Material für Dachüberdeckung nach Trocknung

  • Guten Abend,


    nach einer Dachundichtigkeit und anschließender Trocknung soll unser Dach nun überdeckt werden, um annähernd den ursprünglichen Zustand vor Undichtigkeit wieder herzustellen. Welche Methode bzw. welches Material ist aus Langlebigkeitsgründen vorzuziehen. Kosten sind zweitrangig, da im Rahmen der Nachbesserung.


    Dachbeschaffenheit:


    - Flachdach

    - Dachfläche ca. 70 qm

    - EPS-Dämmung

    - Aktuell mit Kunststoff-Dachbahnen von Wolff gedeckt. (an mehreren Stellen geflickt worden, wegen Proben und Trocknung).

    - Die Dämmung wurde nicht ausgetauscht. Feuchtigkeitsgehalt soll nach der Trocknung im Normbereich liegen.

    - Ab Feststellung des undichten Daches bis abschließender Trocknung sind ca. 3 Jahre vergangen.


    Alternativen für die Überdeckung:


    1). ähnliche Dachbahnen, die kurz vor dem Dachrand enden würden. Vorhandene Dachbahnen würden eingeschlitzt werden und neue Kunststoff-Bahnen würden quer drüber gelegt.


    2). Flüssigfolie Profi Dicht von Icopal ebenfalls auf der gesamten Dachfläche, endend vermutlich vor dem Rand.


    Ich würde mich über eure Erfahrungswerte und Tipps sehr freuen.


    Danke und einen schönen Anend!

  • Moin,


    1). ähnliche Dachbahnen, die kurz vor dem Dachrand enden würden. Vorhandene Dachbahnen würden eingeschlitzt werden und neue Kunststoff-Bahnen würden quer drüber gelegt.

    Warum nicht eine neuen Lage aufbringen, nach entfernen der schadhaften Abdichtung?

    2). Flüssigfolie Profi Dicht von Icopal ebenfalls auf der gesamten Dachfläche, endend vermutlich vor dem Rand.

    Gürtel mit Hosenträger?? Wenn eine neu Abdichtung aufgebracht wird, kann man die in den Randbereichen ( Wandanschluß, Attika, Dachrandabschluß ? ) fachgerecht einfassen, da wird die Flüssigabdichtung überflüssig.

    Die Dämmung wurde nicht ausgetauscht. Feuchtigkeitsgehalt soll nach der Trocknung im Normbereich liegen.

    Wurde das gemessen, bzw. protokolliert ? Nicht das hier doch noch Feuchtigkeit im Bereich der Wärmedämmung vorhanden ist. Dann lese ich noch im Rahmen der Nachbesserung, eigentlich liegt die Art der Nachbesserung beim Unternehmer, sie muß halt nur den a.a.R.d.T. entsprechen. Gibt es Bilder, bzw. wo und wie viele Undichtigkeiten waren vorhanden?

  • So war das ursprünglich auch geplant. Die alte Abdichtungsfolie zum Entspannen einritzen und die neue Schicht bis Attika drüber kleben. Damals war nicht die Rede von Flüssigabdichtung.


    Ja, es wurde sowohl protokolliert als auch gemessen. Vor dem Winter nach Abbau der Trocknungsgeräre, lag der höchste Emissionsert der relativen Luftfeuchtigkeit im Dach bei 0,69 (an 6 Stellen zwischen 0,61 und 0,69). Gemessen von Trocknungsbauer mit GANN RH-T FLEX 250 Hygrometer. Bevor die nächste Nachbesserung beginnt, wird vorher noch eine weitere Kontrollmessung gemacht. Die Nachbesserung läuft über das Bauunternehmen. Bilder gibt es, man kann aber nur ein paar Löcher im Steropour unter der Abdichtungsbahn sehen. (ca. 4 Löcher ungefähr 8mm Durchmesser jeweils ca- 40-50 cm voneinander entfernt). Diese wurden nach Feststellung mit Flüssigkunststoff und Einlage verschlossen, so wie auch die 6 Öffnungen von Trocknungseinlässen nach Abschluß der Trocknungsphase.


    Der Flüssigkunststoff wurde jetzt erst ins Spiel gebracht als eine zwar teurere aber dennoch bessere Lösung. Da die Dachfläche nicht groß sei, hätte sich der Bauträge dazu bereit erklärt den Flüssigkunststoff einzusetzen.

  • Ja, es wurde sowohl protokolliert als auch gemessen. Vor dem Winter nach Abbau der Trocknungsgeräre, lag der höchste Emissionsert der relativen Luftfeuchtigkeit im Dach bei 0,69 (an 6 Stellen zwischen 0,61 und 0,69). Gemessen von Trocknungsbauer mit GANN RH-T FLEX 250 Hygrometer.

