Feedback gesucht: Unterstützung von Bauherr und Architekt bei der verteilten Rechnungsprüfung

  • Hallo liebe Experten!

    Seit mehreren Jahren arbeite ich in und an der Digitalisierung der Baubranche, insbesondere aus Sicht von Projektentwicklern. Dabei haben mich neulich ein Bauherr und sein Architekt an den Tisch geholt und mir Ihre Herausforderung bei der Rechnungsprüfung geschildert. Sie haben mich gebeten, ob ich nicht ein Tool für sie entwickeln kann, dass Ihnen dazu hilft. Beide sind digital-affin und manuelle Rechnungsprozess sind Ihnen ein Graus.

    Wie in meiner Branche üblich habe ich einen Prototyp für die beiden entwickelt. Ich frage mich nun aber, ob die beiden die einzigen sind, die eine Lösung ihres Problems suchen, oder ob sich auch andere für eine solche Lösung finden werden. Nur dann würden sich die beträchtlichen Entwicklungskosten tragen. Finde ich hier irgendwie Antworten auf meine Frage (ohne Links, Produktnamen, oder Verweise auf Feedback-Fragebögen zu posten -- was ich hier strikt vermieden habe)? Danke für jedwede Kommentare!
    -Marco


    _____________
    Die Herausforderung der beiden ist einfach: Rechnungsprüfung machen Architekt und Bauleiter, Bezahlen passiert beim Bauherrn und seiner Assistenz, und

    - Das dauert,
    - Fehler schleichen sich ein,
    - Skonti gehen verloren,

    - Finanzen sind schwerer vorauszuplanen und

    - das ewige Nachfragen und Nachsuchen kostet zu viel Zeit;
    - Der Architekt weiss bei der Prüfung nie genau, was nun tatsächlich bereits bezahlt wurde.


    (Alles deren Worte.)

    Die Digitalbranche denkt, sie hätte doch bereits automatische Rechnungsprüfprozesse. Die stellen sich leider bei Nachfrage als ungeeignet für komplexe Abschlagsrechnungen heraus. Komplexe Abschlagsrechnungen kann man nicht automatisch prüfen.

  • Ja, die Digitalisierung der Rechnungsprüfung ist im Bauwesen ein großes Thema. Das ist aber nur das letzte Drittel eines Prozesses. Dieser beginnt mit der Kostenplanung, setzt sich fort mit der Erstellung von Leistungsverzeichnissen, der Ausschreibung und Vergabe und endet mit der Abrechnung und Kostenfeststellung. Der ganze Prozeß heißt, wie Du als Digitalisierungsexperte für das Bauwesen sicher weisst "AVA". Und dafür gibt es mehr oder weniger komplexe Systeme, sogar schon seit Jahrzehnten und mit definierten Schnittstellen / Formaten für den Datenaustausch auf allen Prozessstufen.


    Seit rd. 20 Jahren ist der Prozess also digital bearbeitbar. Aber tun das auch die Beteiligten?

    • Bauherrn nutzen die Austauschdaten nur, wenn sie über einen eigene komplexen digitalen Workflow verfügen, was nur bei Bauherrn der Fall ist, die ständig bauen, also über eine eigene Bauabteilung o.ä. verfügen.
    • Planende benutzen AVA-Software meistens nur als Schreibmaschine für die Ausschreibung und als Tabellenkalkulation für die Vergabe. Rechnungen werden meist nur händisch geprüft und dann in separaten Tabellenkalkulationen weiterverarbeitet.
    • Ausführende Firmen arbeiten entweder mit eigenen AVA und Abrechnungssystemen - dann stimmen zumindest die Massenermittlungen und Rechnungen rechnerisch oder komplett händisch - dann haben wir maximale Handarbeit. Also: Nach der Angebotserstellung ist meist Schluß mit dem Datenaustausch.

    Völlig unabhängig davon ist die digitale Weitergabe und Ablage der eigentlichen Rechnungsdaten. Diese zu organsieren ist im Zeitalter von Projekträumen und Clouds reines systematisches Ordnungsdenken, "Ablage" eben. Muss man einfach machen, dann spart man viel Arbeit.


    In meinem Büro arbeiten wir intern voll digital und papierlos, von der ersten Kostenschätzung (LP 2) an. Beim Eingehen der ersten Angebote kleinerer analog arbeitender Firmen, fangen wir dann an Daten händisch einzutragen, und spätestens die Rechnungsprüfung erfolgt dann immer mit viel Dateneingabe und manueller Massenermittlung. Da braucht es eigentlich nicht mehr Systeme, sondern die konsequente Anwendung der existenten und sicher auch deren Verbesserung. (Ich schildere hier im Forum immer wieder gerne meinen institutionellen Bauherrn mit eigener Bauabteilung aus Bayern, der im Architektenvertrag das Bereithalten eines Windows-PC mit Excel und Word mit mir vereinbaren wollte. GAEB-Daten (z.B. der Rechnungsprüfung) kann er bis heute nicht einlesen und verarbeiten ... Immerhin darf ich die Excel-Listen auch digital übergeben, aber eigentlich möchte er die ausgedruckt und unterschrieben auf Papier haben ... )


    Was genau willst Du nun dazu wissen?

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • die beträchtlichen Entwicklungskosten

    ja. kostet.

    meine frage: wieviel?

    nein, ich möchte keine zahl - wär ziemlich bescheuert ;)

    auf welcher basis entwickelst du?

    Off-Topic:

    bitte sag nicht "excel"

    allein oder im team?

    welche cloud bindest du ein?

    welche anderen kommunikationswege?

  • Seit rd. 20 Jahren ist der Prozess also digital bearbeitbar. Aber tun das auch die Beteiligten?

    Bauherrn nutzen die Austauschdaten nur, wenn sie über einen eigene komplexen digitalen Workflow verfügen, was nur bei Bauherrn der Fall ist, die ständig bauen, also über eine eigene Bauabteilung o.ä. verfügen.

    Das kann ich bestaetigen...

    Planende benutzen AVA-Software meistens nur als Schreibmaschine für die Ausschreibung und als Tabellenkalkulation für die Vergabe. Rechnungen werden meist nur händisch geprüft und dann in separaten Tabellenkalkulationen weiterverarbeitet.

    ...das eher nicht. Vergabe, Bauregie, Rechnungspruefung und Nachtragswesen werden im gleichen AVA-Programm mit erledigt.

    Ausführende Firmen arbeiten entweder mit eigenen AVA und Abrechnungssystemen - dann stimmen zumindest die Massenermittlungen und Rechnungen rechnerisch oder komplett händisch - dann haben wir maximale Handarbeit. Also: Nach der Angebotserstellung ist meist Schluß mit dem Datenaustausch.

    Datenaustausch auf Basis GAEB funktioniert erfahrungsgemaess bis zur Vergabe...danach wird es eher duenn. Aufmasse werden i.a. haendisch eingetragen und geprueft, das ist zwar etwas Aufwand, aber man denkt ueber die eingetragenen Positionen automatisch nochmal nach...

    GAEB-Daten (z.B. der Rechnungsprüfung) kann er bis heute nicht einlesen und verarbeiten ...

    Das Thema GAEB kam jetzt m.w. mit der neuen DIN276 wieder hoch, irgendwie gelang es wohl nicht, neue Kostengruppen und neue GAEB-Schnittstellen zeitgleich zu definieren...

  • Kalle fällt Dir noch etwas dazu ein?

    Off-Topic:

    Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass es dem Frager sonderlich wichtig ist.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Nichts, was Du nicht schon geschrieben hast. Lediglich das manuelle Prüfen der Massen würde ich versuchen auszumerzen. Wenn alle Schritte sich ein "Aufmaß" teilen, dann müsste die Eingabe der Daten nur einmal passieren und fortan als Datenbasis herhalten. Mit der entsprechenden Technik ist das heute ja schon möglich.


    Dem Bauherren muss dann nur Zugang zum Projekt eingeräumt werden. Ob per Software, als web Version muss der Entwickler entscheiden.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

    * Administrative oder moderative Beiträge in rot

  • Und Handwerker müssten VOR Rechnungsstellung bzw. Weiterarbeit (Unzugänglichkeit) mit dem Prüfer GEMEINSAME Aufmaße durchführen. Sonst nutzt das tollste digitalisierte Aufmaß gar nichts!

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Zitat von § 14 VOB / B

    (2) 1 Die für die Abrechnung notwendigen Feststellungen sind dem Fortgang der Leistung entsprechend möglichst gemeinsam vorzunehmen. ...

    3 Für Leistungen, die bei Weiterführung der Arbeiten nur schwer feststellbar sind, hat der Auftragnehmer rechtzeitig gemeinsame Feststellungen zu beantragen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Hast Du Handwerker, die das einhalten? Wenn ja, Glückwunsch! Ich kriege immer nur Rechnungen - und Gemaule, wenn ich die Massen korrigiere.

    Abgerechnet wird nach ständiger Rechtssprechung nach Plan. Dafür muss ich nicht ins Objekt. Abweichungen sind zu klären, wobei den Bauherrn Abweichungen nach unten weniger wichtig sind als die nach oben. Und dafür möchte ich rechtzeitig Belege durch den AN haben. Die meisten davon lassen sich aber auch vollständig nach Plan erkennen (ausreichende Planung vorausgesetzt).


    ich habe das Problem selten, bin aber auch oft genug auf der Baustelle und alles wesentlich selbst rechtzeitig zu sehen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • OK, wenn Du überwiegend Neubau machst (oder Sanierung auf Neubauniveau) mag das gehen. Bei Sanierungen, die ich mache, sind Pläne oft nur der Etage, in der sie gemessen wurden, stimmig. Manchmal nicht mal da.

    7er Mauerwerkswand weg, Trockenbauwand (12,5 cm) neu - und schon gehts los.

    Und Winkligkeit ist auch eher Zufall

    Unsere Großväter konnten auch gut pfuschen, wir haben uns nur drangewöhnt.

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