Wieviel Handläufe sind erforderlich ?

  • Im 9-Parteien-Wohnhaus (Eigentumswohnungen) hat die unterste dreistufige Treppe eine lichte Breite von 153 cm. Ein Handlauf wurde abwärts gesehen linksseitig montiert.
    Lege ich DIN 18065 und die Bayer. Bauordnung korrekt aus, dass die Verkehrssicherheit zwei Handläufe erforderlich macht?

    Ich beabsichtige die Abnahme des Gemeinschaftseigentums aus diesem Grund abzulehnen.

  • Im 9-Parteien-Wohnhaus (Eigentumswohnungen) hat die unterste dreistufige Treppe eine lichte Breite von 153 cm. Ein Handlauf wurde abwärts gesehen linksseitig montiert.

    Halten wir fest:

    • Ein Treppenlauf von drei Stufen
    • weist eine lichte Breite von 1,53 m auf.

    Die Seite des Handlaufs spielt keine Rolle.

    Lege ich DIN 18065 und die Bayer. Bauordnung korrekt aus, dass die Verkehrssicherheit zwei Handläufe erforderlich macht?

    Nein.


    Die in Bayern "bauaufsichtliche eingeführte" DIN 18065 verlangt bei oberflächlicher Lektüre keinen 2. Handlauf, unabhängig von der Treppenbreite.


    Nach Art. 32, (6) 1. BayBO ist ein zweiter Handlauf erforderlich bei einem "Gebäude mit mehr als zwei nicht stufenlos erreichbaren Wohnungen". Ob es sich beim TS darum handelt, ist nicht bekannt. Dieser Umstand wäre bei Vorhandensein eines Aufzuges aber vermutlich nicht gegeben.


    Die Forderung nach einem zweiten Handlauf kann sich also auf dem vorliegend bekannten Faktenstand nur aus der eventuellen Aufzugslosigkeit des Hauses ableiten, nicht aus einer abstrakten "Verkehrssicherheit".


    Bei Aufzugslosigkeit träte bei einer Stufenbreite von 1,53 m aus den anderen Regelungen der DIN 18065 übrigens ein interessantes Phänomen auf: Mit einem lichten Wandabstand von mind. 5 cm und einem Durchmesser von ca. 4 cm (sichere Umgreifbarkeit!) eines sicher umgreifbaren Handlaufs wäre nur noch eine lichte Breite von 1,45 m gegeben, welche wiederum nur einen Handlauf erfordert. Der selbe Effekt würde auch bei einem Putzauftrag von 3 cm oder auch einem Schrammbord dieser Stärke auftreten.

    Ich beabsichtige die Abnahme des Gemeinschaftseigentums aus diesem Grund abzulehnen.

    Beim Neubau eine Gebäudes mit 9 Wohneinheiten ist ein fehlender Handlauf, der nur durch Maßabweichung um 3 cm fehlt, meines Erachtens sicher kein wesentlicher Mangel, der zur Verweigerung der Abnahme nach BGB berechtigen würde.


    Diese Ablehnung dürfte also keine Bestand haben.


    Eine sinnvolle und übliche Vorgehensweise wäre eine Abnahme mit festgestellten Mängeln, die mit Fristsetzung zu beseitigen sind. Dies kann durch Einbehalt der doppelten Mangelbeseitigungskosten unterlegt werden, hier also einigen hundert Euro.


    Deine Absicht wirkt völlig überzogen, die Argumentation praxisfern und an den Haaren herbeigezogen. Aber Dir geht es ja nach diesem anderen Thread anscheinend vor allem darum, die Abnahme über den 30.6.20 hinaus zu verzögern. Das wird so kaum gelingen! Die berechtigte Verweigerung der privatrechtlichen Abnahme eines gesamten Bauwerks ist nach dt. Werkvertragsrecht eine relativ seltene Ausnahme. Der Normalfall ist die Abnahme mit festgestellten Mängeln.


    Ich selbst habe in rd. 25 Berufsjahren erste eine einzige berechtigte privatrechtliche Abnahmeverweigerung erlebt. Dort waren bei einer ETW im 7. OG die folgenden Mängel vorhanden:

    • fehlender Hausanschluß Elektro
    • Aufzug nicht abschließend extern geprüft und nicht fahrbereit
    • Heizungsanlage am Abnahmetag (20.12.) nicht betriebsbereit
    • ein Bad nicht gefliest
    • nur eine von 3 Toiletten an die Entwässerung angeschlossen.

    Der Unterschied zu einem möglicherweise fehlenden Handlauf ist hoffentlich klargeworden!?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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