Bauen in Corona-Zeiten

  • Hallo, ich stehe kurz vor dem Schritt eine durch einen Bauträger noch zu errichtende Wohnung zu kaufen. Mit den Abrissarbeiten des Altgebäudes soll noch nächsten Monat begonnen werden. Ist von dem Kauf einer nich zu errichtenden Wohnung in Corona-Zeiten eher abzuraten, weil man nicht weiß, wie es weitergeht? Auf Nachfrage hat mir der Bauträger zugesichert, dass der Fertigstellungstermin weiterhin Gültigkeit hat. Kann man sich nun immer noch auf Höhere Gewalt berufen, obwohl die Krise schon begonnen hat, falls es zu Verzögerungen kommen sollte? Fragen über Fragen.... Würde mich über eine baldige Antwort freuen.

  • Kann man sich nun immer noch auf Höhere Gewalt berufen, obwohl die Krise schon begonnen hat, falls es zu Verzögerungen kommen sollte?

    Sicher kann man das.

    Wie die Infektion und Erkrankung der Mitarbeiter weitergeht und wie sich Zulieferverbeziehungen entwickeln weiß heute keiner.

    Vermutlich lecken sich bestimmte Anwälte schon die Lippen, in Erwartung lukrativer Schadensersatzprozesse.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Hallo, ich stehe kurz vor dem Schritt eine durch einen Bauträger noch zu errichtende Wohnung zu kaufen. ...

    Es gibt bereits einen Faden zu verschiedenen Themen rund um Corona. Da es hier um konkretes Bauprojekt geht, antworte ich aber hier, statt zu verschieben.

    Ist von dem Kauf einer nich zu errichtenden Wohnung in Corona-Zeiten eher abzuraten, weil man nicht weiß, wie es weitergeht?

    Nein, weil irgendwie wird es wohl schon weitergehen, aber wie kann Dir niemand sagen. Vielleicht stirbt der Bauträger in drei Wochen? Aber sterben kann der Bauträger immer ... oder wahrscheinlicher: insolvent werden. Da gibt es schon viele schöne Geschichten ...

    Auf Nachfrage hat mir der Bauträger zugesichert, dass der Fertigstellungstermin weiterhin Gültigkeit hat.

    Wird das Bestandteil des notariellen Kaufvertrages?

    Kann man sich nun immer noch auf Höhere Gewalt berufen, obwohl die Krise schon begonnen hat, falls es zu Verzögerungen kommen sollte?

    Die Düsseldorfer Kanzlei eines zum Bauvertragsrecht führenden Kommentators schreibt: Bis jetzt ja, ab jetzt nicht mehr. Sie sagen aber nicht, wann genau "jetzt" ist. Gegen Zahlung eines entsprechenden Honorars (die nehmen pro Stunde ca. 400,- € o. Mwst.) wird man Dich ganz sicher bis vor den BGH gegen einen Bauträger vertreten, der mit höherer Gewalt argumentiert. Der wird Dir aber im Zweifel vorhalten lassen, dass Du das Risiko ja in Kenntnis der Pandemie offensichtlich bewußt eingegangen bist und davon profitieren wolltest, also kaum Ansprüche aus der Verzögerung ableiten kannst. Aber ich bin juristischer Laie!

    Fragen über Fragen .... Würde mich über eine baldige Antwort freuen.

    Da hast Du sie!

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Auf Nachfrage hat mir der Bauträger zugesichert, dass der Fertigstellungstermin weiterhin Gültigkeit hat.

    Bedenke, ist die Tinte unter dem Vertrag erst einmal trocken, zählt nur noch was man nachweisen kann, bzw. im Vertrag steht. Lass Dich vor Unterschrift jur. beraten, denn wer weiß, vielleicht ist Bauverzögerung Dein geringstes Problem. In so einem Vertrag können eine Menge Fallstricke lauern.


    Was die Unsicherheit betrifft, die trifft ja beide Seiten. Für den Bauträger besteht ja auch ein erhöhtes Risiko, dass die Anzahl der Interessenten deutlich zurückgeht, wobei ich das höhere Risiko immer noch bei den Käufern sehe. Der BT kann die Grätsche machen, bei den ausführenden Firmen kann es zu Ausfällen kommen, und es kann Lieferverzögerungen beim Material geben. Das wären schon einmal 3 wichtige Punkte die man im Hinterkopf behalten sollte.


