Gebrochene Duschplatte - wer haftet?

  • Hallo Alle miteinander,


    meine Eltern sind 88/86 Jahre alt und haben von einer fuer Haushalte mit Beduerfnissen aelterer Personen spezialisierte Firma bauftragt, die Badewanne mit einer begehbaren Dusche zu ersetzen. Das hat die Pflegekasse bezahlt (€4.000). Meien Mutter ist gebrechlich und sehr wackelig auf den Beinen, deshlab die Massnahme.

    Nach etwa 2 Wochen nach Einbau ist meine Mutter gestuerzt und auf die Duschplatte gefallen unf hat sich mit den Haenden abgestuetzt. Die Duschplatte (ist eine Platte, keine Wanne) ist nun an mehreren Stellen gerissen (siehe Bilder) und nun haben meine Eltern ausser Waschbecken keine Waschmoeglichkeit. Meine Mutter wiegt 62kg und bei Nachfrage bei der Sanitaerfirma wurde us smitgeteilt, dass meine Eltern fuer den Schaden aufkommen muessen - Selbstverschulden!


    Ich kann das irgendwie nicht glauben, schliesslich muss so eine Platte ja auch das Gewicht von sehr viel schweren Personen tragen muessen , Muessen wir die bittere Pille schlucken oder gibt es eine Gewaehrleistung, die in solchen Faellen greift?


    Besten Dank im Voraus

    (p.s. meine Tastaur hat keine Umlaute - deshalb die Schreibweise)

  • Wie begründet die Firma ihre Rechtsauffassung?


    Off-Topic:

    Und wie lautet die genaue Bezeichnung des Produkts, also der Wanne? (Ich weiß, dass das auf die juristische Bewertung keinen Einfluss hat, es interessiert mich einfach nur.)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich frage mich als juristischer Laie inzwischen sogar, ob nicht eventuell durch fehlende Rutschfestigkeit der Oberfläche sogar eine Haftung für den Sturz der Mutter besteht. Und bei Bruch durch Sturz einer Person von 62 kg stellt sich die Frage nach ausreichender Gebrauchstauglichkeit. Und da scheint es ja an ausreichender Tragfähigkeit zu fehlen.


    Als juristischer Laie sehe ich neben dem Verarbeiter auch den Hersteller in der Pflicht und würde dringend juristische Unterstützung in Anspruch nehmen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ich tippe auch auf mangelhafte Unterfütterung (Abstützung) der Platte. Den Anwalt würde ich der Firma gegenüber zunächst nur androhen und im Falle der weiteren Weigerung diesen einschalten. Manchmal hilft schon die Androhung.

    Und bei der Behebung jemanden mit der Bauaufsicht beauftragen, der/die auch (Fotos) dokumentiert, wie es UNTER der Platte aussieht, wenn die ausgebaut wird!

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • die Firma behauptet, dass dies noch nie passiert sei und dass es Eigenverschulden meiner Mutter ist, also sie es selbst zahlen muss

    Das ist eine typische Antwort, die kommt reflexartig. Darauf würde ich nichts geben. Sie taugt auch nicht als Beleg dafür, dass das Werk mängelfrei erstellt wurde.


    In meinen Augen kommen 3 Möglichkeiten in Frage:


    a.) Materialfehler

    b.) mangelhafte Verarbeitung (Einbau)

    c.) keine bestimmungsgemäße Nutzung


    Nur im Fall c.) käme Deine Mutter in´s Spiel. Fall a.) wäre Sache des Herstellers, bei Fall b.) steht der verarbeitende Betrieb in der Verantwortung.


    Anhand der Bilder kann man nur Vermutungen anstellen, und die deuten in Richtung b.). Für Fall c.) sehe ich keine Anhaltspunkte. Ein Sturz einer Person mit 62kg darf solche Schäden nicht verursachen, und es ist unwahrscheinlich, dass Personen in diesem Alter mit einem Vorschlaghammer in der Dusche hantieren. Das würde jeglicher Erfahrung widersprechen.


