Streifen in Holzdielen nach Schleifen und Ölen durch Holz-Experten :(

  • Liebes Forum. Ich wollten den Altberliner Dielen in meiner Wohnung etwas Gutes tun und habe sie von einem selbst ernannten Holz-Experten abschleifen und ölen lassen. Heute habe ich das Ergebnis gesehen und bin etwas erschrocken: In beiden Zimmern ist mittig ein deutlich erkennbarer Streifen, der bahnweise heller ist als der Rest. Für mich als Laie sieht das nach einem Fehler beim Schleifen aus. Der Experte sagt aber, dies sei normal und meine Schuld, weil ich wollte, dass die Dielen geölt werden und nicht lackiert. Wie sind eure Einschätzungen dazu? Liegt es wirklich daran, dass ich Öl haben wollte? Vielen Dank für eure Hilfe!! Florian




  • Der Streifen wird wahrscheinlich deswegen vorhanden sein, weil in Raummitte die Hauptlaufrichtung ist und die Dielen dort weiter " durchgetreten sind " als an den Rändern. Da kam der Experte beim Schleifen mit der Tellerschleifmaschiene weniger gut ran oder hätte zuviel an den Rändern abschleifen müssen.


    Im Übrigen habe ich noch nie verstanden, warum in Berlin die " Altberliner Dielen " auf Holzbalkendecken so " begehrt " sind. An sich sind sie die Tragkonstruktion auf der Holzbalkendecke und die sollte man tunlichst durch Abschleifen nicht schwächen. Unabhängig hiervon wird die Trittschalldämmung in solchen Wohnungen " " grottenschlecht " sein. In den " alten Bundesländern " wird deshalb auf solche Böden zumindest ein Teppichboden verlegt.


    Der Berliner räumt den Oberbelag weg und schleift an der ausgetretenen Tragkonstruktion herum , weil er sich Parkett mit Trittschalldämmung nicht leisen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass der Experte nicht auch noch die Nagelköpfe weggeschliffen hat.

  • Da muss ja voher ein Belag gewesen sein. Mit doppelseitigem Klebeband befestigt? Vielleicht waren es Rückstände vom Kleber, die verhindert haben, dass das Öl gleichmäßig einzieht.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Der Fachmann lehnt solche Arbeiten ab, auch wenn der Kunde dies noch so sehr wünscht.

    Erlebe dies so oft, und leider sind viele Kunden hier beratungsresistent!

    Wie sich dies hier verhalten hat, wissen nur die beteiligten Personen!


    LG Oliver

  • Unabhängig hiervon wird die Trittschalldämmung in solchen Wohnungen " " grottenschlecht " sein.


    Wir haben vor 15 Jahren in Berlin unter so einer Wohnung gewohnt (war ein Altbau aus der Gründerzeit). In den ersten Jahren ging es, dann wurde mit einem Mieterwechsel wohl der Teppich weggetan und genau so ein "Kunstwerk" etabliert. Besonders erschwerend kam hinzu, dass die Mieter mit Vorliebe nachts mit irgendwelchen harten Schuhen da rumgelaufen sind. Das war grausam! Mehrere Beschwerden beim Vermieter hatten keinen Effekt, so dass wir dann ausgezogen sind (das war zu der Zeit, als es in Berlin mehr Wohnungen als potentielle Mieter gab, also ehe die Mietpreise stark angezogen haben). Die beiden Mietwohnungen, die wir in den Jahren bis zum Hausbau danach noch hatten, waren jeweils Dachgeschosswohnungen - aus genau diesem Grund. Sowas tut man sich nur einmal an.

  • Liebes Forum. Ich wollten den Altberliner Dielen in meiner Wohnung etwas Gutes tun und habe sie von einem selbst ernannten Holz-Experten abschleifen und ölen lassen. Heute habe ich das Ergebnis gesehen und bin etwas erschrocken: In beiden Zimmern ist mittig ein deutlich erkennbarer Streifen, der bahnweise heller ist als der Rest. Für mich als Laie sieht das nach einem Fehler beim Schleifen aus.

    Solche scharf begrenzten geraden Streifen können auf unterschiedliche Weise entstehen:

    1. Teppichklebeband reagiert mit dem Untergrund (Beschichtung, Holz, ...) reagiert und bleicht das Holz dabei. (Sehr wahrscheinliche Ursache)
    2. Nach dem Auftragen der Oberflächenbehandlung liegt mehrere Wochen bei starkem Sonnenlicht eine Latte, ein Brett o.ä. ohne jede Veränderung auf dem Boden. Das Nachdunkeln durch das Sonnenlicht wird nur exakt unter dem Bett verhindert. (Bei ganz frischem Abschliff und Oberflächenbehandlung kaum möglich)
    3. Die Oberflächenbehandlung wird nicht in einem Arbeitsgang vollflächig aufgetragen, sondern in mehreren Arbeitsschritten. (Möglich, aber wegen der geringen Breite der Streifen hier unwahrscheinlich. Das machen auch allenfalls völlige Amateure ohne Anleitung)
    4. Nach dem vollflächigen Aufbringen der Oberflächenbehandlung wird noch einmal ein Streifen quer zur Faser nachgeschliffen. (Völlig unfachmännisch, wäre auch als leichte "Rinne" in der Oberfläche zu sehen und zu fühlen. Abgesehen davon sind die Schleifbänder von Lägler und Co über 20 cm breit.)

