Schlafzimmer angrenzend an Aufzug - Schallschutz

  • Wir planen momentan ein 6-Familienhaus (4stöckig ohne Keller) mit Aufzug.

    Momentan haben wir angrenzend an den Aufzugsschacht Schlafzimmer.


    Nun zu meiner Frage. Wie bedenklich ist diese Anordnung bzgl. Schalschutz? Der Aufzugsschacht ist eine 24cm Betonwand momentan.

  • "Normalerweise" sollte so ein Aufzug 2-schalig konstruiert sein. Einmal die Aufzugsschachtwand, dann eine Fuge, dann Deine Zimmerwand.


    Das bekommt man schalltechnisch in den Griff!


    Aufzugsschachtwand am Besten in Beton mit entsprechenden Einbauteilen (Halfensschienen...gibt der Aufzugsbauer vor); "Deine" Wand entsprechend einer Wohnungstrennwand.

  • Das absolute Minimum stellt nach meiner Erfahrung die Kombination 25 StB-Wand + "schwere" und freistehende Trockenbauvorsatzschale dar. Einschalig geht garnicht! Meine Haus- und Hofakustikerin sagt immer wieder, dass falsch platzierte Aufzüge und der resultierende Schalleintrag eines der eärgerlichsten und vor allem am schwersten zu lösenden bauakustischen Probleme sind.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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    Einmal editiert, zuletzt von Skeptiker () aus folgendem Grund: letzten Satz ergänzt

  • Müssen die Schlafzimmer ausgerechnet an den Aufzug angrenzen?


    Ich sehe schon Mieter mit einer Schallpegelmesser-App in der Wohnung umher marschieren, dann das volle Programm, Sachverständige, Gutachten, und vielleicht stellt auch noch jemand fest, dass ein Schallpegel um ein halbes dB überschritten wird, dann geht das Theater erst richtig los.


    Natürlich lässt sich ein Aufzug entkoppeln, Schallpegel minimieren aber es finden sich auch immer empfindliche Gemüter die das Gras wachsen hören.


    Bitte daran denken, ein Schallpegel von 30dB(A) wird in einem benachbarten Schlafzimmer schnell erreicht. Handelt es sich um "höherwertige" Wohnungen, dann könnte auch ein Grenzwert von 25dB(A) laut Beiblatt 2 in Frage kommen. Wenn dann ein Mieter vielleicht noch mehrmals aus seinem Mitagsschlaf gerissen wird, dann kann man auch nicht mehr argumentieren, dass das Geräusch nur gelegentlich auftritt. Da sind Mietminderungen oder nachträgliche Kaufpreisminderungen vorprogrammiert, vom Ärger ganz zu schweigen.


    Ich könnte mir Schlafzimmer die an einen Aufzug angrenzen verkneifen. Wenn es gar nicht anders geht, dann mit dem Planer verbindlich vereinbaren, dass erhöhter Schallschutz geplant und umgesetzt werden muss. DIN 4109, VDI2566 bzw. die neuere DIN8989, bitte nachschauen, was momentan aktuell ist. Ohne jetzt nachgelesen zu haben, gehe ich mal davon aus, dass erhöhter Schallschutz mit 25dB(A) anzunehmen ist. Parallel dazu würde ich überlegen, ob es sinnvoll ist, nur einen Grenzwert in dB(A) heranzuziehen, der ja frequenzabhängig ist. Ein Aufzug der tieffrequente Geräusche (Rumpeln o.ä.) von sich gibt, würde durch so einen Grenzwert nur bedingt erfasst.

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  • Bis vor sieben Jahren hätte ich Euch uneingeschränkt zugestimmt.

    Damals habe ich mich von Otis überzeugen lassen, einen Aufzug mit Gurtantrieb einzubauen.

    Im Selbstversuch habe ich zugestimmt, den frequenzgesteuerten Antriebsmotor direkt an meine Gästetoilette zu hängen. Die Schachtwand ist einschalig 25 cm StB.

    Bei aller Anstrengung: Man hört nichts. Absolut kein Anfahr-oder Bremsgeräusch, kein Klick/Klack kein Laufgeräusch, nichts.

    In anderen Wohnungen grenzt der Aufzug an Flure oder Bäder. Niemand hört den Aufzug in seiner Wohnung.


    Trotz allem halte ich es für sehr mutig, neben den Aufzug das Schlafzimmer zu positionieren.

    Mein Beispiel heißt ja nur, dass es funktionieren kann, nicht dass es immer so funktioniert.


    Deshalb habe ich dafür gesorgt, dass im Treppenhaus, an das die übrigen Schlafzimmer grenzen, wandseitig keine Handläufe montiert werden, weil die grundsätzlich den Körperschall ins Mauerwerk einleiten.




    Wenn Dich ein Laie nicht versteht, so heißt das noch lange nicht, dass du ein Fachmann bist.



    M.G.Wetrow

  • Danke erstmal für den Input. Hier habe ich auch den Grundriss gepostet. Unser Architekt hat vorgeschlagen zu Schlafzimmer wenn wir auf Nummer sicher gehen wollen einen zusätzliche 10cm Wand aus Gipskarton einzuziehen. Unser Architekt meint, dass es aber grundsätzlich kein Problem ist.


    Habt ihr einen Tipp was Ihr für einen Aufzug verbauen würdet? Ist ein Objekt zur Vermietung. 4 Stock und 6 Wohnungen.


    https://www.expertenforum-bau.…9-scorp05/#recentActivity

  • Unser Architekt meint

    Meinungen sind schön und gut, aber hier ist Rechnen angesagt, dann penible Überwachung der Bauausführung, und am Ende Kontrollmessungen. Eine Meinung kann man über Nacht ändern, einen vertraglich vereinbarter Schallschutz nicht.


    Das Beispiel von Thomas zeigt was machbar ist, aber ich würde nicht darauf vertrauen, dass das immer so gemacht wird.


    Bitte in die o.g. Normen schauen, da gibt es Empfehlungen, schutzbedürftige Räume nicht an einen Aufzugsschacht angrenzen zu lassen, bis hin zu Mindestmasse für den Aufzugsschacht (670kg/m² usw.), max. Pegel im Aufzugsschacht usw.

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  • Wir haben im Geschosswohnungsbau bis vor zwei Jahren immer zweischalig gebaut. 20cm Schacht - 3cm Fuge(Dämmung) - 20cm Wohnungstrennwand. Bei den letzten zwei Projekten hat uns die Bauphysik auch eine einschalige Konstruktion ausführen lassen- 2cm Schacht+7cm innenliegende Vorsatzschale.


    Scheint wohl bei den neuen Standardaufzügen möglich zu sein.

  • Ja wenn ich unseren Architekt richtig verstanden habe schlägt er das auch so vor.


    Er schlägt 24cm dicken Aufzugschacht (Beton) vor + ~10cm Vorsatzschale mit Gipskarton

  • ... Statiker ... soll erst hinzugezogen werden wenn der Plan eingabereif ist....

    Eigenartige Vorgehensweise, das solange zurückzustellen.


    Ich würde über eine Optimierung des Treppenhausgrundriisses noch einmal nachdenken, ähnlich wie von Thomas B vorgeschlagen. Ideal wäre es, wenn sich Treppenläufe und Aufzug gegenüber lägen.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Wir planen momentan ein 6-Familienhaus (4stöckig ohne Keller) mit Aufzug.


    Nun zu meiner Frage. Wie bedenklich ist diese Anordnung bzgl. Schalschutz? Der Aufzugsschacht ist eine 24cm Betonwand momentan.

    Bei einem Aufzugsschacht kann - je nach Hersteller und Montagefirma - die Forderung kommen, mehrere Hülsen oder Aussparungen in die Schachtwände pro Etage einzubauen, weil darin die Montage-Ebenen (Arbeitsbühnen) für die Montage der Schienen, der Elektrik und des Fahrkorbes verankert werden.

    Die Hülsen und Aussparungen verbleiben (offen) in den Schachtwänden, falls für Wartungsarbeiten und Reparaturen/Verschleißteiletausch wieder Arbeitsbühnen eingebaut werden müssen.

    In den Bereichen der Aussparungen/Hülsen ist dann die Wandstärke, wenn auch kleinflächig, deutlich geringer als die übrige Kontruktionsstärke der Schachtwände.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • In den Bereichen der Aussparungen/Hülsen ist dann die Wandstärke, wenn auch kleinflächig, deutlich geringer als die übrige Kontruktionsstärke der Schachtwände.

    Weshalb man allenfalls Ankerschienen einbetonieren lässt, aber keine Aussparungen - zumal in diesen Bereichen dann auch die geforderte Brandschutzqualität meist nicht mehr erreicht wird ("Bauart Brandwand" oder wenigstens F90).

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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  • Weshalb man allenfalls Ankerschienen einbetonieren lässt, aber keine Aussparungen - zumal in diesen Bereichen dann auch die geforderte Brandschutzqualität meist nicht mehr erreicht wird ("Bauart Brandwand" oder wenigstens F90).

    Wenn genügend Platz ist, werden z.B. Rüsthülsen eingebaut.

    Gruß
    Holger
    --
    Früher, da war vieles gut. Heute ist alles besser.
    Manchmal wäre ich froh, es wäre wieder gut.
    (Andreas Marti; Schweizer)

  • Wenn genügend Platz ist, werden z.B. Rüsthülsen eingebaut.

    Da kommt es vielleicht auf die bevorzugte Konstruktionsweise an, aber die hatte ich noch nie. Und inzwischen werden Standardaufzüge (1.000 kg, barrierefrei) doch "selbstkletternd" gebaut. Da braucht man keine Rüstung mehr. Ich kann mich jedenfalls innerhalb der vergangenen knapp 25 Jahre an keine Rüstung erinnern.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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