Nachträglicher Ausbau und Dämmung des Spitzboden

  • Hallo liebe Forummitglieder,


    ich wurde von einem Freund gefragt, ob beim nachträglichen Ausbau des Spitzbodens als Wohnraum eine Dampfsperre erforderlich ist.


    Ich habe mir hier schon mal ein paar Beiträge zum Thema durchgelesen. Leider waren die abschließenden Aussagen nicht ausreichend vollständig oder es waren nicht die selben Voraussetzungen. Deshalb eröffne ich einen neuen Thread.


    Da beim Gebäudebau aufgrund der unterschiedlichen Ausführungen selten pauschale Aussagen getroffen werden können, habe ich meinen Freund gebeten, mir detailierte Angaben zu seinem Haus zu geben. Da sein Hausbau erst wenige Monate zurückliegt, konnte er mir mithilfe der Unterlagen sehr detailierte Angaben und sogar eine selbst angefertigte Zeichnung geben. :)



    Es handelt sich um ein EFH, Satteldach 45°, Erd- und Obergeschoss sind luftdicht, Spitzboden nicht ausgebaut, Zugang zum Spritzboden über ausklappbare Bodentreppe, Spitzboden mit zwei Fenstern, keine Lüftungsanlage, Spitzboden soll als Wohnraum genutzt und daher auch beheizt werden.


    Die Dachsparren sind 24cm breit und mit Klemmfilz (gelb) ausgestattet werden. Dieser soll auch im Spitzboden verwendet werden (ebenfalls gelb). Die Unterspannbahn (rot) wurde außerhalb der Dachsparren angebracht und ist diffusionsoffen Sd=0,02. Die Dampfsperre (blau) versiegelt das komplette Obergeschoss und soll einen Sd-Wert von >100 haben. Nun ist die Frage, ob zwischen Konterlattung und Dämmung eine Dampfsperre (grün) angebracht werden soll und ob diese den kompletten Spitzboden "versiegeln" soll. Also auch unter den Bodenbrettern.


    Viele Grüße und vielen Dank schon mal für eure Zeit

    Harald

  • Denn zulässige Aufenthaltsräume werden es wohl nicht werden können, oder?

    Das ist zu vermuten, denn warum sonst denkt jemand an einen Ausbau, wenn

    sein Hausbau erst wenige Monate zurückliegt

    Das hätte er sonst direkt beim Bau für einen Bruchteil der Kosten und den zu erwartenden Schwierigkeiten haben können.

  • Ist der Ausbau des Spitzbodens als Aufenthaltsraum baurechtlich genehmigungsfähig? Nach der Skizze habe ich da schon bei der notwendigen Treppe und der erforderlichen Raumhöhe (mind. 2,3 m über der Hälfte der Grundfäche mit h > 1,5 m) Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

  • Welche Art von Nutzung des "Wohnraums" ist denn vorgesehen?

    Denn zulässige Aufenthaltsräume werden es wohl nicht werden können, oder?

    Das soll wohl ein Hobbyraum mit Nähmaschine usw. werden.


    Ist der Ausbau des Spitzbodens als Aufenthaltsraum baurechtlich genehmigungsfähig? Nach der Skizze habe ich da schon bei der notwendigen Treppe und der erforderlichen Raumhöhe (mind. 2,3 m über der Hälfte der Grundfäche mit h > 1,5 m) Zweifel an der Genehmigungsfähigkeit.

    Die gültige Landesbauordnung verbietet die Nutzung des Spitzbodens als Hobbyraum nicht. Auch der vorhandene Zugang ist zulässig. Es ist jedoch kein Vollgeschoss.


    Ich bin mir nicht sicher, ob das für die Beantwortung der Frage relevant ist. Es geht nur um ein bautechnische Frage. Es wird auch nicht selbst ausgebaut. Wir würden nur gern von Fachleuten erfahren, wie es in der Praxis nach den Regeln der Technik umgesetzt wird. Wir haben uns natürlich auch schon mit anderen ausgetauscht. Aber ich denke, dass das hier Fachleute lesen, die diese Arbeit regelmäßig bewerten und planen.


    Viele Grüße

    Harald

  • Hallo Harald,


    gerade Fachleute fragen sehr viel nach, damit es nicht plötzlich hinterher zu unschönen Überraschungen kommt.

    Diese Überraschungen kosten meistens sehr viel Geld und Zeit.

    Beides ist meistens rar gesät.

    Gerade wenn dein Freund nicht selbst umbaut, sollten es dann aber die ausführenden Handwerker besser wissen, soweit sie vom Fach sind.

    Sollten es aber Laien sein, die diese Arbeiten ausführen wollen, sind deine Fragen und die der Fachleute hier im Forum, sehr wichtig.


    LG Oliver

    Einmal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: zur Verbesserung der Lesbarkeit einige Umbrüche entfernt

  • Und welche Höhe steht für die Dämmung zur Verfügung? Bei solchen Trümmern von Sparren?

    Was ist mit der Luftdichte geplant?

    Hallo Herr Dühlmeyer,


    Entschuldigung, ich meinte mit 24cm natürlich die Tiefe der Sparren. :) Die Sparren sind 6cm breit. Im Obergeschoss wurde eine 24cm Klemmfilz-Dämmung vom Zimmermann verbaut.


    Bezüglich der Luftdichte ist das genau die Frage, die mir gestellt wurde. Ist es erforderlich, im Spitzboden in diesem Anwendungsfall eine Luftdichtigkeit herzustellen?

  • Hallo Harald,


    ...

    Sollten es aber Laien sein, die diese Arbeiten ausführen wollen, sind deine Fragen und die der Fachleute hier im Forum, sehr wichtig.


    LG Oliver

    Hallo Heule,


    das ist absolut richtig. Das ist auch der Hintergrund der Frage. Es gab Uneinigkeiten unter den Fachleuten (u.a. auch der Ausführenden). Ich halte es auch für sinnvoll, sich mehrere fachliche Meinungen einzuholen, damit es am Schluss nicht noch teurer wird als notwendig.


    Viele Grüße

    Harald

  • Die gültige Landesbauordnung verbietet die Nutzung des Spitzbodens als Hobbyraum nicht.

    Die LBOen verbieten durchweg nur sehr wenig, sondern formulieren positiv die Anforderungen an Bauwerke und Bauteile. Auch Bebauungspläne definieren positiv das Zulässige.


    Deshalb noch einmal die Frage: Ist die geplante Nutzung Deines Freundes baurechtlich zulässig? Es handelt sich ja anscheinend um eine Nutzungsänderung.

    Es ist jedoch kein Vollgeschoss.

    Das ist offensichtlich und unstrittig.

    Ich bin mir nicht sicher, ob das für die Beantwortung der Frage relevant ist. Es geht nur um ein bautechnische Frage.

    Es ist müßig, eine Frage rein bautechnisch zu beantworten, wenn die Maßnahme baurechtlich unzulässig ist. Es schmerzt Deinen Freund später vermutlich sehr, wenn er die bautechnische richtige Folie wieder rückbauen muss, weil ein Nachbar die Baubehörde über die unzulässige Umnutzung informiert hat.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.

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    Deshalb noch einmal die Frage: Ist die geplante Nutzung Deines Freundes baurechtlich zulässig? Es handelt sich ja anscheinend um eine Nutzungsänderung.

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    Es ist müßig, eine Frage rein bautechnisch zu beantworten, wenn die Maßnahme baurechtlich unzulässig ist. Es schmerzt Deinen Freund später vermutlich sehr, wenn er die bautechnische richtige Folie wieder rückbauen muss, weil ein Nachbar die Baubehörde über die unzulässige Umnutzung informiert hat.

    Hallo Skeptiker,


    vielen Dank für Ihre Anmerkung.

    Können Sie meine Frage nach der technischen Notwendigkeit der Dichtigkeit des Spitzbodens beantworten, wenn ich mich nach der Antwort auf Zulässigkeit der Nutzungsänderung bei meinem Freund erkundige?


    Viele Grüße

    Harald

  • Überlege einfach, welchen Zweck diese Luftdichtschicht erfüllen soll, bzw. was passiert, wenn sie nicht da ist!


    Daher:

    Rein physikalisch müßte - um feuchtebedingte Bauschäden sicher auszuschließen - entweder die zusätzliche Luftdichtschicht den Spitzboden komplett umschließen (dabei die Durchdringung - Einschubtreppe sauber anbinden) - oder sie müßte jeweils im Bereich der beiden Dachschrägen durchgängig an die vorhandene Luftdichtschicht dicht angeschlossen werden.

  • Hallo,


    ein Ausbau des Spitzbodens zu einem Hobbyraum wird unabhängig von der bautechtlichen Frage aus statischen Gründen wahrscheinlich nicht möglich sein.

    Wenn der Spitzboden bei der ursprünglichen Planung von Anfang an als solcher vorgesehen war, wurde die Decke, also der Fußboden des Spitzbodens, für eine Verkehrslast von 1,0 kN/m^2 (= 100 kg/m^2) statisch nachgewiesen. Für einen Hobbyraum wären aus meiner Sicht mindesten 1,5 kN/m^2 (= 150 kg/m^2) eventuell auch 2,0 kN/m^2 (= 200 kg/m^2) notwendig.

    Von daher sollte neben der Zulässigkeit nach Baurecht auch die Zulässigkeit nach Statik geprüft werden

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank noch mal für die bisherigen Antworten und eure Zeit.


    Es waren einige interessante Hinweise zum Ausbau des Spitzbodens dabei. Leider zum Teil etwas am Thema vorbei. Auch viele Fragen, die mich als Beobachter eigentlich gar nichts angehen. Aber das ist ja ein Forum und womöglich hilft es ja auch anderen Lesern, die dasselbe Anliegen haben.


    Aus diesem Grund habe ich noch einige Informationen eingeholt, die ich hier gern teile.


    • Der Ausbau des Spitzbodens als Aufenhaltsraum erfordert einige gesetzliche Bestimmungen (wie oben angemerkt wurde). Unter anderem müssen geeignete Fluchtwege hergestellt werden und ggf. eine Meldung an das Bauamt erteilt, werden, wenn es sich auf die Berechnung der Grundsteuer auswirkt. Auch Baugenehmigungen sind in bestimmten Fällen erforderlich. Zum Beispiel, wenn eine neue Wohneinheit entsteht, die äußere Erscheinungsform des Hauses geändert wird (Gaube, Dachfläche, etc.), das Gebäude denkmalgeschützt ist, usw.
      Der Ausbau des Spitzbodens zu einem Hobbyraum zählt nicht zur Entstehung einer neuen Wohneinheit. Aber die Wohnfläche ändert sich unter Umständen, wenn der Spitzboden hoch genug ist. Die Anforderungen unterscheiden sich aber oft je nach Bundesland. Hier braucht aber niemand das Internet oder Bücher durchsuchen. Das Bauamt kennt hier alle erforderlichen Informationen und hilft i.d.R. schriftlich oder telefonisch weiter. In diesem speziellen Fall wurde das Bauamt zu Rate gezogen. In unserem Bundesland gibt es dafür ein Formblatt, welches ausgefüllt an das Baumamt übermittelt wird.
    • Eine einschiebbare Bodentreppe als primärer Fluchtweg ist nicht zulässig. Auch hier gibt es Vorgaben. In diesem speziellen Fall wird die Bodentreppe durch eine viertelgewendelte Raumspartreppe mit wechselseitig begehbaren Stufen ersetzt. Sehr praktisches Teil. Das war mir anfangs nicht bekannt. Und da es nichts mit der eigentlich Frage zu tun hatte, erschien es mir auch nicht von Bedeutung.
    • Die Statik, ein leidiges aber wichtiges Thema. ;) Ich wollte erst nicht nachfragem, weil es mich ja im Prinzip nichts angeht. Aber wir haben trotzdem noch mal darüber gesprochen. In den Statikunterlagen des neugebauten Hauses ist abgegeben, dass die Spitzbodenkostruktion mit 1,5 kN/m² belastet werden kann. Das scheint ja den Mindestanforderungen, die saibot2107 erwähnt hat zu genügen. Das ist ein konstruktiver Beitrag, den man zumindest bei einem nachträglichen Ausbau berücksichtigen sollte. 150kg/m² sind bei einem vollen Schrank, einer 100kg schweren Peron und dem Baumaterial schnell erreicht.

    Zum eigentlichen Anliegen möchte ich noch mal kurz auflösen, warum ich diese Frage hier gestellt habe. Das ausführende Handwerksunternehmen meinte, dass eine Dampfsperrfolie bei dieser Art der Nutzung nicht erforderlich sei. Sie sagten: "Kann man machen, aber eigentlich reicht es hier aus, wenn man nur eine Lattung und Gipskarton anbringt." Mein Freund erzählte mir das und ich sagte zu ihm, dass ich das eigentlich anders kenne. Wenn er dort heizt und es wieder abkühlt, könnte sich die Feuchtigkeit in der Dämmung oder an den Balken niederschlagen. Daraufhin haben wir mit einem weiteren Fachkundigen gesprochen, der meine Annahme bestätigte und das führte zu einer vollkommenden Verwirrung.


    Der Aussage von Skeptiker und Julius entnehme ich mal, dass die Anbringung einer Dampfsperrfolie in diesem Fall "bautechnisch richtig" ist.


    Viele Grüße

    Harald

  • Danke für die Rückmeldung.


    Auch wenn Deine Zusammenfassung im Detail teilweise "falsch" ist, hast Du anscheinend die wesentlichen Punkte verstanden ;)

    Verflucht sei, wer einen Blinden irren macht auf dem Wege!

    5.Mose 27:18

  • Auch wenn Deine Zusammenfassung im Detail teilweise "falsch" ist, ...

    Ein Punkt als Beispiel:

    • Eine einschiebbare Bodentreppe als primärer Fluchtweg ist nicht zulässig. Auch hier gibt es Vorgaben. In diesem speziellen Fall wird die Bodentreppe durch eine viertelgewendelte Raumspartreppe mit wechselseitig begehbaren Stufen ersetzt. Sehr praktisches Teil.

    Solche "Raumspartreppen" sind in den meisten Bundesländern in D allenfalls innerhalb von Wohneinheiten oder in Gebäuden der Klassen 1 oder 2 als notwendige Treppen zugelassen. Teilweise auch das nicht.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


    Der Betreiberverein dieses Forums freut sich über Spenden von Fragenden, denen hier kostenlos geholfen wurde. Kurze Wege führen über Paypal oder eine Banküberweisung.