    Lediglich Ursache 4 hätte etwas mit den Schleifen zu tun. Deine Vermutung liegt also sehr wahrscheinlich falsch.

    Der Experte sagt aber, dies sei normal und meine Schuld, weil ich wollte, dass die Dielen geölt werden und nicht lackiert.

    Und wie erklärt er das genau? Hat er Dir vor der Ausführung diese Gefahr erläutert? Dein "Experte" liegt hier ebenfalls daneben und hat von der tatsächlichen rechtlichen Situation nicht einmal eine Ahnung. Ich hielte Deinen Experten nur dann für einen solchen, wenn er gelernter Parkettleger wäre. Das sind in B die wenigsten selbst ernannten Holzbodenexperten, die meist erst dreimal eine Boden abgeschliffen haben und sich vor allem am vermeintlich schnell verdienten Geld erfreuen wollen.

    Liegt es wirklich daran, dass ich Öl haben wollte?

    Kaum. Ich kann Dir aber einen Parkettlegermeister meines Vertrauens als Gutachter empfehlen. Sein Gutachten könnte aber teurer sein, als Dein "Handwerker" für Dich war.

    Der Streifen wird wahrscheinlich deswegen vorhanden sein, weil in Raummitte die Hauptlaufrichtung ist und die Dielen dort weiter " durchgetreten sind " als an den Rändern. Da kam der Experte beim Schleifen mit der Tellerschleifmaschiene weniger gut ran oder hätte zuviel an den Rändern abschleifen müssen.

    1. Grobe Dielen wie hier werden üblicherweise mit Walzenschleifmaschinen z. B. der Fa. Lägler bearbeitet. Da dies bei den besonders stark abtragenden ersten Arbeitsgängen in mehreren gegengerichteten Diagonalgängen passiert, kann das geschilderte Problem so nicht entstanden sein.
    2. Tellerschleifmaschinen werden für Feinarbeiten auf Hartholzparkett eingesetzt, nicht auf Nadelholzdielen.
    3. Laufspuren sind erheblich breiter als 6 oder 8 cm und nie scharf begrenzt. Sie laufen auch nie exakt gerade und exakt rechtwinklig zur Außenwand auf diese zu.

    Die Argumentation geht in allen Teilen völlig an der Sache vorbei.

    An sich sind sie die Tragkonstruktion auf der Holzbalkendecke und die sollte man tunlichst durch Abschleifen nicht schwächen.

    Das ist grundsätzlich richtig, jedoch haben gerade diese über einhundert Jahre alten Dielen mit ihren ursprünglichen Stärken von über 40 mm meist noch deutliche Tragfähigkeitsreserven. Kritisch wird es meist erst, wenn die Feder angeschliffen wird, also rd. ein Drittel der ehemaligen Stärke weg ist. Ja, wir haben das in der Uni im ersten Semester in einer der ersten Übungen zur Tragwerkslehre ausgerechnet - als ganz praktische und lebensnahe Betrachtung. Und der Daumenwert meines Haus- und Hof-Parkettlegers für historische Kiefer-Dielen entspricht dem exakt, s.o..

    Unabhängig hiervon wird die Trittschalldämmung in solchen Wohnungen " " grottenschlecht " sein.

    Das ist korrekt. Daran ändern aber die pro Abschliff üblicherweise verlorengehenden 0,8 - 1,5 mm Dielenstärke praktisch nichts.

    In den " alten Bundesländern " wird deshalb auf solche Böden zumindest ein Teppichboden verlegt.

    Auch in den "neuen Bundesländern" war dies lange Zeit üblich. Mit direkt verlegter "Auslegware" sah dies ohne Zwischenlage wegen der Fugen aber schon nach wenigen Tagen "sehr lustig" aus. Mit lose verlegten dicken ("Orient-") Teppichen ging es einigermaßen. Aber wer konnte sich die schon leisten?

    Der Berliner räumt den Oberbelag weg und schleift an der ausgetretenen Tragkonstruktion herum , weil er sich Parkett mit Trittschalldämmung nicht leisen kann.

    Eine fachgerechte Verlegung von Parkett auf Dielung erfordert in der Tat einen deutlich größeren Aufwand, den sich nur die wenigsten Nutzer leisten wollen. Ich hoffe 'mal, dass Du hier nicht lose verlegtes Laminat oder Fertigparkett auf den beliebten "Trittschallmatten" von 2 - 4 mm Stärke meinst. Die Kombi macht es regelmäßig noch schlimmer als es vorher war. Und ich frage mich immer, weshalb Bauphysiker schon an der Leistungsfähigkeit aller Materialien zweifeln, die dünner als 10 mm sind.

    Bleibt nur zu hoffen, dass der Experte nicht auch noch die Nagelköpfe weggeschliffen hat.

    Das könnte man sich gut vorstellen, zumal er das vernünftige Schleifen in Randnähe nicht ansatzweise beherrscht. Insgesamt scheint er auch nicht fein genug geschliffen zu haben oder auf das Nachpolieren mit der Tellerscheibe verzichtet zu haben. Aber die Nagelköpfe sehen immerhin versenkt aus. Der ist trotzdem nicht nur kein Meister, sondern nicht einmal ein Geselle seines Gewerks, dieser "Experte".

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Vielen Dank für eure Einschätzungen. Mir war nicht klar, wie schwierig und fehleranfällig das Abschleifen ist. Aber ja, der Herr war auf jeden Fall etwas zu selbstbewusst für seine Fähigkeiten :/