Asbest, Mineralwolle oder andere Gefahrstoffe?

  • Hallo zuammen,


    bei der Entrümpelung eines Geländes mit Bungalow (Baujahr ca. 1992, Anbauten folgten ca. 2000) sind wir auf ein paar Gegenstände gestoßen bei denen wir uns fragen, ob diese asbesthaltig sein könnten bzw. ob es sich um Mineralwolle (bei dem Metallgestell, siehe Foto) oder um einfache Bitumendachpappe (bei den Dachpappen, siehe Fotos) oder einfach nur um Pappe (verbogene, grünstichige "Pappe") handelt?

    Bei den Heizungskörpern (siehe Schrott-Foto), kann man vom Bild her sagen, ob diese irgendwelche Gefahrenstoffe beinhalten und bei der Entsorgung bestimmte Maßnahmen ergriffen werden müssen? Es mag vielleicht etwas übertrieben wirken, dies hier in dieser Form zu posten, aber wir wollten nichts falsch machen und auf Nummer sicher gehen. Den vorherigen Nutzer des Geländes und Bauherren des Bungalows können wir leider nicht mehr befragen.


    Vielen Dank im voraus.


    Bilder:


  • Asbest wurde in größerem Umfang in Deutschland seit etwa 1950 eingesetzt, davor nur vereinzelt, im Privatbereich so gut wie gar nicht. Ab 1979 wurde die Verwendung von Spritzasbest verboten, in der damaligen DDR schon 1969. Danach wurde die Nutzung schrittweise eingeschränkt. So kam 1982 das Verbot für schwach gebundene Asbestprodukte, ca. 1991 das Verbot für Asbestzementprodukte und zum Ende 1992 das endgültige Verbot für alle Asbestprodukte (Herstellung, Vertrieb, Anwendung bei Neuprodukten).


    Wenn man jetzt wissen möchte, ob ein Produkt asbesthaltige Materialien enthalten könnte, dann ist das Herstellungsjahr schon einmal ein guter Indikator.


    Das Herstellungsjahr kann aber immer nur ein Indikator sein, da man nicht ausschließen kann, dass trotz Verbot noch Restbestände verarbeitet wurden. In den letzten Jahrzehnten ist auch der globale Handel stark angestiegen und in manchen Ländern ist die Verarbeitung selbst heute noch erlaubt. Auf diesem Weg können auch Produkte in den Handel kommen die noch asbesthaltige Materialien enthalten, denn es ist schlichtweg unmöglich, jedes Produkt das importiert wird intensiv zu untersuchen.


    Deswegen gilt, im Zweifelsfall -> Laboranalyse


    In Elektroheizkörpern (wie dem auf dem Bild im Vordergrund gezeigtenI kamen, wenn überhaupt, dann nur schwach gebundene Asbestpodukte zum Einsatz, beispielsweise in Form von Matten (Gewebe) die die Elektrik gegenüber der Hitze abschirmen und gleichzeitig als Brandschutz dienen sollten. Es gab auch dünne Schläuche die insbesondere im Bereich der Heizelemente zum Einsatz kamen.


    Man darf so einen Ölradiator aber nicht mit Nachtspeicheröfen verwechseln. Diese können, neben Asbest, auch Speichersteine enthalten die nicht gerade gesundheitsördernd sind. Bekannte Hersteller haben bei Nachtspeicheröfen das Asbest schon lange vor dem Verbot ersetzt.


    Nebenbei bemerkt, Asbest findet sich in vielen alten Elektrogeräten, auch in Kleingeräten wie Bügeleisen o.ä. So lange sich schwachgebundener Asbest innerhalb geschlossener Gehäuse befindet ist die Gefahr gering. Man sollte die Geräte aber nicht zerlegen.


    Für den Transport würde ich solche Geräte, insbesondere wenn sie älteren Datums sind, einfach staubdicht in Folie verpacken.


    Ach ja, die wasserführenden Heizkörper im Hintergrund enthalten mit Sicherheit kein Asbest. ;)

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  • Vielen Dank für die ausgiebige Antwort. Das mit den Heizkörpern im Hintergrund ist schon mal beruhigend :P

  • Eine Frage zu chrom-VI-haltigen Speichersteinen. Können diese, wenn sie draussen herumliegen, sich durch Feuchtigkeit (Wasser, Regen etc.) auflösen und in den Boden sickern und diesen somit vergiften ohne dass man ddas merkt? Oder würde man irgendwo solch Speicherseteine finden? Soll heißen, wenn ich keine dieser "Ziegelsteine" finde, dann waren die vorher auch nicht da?

  • Vielen Dank für die Antworten.

    Ich hätte noch eine Frage zu dem ersten von mir geposteten Bild - die Nahaufnahme von dem Gerätegestell mit dem gelblichen / gräulichen Faserartigen Material. Könnte es sich dabei um Glasfaserwolle mit einer Art Filz/Vlies-Belag handeln oder evtl. doch Asbest (wegen der grauen Färbung)? Ist wahrscheinlich schwierig bis unmöglich da eine konkrete Aussage zu treffen, aber vielleicht hat ja jemand Erfahrung damit. Ich weiß leider nicht um was für ein Gerät es sich dabei handeln könnte, da Typenschild etc. fehlt. Wie würde denn im ZWeifelsfall so eine Laboranalyse ablaufen? Gibt es da vielleicht Empfehlungen für einen Anbieter? Vielen Dank.