Auskragender Betonbalkon zu Wohnraum umgestalten?

  • Unser Haus (1956) soll in den nächsten Jahren schrittweise saniert werden. Dem Haus ist ein auskragender, verglaster Betonbalkon angebaut, der sicher eine Kältebrücke bildet. Aus Platzgründen wäre toll, wenn dieser Balkon mit dem daran anschliessenden Wohnraum zu einem grossen Wohnraum verschmelzen könnte. Wie erwähnt, die Aussenwände sind noch nicht gedämmt. Natürlich wäre sinnvoll das Haus insgesamt zu dämmen, aber dies wird aus finanziellen Gründen noch ein paar Jahre warten müssen. Zuerst kommen jetzt mal die Fenster dran usw.. Nun stellt sich die Frage, ob es möglich ist, den Balkon bereits vor der Gesamtdämmung separat aussen zu dämmen und dort ebenfalls normale Fenster einzusetzen. Spricht bauphysikalisch etwas dagegen, nur diesen Balkon zu dämmen? Ich habe bereits verschiedene Meinungen gehört von Fachleuten. Vielen Dank im Voraus.

  • Spricht bauphysikalisch etwas dagegen, nur diesen Balkon zu dämmen? Ich habe bereits verschiedene Meinungen gehört von Fachleuten.

    Was sagen denn welche Fachleute mit welcher Begründung?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Beispielsweise wurde mir von einem Anbieter von Aussendämmungen gesagt, dadurch werde die Kälte einfach in den umliegenden ungedämmten Flächen stärker eindringen. Die Kälte suche sich ihren Weg. Für mich klingt das aufgrund meines Physikgrundwissens nicht plausibel, da diese Flächen ja nun nicht plötzlich schlechter gedämmt sind als bisher.. Noch als Nachtrag: Da er mir insgesamt nicht zu einer dringlichen Dämmung der Aussenwände geraten hat, gehe ich nicht davon aus, dass er mir dies gesagt hat, weil er mir eine Aussendämmung des gesamten Hauses aufschwatzen wollte, sondern es ernst meinte.


    Was ich aber nicht beurteilen kann, ob es negative Auswirkungen haben kann, wenn ein Raum sehr gut gedämmte Flächen (künftig gut gedämmter Balkon) und gleichzeitig schlecht gedämmte übrige Flächen hat. Ich hatte bisher allerdings an den schlecht gedämmten Wänden im Innern nie Probleme mit Kondensationswasser und Schimmel. Daher sehe ich nicht, wieso sich das ändern sollte, wenn nun bestimmte Bereiche besser gedämmt sind………….. Aber vielleicht sehe ich ja bestimmte Zusammenhänge nicht… Daher meine Frage hier im Forum.

  • Was besagter Anbieter Dir gesagt hat, ist tatsächlich physikalischer Unfug.


    Aber ist denn die bauliche Änderung überhaupt genehmigungsfähig? Es ändern sich dabei ja auch Flächen!

  • Beispielsweise wurde mir von einem Anbieter von Aussendämmungen gesagt, dadurch werde die Kälte einfach in den umliegenden ungedämmten Flächen stärker eindringen. Die Kälte suche sich ihren Weg. Für mich klingt das aufgrund meines Physikgrundwissens nicht plausibel,

    Das war sicherlich ein Verkäufer der Dir das erzählt hat, die haben tolle Geschichen auf Lager. In manchen steckt sogar ein Fünkchen Wahrheit, aber es fehlt das Verständnis für die Zusammenhänge.


    Der Grund warum man gedämmte und ungedämmte Fassadenflächen vermeiden sollte ist der, dass durch die Dämmung eines Teils der Fläche der Energiebedarf zum Heizen eines Raumes geringer wird. Man kann bei gleicher Behaglichkeit sogar die Raumtemperatur absenken. Das führt aber dann dazu, dass durch die ungedämmten Teilflächen weniger Wärme nach außen verloren geht (Bitte beachten, Wärmestrom geht immer von Warm nach kalt, deswegen heißt es auch Wärmebrücke und nicht Kältebrücke).

    Dadurch sinkt an den ungedämmten Teilflächen innen die Oberflächentemperatur und es kommt früher zu einer Taupunktunterschreitung, die dann durch das anfallende Kondensat eine Grundlage für Schimmelbildung ist.


    Wie sich nun die Dämmung des Balkons auf den gesamten Raum auswirkt, dazu müsste man einfach den kompletten Raum betrachten, insebesondere die Übergänge von gedämmten und ungedämmten Flächen.


    Beachte, dass durch den Austausch der Fenster vermutlich viele undichte Stellen beseitigt werden. Das hat einen erheblichen Einfluss auf den Luftwechsel. Dieser führt dazu, dass die Raumluft nur noch unzureichend ausgetauscht wird und diese sich verstärkt mit Feuchtigkeit (durch Bewohner) anreichert. Dadurch erhöht sich das Risiko, dass an "kalten" (ungedämmten) Flächen der Taupunkt unterschritten wird, mit der Folge von Kondensatbildung. Finden die überall vorhandenen Schimmelsporen nun ideale Bedingungen, sprich Temperatur, Feuchtigkeit und Nahrung (Wandbelag o.ä.), dann weden die eine Party feiern und sich vermehren.

    Besonder kritisch sind hier Raumecken mit geringer Luftbewegung, so dass dort sowieso weniger Heizenergie landet als in anderen Bereichen des Raumes.


    d.h. Ob und wie sich die Dämmung des Balkons auwirken wird, das kann man aus der Ferne nicht sagen, dazu muss man sich den ganzen Raum anschauen. Es wäre denkbar, dass nur eine vorhandene Wärmebrücke reduziert wird, und der Einfluss auf den Rest des Raumes gering ist. Es wäre aber auch denkbar, dass diese Teilfläche den Wärmeverlust dieses Raumes maßgeblich bestimmt. Das sagt mir meine Glaskugel nicht.


    Einen weiteren wichtigen Punkt würde ich an Deiner Stelle nicht aus den Augen verlieren:


    Aber ist denn die bauliche Änderung überhaupt genehmigungsfähig?

    Es macht einen großen Unterschied, ob man nur einen Balkon hat, dieser komplett verglast wird, oder ob man daraus plötzlich einen "Wohnraum" macht. Ob Letzteres hier möglich ist, auch da ist meine Glaskugel überfordert.

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  • Aus Platzgründen wäre toll, wenn dieser Balkon mit dem daran anschliessenden Wohnraum zu einem grossen Wohnraum verschmelzen könnte.

    Neben wärmedämmtechnischen Erwägungen, sollte man sich auch über die statische Machbarkeit ein paar Gedanken machen.


    Die ehemalige Außenfront (Trennwand Wohnzimmer - Balkon) ist ja nicht irgendeine Wand, die man mal eben abbricht. Es dürfte sich um eine tragende Wand handeln, auf der die darüberliegende Decke aufliegt. Will man diese wand abbrechen um den Wohnraum zu vergrößern, so müssen diese Lasten irgendwie anders abgetragen werden (zB durch Einbau eines Stahlträgers). Aber auch das geht nicht nach Lust und Laune, weil bei größer werdenden Öffnungsmaßen (= je mehr Mw abgebrochen werden soll) die Höhe/ Größe des Stahlträgers sich schnell steigert. Dieser wiegt dann wiederum sehr schnell sehr viel. Es können gewaltige Einzellasten an den Auflagern zusammenkommen, die dann wiederum vom darunterliegenden Mauerwerk des EG getragen werden können müssen....

  • Ich sehe da ein Problem wegen Genehmigungsfähigkeit. Die Verglasung des Balkon ist doch sicherlich ein Einscheibenglas. Das typische Gedöns was man so sieht, wenn Leute aus ihrem Balkon einen günstigen "Wintergarten" machen wollen. Will man das gescheit machen, also für einen Wohnraum, dann kommt zusätzliches Gewicht dazu. Hält der Balkon das aus? Das wäre ein Fall für den Statikus. Der Balkon wird nur zum Teil gerechnet. Wird daraus Wohnraum, wird aus dem Balkon ein auskragender Teil des Geschoßes und wird voll gerechnet. Passt das noch zu den erlaubten Flächen und BRI Berechnungen des Grundstückes? Der Einwand von R.B. ist auch berechtigt. Evtl. sollte das ganze Haus gedämmt werden.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Vielen herzlichen Dank für Eure Antworten.


    Ich weiss, nun welchen Punkten ich nachgehen muss.

    Einiges wird aber kein Problem sein. Das Grundstück ist im Vergleich zur Wohnfläche sehr gross, dh. ich weiss, dass ich noch ca. 150m2 Wohnraum bauen dürfte. Das mit dem Gewicht ist ein sehr guter Punkt, werde das einen Statiker fragen. Allerdings ragt der Balkon nicht sehr weit hinaus, vielleicht 1 Meter, wenn überhaupt. Zw. Balkon und Wohnraum befinden sich nur ein dünnes Fenster und eine grosse Glastür. Dass diese tragend sind, ist meines Erachtens wenig wahrscheinlich, aber ich werde mich beim Statiker absichern. Ich gehe davon aus, dass dort ein Sturz eingebaut wurde. Dass das Haus schlussendlich mal umfassend gedämmt werden sollte, stimmt natürlich, aber wie erwähnt, aufgrund der Finanzen erst in ein paar Jahren (leider). Es handelt sich um ein EF mit zwei Stockwerken. Der Balkon ist im oberen Stock.


    Noch mal vielen Dank für eure Hinweise.


    Freundliche Grüsse M.

  • Allerdings ragt der Balkon nicht sehr weit hinaus, vielleicht 1 Meter, wenn überhaupt.

    und was möchtest Du dann mit dieser "Nische" anfangen?

    Überlege ob sich der Aufwand auch wirklich lohnt.

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  • 50er Jahre, da waren die Deckenplatten noch sehr dünn, im Vergleich zu heute. Weiß nicht ob das konstruktiv noch möglich ist. Selbst der Meter kann abbrechen. Aber wegen diesem Meter lohnt sich der Aufwand einfach nicht.

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