Risse Innenwände

  • Liebe Forenteilnehmer,


    leider muss ich mich erneut mit einem Problem an euch wenden.


    Ich habe im Obergeschoss unseres nicht unterkellerten Einfamilienhaus in 3 Räumen Risse in den Innenwänden, die nicht zur Ruhe kommen. Das Haus ist im Sommer 2014 fertiggestellt worden. Die ersten beiden Risse im Kinder- und im Schlafzimmer entstanden im Sommer 2016 und wurden bis in den Sommer 2017 deutlich länger. Seit dem werden sie jedes Jahr Stück für Stück länger und breiter. Im Frühjahr 2019 hat sich dann noch ein Riss im Flur gebildet.


    In den angehangen Bildern sind die Riss teils nicht so gut zu erkennen, daher habe ich sie auf den weiteren Bildern nachgemalt und noch den Grundriss des OG angehangen.


    Der Riss im Raum Kind 1 und Schlafen hat im oberen Bereich eine Rissbreite von 1 mm und wird dann nach unten hin schmaler. Der Riss im Flur hat oben 0,2 mm und wir dann schmaler.


    Ich befinde mich gerade in der Terminfindung bezüglich der Begutachtung durch einen örtlichen Sachverständigen.


    Ich würde dennoch vorher gerne noch eure Einschätzung hören.


    Danke & Grüße

    Lars2006

  • naja, die einfachste Erklärung wäre für mich, dass das Mauerwerk irgendwie Verbindung mit der Kehlbalkenlage hat und dadurch Druck bekommt. Die Risse erscheinen mir oben breiter als unten. Ich würde mal in die Richtung suchen.

    Jochen

  • Hallo Jochen,


    danke für den Hinweis. Und ja, die Risse werden von oben nach unten breiter.


    Wie kann man den am besten feststellen das dies der Fall ist? Muss man dazu die Rigipsplatten in dem Bereich demontieren?


    Und wenn das der Grund wäre, was ist dann die Lösung? Es scheint dann ja so das der Dachstuhl etwas "abgesackt" ist.


    Danke & Grüße

    Lars

  • Hallo,


    ich habe gerade ein sehr ähnliches Riss-Problem (das poste ich aber später separat, um das hier nicht zu verwässern, aber dazu muss ich noch alle Fakten sauber aufschreiben).


    Gibt es auf deinen Innenwänden einen Ringanker oder Ringbalken?


    Viele Grüße,


    Jan

  • Hallo Jan,


    ich habe gerade mal in die Unterlagen geschaut und bei gibt es weder das eine noch das andere. In der Statik steht das die räumliche Steifigkeit durch Flachanker zwischen Innen- und Außenwänden erreicht wird. Dazu steht noch das in der obersten Schicht Steine der Klasse PPW4 verwendet werden sollen.


    Grüße

    Lars

  • Hallo zusammen,


    nach Ralfs Hinweis mit der Deckendurchbiegung habe ich vor allem für mich noch den Grundriss EG und OG übereinandergelegt. Die blauen Linien zeigen die Position der Wände im OG. Hier schon mal Sorry für meine schlechten Malkünste.

    Mit den roten Punkten habe ich wieder die Rissstellen markiert. Die beiden dicht beieinanderliegen mit 1 mm breite im oberen sind die die mir sorgen bereiten.

    In der Folge habe ich die Decke nochmal von unten angeschaut und bei richtigem Lichteinfall kann man einen Knick in der Decke erkennen. Ich habe dann mit Wasserwaage und Milimetermaß versucht den "Knick" so gut wie möglich zu vermessen. Ich habe den Verlauf des "Knicks" in Grün in das Bild eingezeichnet. Er ist schnurgerade, scheint mir aber nicht der Stoßkante von einer Platte zur nächsten zu sein. Die Decke fällt hier 2-3 mm Richtung Wohnzimmer nach unten ab und würde so meiner Meinung zum Rissverlauf im Raum Kind 1 passen.


    Vielleicht hilft das als Info ja noch.


    Grüße

    Lars

  • Google mal nach "Hinweise zur sinnvollen Abschätzung der Durchbiegung von Stahlbetontragwerken" von

    Jens Minnert. Bild 2 zeigt typische Rissbilder von Deckendurchbiegungen (so ähnlich sehen meine Risse auch aus).


    Ob die Decke wirklich einen Knick hat, kannst du doch mal nachmessen: Nimm einen Laser (Laserpointer oder so) und befestige den an geeigneter Stelle so, dass er halbwegs parallel unter der Decke entlangleuchtet. Dann den Abstand zwischen Decke und Laserstrahl an mehreren Stellen messen und auftragen. Bei einer perfekt ebenen Decke müsste man sämtliche Abstände per Dreisatz alleine anhand des Abstandes an den Enden ermitteln können... einen Knick sollte man damit ermitteln können.


    Ist das eine Filigrandecke? Weisst du, wo die Elementgrenzen liegen?

  • Bei einer perfekt ebenen Decke müsste man sämtliche Abstände per Dreisatz alleine anhand des Abstandes an den Enden ermitteln können ...

    Es (fast) keine perfekt ebenen Decken. (Fast) alle Decken hängen planmäßig durch. Um eine im Ergebnis fast perfekt ebene Decke zu bekommen, müsste diese mit einer Überhöhung hergestellt werde, welche den späteren Durchhang kompensiert. Das geht in Grenzen, ist aber beim EFH eher der Ausnahmefall. Mit Filigrandecken lässt sich dies meines Wissens nicht realisieren.


    Schlaff bewehrte Stahlbetonbauteile schwinden und kriechen, was es schwierig macht, eine dauerhaft passende Überhöhung einer Decke korrekt vorherzusagen, denn der Durchhang und damit auch die erforderliche Überhöhung ändert sich im Laufe der Zeit.

    einen Knick sollte man damit ermitteln können.

    Decken hängen typischerweise in Kurvenform durch, nicht mit klaren Knickpunkten. Die rechnerischen Biegelinien hängen vom statischen System und damit der Auflagerung auf tragenden Bauteilen ab.


    Von einer Messung allein würde ich mir nicht allzu tiefgreifende Erkenntnis erwarten, denn alle durchschnittlichen Decken hängen durch und das gemeinerweise in den mindestens vorhandenen beiden Hauptrichtungen der Decke auch noch einmal unterschiedlich.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • ...

    ich habe gerade mal in die Unterlagen geschaut und bei gibt es weder das eine noch das andere. In der Statik steht das die räumliche Steifigkeit durch Flachanker zwischen Innen- und Außenwänden erreicht wird. Dazu steht noch das in der obersten Schicht Steine der Klasse PPW4 verwendet werden sollen.

    ...

    Dein Sachverständiger hat eine kleine Herausforderung vor sich ;)


    Deckendurchbiegung: Ist durchaus möglich, für mich aber zur Zeit eher unwahrscheinlich.


    Dachkonstruktion: Sehr wahrscheinlich, dass da "zusätzliche" Lasten eingeleitet wurden.


    Gesamtkonstruktion: Die Wände stehen nicht übereinander. Die Risse deuten auf Querkraft hin. Ringbalken ist zu teuer, also nicht erforderlich. Etwas festere Steine werden wohl reichen ;(


    Wer hat denn die Statik gemacht? DEIN Statiker oder der GU/GÜ?


    PS.: Zu den "Flachankern" in Hinblick auf die "räumliche Steifigkeit" mögen sich die ausgewiesenen Statiker äußern. Mich graust es da gewaltig.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Decken hängen typischerweise in Kurvenform durch, nicht mit klaren Knickpunkten.

    Stimmt absolut. Der Knick würde auch gar nicht zu einer Durchbiegung passen. Ich tippe auf etwas ungenau verlegte Filigranplatten.

    Deckendurchbiegung: Ist durchaus möglich, für mich aber zur Zeit eher unwahrscheinlich.

    Es gibt keine Decke ohne Durchbiegung.

    PS.: Zu den "Flachankern" in Hinblick auf die "räumliche Steifigkeit" mögen sich die ausgewiesenen Statiker äußern.

    Die sind zugelassen und verbinden das Mauerwerk zugfest. Druck muss nicht aufgenommen werden.


    Mir fehlt ein Ringanker im DG wenigstens auf den tragenden Wänden. Außerdem sollte überprüft werden, ob die zulässige Durchbiegung der Decke im Zustand II (gerissener Beton) eingehalten ist.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Hallo zusammen,


    erstmal wieder vielen Dank für die Beiträge.


    Wer hat denn die Statik gemacht? DEIN Statiker oder der GU/GÜ?

    Die Statik wurde von einem externen Statiker gemacht der durch den GÜ beauftragt wurde. Ich gehe aber auch aufgrund der örtlichen Situation davon aus, dass beide sehr eng verbandelt sind.


    Mir fehlt ein Ringanker im DG wenigstens auf den tragenden Wänden. Außerdem sollte überprüft werden, ob die zulässige Durchbiegung der Decke im Zustand II (gerissener Beton) eingehalten ist.

    Es gibt im DG laut den Plänen keine tragenden Wände. Ich habe nochmal in die Statik geschaut, da steht für das Dachgeschoss, dass ein Ringbalken im Giebel eingebaut wurde.


    Wie vorher schon vermutet wird nur ein Ortstermin klären können was der Grund ist. Ich warte jetzt darauf das der SV mir einen Termin nennt, zu dem er sich das anschauen wird.


    Dennoch danke ich hier schon mal für die Anregungen und melde mich gerne wieder wenn ich ein Ergebnis habe.


    Grüße

    Lars

  • ...Verschiebliches Kehlbalkendach...

    Das schreibt ein Zimmermann:

    "Der Nachteil dieser Konstruktion: bei unterschiedlichen Belastungen der Dachflächen, kann es zu Verschiebungen kommen. Falls du einen ausgebauten Dachgeschoss haben möchtest empfiehlt sich diese Konstruktion nicht. Bei einseitiger Schneelast (z.b. durch Abtauen) kann das zu Rissen an Decken und Wänden führen."


    Vermutlich ist das ein Grund für die Risse, weil die Wände durch die Gk-Beplankung alle Bewegungen mitmachen müssen.


    Falls die Decke tätsächlich nur 20 cm dick ist, könnte auch die ggf. zu große Durchbiegung ihren Beitrag leisten.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • ...Bilder aus der Rohbauphase...

    Oh je, auch noch mit Wechseln, Krüppelwalm und Stummel"pfetten". Da hat wohl einer ein für den Zweck unpassendes statisches System gewählt.


    Ich hatte in meinem mittlerweile recht langen Berufsleben noch kein Kehlbalkendach im Neubau und käme auch nicht auf so eine Idee. Da ist durch die unterschiedlichen Lasten einiges an Bewegung bzw. Verformung drin, so dass mich die Risse nicht wundern.

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    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    danke für deine Einschätzung.


    Der Dachboden ist nicht ausgebaut und wird nur als Lager verwendet.


    Mein Verständnis wäre es nun das wir zu viel Zeug da oben haben und das Dach deswegen auf die Wand drückt?

    Ich lebe in Norddeutschland, Schnee gibt es hier praktisch seit Jahren nicht mehr.


    Grüße

    Lars