Ringerder anstelle von Fundamenterder

  • Hallo zusammen,


    derzeit bauen wir einen Anbau mit Keller an unseren bestehenden Altbau. Das Fundament und der Rohbau des Kellers steht schon. Leider wurde allerdings der Fundamenterder im Anbau vergessen.. Der Architekt hatte es ausgeschrieben und im Leistungsverzeichnis des Rohbauers war ein Fundamenterder aus Flachstahl gemäß DIN 18014 vereinbart.

    Das Malheur versucht der Rohbauer nun wieder zu richten. Aber wir sind nun etwas in Sorge, ob die Ausführung so funktionieren kann. Ich habe einiges an Literatur gewälzt – aber es handelt sich hier glaub ich um einen Sonderfall. Und ich bin kein Experte und hoffe deshalb, dass ihr ein paar Tipps habt, wie wir damit umgehen können. Der Keller soll später als Werkstatt mit einigen Maschinen und Starkstromanschlüssen dienen. Blitzableiter für das Haus ist nicht geplant.


    Zum Anbau:

    -         der Keller erstreckt sich über etwa 10 x 11 m.

    -         Aufbau des Bodens mit bewährten Streifenfundamenten im Schotter (zum Teil bis in den lehmigen Boden), darüber Dämmung, dann die Bodenplatte aus Beton

    -         Die Kellerwände werden ebenfalls gedämmt und abgedichtet.


    „Lösung“ für vergessenen Fundamenterder:

    -         Es wurde von einem Elektrobetrieb ein „Ringerder“ (ca 10 mm Durchmesser) zum Teil in den Arbeitsraum verlegt, auf Höhe Beginn des Fundaments, in 100 mm bis 1000 mm Entfernung zur Kellerwand. Darauf soll in ein bis zwei Wochen zum Teil mit Recyclingmaterial (Nord- und Südseite) und mit dem ausgehobenen Lehmboden (Ostseite) verfüllt werden.

    -         Der Ring liegt nicht um den Anbau drum herum, sondern in einer Schlaufe einmal hin- und wieder zurück auf der Nord- und Ostseite.

    -         Der Ring ist nicht geschlossen – die Enden sind einfach so in die Erde gesteckt.

    -         Auf der Nordseite wurde ein Abzweig des Erders durch die Kellerwand gebohrt, geht dann innen auf dem Betonboden entlang, und steht etwa 1 m hoch als Anschlussfahne an der inneren Hauswand.


    Ist die Ausführung so richtig? Ich dachte immer, dass der Ring komplett um das Gebäude herum liegen müsste. Kann das als gleichwertig zum Fundamenterder gemäß DIN 18014 angesehen werden?


    Anbei noch eine Skizze und ein paar Bilder.

  • 1) der Ring muss geschlossen sein und alle 15m mit dem Potentialausgleich in der Bodenplatte verbunden werden.

    2) muss in gewachsenen Boden eingebaut werden (nix Schotter)

    3) der "doppelte" Ring zeugt von massiver Inkompetenz des Elektrofachbetriebs. Einfach nur Materialverschwendung.

    4) Ein Ringerder kann als Alternative zum Fundamanterder erstellt werden bzw. ist sogar vorzuziehen. Das entbindet aber meines Wissens keinesfalls vom Potentialausgleich in der Bodenplatte. Heißt, die Bewehrung muss dort korrekt verbunden und vermascht werden und außerdem mit der Erdungsanlage verbunden werden.


    Da hätte sowieso ein Ringerder zum Einsatz kommen (und ausgeschrieben werden) müssen!

    woraus leitest du das ab?



    Anbau mit Keller an unseren bestehenden Altbau

    Sind Altbau und Anbau elektrisch miteinander verbunden? Getrennte Hausanschlüsse oder gemeinsamer?

  • Da hätte sowieso ein Ringerder zum Einsatz kommen (und ausgeschrieben werden) müssen!

    Warum kein Fundamenterder im erdfuehligen Streifenfundament?

    Diesen mit der HES des bestehenden Gebäudes verbinden, wäre wohl die beste Variante gewesen.


    Das ist ein Anbau an ein bestehendes Gebäude, wenn dieser über den bisherigen HAK des EVU versorgt wird, kann man die DIN 18014 für Neubauten nicht so recht anwenden. Interessant wäre hier der Bestand, Erdung, PA, Netzform.


    Evtl. kann ein " halber Ringerder " um den Anbau herum sinnvoll mit dem Bestandsgebäudeerder verbunden, hier auch funktionieren.

  • Planung heisst das Zauberwort

    Und der Zauberer heißt Blitzschutzfachkraft.



    Es wurde von einem Elektrobetrieb ein „Ringerder“ (ca 10 mm Durchmesser) zum Teil in den Arbeitsraum verlegt,

    aus welchem Material?


    Auf der Nordseite wurde ein Abzweig des Erders durch die Kellerwand gebohrt,

    und auch abgedichtet?

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Jupp, Erder im Streifenfundament darf nur sein, wenn keine kapilarbrechende Schicht dazwischen liegt...

