Waagerechte Risse in Innenwänden

  • Hallo allerseits,


    Kurzform dieses langen Textes: Waagerechte Risse im OG an den farbig markierten Stellen im Plan, bis zu 1mm breit.


    Da es im Parallelthread gerade um Risse geht, will ich mein diesbezügliches Problem hier auch vorstellen. Ich vermute aber, dass es leicht anders gelagert ist, denn meine Risse sind fast nur waagerecht.


    Gleich vorweg: Ich möchte keinem der Baubeteiligten die Schuld zuschieben, denn nach dem aktuellen Stand meiner eigenen Recherchen sehe ich einen großen Teil der "Schuld" bei uns, weil wir diesen offenen Grundriss im EG wollten und niemanden damit beauftragt hatten, auf derlei Probleme zu achten (sprich: nach heutigem Wissen bei der Planung/Bauüberwachung gespart haben).


    Zudem möchte ich mich schon vorab für den langen Text entschuldigen. In vielen Threads kommen die Informationen nach und nach und müssen von den Helfenden erfragt werden, darum will ich versuchen, die vermutlich relevanten Informationen hier schon zusammenzutragen. Ich habe den ganzen Bau mit fast 30000 Bildern dokumentiert, kann fast beliebige Details heraussuchen.


    Wir haben eine Reihe WAAGERECHTER Risse im OG, die an einigen Stellen nur Haarrisse sind, meist aber bis zu 1mm breit sind (die jeweils breitesten Stellen sind am Türrahmen oder Wandanschluss, bei 10 eher in der Mitte). Ich habe die Pläne von EG und OG angehängt, wobei ich im OG-Plan die Risse eingezeichnet habe. Sie verlaufen entweder auf Höhe der ersten Lagerfuge (25 cm über Rohdecke), rot im Plan oder auf Höhe der dritten/vierten Lagerfuge (75 oder 100 cm ab Rohdecke), grün im Plan (schwer zu erkennen, das sind die Risse 5 und der rechte Teil von 4) oder oben über der 10. oder 11. Lage Planziegel, also 200 oder 225 cm (blau im Plan), wobei die Risse gerne an den Türecken oder in deren Nähe beginnen. SENKRECHTE Risse haben wir nur zwei: Einer befindet sich bei 4 und verbindet die waagerechten Risse auf unterschiedlichen Höhen, im Plan also am Übergang von grün zu rot. Der zweite betrifft das als "Brüstung" eingezeichnete Teil an der Stelle, an der es mit dem höheren Teil der Wand verbunden ist.




    Von den Rissen selbst habe ich zwei repräsentative Beispiele (Riss 1 und Riss 10, der Legostein ist nur dazu da, damit die Kamera fokussiert) fotografiert - siehe Anhang. Die anderen entsprechen einem dieser beiden Typen, wobei die bodennahen Risse eher wie 10 und die höheren Risse wie 1 aussehen.




    Weitere Infos zum Bau: Die Außenwände sind zweischalig, wobei die Innenschale aus T14-HLZ mit 24 cm Stärke besteht. Die Innenwände im OG sind S27-Schalldämm-HLZ in 11,5, 17,5 und 24 cm, wobei die meisten Wände aus 17,5er Ziegeln bestehen (siehe Plan). Die EG-Decke besteht aus 25 cm Stahlbeton und wurde als Filigrandecke aufgebaut. Den Bewehrungsplan habe ich, dem ist zu entnehmen, dass unter den Wänden, die jetzt die Risse 2 und 10 haben, jeweils deckengleiche Unterzüge angeordnet sind.


    Auf allen Wänden sind bewehrte Ringanker (30 cm hoch bei den Innenwänden, 25 cm bei den Außenwänden) in Wandstärke angeordnet, die untereinander verbunden sind. Der Übergang Ringanker/Ziegelwand befindet sich bei den Innenwänden verputzt im sichtbaren Bereich. Hier gibt es keinerlei Risse. Ebenso gibt es keinerlei Risse an den Außenwänden oder der Verbindung zwischen Innen- und Außenwänden.


    Im Plan sind zwei "Gauben" eingezeichnet. Realisiert sind sie (auch wenn sie wie Gauben aussehen) als Zwerchhäuser. Die Außenwand links und rechts im Plan ist also im mittleren Teil die Gaubenfront, die Außenwände oben und unten sind die Giebelwände. Die Drempelhöhe beträgt 100 cm im fertigen Zustand, was um 125 cm im Rohbau entspricht.