    Auf jeden Fall finanzielle Reserven einplanen, denn wenn beispielsweise (Ausstattungs)Material nicht lieferbar sein sollte, dann findet man nicht immer adäquaten Ersatz in der gleichen Preiskategorie, und am Ende wird´s teurer als geplant.

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  • Hallo, vielen Dank für die ganzen Antworten! Bei dem BT handelt es sich um isdochegal also kein Kleiner; sie sind deutschland-weit tätig. Sie finanzieren alles aus Eigenmitteln. Auf Nachfrage hieß es, dass bei dem BV die Mindestanzahl (30%) an Wohnungen reserviert bzw. verkauft wurden, um mit dem Bau beginnen zu können. Zu den Fertigstellungsfristen heißt es im Bauträgervertrag:

    "Der Veräußerer hat den Vertragsgegenstand (ohne Stellplatz) bis spätestens 28.02.2023 bezugsfertig herzustellen.

    Ferner verpflichtet sich der Verkäufer, das gesamte dem Erwerber geschuldete Bauvorhaben bis spätestens 31.05.2023 vollständig fertig zu stellen. Bis dahin muss auch die Gebrauchsfertigkeit des Stellplatzes vorliegen.

    Können Außenarbeiten jahreszeitlich bedingt nicht innerhalb dieser Frist ausgeführt werden, hat sie der Veräußerer zu geeigneter Zeit zu erbringen. Die Abnahme des Vertragsgegenstands bei Bezugsfertigkeit wird hierdurch nicht berührt. Behinderungen bei der Herstellung des Objekts aus Umständen, die vom Veräußerer nicht zu vertreten sind, z.B. höhere Gewalt, Streik, Ausführung von Sonderwünschen, Eigenleistungen des Erwerbers oder verzögerte Entscheidungen des Käufers bei der Auswahl von Ausstattungsalternativen verlängern die Herstellungsfrist um die Dauer der Behinderung."


    Eben diese Passage wurde vom Veräußerer noch mal bestätigt, dass es bis zum 28.02.23 fertig sein soll.


    Noch kurz zum Hintergrund: Das Projekt dauert 3 Jahre, da es über 100 Wohneinheiten werden sollen. Ich bin nun schon seit 5 Jahren auf der Suche nach einem passenden Objekt. Hier ist nun endlich alles perfekt: Lage, Optik, Nachbarschaft (nicht dicht-an-dich) und doch in den Stadt. Ich möchte nicht früh lange Wege auf mich nehmen, um in die Arbeit zu kommen, wenn man schon so viel Geld bezahlt. Wir haben jetzt schon einige Zeit investiert, um den Wohnungs-Grundriss zu optimieren und diesmal freue ich mich wirklich auf die Wohnung, da eben alles für mich ideal ist. Große Minuspunkte gibt es hier nicht. Ich habe das Projekt schon seit Anfang an verfolgt und habe auch zu den ersten Interessenten gehört, als es noch gar nicht groß in der Presse oder in der Werbung war. Zusätzlich sitzen mir die immer weiter steigenden qm-Preise im Nacken. Man kann sagen, dass dies nun das letzten Objekt sein wird, was noch für mich bezahlbare Preise hat. Aufgrund der langen Bauzeit werde ich jetzt schon Bereitstellungszinsen bei der Bank für den Kredit zahlen müssen. Auf Nachfrage hat der BT gesagt, dass in den 3 Jahren natürlich Pufferzeit von 3-4 Monaten einkalkuliert wurden und er davon ausgeht, dass es eigentlich etwas früher bezugsfertig werden sollte (Aussage war noch vor der gegenwärtigen Krise). Es ist wirklich ein Dilemma.

    Einmal editiert, zuletzt von R.B. () aus folgendem Grund: Link und Name entfernt

  • Den link und Namen habe ich entfernt. Wir wollen doch keinen Ärger weil dem BT vielleicht ein Kommentar hier nicht gefällt.

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  • Höhere Gewalt berufen, obwohl die Krise schon begonnen hat, falls es zu Verzögerungen kommen sollte?

    Selbst unsere Politiker fahren derzeit auf Sicht, wie soll da irgendwer etwas vorhersagen. Airbagmentalität? Bis das durch die höchsten Instanzen ausgeurteilt ist, wirds 2030 (mindestens).

    Also vom worst case ausgehen.

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen

  • Auf Nachfrage hat mir der Bauträger zugesichert, dass der Fertigstellungstermin weiterhin Gültigkeit hat.

    Aus meiner Sicht, sollte er dies gesagt haben während die Krise lief, wäre dies der Grund von diesem Bauträger Abstand zunehmen.

    Die Chancen das dies zutrifft sind doch eher Gering. Auf seine Aussage zu bestehen kostet erstmal richtig Zusatzgeld und Zeit.

  • Die Frage ist doch, ob er nach der Krise noch die gleichen Preise aufrufen kann.

    Freund will gerade sein Haus verkaufen und die Preisschätzung aus Jan wird gerade von den Maklern (für Verkauf im Herbst) angezweifelt.

  • Ich plane auch gerade mit einem BT. Also: für eben diesen. Das Thema ist natürlich auch bei uns eines.


    derzeit läuft alles. Das kann aber Morgen schon anders sein. Oder Übermorgen. Wir wissen es nicht.


    Tatsächlich gibt es ja bei vielen BT Vertragsstrafen, wenn nicht rechtzeitig fertiggestellt wird.


    Angesichts der derzeitigen Kriese fände ich es seitens der Käufer schon irgendwie absurd versuchen über einen Zeitverzug (durch Corona!) geldliche Vorteile zu erlangen (jetzt nicht an den TE adressiert, ganz allgemein!).


    Alle versuchen zu arbeiten und termingerecht fertigzustellen. Aber wenn ein totaler Baustopp kommt, dann sehe ich hier schon höhere Gewalt mit entsprechenden Terminverschiebungen. Das ist für alle blöd. Für den BT, für den Käufer.


    Wenn uns Corona von den Baustellen jagt, dann laufen da sicherlich schnell mal 2 - 3 Monate Verzug auf. Wäre das bei Dir jetzt ein Kaufargument. Oder: Gegenargument?

  • Ein fertiges Haus zu kaufen / zu verkaufen sehe ich jetzt erst mal nicht als Problem an, wenn der z.B. Makler bei der Besichtigung 3 bis 4 m Abstand hält oder draußen wartet und Fragen telefonisch am Handy beantwortet kann das funktionieren.


    Das Bauen selber ist schon schwieriger aber fast möglich. Zu zweit etwas zu tragen dürfte den Mindestabstand unterschreiten und wenn alle im Baucontainer hocken wäre das auch gegen die Regeln. Muss halt eben jeder Arbeiter einem Auto kommen. Zu zweit im Kastenwagen wäre ja auch schon gegen die Regeln...


    Größere Baufirmen, die gerade öff. oder größere Aufträge abarbeiten könnten hier aber einen Grund finden, Verzug geltend zu machen, längere Bauzeiten einzufordern, usw. wenn sie nachweisen können, dass bestimmte Arbeiten nicht mit dem geforderten Abstand zwischen 2 Personen auszuführen sind.

    Da sehe ich ja schon die nächste Verschiebung des Eröffnungstermins für unseren Kurztunnel.



    Aber solange gearbeitet wird, wird auch Umsatz gemacht, Lohn und Gehalt gezahlt und damit auch Steuern und Sozialabgaben. Ein sehr schmaler Grat zwischen "Wirtschaft am Leben halte" und "#Zuhausebleiben" .

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Nachtigall...

    Eben diese Passage sagt aber auch aus, daß der Termin im Hinblick auf Corona-Verzögerungen unverbindlich ist!


    Frag ihn einfach, ob er einen zusätzlichen Passus im Vertrag akzeptiert:

    "Der Veräußerer verpflichtet sich, für jeden Monat Verzug der Fertigstellung gegenüber dem vereinbarten Termin 28.02.2023 einen Betrag x (z.B. Gegenwert Kaltmiete einer entsprechenden Wohnung) an den Käufer zu bezahlen.

    Auf die Einrede höherer Gewalt wird insoweit verzichtet.

    Dies wird per Bürgschaft abgesichert."

    Zusätzlich zu einer (ohnehin anzuratenden) Fertigstellungsbürgschaft.



    Schon weißt Du, wie sicher er sich ist mit seinen Zusagen.

  • Das Bauen selber ist schon schwieriger aber fast möglich. Zu zweit etwas zu tragen dürfte den Mindestabstand unterschreiten und wenn alle im Baucontainer hocken wäre das auch gegen die Regeln. Muss halt eben jeder Arbeiter einem Auto kommen. Zu zweit im Kastenwagen wäre ja auch schon gegen die Regeln...

    gegenüber von unserem Büro ist zur Zeit ne grössere Baustelle..da wird fleißig gearbeitet als wäre nix...von Abstand oder so nix zu erkennen ...vermutlich pennen die Bauarbeiter auch zusammen irgendwo in einer kleinen Wohnung

  • gegenüber von unserem Büro ist zur Zeit ne grössere Baustelle..da wird fleißig gearbeitet als wäre nix...von Abstand oder so nix zu erkennen ...vermutlich pennen die Bauarbeiter auch zusammen irgendwo in einer kleinen Wohnung

    Dann wäre ja alles in Ordnung:

    Bei gemeinsamem Haushalt sind sie schließlich von der Abstandspflicht und Anzahlbegrenzung befreit...

  • Auf die Einrede höherer Gewalt wird insoweit verzichtet.

    Wäre ja schön blöd, wenn der BT das machte. Höhere Gewalt und Pandemien sind ja nicht ein vorgeschobener Grund, sondern tatsächlich ein Problem.


    Was hätte der BT davon später fertig werden zu wollen? Später fertig = es gibt auch später Geld.

  • Höhere Gewalt und Pandemien sind ja nicht ein vorgeschobener Grund, sondern tatsächlich ein Problem.

    Sehe ich auch so.


    Derzeit bahnt sich ein größeres Fliesenproblem an, da viele aus Italien kamen. Von einem Bauunternehmer habe ich heute gehört, dass sich die Lieferzeiten für Gipskarton verlängert haben, weil irgendwo Staplerfahren wegen eigener Krankheit oder Kinderbetreuung fehlen und das Zeug nicht mehr in der bestellten Menge geladen werden kann.


    Und so kommt Hölzchen zu Stöckchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so relativ reibungslos weiterläuft wie bisher.


    Wie Thomas B schon schrieb, haben BT kein Interesse an Verzögerungen. Ohne das Geld bezahlter BV fehlt es für neue.

    __________________
    Gruß aus Oranienburg
    Thomas

  • Das mit dem Abstand halten kannst den Betonköpfen auf dem Bau nicht klar machen. Die machen was sie wollen. Sagt man ihnen, dass sie nicht mehr zusammen kommen dürfen, lachen sie dich aus. Wie sollten sie es auch machen, in einer Baustelle, wo man gerade Platz für ein Auto hat? Baustellen sind schon ein Problem. Da muss man Lösungen finden, wenn man will, dass es weiter läuft. Heute auf Baustelle abfräsen von TG-Decke. Die Leute haben keine Masken, weil es die nicht mehr zu kaufen gibt. Den Göttern sei Dank ist es im freien, da kann man es schon eher tolerieren, weil das bisserl Staub eh gleich weg weht.


    Eine Freundin von mir hat man vorsorglich einen Passierschein geschickt, falls in BW die Bewegungsfreiheit doch weiter eingeschränkt wird, weil sie in einem systemrelevanten IT Bereich arbeitet.


    Gerade auf Großbaustellen sehe ich ein Problem, die von Arbeitern aus dem Osten abhängig sind. Viele von ihnen haben sich nach Hause abgesetzt und können jetzt nicht mehr rein. Die kleinen Baustellen laufen ja meist mit Leuten aus der Umgebung. Die haben das Problem nicht. Ein Problem wird es aber, wenn die Baustoff-Zulieferer nicht mehr liefern können. Da gibt es anscheinen schon erste Probleme.


    Naja, schaun me mal wie es weiter geht. Mit Glück kommen wir mit einem blauen Auge davon.

    Du musst immer einen Plan haben. Denn wenn Du keinen hast, dann wirst Du Teil eines anderen Planes...

  • Naja, schaun me mal wie es weiter geht. Mit Glück kommen wir mit einem blauen Auge davon.

    Nimm die Baustellen als Teil der anzustrebenden Durchseuchung.

    Man wusste von Anfang an, dass eine vollständige Separierung aller Menschen voneinander nicht möglich ist. Die jetzt geltenden Maßnahmen sollen nur einen möglichst hohen, aber niemals einen vollständigen Schutz bieten.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow