feuchte Wand: Kondensat oder undichtes Dach?

  • Liebe Community,


    ich möchte euch ein Foto einer feuchten Wand im Dachgeschoss zeigen und gern eure Meinung dazu hören.

    Ein Techniker wird sich das Dach und die Wände anschauen. Mich würde jedoch auch eine zweite Meinung hier aus dem Forum interessieren, auch um später einschätzen zu können, ob die spätere Aussage des Technikers plausibel ist.


    Hinter dem großen etwas dunkleren Bereich in der gesamten rechten Bildhälfte befindet sich vermutlich ein stillgelegter Schornsteinschacht, da es eine alte Ofencke ist. Die gelblichen Flecken in der oberen rechten Ecke werden von einem Feuchtemessgerät auch als feucht angezeigt.

    Als Laie könnte ich mir vorstellen, dass die Flecken eher durch kondensiertes Wasser aus der Raumluft von innen entstanden sind als durch Feuchtigkeit von außen. Doch ich stelle mir die Frage, ob die früheren Bewohner nur zu wenig geheizt und gelüftet haben und man "nur" die Wand trocknen und danach genug heizen und lüften müsste, damit die Wand trocken wird und bleibt. Oder ob die Gefahr besteht, dass die Feuchte trotzdem zurückkehrt, weil die Wand dort immer zu kalt bleibt oder vielleicht sogar das Dach oder der Schornsteinschacht undicht ist.


    LG Phobos


  • Eine Versottung des Schornsteins ist nach Deiner Beschreibung die wahrscheinlichste Hauütursache.

    Durch die Versottung entstehen Salze. Salze sind hygroskopisch (Wasser anziehend).


    Zudem können Schäden am Schornsteinkopf bzw. Undichtigkeiten beim Dachanschluss vorliegen, die das ganze verstärken.


    Was zu machen ist, hängt von den Ursachen ab. Da schweigt meine Kristallkugel leider noch.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Anhand allein eines Fotos ohne Maßstab gebende Elemente und anhand der Schilderung lässt sich die Gesamtsituation noch nicht ausreichend nachvollziehen, um begründete Vermutungen äußern zu können. Mir fehlen:

    • Bilder der äußeren Umgebung der vermuteten inneren Feuchtigkeit
    • ein Schnitt und ein Grundriss der kritischen Stelle
    • Nennung des für die Feuchtemessung genutzten Messgerätes und der festgestellten Messwerte inkl. Temperatur und Feuchte der Raumluft, am besten eingetragen in eine Innenansicht der Wand

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Vielen Dank für eure Antworten!


    Julius

    Ich bin Kaufinteressent.


    Skeptiker

    Du hast Recht, dass das Foto eine Zumutung ist. Ich müsste den Eigentümer dann mal fragen, ob ich Fotos, auf denen die Wohnung identifizierbar wäre, und einen Grundriss hier hochladen darf. So lange habe ich erst einmal kurz eine primitive Skizze gemacht.



    Hinter der leicht dunkleren rechten Hälfte des Fotos ist der etwa 80 cm breite stillgelegte Schornsteinschacht. Am oberen Ende des Fotos ist gleich die Decke, d.h. man sieht etwa den obersten Meter der Wand.


    Zur Feuchtemessung:

    - Gann Hydromette Compact B

    - 23°C

    - 43% rel. Luftfeuchte

    - Messwerte:

  • Wie ich hier immer wieder schreibe: Bei der Benutzung von Messgeräten ist die Interpretation der "Mess"ergebnisse die eigentliche Leistung.


    Die Hydromette hat also 55 Digits angezeigt. Das ist nach Link 1 und Link 2, Seite 22 nahezu unabhängig vom vorgefundenen Material ein Indiz für eine völlig normale Bauteilfeuchte im Bereich der Ausgleichsfeuchte. Insofern ist die Wand hier vermutlich geringfügig feuchter als in der Umgebung aber keineswegs in einem kritischen oder gar schimmelpilzgefährdeten Maß. Insofern besteht wahrscheinlich kein Grund zu besonderer Sorge. Ohne einen Blick auf das Dach würde ich an dieser Stelle auch bei einer Ortsbesichtigung jede weitere Aussage vermeiden.


    Dieser Punkt ist also im Kontext des Gesamtobjektes zu bewerten. Im größeren Altbau würde ich bei einer ETW in einer WEG dem Punkt keine größere Beachtung schenken, zumal die Kosten einer Sanierung - wenn denn überhaupt jemals erforderlich - von der WEG zu tragen wären. Beim EFH würde ich mir das Dach von außen ansehen - beim einem Haus aus dem 21. Jhdt. genauer.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Ganz unabhängig von dieser einen Verdachtsstelle empfehle ich dringend, generell vor dem Kauf gebrauchter Gebäude einen versierten Sachverständigen beizuziehen!

    Kostet zwar etwas, spart aber in aller Regel auch Geld ein, sehr oft das Vielfache seiner Kosten.


    Geht es um eine Wohnung (WEG) oder das ganze Haus?

  • Vielen Dank für die Einschätzungen und Tipps :)


    Es geht um eine Wohnung in einer WEG. Dach und Schornstein sind Gemeinschaftseigentum. Meine Sorge ist, ob 1. die WEG bereit und in der Lage wäre einen möglichen Schaden zu beheben / das Dach zu sanieren und 2. wie lange sie das hinauszögern würde.

    Wenn ich die Wand jetzt trockne und neu tapeziere, könnte ich mir vorstellen, dass die Tapete nach kurzer Zeit wieder feucht / dunkel / hässlich wird, und ich so lange damit leben muss, bis die WEG das Dach sanieren lässt.

    Ich bin gespannt, was der Techniker nach der Begutachtung sagt.

  • Vor Kauf von gebrauchtem WEG-Eigentum sollte man stets Einblick in die Protokolle der Eigentümerversammlungen der vergangenen Jahre nehmen und auch die aktuelle Höhe der Instandhaltungsrücklage erfragen.


    Dann kann man besser einschätzen, ob die Eigentümergemeinschaft fähig, willens und in der Lage ist, ihren diesbezüglichen Instandhaltungsnotwendigkeiten nachzukommen!

    Und ob der Verwalter taugt...

  • Die letzten 3 Protokolle habe ich gelesen und grundsätzlich scheint sich die WEG und Verwaltung um bestehende Probleme zu kümmern. Es war jetzt eben eine längere Periode ohne große Sanierungen. Planungen für eine Dachsanierung in den nächsten 5 Jahren gibt es aber schon.


    Der Techniker hat sich die feuchte Wand jetzt angesehen und meinte auch, dass es eine Versottung ist und dass die WEG eine Versottungssperre übernehmen würde. In welcher Form genau, haben wir nicht besprochen. Ich denke, im Zweifel müsste ich das eben selbst übernehmen, wenn z.B. der Putz entfernt und dahinter abgedichtet werden sollte.
    Jedenfalls sieht es laut ihm nicht danach aus, als würde Feuchtigkeit vom Dach aus in den Schornstein gelangen.
    Was ich verhindern möchte, ist, dass wenn die Wand saniert und tapeziert würde, das Problem hinterher nach einiger Zeit wiederkommt.

  • Nach einer "fachgerechten" Sanierung ist infolge der Versottung kein Folgeschaden zu erwarten.


    Ob eine "einfache" (ist nicht wirklich 'einfach') Sperrung reicht, sollte nach Entfernung des Putzes VOR ORT beurteilt werden.

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18