    Dann wäre es allerdings eine gute Lösung - sauber geplant kann man das ja berücksichtigen :thumbsup:

    Streifenfundamente sind keine Bodenplatten. Eine Schotterschicht ist keine Isolierung.

  • 1) der Ring muss geschlossen sein und alle 15m mit dem Potentialausgleich in der Bodenplatte verbunden werden.

    Genauer: Nachträglich verlegte Ringerder müssen mit mind. 1 m Abstand zum Hausgrund einen geschlossenen Ring um den Neubau bilden und zwischen RE und dem vermutlich fehlenden und nicht mehr herstellbaren Funktionspotenzialausgleichsleiter sind Verbindungen an jeder Anschlussfahne bzw. nach 20 m Gebäudeumfang gefordert.

    Diesen mit der HES des bestehenden Gebäudes verbinden, wäre wohl die beste Variante gewesen.


    Das ist ein Anbau an ein bestehendes Gebäude, wenn dieser über den bisherigen HAK des EVU versorgt wird, kann man die DIN 18014 für Neubauten nicht so recht anwenden. Interessant wäre hier der Bestand, Erdung, PA, Netzform.


    Evtl. kann ein " halber Ringerder " um den Anbau herum sinnvoll mit dem Bestandsgebäudeerder verbunden, hier auch funktionieren.

    Zu 1: Das war die einzig normkonforme Alternative.

    Zu 2: DIN 18014 geht weder auf Netzformen ein noch macht sie für Neubauten ohne Stromversorgungen Ausnahmen. Sie ist somit nach meiner Normauslegung ausnahmslos für alle Arten von Neubauten vollumfänglich anzuwenden.

    ZU 3: Die in Reihe IEC 62305 noch enthaltene Bestimmung, dass ein Ringerderschluss zu 20 % nicht erdfühlig innen vorgenommen werden kann, gibt es nach DIN 18014 nicht. Ein nachträglicher erdfühliger Ringschluss wäre somit nur aufwändig über den freizulegenden FE des Altbaus möglich.


    Eine Erdungsanlage mehr, die der DIN 18014:2014-03 nicht entspricht. Die als Oberflächenerder verlegte Schleife ist in der Tat nutzloser Vollquatsch und ergibt gegenüber nur einem verlegten Leiter keine wesentliche Reduzierung des Erdausbreitungswiderstands.


    TIPPS:

    • Die unsinnige Doppelschleife beseitigen und den NIRO-Draht aber auch auf der Südseite mit größtmöglichem Abstand zum Hausgrund verlegen.
    • Ring primär innen im Alt- oder Neubau über Erdungsfestpunkte mit PA-Leiter aus 10 mm Runddraht oder Bandstahl schließen.
    • Neue und alte HES miteinander möglichst nach Klasse H = 100 kA verbinden.
  • Nachträglich verlegte Ringerder müssen mit mind. 1 m Abstand zum Hausgrund einen geschlossenen Ring um den Neubau bilden und zwischen RE und dem vermutlich fehlenden und nicht mehr herstellbaren Funktionspotenzialausgleichsleiter sind Verbindungen an jeder Anschlussfahne bzw. nach 20 m Gebäudeumfang gefordert.

    Ich sehe bei einer Bodenplatte (EFH/MFH), die auf einen umlaufenden, bewehrten Streifenfundament (mit darin liegenden Fundamenterder) aufsetzt, eigentlich keine Notwendigkeit eines Funktionspotentialausgleichs in derselben.

    Für den hiesigen Fall spielt das keine Rolle, da der TE keinen Fundamenterder hat...

    Zu 2: DIN 18014 geht weder auf Netzformen ein noch macht sie für Neubauten ohne Stromversorgungen Ausnahmen. Sie ist somit nach meiner Normauslegung ausnahmslos für alle Arten von Neubauten vollumfänglich anzuwenden.

    Ich habe mich auf die EVU-Sicht bezogen. Die bisherigen TAB und neuerdings TAR forden ja für Neubauten einen Erder gem. DIN 18014. Aus Sicht des EVU ist allerdings ein Gebäude(=teil) ohnen eigenen Netzzugangspunkt kein Neubau. Daher wäre eine Information des TE zum derzeitigen Stand der Erdungsanlage und Elektroanlage in seinem Baukunstwerk schon interessant...

    ZU 3: Die in Reihe IEC 62305 noch enthaltene Bestimmung, dass ein Ringerderschluss zu 20 % nicht erdfühlig innen vorgenommen werden kann, gibt es nach DIN 18014 nicht. Ein nachträglicher erdfühliger Ringschluss wäre somit nur aufwändig über den freizulegenden FE des Altbaus möglich.


    Sofern es im Altbau irgendeine Erdung gibt...auch hier wieder, Rätselraten dank schweigenden TE...

  • Ich sehe bei einer Bodenplatte (EFH/MFH), die auf einen umlaufenden, bewehrten Streifenfundament (mit darin liegenden Fundamenterder) aufsetzt, eigentlich keine Notwendigkeit eines Funktionspotentialausgleichs in derselben.

    Bei funktionierenden und fachgerechten Fundamenterder übernehmen die diese Funktion quasi nebenbei mit. Nur bei einem Ringerder ist ein Funktionspotentialausgleich

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen