Dachfirst falsch ausgeführt, Ziegeldecklänge unterschritten?

  • hallo zusammen,


    ich habe eine frage an euch experten und würde mich freuen, wenn ihr mir helfen könntet. hierfür schon mal vielen dank!


    ich war mit dem schornsteinfeger auf dem dach, dabei fiel mir auf, dass das firstband auf der einen seite des dachs nicht über die "profilierung" der obersten ziegelreihe hinausragt. siehe erstes bild. es ist eher dahinter angebracht. für mich sieht das so schon etwas komisch aus. zumal wasser, das vom firstziegel kommt, nicht kerzengerade nach unten ablaufen kann sondern dort erst mal links und rechts dran vorbei muss.


    ich bin kein gelernter dachdecker, aber aus der verlegeanleitung des herstellers entnehme ich eine decklänge von max. 40,5cm. heißt für mich als laie, dass ich von der ziegelunterkante bis zum beginn der nächsten, in dem fall dann wohl dem firstband, max. 40,5cm abstand haben darf. interpretiere ich das richtig?


    beim nachmessen komme ich jedoch eher auf 42,5 - 43,0cm für die oberste ziegelreihe am first. siehe bild 2 und bild 3. auf bild 3 sieht man die "breite der profilierung" des ziegels von ca. 7cm, bei einer gesamtlänge von 49,9cm passt das wiederum zur messung von knapp 43cm sichtbarem ziegel.



    liegt hier ein fehler seitens des ausführenden unternehmens vor, oder gibt es hier nochmal spezielle richtlinien, so dass das am first anders ausgeführt wird? und wie sieht ihr das risiko, dass mir da wasser ins dach gekommen ist? ich hab ein regensicheres unterdach nach klasse 2. ich hoffe, dass das, im fall der fälle, hier ausreichend ist?


    ich danke euch sehr für eure hilfe!




  • ach noch was:

    ich hab an der eckschutzkante der dachuntersichten komische laufspuren. sieht aus, als wäre da wasser runter gelaufen. ich hab ein bild aus der bauphase, als das dach grade frisch drauf war, da waren diese noch nicht zu sehen.


    was mir hier sorge bereitet:

    ich hab teilweise auch laufspuren, die an der position des nageldichtbandes sind. siehe bild. damit wäre, wenn da wasser von oben laufen würde, ja das nagedichtband nicht funktionieren. dass, bei regen quer, was bei sturm sabine der fall war, sich im insektenschutzgitter sammelt und abtropf wäre die einzige, wenn auch, aufgrund der tatsache, dass da ja noch die rinne davor ist, unwahrscheinliche erklärung hierfür


  • Moin,


    haben die Dachflächen ungleiche Dachneigungen? Der Firstziegel im ersten Bild hätte etwas mehr nach links gekonnt, oder die linke Dachseite etwas weiter nach oben. Der Hersteller gibt immer bei den verschiedenen Dachneigungen den Lattabstand der oberen Traglatte vom Firstpunkt an. Passieren wird hier vermutlich nichts. Das Firstband was man auf der linken Seite sieht, ist auf den Flächenziegel aufgeklebt, um zu verhindern, dass hier Flugschnee oder Regen eindringt. Bei dem letzten Bild die Laufspuren auf dem Tropfkantenblech können auch von der Bauzeit kommen, wo noch keine Eindeckung aufgebracht war, oder diese noch nicht ganz fertig gestellt war, dann läuft der Niederschlag über die Unterspannbahn und entwässert dann über das Tropfkantenblech. Bei walzblanken Tropfkantenblechen aus Zink kann es dann zu solchen Wasserspuren kommen. Bei normalem Regen sollte hierüber kein Wasser abtropfen. Bei Sturm/Wind mit Regen kann hier schon ab und zu mal ein Wassertropfen kommen, weil keine Dacheindeckung mit Tonziegel wasserdicht ist. Regensicher ja. Bei Schlagregen oder feinem Pulverschnee kann schon ein etwas Feuchtigkeit unter die Dacheindeckung gelangen, die dann aber sicher über das Unterdach abgeleitet wird unter unterhalb der Dachrinne über das Tropfkantenblech austritt.

  • hallo Elopant, danke für deine antwort, anbei die antworten:


    - die dachhälften haben die identische neigung von 12°. und ich bin dahingehend bei dir, dass der ziegel weiter nach oben könnte. oder doch eher: MUSS?

    - der abstand der obersten traglatte zum scheitelpunkt sind gem. der verlinkten verlegeanleitung 40mm. ich möchte ungern die firstziegel wegmachen, versuche aber nachher, ob ich ggf. über messen bzw. "nachstellen" mit ersatzziegeln was rausbekommen kann.

    - die firstrolle ist nicht verklebt. sonst wäre ich da ganz entspannt. die ist nur auf den ziegel aufgedrückt



    wegen den laufspuren:

    ich hab bilder aus der bauphase, wo diese spuren noch nicht da sind, die ziegeleindeckung aber schon. daher schließe ich drauß, dass da später was kam. wir wohnen sehr exponiert und sturm sabine hat es geschafft, 4m untr die terrasse den regen horizontal an die glastür zu hauen. dass da was unter die ziegel kommt, ok. aber dann darf doch dort, wo das nageldichtband ist, trotzdem keine laufspur sein?

  • Hallo,


    12° Dachneigung ist schon ziemlich wenig, warum wurde bei der Neigung die Dachrinne hochgehängt? Ich pers. hätte die Dachrinne, wenn es unbedingt ein Tonziegel bei dieser Neigung sein muß, tiefer angebracht und hätte das Unterdach mit in die Dachrinne entwässert. Bei 12° DN wird hier schon öfters Feuchtigkeit über das Tropfkantenblech kommen, weil der Tonziegel eine Regeldachneigung von 22° hat ( hier zählen die Fachregeln vom Dachdeckerhandwerk ) . Alles was die Hersteller angeben, ist deren Sache und muß mit dem Kunden einzelvertraglich abgeklärt werden, mit allen möglichen Nachteilen ( Müsste auch irgendwo im Kleingedruckten stehen). Gerade in diesem Neigungsbereich sollte man auch auf die Zubehörteile wie das Firstband besonderen Augenmerk legen. Normalerweise haben die Firstbänder einen Butylklebestreifen o.ä. ( je nach Hersteller ), der dafür sorgt, das das Firstband vernünftig auf den sauberen Ziegel klebt. Es gibt zwar auch Firstbänder, die durch ihr Eigengewicht auf dem Ziegel liegen, aber hiernach sieht es nicht aus.

  • nelskamp schreibt dass die regeldachneigung 20° sind. ihr seid nun schon zu zwei, die 22° sagen. woher kommt diese unterschiedliche auffassung? nur so zum verständnis für einen laien. ich hab die seite der herstellerinfo sowie die zusatzmaßnahmen bei unterschreitung noch als bilder eingefügt, damit ihr die einfacher einsehen könnt.


    unter den ziegeln ist eine unterspannbahn dörken delta foxx plus. nach (schriftlich vorliegender) aussage des herstellers stellt diese bei der kombi aus dachneigung und ziegel ein regensicheres unterdach klasse 2 dar und ist somit eigentlich noch eine stufe höher, als es nelskamp vorgibt



    ich hab auch mal versucht, den first "nachzustellen". nelskamp gibt bei 30° und weniger einen abstand der obersten traglatte zum firstscheitel 40mm an. bei mir sind es eher so 70mm.


    KANN ICH AUFGRUND DER ÜBERSCHREITUNG DAS DIREKT REKLAMIEREN? oder kann sich der dachdecker da mit irgendwas rauswinden?

  • nelskamp schreibt dass die regeldachneigung 20° sind. ihr seid nun schon zu zwei, die 22° sagen

    Das eine sind Herstellerversprechungen, das andere die Fachregeln.

    Der Hersteller sagt im Prinizp: Unser Produkt ist so toll, wir versprechen Dir auch 20°. Nur wenns eng wird, gelten die Fachregeln.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • danke für die info. hinsichtlich dem unterdach wäre ich aber auch mit 22° noch in der toleranz, dörken gibt 10° unterschreitung an. ich hab eben an den untersichten und der blechverkleidung mit dem winkelmesser geprüft, sind so 12.5 - 13° neigung

  • Für alle Dachneigungen gibt es "richtige" Dachdeckungen.


    Steildach: geschuppte Dacheindeckungen, wie Tonziegel o. Betondachsteine, Schiefer,...

    flach geneigtes Dach: Stehfalzverblechung verschiedener Ausführungsarten, ggf. FD-Abdichtung + Begrünung

    Flachdach: FD-Abdichtung (bituminös oder Foliendach), ggf. mit ext. Begrünung.


    Warum aber deckt man ein flach geneigtes Dach mit einer Dachdeckung für Steildächer ein???


    Letztendlich wird die Regensicherheit durch ein verstecktes Unterdach sichergestellt.

  • Was die Hersteller angeben, ist UNWICHTIG. Es zählt, was in den Fachrregeln geschrieben steht. Punktausende Pasta

    danke. das hatte ich so verstanden. ich wollte lediglich sagen, dass auch bei zugrunde legen von 22° das regensichere unterdach seine funktion noch erfüllen muss, da der hersteller des unterdachs 10° unterschreitung hierfür noch angibt. bei den von nelskamp genannten 20° wären wir bei 8° unterschreitung, bei den 22° gem. regelwerk wären es dann 10°

  • Du hast in keiner Welt auch nur im Ansatz ein regensicheres Unterdach und das genügt auch nicht. Wenn dann wasserdicht. Es geht eben nicht um Infos die frei verfügbar im Internet sind.


    Das ZVDH kennt diese dusselige Tabelle nicht. Dort sind links die Unterschreitungen der RDN angegeben. Nicht wie beim Hersteller die DN. Traurig das man so verarscht...

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Du hast in keiner Welt auch nur im Ansatz ein regensicheres Unterdach und das genügt auch nicht. Wenn dann wasserdicht. Es geht eben nicht um Infos die frei verfügbar im Internet sind.


    Das ZVDH kennt diese dusselige Tabelle nicht. Dort sind links die Unterschreitungen der RDN angegeben. Nicht wie beim Hersteller die DN. Traurig das man so verarscht...

    das ist meinem nervenkostüm nun nicht gerade zuträglich. kannst du mir kurz erklären, wieso ich kein regensicheres unterdach habe? aufgrund der zusatzanforderungen und abweichung von der regeldachneigung des ZVDH?



    ich hatte mit dem ziegelhersteller kontakt. der schrieb:


    "der F 8 ½ hat eine herstellerdeklarierte Regeldachneigung in Höhe von 20°. Herstellervorschriften können punktuell von den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks abweichen und sind vorrangig zu beachten.

    Die Festlegung der
    Zusatzmaßnahme hängt nicht unmittelbar von der Regeldachneigung als solcher
    sondern von der Unterschreitung dieses festgelegten Wertes ab
    "


    heißt das konkret, dass der hersteller falsche angaben macht?

  • Herstellervorschriften können punktuell von den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks abweichen und sind vorrangig zu beachten.

    Das gilt dann, wenn Herstellervorgaben strenger als die Fachregeln sind.

    Beispiel:
    Innerorts sind 50 km/h erlaubt, der Reifenhersteller sagt aber zulässig mit unserem Reifen sind max 45 km/h. Dann ist bei 45 Schluß. Gilt da aber 30 (per Schild) so sind die einzuhalten.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Das heißt die Fachregeln lassen es nicht zu, ein regelkonformes Dach mit einer Dachneigung <22° zu erstellen, obwohl der Hersteller der Dachziegel Stein und Bein schwört (und ggf. auch dafür einsteht), dass es trotzdem funktioniert?

    Dann sind die Fachregeln doch einfach Murks und behindern den technischen Fortschritt komplett.

  • Das heißt die Fachregeln lassen es nicht zu, ein regelkonformes Dach mit einer Dachneigung <22° zu erstellen, obwohl der Hersteller der Dachziegel Stein und Bein schwört (und ggf. auch dafür einsteht), dass es trotzdem funktioniert?

    Dann sind die Fachregeln doch einfach Murks und behindern den technischen Fortschritt komplett.

    Da muss der Bauherr aber hoffen, dass der Hersteller keinen Meineid schwört...

  • Das gilt dann, wenn Herstellervorgaben strenger als die Fachregeln sind.

    Ist das so? Geht es nicht mit der vom Hersteller angegeben produktbezogenen RDN immer nur um dessen Angabe? Ich erinnere mich jedenfalls an mehrere flach geneigte Dächer, bei denen immer einvernehmlich damit gearbeitet wurde.


    Ich halte Deine Aussage für falsch. Kannst Du sie bitte belegen, nicht nur behaupten?

    Beispiel:

    Innerorts sind 50 km/h erlaubt, der Reifenhersteller sagt aber zulässig mit unserem Reifen sind max 45 km/h. Dann ist bei 45 Schluß. Gilt da aber 30 (per Schild) so sind die einzuhalten.

    Ich bezweifle, dass dieses Beispiel passt. (Nicht alles, was hinkt ...)


    Die Aussage

    "der F 8 ½ hat eine herstellerdeklarierte Regeldachneigung in Höhe von 20°. Herstellervorschriften können punktuell von den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks abweichen und sind vorrangig zu beachten."

    ist so pauschal allerdings auch falsch. Sie kann sich so nur auf die produktspezifische Herstellerangabe der RDN beziehen. Dann allerdings ist sie richtig.


    (Die Fachregel habe ich im Urlaub leider nicht zur Hand, aber üblicherweise sollte derjenige, der eine Behauptung aufstellt, diese auch belegen können, hier also Ralf Dühlmeyer .)

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Nein, die Fachregeln behindern nicht den (techn.) Fortschritt.


    Du könntest auch sagen, die Verkehrsregeln behindern den techn. Fortschritt.50 km/h galten schon, als Bremsen per Seilzug funktionierten, Heute gibts hydralische Mehrkreisbremssysteme, ABS, Bremskraftverstärker ESP usw.

    Trotzdem gelten die 50 km/h immer noch.

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  • Dann sind die Fachregeln doch einfach Murks und behindern den technischen Fortschritt komplett.

    sehe ich nicht so, die Fachregeln gelten für alle Flachdachziegel um hier bei dem Beispiel zu bleiben, alles was die Hersteller dir sagen/schreiben/versprechen ist im einzelnen mit dem Kunden zu vereinbaren, mit allen Nachteilen. Wenn etwas dabei schief läuft, und es geht bspw. vor Gericht, werden die Fachregeln als a.R.d.T. herangezogen, nicht die Herstellerangaben, siehe auch Beitrag #16

    Das heißt die Fachregeln lassen es nicht zu, ein regelkonformes Dach mit einer Dachneigung <22° zu erstellen

    Die lassen es schon zu, halt nur mit der Zusatzmaßnahme: wasserdichtes Unterdach

  • Die lassen es schon zu, halt nur mit der Zusatzmaßnahme: wasserdichtes Unterdach

    Ja eben, mit Zusatzmaßnahmen die hier dann unnötig Geld kosten.

    Wenn jetzt einer einen Ziegel entwickelt, der auch bei 10° "sicher" ist, dann muss er auf Bauherren hoffen, die nichts von den Fachregeln wissen und Handwerker, die die dann trotzdem verbauen mit einem erheblichen Risiko, dafür abgestraft zu werden, weil es die (in diesem Fall bescheuerten) Fachregeln gibt. Das Risiko müsste in dem Fall zu 100% der Hersteller übernehmen - kann er aber nicht, da ja die Fachregeln im Weg stehen.


    Ralf Dühlmeyer: Deine StVO Vergleiche sind natürlich daneben (hier sind immer Dritte betroffen), da lohnt es sich eigentlich nicht weiter darauf einzugehen.

    Ich mache den Vergleich trotzdem für dich mal ein bisschen passender: Der Herstellerverband der Automobilindustrie stellt die Regel auf, dass Fahrzeuge auf 250km/h beschränkt werden. AMG bietet nun ein 300km/h Fahrzeug an, der Käufer ist eigentlich begeistert, er fährt halt gern schnell. Bei einem technischen Defekt am Fahrzeug wird ihm nun aber überraschend vom Verkäufer sämtliche Gewährleistung verweigert, weil das Fahrzeug nicht den Richtlinien des Automobilverbandes entspricht.

  • wie ist denn das mit der haftung / planungsfehler? das ausführende unternehmen hat die F8 1/2 ziegel, unterspannbahn, weichfaserplatte vorgeschlagen. planer hat zugestimmt mit auflage klasse 2 unterdach. aber auf basis der angaben von nelskamp. planer und wir haben dem zugestimmt. wir als laien auf basis der infos vom ausführenden und planer, dass das so ok ist.


    das ganze ist nun aber offensichtlich nicht nach ZVDH, wo wir wasserdicht bräuchten.


    sind wir als bauherren, die im guten glauben den rat der fachleute folgten, auch mit "haftbar", da wir die zusatzvereinbarung mit unterschrieben haben?

  • Wenn jetzt einer einen Ziegel entwickelt, der auch bei 10° "sicher" ist, dann muss er auf Bauherren hoffen, die nichts von den Fachregeln wissen und Handwerker, die die dann trotzdem verbauen mit einem erheblichen Risiko, dafür abgestraft zu werden,

    Nein. Es braucht nur einen Planer, der den Bauherren gemäß seiner Berufsaufgabe zum wirtschaftlichen Planen berät und einen Handwerker, der sich die Abweichung von den Fachregeln abzeichnen läßt.

    Das geht schon immer, so lange keine lebensbedrohlichen oder gesetzwidrigen Dinge freigezeichnet werden (sollen)

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Klar. Der Handwerker kann nicht sagen: Wenn Du jeden zweiten Ziegel wegläßt, wirds günstiger, unterschreib mal. Bzw. sagen kann er das schon, nur käme er damit vor Gericht wohl nicht durch.

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  • Klar. Der Handwerker kann nicht sagen: Wenn Du jeden zweiten Ziegel wegläßt, wirds günstiger, unterschreib mal. Bzw. sagen kann er das schon, nur käme er damit vor Gericht wohl nicht durch.

    heißt in unserem konkreten fall, dass der handwerker, der den vorschlag vom dachaufbau gemacht hat, haftet, weil er nicht gegen die ZVDH regeln (ausreichend) geprüft hat sondern dem hersteller mit seinen angaben "auf den leim gegangen" ist?

  • das ist meinem nervenkostüm nun nicht gerade zuträglich

    Zu erst muss unterschieden werden: Was nach a.R.d.T hätte ausgeführt werden müssen und was Einzelvertraglich an Nebenabreden getroffen wurde. Eine Ausführung entgegen den a.R.d.T muss nicht zum Schaden führen und eine Nebenabrede muss grundsätzlich nicht schlecht sein.


    Man sollte nur etwas nicht als das verkaufen, was es nicht ist. Eine USB/UDB Klasse A kann eben keine richtige Stoffwahl für ein regensicheres Unterdach sein. Das kann auch mit Marketing-Gedöns nicht weggeredet werden.


    . kannst du mir kurz erklären, wieso ich kein regensicheres unterdach habe?

    Weil für die verwendete Bahn sicherlich keine Materialgarantie beim ZVDH hinterlegt worde. Somit sind ganz klar die Stoffgüten des Merkblattes des ZVDH umzusetzen und die kennt ab Klasse 2 keine PP/PA basierenden "diffusionsoffene" Folien. Sondern nur Bitumen oder hochpolymere einlagige Abdichtungen. (EVA EPDM, PVC, PIB, IR usw.) aus dem Flachdachbereich. Wesentlicher Unterschied eines regensicherem zu einem wasserdichtem ist die Einbindung der Konterlatte. Bei regensicher ist die Konterlatte nicht einzubinden. Bei wasserdicht ist die Konterlatte mit Zulagestreifen einzupacken aber unterseitig offen zu lassen damit es nicht zum Zersetzen kommt.


    Off-Topic:

    Sollte jeder DD der ein Gesellenbrief hat wissen und ausführen können.


    Also außerhalb der hier geltenden a.R.d.T.


    Herstellervorschriften können punktuell von den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks abweichen und sind vorrangig zu beachten.

