Neue Unterputzdosen im Außenbereich

  • Hallo liebe Bauexperten,


    im Zuge unserer Fassadensanierung haben wir uns einige zusätzliche Steckdosen von einem Elektriker im Außenbereich setzen lassen. Meines Wissens nach werden diese doch in der Regel mit Elektriker-Gips fixiert und befestigt? Unser Elektriker hat jedoch anscheinend eine andere Art vom Material zum fixieren der Dosen genommen. Da ich den Elektriker leider nicht mehr selbst befragen kann, wollte ich euch fragen, was für Material das sein kann bzw. ob das grundsätzlich so in Ordnung oder zulässig ist. Ich will nur nicht, dass das Material mit den Jahren porös wird und mir die Steckdosen dann entgegenkommen, wenn man mal einen Stecker ziehen will.


    Anbei ein Bild von drei Unterputzdosen die mit dem Material fixiert wurden. Das Material wirkt an sich sehr fest und stabil. Wisst ihr was das für ein Material sein kann?


    Außerdem musste eine Steckdose verlegt werden. Dafür wurde die Unterputzdose einer alten Außen-Steckdose als Abzweigdose umfunktioniert. In dieser sind das ankommende Kabel und das abgehende Kabel mittels Wago-Klemmen verbunden worden. Auf der Dose befindet sich ebenfalls so ein roter Deckel, wie auf den anderen Steckdosen, nur ohne rotem Ziehdraht. Der Elektriker meinte, dass über den Deckel einfach rüber geputzt werden kann und dass das so üblich ist. Könnt ihr das so bestätigen? Habe hier Bedenken dass sich Kondenswasser oder irgendwas bilden kann und die Kontakte der Klemmen mit der Zeit korrodieren (auch wenn die Dose Unterputz liegt). Und dann kommt man ja nicht mehr an die Dose. Zudem ist so eine Putzschicht auch nicht sehr dick. Unsere Fassade wird komplett neu verputzt (inkl. Unterputz, Armierung und Oberputz)


    Vielen Dank im Voraus für eure Hilfe und Antworten.


    Liebe Grüße

  • Anbei ein Bild von drei Unterputzdosen die mit dem Material fixiert wurden. Das Material wirkt an sich sehr fest und stabil. Wisst ihr was das für ein Material sein kann?

    Evtl. eine Art Schnellzement?

    Der Elektriker meinte, dass über den Deckel einfach rüber geputzt werden kann und dass das so üblich ist.

    Üblich ja, zulässig nein.

    Könnt ihr das so bestätigen?

    Was...das es üblich ist oder ob es zulässig ist?

  • Meines Wissens nach werden diese doch in der Regel mit Elektriker-Gips fixiert und befestigt?

    Aber auf keinen Fall außen und innen auch nicht immer.

    Die Farbe deutet wie die anderen schon schrieben auf eine Zementbasis hin. Ich würde sagen - passt scho.


    Das mit der überputzten Klemmstelle ist nicht so schön. Vor allem weil es dafür auch extra Dosen mit seitlichem Klemmraum bzw. Electronic-Dosen gibt - da konnt man dann durchs "Nachbarloch" an die Klemmstelle. Dazu hätte man halt die alte Dose rausoperieren müssen.

  • Gips ist doch korrekterweise nicht für feuchte Bereiche gedacht. Also wäre es im Aussenbereich nicht korrekt, oder ?

    Richtig, wobei in den VOB/C ATV (DIN18382) das Kapitel 3.2.3 geändert wurde.


    Bisher (2016):


    Zitat

    Gips darf als Befestigungsmittel in Verbindung mit zementhaltigem Mörtel sowie in Feuchträumen und im Freien nicht verwendet werden.


    Neu (2019):


    Zitat

    Die Komponenten sind korrosionsgeschützt auszuführen und vor Feuchtigkeit zu schützen

    Da wurde leider eine relativ eindeutige Aussage durch eine umfassendere und dafür schwammige Formulierung ersetzt. Im Streitfall muss/darf der Ausführende dann darlegen, dass die von ihm gewählte Ausführung einen ausreichenden Schutz vor Korrosion und Feuchtigkeit bietet.


    Der Elektriker meinte, dass über den Deckel einfach rüber geputzt werden kann und dass das so üblich ist. Könnt ihr das so bestätigen?

    Können kann man, zulässig ist das nicht. VDE0100-520 fordert, dass alle Verbindungen für Überprüfung, Wartung zugänglich sein müssen, und definiert auch Ausnahmen von dieser Regelung. Die von Dir genannten Wago Verbinder fallen nicht unter diese Ausnahmen, und dürften somit nicht überputzt werden.


    Die aktuelle 0100-520 habe ich jetzt nicht vorliegen, vielleicht kann ja mal jemand nachschauen, ob sich dazu etwas geändert hat.


    Wenn ich das Bild richtig interpretiere, dann befinden sich die Dosen in einem Bereich der Personen zugänglich ist. Somit wäre sicherzustellen, dass die Abdeckung nur mit Werkzeug entfernt werden kann. Typischerweise wäre das ein Deckel der auf den Dosen verschraubt wird.


    Weiterhin befinden sich die Dosen an der Außenwand, ohne Übderdachung o.ä., und sind somit der Witterung ausgesetzt. Aufgrund er Montagehposition (inkl. Höhe) wäre ein Schutz vor allseitigem Spritzwasser vorzusehen. Die "Konstruktion" wäre daher (s.o.) vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen. Das ergibt IP Schutzart IPx4.


    Wir landen somit am Ende bei


    a.) Dosen die nicht mit Gips eingeputzt werden dürfen und

    b.) mit Schraubdeckel verschlossen werden,

    c.) die nicht überputzt werden dürfen, und

    d.) die ganze Konstruktion muss IPx4 erfüllen.


    Noch zu Punkt c.)

    Meine persönliche Meinung und Interpretation ist, dass sich dieses Verbot darauf bezieht, dass die Dose unauffindbar in der Wand verschwindet, und damit bei einer Überprüfung schlichtweg übersehen wird. In Wohnräumen ist es durchaus zulässig solche "Deckel" zu tapezieren oder zu überstreichen. Ich würde eine dünne Putzschicht, die weiterhin die Position erkennen lässt, als akzeptabel betrachten.


    Was mir gar nicht gefallen würde, siehe Pos. d.), wenn die Putzschicht im Außenbereich nun den Spritzschutz ersetzen soll, denn der wäre nach der ersten "Wartung" wohl nicht mehr gegeben.


    Wenn ich das bei mir auszuführen hätte, dann würde ich entweder


    1.

    Wenn das eine optisch "unsichtbare" Konstruktion werden soll, dann die Verbinder durch feste (also "nicht lösbare") Verbinder ersetzen, Deckel drauf, dokumentieren, überputzen lassen, fertig. Sollen Press- bzw. Stoßverbinder eingesetzt werden, dann darauf achten, dass diese für massive CU Leiter zugelassen sind. Die Verbindungsstelle ist zu isolieren (isolierte Verbinder oder nachträglich isolieren).


    oder

    2. Putzring auf die Dosen, Dichtungseinsatz rein, Schraubdeckel drauf. Dann so verputzen lassen, dass auf den Deckel nur noch die etwa 2mm Oberputz drauf kommen.

    Der Dichtungseinsatz sorgt dafür, dass die Konstruktion "luftdicht" wird und verbessert gleichzeitig noch die IP Schutzart, selbst wenn der Oberputz mal irgendwann fehlen sollte.

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  • Hallo,


    vielen Dank für die vielen hilfreichen Antworten.


    Laut euren Informationen ist also das Material das für das Einsetzen der Dosen genutzt wurde soweit in Ordnung. Und somit für zukünftige Projekte für den Außenbereich keinen Gips verwenden. Gibt es für das Material zum Fixieren der Unterputzdosen denn dann eigentlich eine Art Standard? Also dass man z.B. im Außenbereich immer Schnellzement zum fixieren der Dosen nimmt? Oder kann jeder das handhaben wie er will.


    Für die Abzweigdose im Außenbereich werde ich höchstwahrscheinlich nochmal die Firma kontaktieren und darauf hinweisen, dass die Ausführung nicht der VDE entspricht. Die für mich beste Variante wäre dann eine "Festverdrahtung". Also grob zusammengefasst für den Elektriker: die aktuelle Unterputzdose raus, die drei Adern mit geeigneten Stoßverbinder und Zange zusammen crimpen, die Crimpverbindungen je Ader mit einem Schrumpfschlauch schützen und dann nochmal einen Schrumpfschlauch über die drei Adern zum Schutz ausführen. Das sollte ja dann den Empfehlungen der VDE entsprechen oder?


    Liebe Grüße

  • Laut euren Informationen ist also das Material das für das Einsetzen der Dosen genutzt wurde soweit in Ordnung.

    Das hat hier mWnso keiner gesagt, da keiner weiß, welches Material wirklich verwendet wurde. Du auch nicht. Es wurde nur spekuliert, was es sein könnte!

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • da keiner weiß, welches Material wirklich verwendet wurde.

    das ist richtig .


    meinen eindruck , dass es sich um pflasterfugenmörtel handelt (ich bleibe dabei) könnte man mittels einer fotografisch dokumentierten kratz/einstechprobe (schraubedreher o.ä.) verifizieren .

    und es wäre jetzt nicht die dingerechte lösung , aber nicht unbedingt tragisch.

    die vernunft könnte einem schon leid tun....

    sie verliert eigentlich immer

  • Laut euren Informationen ist also das Material das für das Einsetzen der Dosen genutzt wurde soweit in Ordnung.

    Das wird vermutet, soweit man anhand der Bilder Vermutungen anstellen kann.

    Man sieht die Farbe, denkt in Richtung zementbasierend, aber niemand kann sagen, was doch nicht mit rein gemischt wurde. Es könnte auch irgendein Fliesenkleber sein, oder sonst irgendeine Mischung. Die Elektriker sind diesbezüglich ziemlich kreativ. :lach:



    für zukünftige Projekte für den Außenbereich keinen Gips verwenden.

    Das ist korrekt. Gips und Feuchtigkeit, vielleicht noch in Kombination mit Zement, das ist keine gute Idee.



    Gibt es für das Material zum Fixieren der Unterputzdosen denn dann eigentlich eine Art Standard?

    Wäre mir nicht bekannt.



    Für die Abzweigdose im Außenbereich werde ich höchstwahrscheinlich nochmal die Firma kontaktieren und darauf hinweisen, dass die Ausführung nicht der VDE entspricht.

    2 Möglichkeiten habe ich oben genannt. Ich würde die vorhandenen Dosen nicht entsorgen

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  • Nö, wäre nicht dramatisch. Auf jeden Fall besser als Gips. Die auf dem Bild gezeigten Dosen sind aber ziemlich schlampig eingesetzt, aber das ist ein anderes Thema..

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