    Welche Einheit hatte denn der gemessene / abgelesene Wert?


    Bei Feuchtemessungen an / in EPS (Styropor) werde ich immer aufmerksam, seitdem mir diese Geschichte passierte.


    Ich habe kurz nachgeschaut: Das GANN RH-T FLEX 250 misst Luftfeuchte. Gewünscht ist in diesem Fall aber eine Messung der Materialfeuchte. Kann man das Gerät also für die benötigte Messung überhaupt einsetzen? Ja, kann man. Aber die Messung kann dann nur indirekt erfolgen, in dem die aus dem Material in Luft übergegangene Feuchtigkeit in der Luft gemessen wird, also Indirekt. Damit dies funktioniert, muss man allerdings sehr sorgfältig arbeiten:

    1. ohne nennenswerte Wärmeentwicklung ein Loch bohren
    2. die Sensorelektrode ins Bohrloch einführen
    3. die Sensorelektrode gegen den Bohrlochmund abdichten
    4. mind. 30 Minuten (Angabe Gerätehersteller!) warten, damit sich wieder Ausgleichsfeuchte im Bohrloch einstellt
    5. messen

    Diese Prozedere ist bei jedem Bohrloch anzuwenden, um valide Messergebnisse zu erhalten. Für vier Bohrlöcher müsste man für die Messungen also allein über zwei Stunden benötigt haben. Meine Erfahrung aus dem oben zitierten und weiteren Fällen sagt mir aber, dass dies wahrscheinlich nicht passiert ist. Und selbst wenn, dann müsste die im Gerätehandbuch auf Seite 41 genannte passende Materialkennlinie für den zu untersuchenden Stoff eingestellt worden sein. Und - Überraschung - für Styropor / EPS gibt es darin keine Materialkennlinie. Die Messung dürfte also alleine deswegen mit hoher Wahrscheinlichkeit komplett für die Katz gewesen sein. Sie hat irgendetwas angezeigt, aber nicht die tatsächliche Materialfeuchte des hoffentlich getrockneten Styropors!


    Die Materialfeuchte von Styropor lässt sich nach meinem aktuellen Wissen nur mit einer Darrprobe zuverlässig bestimmen.


    Für die Feuchtemessung gibt der Hersteller eine Messungenauigkeit von + / - 2 Prozentpunkten an. Mit anderen Worten, selbst wenn die Messung korrekt ausgeführt und dann korrekt umgerechnet wurde, kann das Material eine höhere Feuchte gehabt haben! Die Messung dürfte also auch deswegen ein weiteres Mal nicht sonderlich zuverlässig sein.


    Insgesamt bleibe ich dabei: Die Zahlen sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit irgendwelche Zahlen, aber keine verwertbaren Messergebnisse zur aktuellen Materialfeuchte des Styropors! Ich sage nicht, dass die "gemessenen" Werte falsch sind. Aber wenn sie richtig sind, so ist es leider nur Zufall. Diese "Messung" war keine, sondern ziemlich wertloses Theater. Ob Absicht oder Unwissen dahinter steht, ist dabei letztendlich gleichgültig.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Hallo Skeptiker,


    vielen Dank für die sachliche und sehr ausführliche Antwort.


    Es ist richtig, die Messung ist in meinem Fall indirekt gewesen. Angeblich wäre die Materialmessung sehr aufwendig. Die in Ihrem post genannten Schritte wurden soweit eingehalten. Es wurden 6 Löcher (ca.100mm) im Dach ausgeschnitten, dort jeweils ein Rohr eingelassen und seitlich abgedichtet. Darüber wurde das Dach 6-8 Wochen lang getrocknet. Zur Messung wurden die einzelnen Schläuche abgeklemmt, die Sonde eingelassen, oben die Öffnung zugehalten und über ca. 20-30 Sekunden gemessen, bis sich ein Wert eingestellt hat, der dann über weitere ca. 10 Sekunden nicht mehr bewegt hat. Die gleiche Prozedur wurde für jedes Loch wiederholt, insgesamt 6 Stück.


    Ein wichtiger Hinweis ist an der Stelle mit der Materialkennlinie gewesen. Es gibt tatsächlich keine Einstellung für Styropor. Damit werde ich mal den Trocknungsbauer demnächst konfrontieren. Mal schauen, wie er das rechtfertigt. Hinsichtlich der Restfeuchte bin ich auch etwas mißtraurig, kann aber kein Gegenteil beweisen. Es wurde auch ein "unabhängiger" und staatlich zugelassener Sachverständiger eingebunden, der das Vorgehen begleitet hat.


    Mit der Darrprobe werde ich mich noch beschäftigen. Danke für den Tipp. Auf Anhieb sah ich nur, dass diese Messung vor allem zur Bestimmung der Materialfeuchtigkeit im Holz verwendet wird. Wir haben nur Beton und Styropor im Dach.