    Gewagt! Damit sagt der Hersteller seine Herstellervorschriften sind vor den a.R.d.T umzusetzen. Die a.R.d.T stellt aber das Bausoll da.


    Die Festlegung der
    Zusatzmaßnahme hängt nicht unmittelbar von der Regeldachneigung als solcher
    sondern von der Unterschreitung dieses festgelegten Wertes ab"

    Das ist zumindestens in Formulierung sehr unglücklich. Die ZM hängt immer von der RDN des Deckwerkstoffes, der Unterschreitung der RDN (gestaffelt; 4,8,12) und den erhöhten Anforderungen ab. Denn wenn ich diesen sprachlich missglückten Satz nehme bedeute es ja, Beispiel:


    Glattziegel mit tiefliegender Seitenfalz RDN 30. Bei Anwendung deren Tabelle könnte ich den Ziegel bei DN >20 Grad in Klasse 6 o. 5 der ZM decken. Meine Fachregel sagt mir aber schon das ich mind. 10° Unterschreitung der RDN bin und somit in Klasse 3 oder 2/1 sein muss.


    Dann sind die Fachregeln doch einfach Murks und behindern den technischen Fortschritt komplett.

    Sie schützen Verbraucher und Handwerker. Du kannst alles außerhalb der a.R.d.T vereinbaren. Musst es nur tun. Fortschritt wählst du damit selber und es wird nicht mit dem Gieskannenprinzip des Herstellers verteilt. Nur wird es schwer HW zu finden die dich darauf aufmerksam machen oder es korrekt juristisch umsetzen. Dafür kann der ZVDH aber nichts, genauso wie jeder DIN-Ausschuss.


    Das Risiko müsste in dem Fall zu 100% der Hersteller übernehmen - kann er aber nicht, da ja die Fachregeln im Weg stehen.

    Erinnerst Du dich an das Thema mit dem missglückten Flachdach? Wo Bauder etwas übernehmen sollte? Das war Dir auch Suspekt. Jetzt gibt es den Persilschein mit der Gießkanne? Leg dir mal ein Ziegel bei DN 10° hin, man wird merken das es eine Schnappsidee ist. Deswegen gibt es ja auch eine MDN. Ein Tonziegel/ Betondachstein muss nicht alles können. Es gibt Alternativen.


    planer und wir haben dem zugestimmt. wir als laien auf basis der infos vom ausführenden und planer, dass das so ok ist.

    Damit wurde ja eine Einzelvertragliche Abrede geschaffen und alle haben sich bereit erklärt. Also alles cool.


    sind wir als bauherren, die im guten glauben den rat der fachleute folgten, auch mit "haftbar", da wir die zusatzvereinbarung mit unterschrieben haben?

    Nur dann, wenn man Euch über Folgen aufgeklärt hat. Daran wird es aber gescheitert sein. Also habt ihr etwas zugestimmt ohne die Folgen zu kennen. Also wieder Problem des Archi/HW. Vereinfacht ausgedrückt. Richtig juristisch bitte von einem Anwalt erklären lassen.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Zu erst muss unterschieden werden: Was nach a.R.d.T hätte ausgeführt werden müssen und was Einzelvertraglich an Nebenabreden getroffen wurde. Eine Ausführung entgegen den a.R.d.T muss nicht zum Schaden führen und eine Nebenabrede muss grundsätzlich nicht schlecht sein.


    Man sollte nur etwas nicht als das verkaufen, was es nicht ist. Eine USB/UDB Klasse A kann eben keine richtige Stoffwahl für ein regensicheres Unterdach sein. Das kann auch mit Marketing-Gedöns nicht weggeredet werden.


    Gut. Nach den a.R.d.T. hätte also, bei 10° unterschreiten der RDN sowie zwei erhöhten anforderungen ein wasserdichtes unterdach sein müssen. die a.R.d.T. sind die fachregeln des ZVDH?


    in der nebenabrede wurde der dachaufbau (F8 1/2, 80/40 konterlattung auf nageldichtband, Delta Foxx unterspannbahn) vereinbart. ohne weitere hinweise auf irgend ein regelwerk o.ä. nur der dachaufbau wurde beschrieben. was für uns als laien nicht bewertbar war.


    dass eine USD / USB klasse A (klasse A kann ich jetzt nicht einordnen) die falsche stoffwahl ist, ist aufgrund dessen, was du hier schreibst?:

    Weil für die verwendete Bahn sicherlich keine Materialgarantie beim ZVDH hinterlegt worde. Somit sind ganz klar die Stoffgüten des Merkblattes des ZVDH umzusetzen und die kennt ab Klasse 2 keine PP/PA basierenden "diffusionsoffene" Folien. Sondern nur Bitumen oder hochpolymere einlagige Abdichtungen. (EVA EPDM, PVC, PIB, IR usw.) aus dem Flachdachbereich. Wesentlicher Unterschied eines regensicherem zu einem wasserdichtem ist die Einbindung der Konterlatte. Bei regensicher ist die Konterlatte nicht einzubinden. Bei wasserdicht ist die Konterlatte mit Zulagestreifen einzupacken aber unterseitig offen zu lassen damit es nicht zum Zersetzen kommt.

    das heißt also im klartext, dass sich ausführender und planer auf die angaben des herstellers verlassen haben, aber die fachregeln des ZVDH nicht geprüft haben, denen die zusagen des USB herstellers nicht entsprechen. ich hab das gefühl, dass hier einmal das thema regensicher vs. wasserdicht aufgrund der unterschiedlichen auffassung der unterschreitung der RDN um 10° auf basis des ZVDH bzw. um 8° auf basis der angabe von nelskamp bei mir für etwas verwirrung sorgen ;)

    dörken verspricht ja klasse 2 bei einer unterschreitung um bis zu 10° der RDN. deiner aussage nach kann aber das material klasse 2 nicht darstellen. richtig?



    Gewagt! Damit sagt der Hersteller seine Herstellervorschriften sind vor den a.R.d.T umzusetzen. Die a.R.d.T stellt aber das Bausoll da.

    und das bausoll hätte erfüllt werden MÜSSEN und ist von mir einforderbar? oder kann sich der ausführende betrieb und der planer auf die herstellerangaben zurückziehen und davon abweichen? die nebenabrede wurde getroffen, aber, wie du schon vermutet hast, wurden wir über mögliche folgen nicht aufgeklärt, haben außer der nebenabrede, die nur den dachaufbau beschreibt, auch nix unterschrieben und die ganzen details zu werkstoffen, a.R.d.T. etc. wurden nicht einmal annähernd sondern garnicht benannt.


    Damit wurde ja eine Einzelvertragliche Abrede geschaffen und alle haben sich bereit erklärt. Also alles cool.

    äääääääähm.... wir haben eine abrede über den dachaufbau, der nun von allen als völlig untauglich eingestuft wird. insofern finde ich es nicht so cool, auch wenn man uns über anforderungen, folgen und a.R.d.T. nicht aufgeklärt hat


    EINE BITTE:

    as ausführende unternehmen stellt sich sehr bockig und verweigert alles, was nicht offensichtlich ist (z.B. first) nachzubessern, weil sie der meinung sind, dass alles richtig ist. kann mir jemand von euch profis formulieren, wieso sie das dach so nicht hätten ausführen dürfen? ich hab für mich notiert, wo ich aber nicht sicher bin, ob das stimmt, dass:

    - a.R.d.T. gem. ZVDH sind anzuwenden, demnach ist klasse 1 gefordert und nicht klasse 3 wie bei nelskamp

    - die ZVDH vorgaben haben immer vorrang, abweichende zusagen der hersteller (Nelskamp RDN 20° und Dörken Klasse 2) sind versprechen der hersteller, die ind er praxis aber nicht eintreten müssen und somit einen schaden verursachen können

    - der werkstoff der unterspannbahn ist, trotz zusage von Dörken, nach aussage von Kalle auch für klasse 2 nicht geeignet


    danke für eure hilfe. ich ziehe mal wieder in die schlacht

  • Was Du brachst, sind nicht Formulierungen von uns, sondern eine guten Baurechtsanwalt und eine guten SV aus dem Dach(decker)bereich, die die Ausführung VOR Ort bewerten und dann auf Grundlage der Vertragsunterlagen feststellen, was nun mangelhaft ist und was nicht.

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