    Ich würde mich hier sogar der Aussage von Skeptiker anschließen, dass das Produkt nicht gebrauchstauglich war, und somit sogar vermutet werden kann, dass dies die Ursache für den Sturz sein könnte. Hier würde ich aber weniger auf mangelhafte Rutschfestigkeit abzielen, sondern vielmehr auf einen mangelhaften Einbau. Gibt der "Boden" etwas nach, dann führt das gerade bei älteren Menschen dazu, dass diese das Gleichgewicht nicht mehr halten können und stürzen. Je nach Alter und Erkrankung(en) genügt hierfür schon ein sehr weicher Oberbelag.


    Für diese Möglichkeit spricht auch, dass der Schaden quasi bei Erstbenutzung entstanden ist.


    Man könnte einmal schauen, in wieweit der Boden federt, insbesondere im Bereich um den Abfluss herum. Es würde mich nicht wundern, wenn der Bruch auch bei "normaler" Nutzung durch einen Erwachsenen mit sagen wir mal 100kg Körpergewicht entstanden wäre.


    Ich sehe hier als jur. Laie den Montagebetrieb in der Pflicht. Er muss auch klären, ob er hierfür auf den Hersteller zurückgreifen kann. Als Endkunde kann man sich zwar an den Hersteller wenden, der direkte Ansprechpartner bleibt jedoch der Betrieb der die Dusche eingebaut hat.


    Ein Blick in die Montageanleitung könnte hilfreich sein. Es wäre auch gut möglich, dass mangels verfügbarer Höhe, auf einen "Duschwannenträger" verzichtet wurde. Letzteres ist zulässig, aber dann muss man eine alternative Lösung finden, die die gleiche "Sicherheit" und Tauglichkeit gewährleistet.

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  • Danke Skeptiker, Ralf, SG3 und R.B.


    ich habe Eure Punkte aufgenommen und die Firma angeschrieben: Materialfehler oder mangelhafte Verarbeitung (Einbau), in beiden Faellen ist ja nicht der Auftraggeber haftbar (so verstehe ich es jedenfalls).

    Ich habe auch den Punkt der Federung aufgenommen (danke R.B.) und werde auch fotografieren, wie es unter der Wanne (Platte) aussieht, wenn die gebrochene Platte rauskommt (danke Ralf). Das muss sooder so bald geschehen, da ja nun keine Duschmoeglichkeit besteht und auch keine Badewanne vorhanden ist.


    Mal sehen, was die Firma antwortet.


    Besten Dank fuer Eure wertvollen Ratschlaege.

    Sascha

  • Materialfehler oder mangelhafte Verarbeitung (Einbau), in beiden Faellen ist ja nicht der Auftraggeber haftbar (so verstehe ich es jedenfalls).

    Genau so ist es.


    Deine Mutter würde haften wenn sie das Werk in unzulässiger Weise verändert, oder nicht bestimmungsgemäß genutzt hätte.

    Beides kann man hier wohl ausschließen.


    Für "Duschwanne" und Wannenträger gibt es Normen mit Anforderungen an die technischen Spezifikationen und Prüfungen. Hierzu gehört m.W. auch eine Prüfung auf Stoßbelastung und Durchbiegung, Details müsste ich jetzt auch erst einmal nachlesen. DIN EN 249 usw.

    Ich glaube nicht, dass eine eher zierliche Person mit einem Körpergewicht von 62kg diese Grenzen überschreitet, selbst bei einem freien Fall, der in der Praxis eher unwahrscheinlich ist. (Wahrscheinlicher ist eine Person, die in sich zusammensackt und sich dann mit den Händen abstützt, oder auf den Rücken fällt).


    Das Argument der Firma ist daher nicht plausibel und widerspricht jeglicher Lebenserfahrung.


    Solche Wannenträger sind für eine bestimmte Last ausgelegt, beispielsweise 200kg. Sie müssen zur Duschwanne passen, nur so leiten sie die Last korrekt auf den Betonboden ab, und zwar egal, ob diese zentral auf die Platte wirkt, oder am Rand, oder..... Deswegen werden Duschwannenträger aus EPS so geformt, dass sie großflächig Kontakt zur Duschwanne haben.


    Schaut man sich nun den Riss bzw. dessen Verlauf an, dann könnte man vermuten, dass dieser Bereich, inkl.. Abfluss, nur unzureichend unterbaut wurde. Dadurch kam es bei Belastung zu einer unzulässigen Verformung mit anschließendem Bruch. Ohne nun das Modell und die Montageanleitung zu kennen, kann man nicht sagen, ob der Unterbau den Vorgaben des Herstellers entspricht, und somit auch ein Materialfehler der Duschwanne (der gar Konstruktionsfehler) in Frage kommt.

    Das zu klären ist aber Sache des Montagebetriebs, der muss sich bei Zweifeln mit dem Hersteller auseinandersetzen.


    Sollte der Montagebetrieb nicht reagieren, dann würde ich einen Sachverständigen und einen Anwalt einschalten. Letzterer sollte auch einmal prüfen, ob die Duschwanne ursächlich für den Sturz sein könnte, und ob hier noch Ansprüche geltend gemacht werden können, die über einen einfachen Schadenersatz hinausgehen. Auch hierfür wäre die fachliche Einschätzung eines SV hilfreich.

    In diesem Zusammenhang solltest Du auch einmal nachschauen, was, wie beauftragt war.


    Meine Glaskugel sagt mir, dass ein entsprechendes Schreiben an die Firma und den Hersteller schnell für Bewegung in der Sache sorgen dürfte. :haue:

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  • Das zu klären ist aber Sache des Montagebetriebs, der muss sich bei Zweifeln mit dem Hersteller auseinandersetzen.

    Das scheint mir das Wichtigste zu sein.
    Der TE muss gegenüber der Firma nicht über mögliche Ursachen für den Mangel spekulieren, es reicht, den Mangel (=Riss) zu beschreiben und die Nachbesserung zu fordern inkl. (wichtig!!) Fristsetzung zur Mangelbeseitigung.
    Nach Fristablauf kann man dann i.d.Regel auch die Anwaltskosten der Firma aufbürden - wenn der Anwalt erst dann gegenüber der Firma tätig wird.

  • Fristsetzung stimmt, allerdings muß ich aus Erfahrung sagen, das es durch Beschaffungsware (Großhandel muß bestellen) auch zu Überschreitung der Frist kommen kann.

    Dann muss das der Unternehmer eben kommunizieren. Wenn die Sache damit bereinigt wird, dürfte doch der Auftraggeber trotzdem zufrieden sein.

    Gefährlich ist's, wenn Dumme fleißig werden!

  • Dem schließe ich mich an. Es macht schon einen Unterschied, ob der Handwerker sagt, dass das neue Teil in x Wochen eingebaut wird, weil es zu Verzögerungen bei der Beschaffung kommt, oder gleich von vornherein dem Kunden den Schwarzen Peter zuschieben möchte.

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  • Ah das ist doch ganz billiger Mist.

    Schaut man sich die Fugen an, will ich nicht mal glauben, dass das Sanierungsobjekt 2 Wochen alt sein soll.

    Fugen zum Sau grausen.

    Ich dachte zuerst am Mineralguss Mischung, aber nach den Rissen (im Detail) sieht das nur nach SanitärAcrylplatten oder GFK Platten aus.

    Zweiteres kenn ich von den überlappungsprofilen an den Kanten.

    :bier: Es gibt jetzt eine App, die blinkt, wenn man ohne Mundschutz trinkt, es sei denn, es ist Frankenwein, denn der frisst ein Loch hinein.

  • GFK kam mir auch schon in den Sinn, da hätte ich aber eine "zerfranste" Bruchkante erwartet. vermutlich also Acryl, evtl. auch noch verspannt eingebaut (um ein Gefälle herzustellen?). Egal wie, auch die Platte hat die Anforderungen zu erfüllen, ansonsten ist das Teil mangelhaft.


    Vermutlich wäre es besser gewesen mit einer Duschrinne zu arbeiten, aber das ist nur eine Vermutung.

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  • Vermutlich wäre es besser gewesen mit einer Duschrinne zu arbeiten, aber das ist nur eine Vermutung.

    Wenn das die Krankenkasse übernimmt, ist das Budget nicht unbedingt hochwertig angesetzt. Außerdem werden gerade solche "Sanierungen" mit "geringer Umbauzeit" angepriesen. Meist nur 1-2 Tage. Deshalb diese komische Verblendung an der Wand wo die alte Wanne stand. Keine Trocknungszeiten und keine weiteren Firmen notwendig.

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