht sowieso ausschließlich um Estrichfugen innerhalb der (offenen) Wohnflächen, nicht um Übergänge zum TH (da liegt ja auch kein Parkett).

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Bei den Dehnungsfugen geht es m.W.n. doch immer um den Unterschied. Selbst wenn der Vorlauf 40° hat, ist der Temperaturunterschied zum anderen Raum, selbst wenn dort der Kreislauf komplett abgedreht ist, ja nicht 40°, in der Regel haben wir doch selbst in komplett unbeheizten Räumen innerhalb der thermischen Hülle keine Temperaturen um den Gefrierpunkt. - So wurde es mir erklärt, warum bei uns im Flur keine Dehnungsfuge rein muss. Bisher funktioniert es auch.

    Der gesunde Verstand ist die bestverteilte Sache der Welt, denn jedermann meint, damit so gut versehen zu sein, dass selbst diejenigen, die in allen übrigen Dingen sehr schwer zu befriedigen sind, doch gewöhnlich nicht mehr Verstand haben wollen, als sie wirklich haben. ~ René Descartes

  • M.E. wäre erst einmal zu klären, ob das wirklich Dehnungs- oder nur Scheinfugen sind. Bei letzteren ist eine Verharzung wohl unproblematisch; erstere wären in den Oberbelag zu übernehmen.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • M.E. wäre erst einmal zu klären, ob das wirklich Dehnungs- oder nur Scheinfugen sind.

    Am Freitag stellte ich überrascht fest, dass der Mitarbeiter eines Parkettlegers auf einer Baustelle zahlreiche Dehnfugen von Zementestrichen "saniert", also vernadelt und verharzt hat.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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