    Ich denke es geht dem Bauträger in erster Linie um eine kostengünstige Schadensbeseitigung, die als Mindestmaß dem Stand der Technik entspricht und somit rechlich nicht angreifbar ist. Offen bleibt bei mir noch die Frage, ob die vorgeschlagene Lösung mit dem Flüssigkunststoff tatsächlich eine zwar teurere aber/und qualitativ bessere Alternative im Vergleich zur zweiten Abdichtungsbahnschicht darstellt.

  • . Offen bleibt bei mir noch die Frage, ob die vorgeschlagene Lösung mit dem Flüssigkunststoff tatsächlich eine zwar teurere aber/und qualitativ bessere Alternative im Vergleich zur zweiten Abdichtungsbahnschicht darstellt.

    Nein. Es wäre sinnvoll eine Dampfdruckausgleichsschicht herzustellen. Das geht nicht mit FSK.

    Dachdecker [ˈdaχˌdɛkɐ] - Jemand der basierend auf ungenauen Daten, die von Leuten mit fragwürdigem Wissen zur Verfügung gestellt werden, präzise Rätselraten kann. Siehe auch; Zauberer, Magier

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  • Mit der Darrprobe werde ich mich noch beschäftigen. Danke für den Tipp. Auf Anhieb sah ich nur, dass diese Messung vor allem zur Bestimmung der Materialfeuchtigkeit im Holz verwendet wird. Wir haben nur Beton und Styropor im Dach.

    Nein, die Darrprobe kann für die Untersuchung der Feuchte aller Arten von Materialien eingesetzt werden, die im Temperaturbereich der Trocknung (meist etwas unterhalb von 100° C) nicht schmelzen.


    Interessant sind dabei natürlich nicht alle Materalien, da nur manche schimmeln oder ihre Eigenschaften bei Feuchte ändern. Im Bauwesen werden vor allem Holz, zement- und gipsgebundene Stoffe untersucht, in der Lebensmittelindustrie / - Verarbeitung andere.

    Es wurde auch ein "unabhängiger" und staatlich zugelassener Sachverständiger eingebunden, der das Vorgehen begleitet hat.

    Unabhängig ist gut, aber ist er wirklich unabhängig von demjenigen, der ihn bezahlt? "Staatlich zugelassene" SV gibt es in D nicht, nur "öffentlich bestellte und vereidigte" SV. Der Bezeichnung "SV" ist in D nicht geschützt. Jeder darf sich zu Bereichen so nennen, von denen sie oder er etwas zu verstehen glaubt. "Ö.b.u.v." darf sich nur nennen, wer es ist.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • ja, stimmt. Es fiel mir die Bezeichnung nicht ein. Es war ein öffentlich bestellter und vereidigter Gutachter. Bezahlt hat die Musik der Bauträger - der Rest war und ist mir bewußt. Ich habe mich wochenlang dagegen gewehrt lief aber, mußte aber am Ende nachgeben.


    Kann eigentlich EPS schimmeln und kann es denn gefährlich werden?, denn der Schimmel würde theoretisch durch die Dampfsperre nicht durchkommen können. (selbst wenn dieser vorhanden wäre).


    @ Kalle, Sie sprechen über die Deckschicht als Dampfdruckausgleichsschicht? Aktuell liegt auf der EPS Dämmung die Deckgummifolie von Wolff oder Wolffin oder so. Schätzungsweise 2-3 mm dick, streifenweise (ca. 1m Breite je Bahn) über das Dach verteilt. Mit Flüssigkunsstoff und Drainagen wurden nur die angeschnittenen Stellen geflickt. Unter der Dämmung wurde nichts gemacht. Da ist natürlich eine Dampfsperre auf dem Betondach aufgetragen. Ins Haus kommt kein Wasser rein. Es geht jetzt nun über die oberste Folienschicht die dem Wetter ausgesetzt ist. Ich wollte nicht die geflickte Variante oben haben, sondern eine homogene Dachfläche, die vor dem Schaden dort gewesen ist. Es soll ja die nächsten 20-30 Jahre oder mehr halten. Hier kam zuletzt der Vorschlag den Flüssigkunststoff über die gesamte Dachfläche zu verteilen. Vorher natürlich zu reinigen und alles was dazu gehört. Das soll angeblich besser sein, als die Dachfolien drüber zu legen.

  • Kann eigentlich EPS schimmeln und kann es denn gefährlich werden?

    Nein, sauberes EPS allein kann ohne zusätzliches organisches Material nicht schimmeln. Aber EPS mit einer nennenswerten Materialfeuchte hat einen messbar reduzierten Wärmedämmwert.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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