    Die beiden Mittelpfetten liegen in etwa an den gelb markierten Stellen auf. Der Auflagepunkt mit X ist in Form eines auf Höhe der Holzbalkendecke befindlichen Stahlbetonträgers zwischen Außenwand und Treppenschacht realisiert, der mit den Ringankern verbunden ist. Befestigt sind die Mittelpfetten nur auf dem Ringanker der Außenwände. Auf den Innenwänden liegen sie auf "Betonkissen" mit einer schwarzen Trennlage, aber ohne Befestigung.


    Im EG gibt es keine relevanten Risse (nur zwischen nichttragender Wand und Decke in der Abstellkammer), im KG ebenfalls nicht. Das Haus ist auf einer 25cm starken Bodenplatte gegründet. Unter der Sauberkeitsschicht und der Schotterschicht ist Fels in verschiedenen Stadien der Verwitterung - war teilweise nur mit Baggermeißel zu lösen. Der laut Bodengutachten zulässige Sohlwiderstand (420 KN/m^2) wurde laut Standsicherheitsnachweis nicht im Ansatz erreicht (max 250 KN/m^2).


    Der Meister der Rohbaufirma hat sich das ganze angesehen und hält die gleiche Ursache für wahrscheinlich, die JoWest im Parallelthread genannt hat: "naja, die einfachste Erklärung wäre für mich, dass das Mauerwerk irgendwie Verbindung mit der Kehlbalkenlage hat und dadurch Druck bekommt."


    Ich kann diesbezüglich gerne die Fotos noch einmal sichten, es wäre aber hilfreich, Stellen zu wissen, die dafür in Frage kämen. Gebaut ist das ganze so, dass die Mittelpfetten auf den Ringankern der Außenwände liegen und die Kehlbalken (6x20) darunter hängen. Da die Ringanker der Innenwände 20 cm tiefer liegt, liegen die Kehlbalken im Fall der pfettenparallelen Wände auf diesen auf (auch wieder mit Trennlage). An den Traufseiten über den Gaubenfronten sind die Kehlbalken mit Balkenschuhen an einer Holzbohle befestigt, die ihrerseits am Ringanker befestigt ist. "Gegenstossen" kann da eigentlich nicht passieren, es sei denn, es kommt über die Auflager der Mittelpfetten.


    Ich habe in diesem Forum und dem grünen sowie weiteren Webquellen viel zum Thema gelesen und bin dabei insbesondere auf zwei Fachartikel gestoßen:


    Jens Minnert: Hinweise zur sinnvollen Abschätzung der Durchbiegung von Stahlbetontragwerken


    Findet man mit Google leicht, wurde hier oder im Grünen auch schon mehrfach verlinkt. Bild 2 in dem Artikel passt ziemlich gut zu unseren Rissen.


    Michael Siegwart: Moderne (Riss-)Architektur Ursachen und Sanierung von Rissschäden in modernen Bauweisen


    Hier wird vor allem darauf hingewiesen, dass tragende Wände auf freitragenden Decken problematisch sind.


    Im Standsicherheitsnachweis ist die Durchbiegung der EG-Decke im Zustand II mit bis zu 14,4mm angegeben, wobei im Standsicherheitsnachweis nichts von deckengleichen Trägern steht und die Darstellung auch nicht danach aussieht. Der Verlegeplan enthält derlei aber und auch die realisierte Bewehrung sieht für mich als Laien sehr danach aus (ich habe ein Foto davon, wo aber noch die oberen Eisen fehlen, aber die unteren sagen meiner Meinung nach genug - kann ich posten, wenn gewünscht). Dem Statiker scheint klar gewesen zu sein, dass diese Decke problematisch ist. Die Architektin hat mit 20 cm geplant, er hat auf 25 erhöht und so wurde es auch umgesetzt (mit sehr viel Eisen).


    Ich habe mittels Laser und Dreisatz versucht, die Biegung unter der Wand zwischen Bad und Schlafzimmer zu ermitteln. Auf 4,6m sind es 3,5mm Durchhang nach unten. Ich weiss natürlich nicht, wie die betreffende Filigranplatte vorgespannt wurde und ich kenne auch nicht den Biegungswert vor dem Wegnehmen der Stützen. Gegenüber den beiden Endpunkten hängt die Unterseite jedenfalls kaum durch.


    Weiter gab es Hinweise, dass die Kombination solcher Wände mit Ringankern, auf denen kaum Auflast lastet, ebenfalls problematisch ist.


    All das liegt bei uns vor, wobei es keine Risse in der Nähe der Ringanker gibt.


    Was ich hinsichtlich der Durchbiegetheorie nicht verstehe: Warum gibt es die Risse 5 und 6? Da sind jeweils Wände drunter, und zwar ganz genau an dieser Stelle.


    Zum zeitlichen Verlauf noch: Das Haus wurde eher langsam gebaut, also keine "3 Monate bis Einzug" oder so, sondern eher 18 Monate. Insbesondere konnte der Rohbau im Winter trocknen. Ob es vor dem Innenputz (8 Monate nach dem Mauern der Wände) schon Risse gab, weiss ich nicht - ohne Putz wären die in den Lagerfugen vermutlich kaum aufgefallen. Der erste Riss ist beim Malern (7 Monate nach dem Putzen, zwei Monate vor dem Einzug) aufgefallen und wurde vom Maler zugespachtelt (Riss 9). Danach war dann eine Weile Ruhe und im Laufe der Zeit kamen die nächsten Risse, wobei ich den Verdacht habe, dass die Risse nacheinander kommen.


    Die Stützen der EG-Decke wurden etwa 28 Tage nach dem Betonieren entfernt. Allerdings wurden die OG-Wände gemauert, während die Stützen noch standen. Der Ringanker wurde am Tag nach dem Entfernen der Stützen betoniert.


    Nachdem der Meister der Rohbaufirma da war, habe ich die Risse allesamt an einer Stelle leicht vertieft und aus Gipsputz einen Marker gemacht. Passiert ist in den zwei Wochen noch nicht viel, auch wenn ich den Verdacht habe, dass sich in der Marke im oberen Teil von Riss 4 ein winziger Haarriss gebildet hat.


    Ich habe nicht vor, hier von irgendjemanden etwas zu fordern, zumal das vermutlich schwer zuzuordnen ist. Ich möchte aber verstehen, was hier passiert und abschätzen, wie lange man warten sollte, ehe man so etwas saniert, ohne dass es dann gleich wieder reisst. Die Decke wurde 8/17 gegossen, das Mauerwerk und der Ringanker des OG 9/17 und der Putz kam 5/18.


    Viele Grüße,


    Jan

  • Ich bin hier in de mThema ganz klar Laie,

    daher auch bitte meine Antworten so betrachten.


    A) Bilder mit Einen Meterstab oder Lineal sind besser als Bilder wo nur ein Riss zu sehen ist. Es fehlt ansonsten die Relation zur weissen Fläche.

    B) Ist die Decke OG betoniert ? ich hab gelesen das Ringanker vorhanden sind, das würde nein Bedeuten.

    C) Wurden die Innenwandziegel Trocken gelagert und beim Bau abgedeckt?

    D) Mehr Bilder bitte, von der damit Leute die nicht Vorort waren, sich ein besseres BIld machen können.

    E) Werden zur Hausmitte hin die Risse größer oder gleichstark auf der Hauptlänge?

    F) Achte im EG bei den Innenwänden darauf ob sich zur Deckenoberkante eine Wulst Bildet, Absplatzungen in deckennähe (nicht jedes Wandelement muss auch tragend ausgeführt worden sein.)

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Hallo,


    A) Bilder mit Einen Meterstab oder Lineal sind besser als Bilder wo nur ein Riss zu sehen ist. Es fehlt ansonsten die Relation zur weissen Fläche.


    Da hast du natürlich recht. Habe ich nachgeholt für die Risse 1 und 4. 10 kann ich gerade nicht fotografieren... Kinderzimmer mit schlafendem Kind. Die Länge der Risse ist auf den Fotos nicht ersichtlich, aber darum habe ich sie quasi maßstabsgetreu in den Grundriss eingezeichnet.




    B) Ist die Decke OG betoniert ? ich hab gelesen das Ringanker vorhanden sind, das würde nein Bedeuten.

    Holzbalkendecke, obendrauf OSB (da kommt später noch ein Fußbodenaufbau drauf mit Trockenestrich), untendran Lattung und doppelt GK. Der Spitzboden über der Decke ist geheizt und gehört zur luftdichten Gebäudehülle.


    C) Wurden die Innenwandziegel Trocken gelagert und beim Bau abgedeckt?

    Abgedeckt wurde immer, darauf wurde sehr genau geachtet. Die angebrochenen Paletten wurden nach der Arbeit auch abgedeckt, dabei eher nicht. Dessen ungeachtet hat es durchaus während des Baus des OG geregnet und die Mauern haben seitlich Wasser abbekommen (oben lag ein Planenstreifen drauf, beschwert mit Ziegelbruch oder Bohlen).


    D) Mehr Bilder bitte, von der damit Leute die nicht Vorort waren, sich ein besseres BIld machen können.


    Ich habe massenhaft Bilder und kann noch mehr machen... was genau soll ich fotografieren? Ich kann schwer einschätzen, was hilfreich ist und was nicht und will das Forum ja auch nicht fluten...


    E) Werden zur Hausmitte hin die Risse größer oder gleichstark auf der Hauptlänge?

    Die waagerechten Risse werden zu den Türen bzw. Wandenden hin größer. Die größten und längsten Risse sind 1, 2 4 und 9. Die werden jeweils zur Tür hin größer, wobei das mit Ausnahme von 4 auch in RIchtung Hausmitte ist. 10 als bodennaher Riss (siehe Farben) ist eher in der Mitte am dicksten und der ebenfalls wandnahe Riss 3 ist zur Ecke hin am dicksten. Ich habe aber den Verdacht, dass 3 und 4 "zusammengehören", also um die Ecke gehen und dass das für die anderen Paarungen an den Ecken auch zutrifft. Die meisten Risse sind auf beiden Seiten der Wand zu sehen - Ausnahme ist im Bad, wo das wegen der Fliesen nur an einer Stelle (gegenüber dem oberen Riss von 2) sichtbar ist.


    Im Urposting habe ich bzgl. der Höhe übrigens einen Fehler drin: Die blauen RIsse sind auf 200/225 cm, also über der 8. oder 9. Ziegelreihe.


    F) Achte im EG bei den Innenwänden darauf ob sich zur Deckenoberkante eine Wulst Bildet, Absplatzungen in deckennähe (nicht jedes Wandelement muss auch tragend ausgeführt worden sein.)

    Der Aufbau der Wand ist bei allen Innenwänden gleich: 10 Reihen HLZ, dann 30 cm Ringanker. Darauf liegen dann (bei den Längstwänden) die Kehlbalken. An den Kehlbalken sind Lattung und 2 x GK angebracht. Die GK-Decke ist also etwa 5 cm unter der Oberkante des Ringankers und die Unterkante des Ringankers somit 25 cm unter der GK-Decke. Da gibt es keinerlei Risse. Die Kante zwischen Wand und GK-Decke hat der Maler verschlossen, ich glaube, das war Acryl. Da ist an einigen Stellen leicht gerissen, aber das betrifft insbesondere die Dachschrägen. Darauf hatte der Maler aber hingewiesen. Gäbe es eine Stelle, wo ich diesen Übergang besonders genau untersuchen sollte? In Flur, wo ja quasi alle Wände Risse haben, habe ich mit einer Lampe nichts auffälliges an diesen Kanten sehen können.


    Laut Standsicherheitsnachweis sind sämtliche Wände im OG als tragende Wand ausgeführt und auch so berechnet (sprich, sie dienen als Auflager entweder für die Deckenbalken oder aber die Mittelpfetten).


    Viele Grüße,


    Jan

  • Hallo,


    hier noch zwei ergänzende Bilder von dem, das mich initial auf die Idee gebracht hat, dass es an der Deckendurchbiegung liegen könnte:



    Das Bild zeigt das Rissgebiet 4 und wurde etwa von dem Ort aus aufgenommen, wo im Plan "15 STG." steht. Der höhere waagerechte Riss ist deutlich zu sehen. Zusätzlich gibt es einen dünneren senkrechten Riss, der dann den Ziegelfugen folgend zu einem tiefer gelegenen weiteren waagerechten Riss übergeht. Im blauen Kreis sieht es so aus:



    Dazu muss man sagen, dass der stützende "Pfeiler" im EG (dieser "Wandvorsprung" neben der Treppe) etwa 10 cm rechts des Treppenabschlusses endet und die Innenwand (die mit Rissgebiet 3) etwa 10 cm links des Treppenabschlusses einbindet.


    Das sieht für mich (übertrieben gesagt) so aus, als würde das rechte untere Ende der Wand leicht nach rechts unten weg"kippen".


    Viele Grüße,


    Jan

  • JanRi

    zu F) du hast überlesen das ich das EG meinte. Nicht das OG. Gibt es im EG keinerlei anzeichen?vorallem naher der Decke EG ?

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Entschuldigung... da habe ich wirklich gepennt, weil ich so sehr auf das OG versteift war. Im EG gibt es in der Tat nichttragende Wände, und zwar die 11,5er Wände um Abstellkammer und Bad. Diese wurden so gebaut, dass sie 2 cm niedriger sind als die tragenden Wände, so dass die Filigranelemente gar nicht erst aufliegen konnten. Diese Fugen wurden später dann vermörtelt und dann überputzt. An diesen Stellen gibt es Risse (wie im Eingangspost geschrieben) von deutlich unter einem mm, aber keine der genannten Verformungen. Für den Bereich dieser Wände sind laut Standsicherheitsnachweis die Durchbiegungen im Zustand II für die EG-Decke (25 cm) bei maximal 0,4mm, bei der darunterliegenden KG-Decke (20 cm) aber bei 1,32mm. Unter diesen nichttragenden Wänden gibt es im KG keine Wände. Wir sind zwar vom Zustand II hoffentlich weit entfernt, aber das zeigt ja deutlich, dass die KG-Decke hier "nachgiebiger" ist als die EG-Decke, so dass ich das als zu erwartend angesehen habe. Insbesondere haben wir hier eine hohe Punktlast auf der KG-Decke - die Nische in der Abstellkammer enthält unseren 500l-Puffer für die Friwa (das wusste der Statiker aber vorher und hat es nach eigener Aussage berücksichtigt). Diese Risse sind zudem auch nur in der Abstellkammer sichtbar, in der es noch keine Malerarbeiten gab. In Bad und Flur hat die Acrylkante des Malers verhindert, dass man davon etwas sieht.


    Wenn ich dich richtig verstanden habe, zielst du aber eigentlich auf die tragenden EG-Wände (die stehen ausnahmslos auf tragenden Wänden im KG). Die hatte ich vor zwei Wochen in den kritischen Bereichen (mit hoher Belastung laut Standsicherheitsnachweis) bereits am Übergang Wand/Decke untersucht und dabei nichts auffälliges gefunden. Ich werde aber heute abend nochmal mit Leiter und Licht von seitlich alle tragenden Wände im Übergang zur Decke gezielt auf die von dir genannten Dinge hin untersuchen und das dann hier schreiben.


    Was die Risse im OG angeht: Nach den Anregungen aus dem Parallelthread habe ich mir ein Risslineal besorgt und damit nachgemessen. Meine Schätzung von 1 mm für die stärksten Risse (Nr 2 oben) passt ganz gut - 0,9 ist der korrekte Wert. Die übrigen Risse liegen zwischen 0,1 und 0,6mm.

  • Vergleichen würde ich deine Problematik nur mit der von dem JoWest . Du hast Waagrechte Rissbildung, wobei Jo senkrechte RIssbildung hat.


    Warst nicht du der, bei dem der Ringanker auch auf die Innenwände gezogen wurden? Ich hab da noch ein Altes Thema im Kopf aus diesem Forum.


    Es gibt ja nach den Bildern zu urteilen Grundsätzlich nur zwei möglichkeiten.

    1. Die Mitte des Hauses hat nachgegeben. Allerdings nur in der Decke EG. Da im KG nichts zu sehen ist, kann die Gründung also nicht sehr auschlaggebend beteiligt sein in diesem Punkt.

    2. DIe Außenwände hätten Auftrieb bekommen. Theoretischer Natur, würde sich aber auch im KG zeigen. Und die Außenwände im OG bekommen seperat keinen Auftrieb.

    3. die Innenwände im OG werden durch mechanische Hebelkräfte hochgezogen. Dafür spricht,reich mechanisch, das zu den Türen und Enden der Wände die Risse größer werden.

    Meine persönliche aber auch Laienhafte Einschätzung!.

    4. Trocknungsprozess der Mauer mit Schwund.


    Vielleicht hast du auch mal noch Paar Bilder von der Dachstatik (Baubilder).

    Mein Favorit liegt zwischen 3 und 4. (Abhängig von diesen Ringankern die ich noch im Kopf hab)

    Es liegt zwar nahe das deine Große Spannweite im EG das verursacht, aber das dürfte dann nicht am Treppenhaus auftreten oderan direkt darunter tragendenden Wänden im EG.

    Vielmehr vermute ich, das (sofern es nicht Trocknungsprozesses sind (dafür sind mir die 0,9mm schon zu viel.)

    deine OG Wände anhebelt werden, ob nun durch das Dach oder Schub/Zug auf die Außenwände kann ich nicht sagen. Dafür spricht die Hohe Anordnung der meisten Risse auf 2m höhe. (Warum sollte ausgerechnet immer da die Durchbiegung in der decke EG grösser sein, wo eine Tür im OG ist? oder das Ende einer Wand im OG?

    :lach: Leute, kennt Ihr Quarantäne-Kaffee? Der ist wie normaler Kaffee aber mit Vodka drin und ohne Kaffee. :D

  • Hallo,


    erstmal herzlichen Dank, dass du dir soviele Gedanken dazu machst - das muss auch mal gesagt werden.


    Warst nicht du der, bei dem der Ringanker auch auf die Innenwände gezogen wurden? Ich hab da noch ein Altes Thema im Kopf aus diesem Forum.

    Hmm... ein Thema hatte ich dazu nie. Wir haben aber durchgängige Ringanker - siehe Startpost. Sprich, es gibt Ringanker auf ALLEN Innenwänden im OG, dazu auf allen Außenwänden und am Giebel hoch. An den Giebelseiten läuft der Ringanker auf Höhe der OG-Decke durch und dient als Auflage für die Mittelpfetten. Zusätzlich geht er weiter nach oben. Die Übergänge zwischen den Teilen sind, soweit ich das erkennen kann und mich dran erinnere, von der Bewehrung her durchverbunden, und zwar sogar zweimal je Hausecke, nämlich innerhalb und außerhalb der Hausecke. So sieht das an der Mittelpfette aus:




    Siehst du mit den durchgehenden und verbundenen Ringankern ein Problem?

    1. Die Mitte des Hauses hat nachgegeben. Allerdings nur in der Decke EG. Da im KG nichts zu sehen ist, kann die Gründung also nicht sehr auschlaggebend beteiligt sein in diesem Punkt.

    Das checke ich nachher. Ich habe die fragliche Wand unter Riss 3 aber bereits von der Abstellkammer aus angeschaut. Der Bereich der Auflage ist nicht verputzt und man kann sich das gut anschauen - ist absolut problemlos für mich. Von der anderen Seite prüfe ich das nachher - das dürfte ja eigentlich nur die Längstwand in der Mitte und die Mauern um die Treppe betreffen.


    2. DIe Außenwände hätten Auftrieb bekommen. Theoretischer Natur, würde sich aber auch im KG zeigen. Und die Außenwände im OG bekommen seperat keinen Auftrieb.


    Halte ich bei Fels auch eher für kaum möglich. Zwischen der separat gegründeten Außentreppe (unter dem Giebelfenster des Schlafzimmer) und dem Haus gibt es auch keine Verschiebungen.



    3. die Innenwände im OG werden durch mechanische Hebelkräfte hochgezogen. Dafür spricht,reich mechanisch, das zu den Türen und Enden der Wände die Risse größer werden.

    Meine persönliche aber auch Laienhafte Einschätzung!.


    Nachdem ich an anderer Stelle davon gelesen hatte, dass Ringanker sowas beim Trocknen bzw. Schwinden gerne tun, gingen meine Gedanken auch in die Richtung.


    Was hältst du von der Reihenfolge beim Bau: EG-Decke wurde gegossen, etwa 10 Tage später wurde mit den OG-Mauern begonnen. Diese waren fertig, als etwa 28 Tage nach dem Betonieren die Stützen unter der freitragenden Decke entfernt wurden. Bringt das nicht schon eine Grundspannung auf die Mauern? Der Ringanker wurde kurz danach gegossen und wiederum kurz danach begann der Aufbau des Daches (kann ich aus den Bildern tagesgenau rekonstruieren, so nötig).



    4. Trocknungsprozess der Mauer mit Schwund.

    Hätte das nicht viel früher passieren müssen? Das ganze wurde langsam gebaut: Gemauert 9/17, Dach war Mitte 10/17 zu. Danach dann bis ca. Februar frei belüftet und erst im Mai der Putz. Schwinden HLZ so stark?


    Vielleicht hast du auch mal noch Paar Bilder von der Dachstatik (Baubilder).


    In beliebigen Mengen :-) Was genau willst du sehen? Ich fange vielleicht mit dem Querschnitt an:



    Die dargestellte Situation gibt es so nicht, weil die beiden Seiten (bis auf ein Sparrenpaar oder so) symmetrisch sind. Sprich: Dachüberstand und ca. 2,5m sind ohne Gaube (rechte Seite des Schnittes), dann die Gaube von ca. 7m (linke Seite), dann wieder 2,5m und Dachüberstand ohne Gaube und dies jeweils beidseitig. Die Gaube ist als Zwerchhaus gebaut, die Gaubenfront also durchgehend gemauert mit Ringanker oben drauf (das Minidach vor der Gaubenfront ist eher als Zierde drangebaut, das hat keine tragende Funktion). Die Gaubensparren liegen auf einer Art Fußpfette, die ihrerseits wiederum auf dem Ringanker liegt. Die Querteile (weiss den Fachbegriff nicht) unter der Firstpfette gibt es nicht, die Firstpfette ist NICHT tragend, die wird getragen.


    Im Detail wurde von dem Plan geringfügig abgewichen. Insbesondere war es durch einen Fehler des Zimmermanns nötig, die Sparren nicht direkt auf den Mittelpfetten aufzulegen. Statt dessen liegen sie auf einem Kantholz auf, das mit der Mittepfette von oben verschraubt ist. Da die Sparren aber allesamt mit den Kehlbalken (die unter der Mittelpfette hängen) vernagelt sind, sollten die horizontalen Kräfte in die Kehlbalken geleitet werden und nicht in die Bausubstanz. Diese Teile sind im Gaubenbereich noch problemlos kontrollierbar und weisen keine sichtbaren Veränderungen auf. Insbesondere haben sich an der GK-Beplankung beider Dachseiten keinerlei Risse o.ä. gezeigt.


    In dem Parallelthread hatte Thomas T. (allerdings für eine andere Dachkonstruktion) geschrieben, dass es Probleme mit unterschiedlichen Lasten geben kann. In der Tat ist die betroffene Seite (also die rechte im Grundriss) im Rahmen des Berechneten stärker belastet (PV, weiter fortgeschrittener Ausbau). Wieviel das ausmacht, könnte ich berechnen, die Frage wäre, ob das bei dieser Dachkonstruktion überhaupt eine Rolle spielt.

    Es liegt zwar nahe das deine Große Spannweite im EG das verursacht, aber das dürfte dann nicht am Treppenhaus auftreten oderan direkt darunter tragendenden Wänden im EG.

    Noch ein Bild dazu:



    Das ist der als "Brüstung" bezeichnete Teil aus "Kind 2" heraus fotografiert. Der rote Strich ist der zweite senkrechte Riss, den wir haben (etwa 0,1 mm, wobei es hier vor dem Verspachteln durch den Maler schon einen ähnlichen Riss gab, insgesamt also vermutlich eher 0,3 mm oder so). Der blaue Strich zeigt an, bis wohin im EG die stützende Mauer darunter geht (die Brüstung im EG sieht ganz genauso aus). Der blau Pfeil zeigt, welche Bewegung entstehen würde, wenn sich der freitragende Teil der Decke ganz leicht senkt. Nach meinem laienhaften Verständnis sollte das genau da, wo der rote Strich ist, Zugkräfte erzeugen, oder?



    Warum sollte ausgerechnet immer da die Durchbiegung in der decke EG grösser sein, wo eine Tür im OG ist? oder das Ende einer Wand im OG?


    In dem Artikel "Hinweise zur sinnvollen Abschätzung der Durchbiegung von Stahlbetontragwerken" von jens Minnert (so mit Google findbar) stellt der Autor auf Bild 2 genau diese Situation dar: Wand über durchbiegender Decke ohne und mit außermittiger Tür. Die mit Tür reisst genau ab der Ecke - ganz genau das haben wir an zwei Stellen (Risse 2 und 9), die zudem die stärksten unserer Risse sind.


    deine OG Wände anhebelt werden


    Würde ein Ringanker das beim Schwinden denn schaffen? Das Ding ist über den fraglichen Wände 17,5 breit und 30 hoch, also nicht gerade wenig. Es ist aber nicht abgerissen von der Wand. Die Auflast ist nicht so arg hoch. Laut Standsicherheitsnachweis (wenn ich ihn richtig interpretiere) bringt das gesamte Dach etwa 435 KN in den Lastfällen G und Q zusammen, was ja eigentlich nicht so arg viel ist. Ich konnte das aber nicht vollständig nachvollziehen und bin mir recht sicher, dass der Statiker die Auflagerkräfte der Mittelpfette auf der Außenwand (zusammen etwa 78 KN) übersehen hat, denn die berechnet er zwar für die Mittelpfette, sie tauchen aber nirgends mehr auf. Die Auflagerkräfte auf den Innenwänden sind allesamt nachvollziehbar.


    Soviel erstmal von mir... sorry, dass es wieder soviel wurde.


    Viele Grüße,


    Jan

  • Hallo,


    nun zwei Ergebnisse meiner Runde an den EG-Deckenkanten entlang mit Lampe und stark seitlichem Licht und dazu einiges an Fotos zu Decke:


    Dies ist die schlafzimmerseitige Ecke des Mauervorsprungs unter Riss 4 im EG an der Decke:



    Die Decke ist mit Vliestapete/Malervlies tapeziert. Ich frage mich, was das ist, was da nach rechts weggeht (das endet mit Bildende). Ist das eine Falte im Malervlies (wegen der Ecke) oder könnte da ein kleiner Riss drüber sein? Zerstören will ich das eher nicht... Klopfen war ohne Erfolg. Zur Einordnung: Der blaue Pfeil zeigt in die Richtung, in die die Wand zwischen Bad und Schlafzimmer geht (über dem Pfeil ist die Schlafzimmertür).


    Ich habe mich beim Fotografieren gewundert, wie die Fugen zwischen den Filigranplatten laufen und dann auf den Fotos nachgeschaut. Die Filigranplatte mit dem deckengleichen Unterzug liegt keineswegs voll auf diesem Mauervorsprung auf, sondern liegt da eher nur schmal auf. Auf dem Mauervorsprung liegt vielmehr die Querplatte zwischen den beiden deckengleichen Unterzügen (auch das nur an der Ecke):



    Der blaue Pfeil zeigt auf die Stelle, wo beim vorigen Bild der blaue Pfeil anfing. Die Platte mit dem vielen Eisen, die nach links hinten geht, ist der deckengleiche Unterzug unter der Schlafzimmerwand, bzw., genauer, knapp NEBEN der Schlafzimmerwand. Die steht nämlich an der Kante der Platte daneben, deren Armierung quer läuft (die spannt quasi zwischen den beiden deckengleichen Unterzügen). Dieses Bild ist direkt nach dem Verlegen entstanden, darum liegt da noch keine weitere Bewehrung. Von der vollständigen Bewehrung habe ich leider kein Foto (da waren wir im Urlaub). Fotos gibt es aber vom fraglichen Bereich nach dem Verlegen der unteren Bewehrung und nach der Schalung:



    Der blaue Pfeil zeigt in genau die gleiche Richtung wie beim ersten Bild.

    Die andere hochbelastete Ecke ist IMO ohne irgendwelche Anzeigen:



    In der Vergrößerung des Makromodus hat der Maler nicht besonders ordentlich gearbeitet, aber das sieht nicht gequetscht oder so aus, finde ich. Dies ist die Ecke unter Riss 7. Hier liegt (siehe Plan unten) die Platte mit dem deckengleichen Unterzug voll auf. Da es hier auch Risse gibt (Riss 9 war sogar einer der allerersten) hat das vermutlich nicht viel zu sagen.


    Dann habe ich noch die von der Abstellkammer aus sichtbaren Auflagen der Decke fotografiert:




    Das ist jeweils unter Riss 3, in Richtung Wohnzimmer fotografiert. Da über der Wand ein Plattenstoß liegt, sind dies die Platten über der Abstellkammer, die auf dem obigen Bild vorne zu sehen sind.


    Um das Thema "EG-Decke" abzurunden, hier noch der Verlegeplan:



    Ist nicht sonderlich übersichtlich (zumindest für mich als Laien), aber die Platte mit dem deckengleichen Unterzug, um die es hier geht, ist Nummer 14.


    Viele Grüße,


    Jan

  • Hallo,


    ich glaube, ich bin der Ursache einen Schritt näher. Das gehört aber nicht mehr in "Mauerwerk", sondern in "Dach" und da werde ich es auch gleich kurz und knapp posten, damit niemand vom vielen Text abgeschreckt wird.


    Viele Grüße,


    Jan