Isothiazolinone in Fugendichtmasse bei Hitzeeinwirkung

  • Hallo liebes Forum,


    ich habe eine Anfrage zu Verwendung von


    (Diphenylmethan-4,4'-diisocyana GESTIS - Diphenylmethan-4,4'-diisocyana.pdf) oder einem


    Gemisch aus 5-Chlor-2-methyl-2H-isothiazol-3-on (CIT) und 2-Methyl-2H-isothiazol-3-on (MIT) /

    GESTIS - Gemisch aus 5-Chlor-2-methyl-2H-isothiazol-3-on (CIT)-2.pdf


    1,2-Benzisothiazol-3(2H)-on GESTIS - 1,2-Benzoisothiazol-3(2H)-on-2.pdf


    im Rahmen von Acryl Dichtungsmasse, z.B. in Soudaflex 40 FC soudal_soudaflex_40_fc.pdf bzw. Berner Acryl Dichtmasse 91496_0002_10-07-2019_DE.pdf


    direkt anliegend an heißen Oberflächen (Heizungsrohr, 60 ° C).


    Wäre eine solche Verwendung in irgendeiner Weise regelwidrig?

    Oder gesundheitlich bedenklich?


    Denn an meinem Büroarbeitsplatz ist das so scheinbar verbaut. Direkt an einem rechteckigen Heizungsrohr (60 °C) wurde über die gesamte Raumbreite von ca 15 Büros ein solcher Dichtstoff als Wandabschluss aufgebracht und verfüllt (1 cm x 2 cm x 3 Meter).

    Es kommt zu allergischen Reaktionen in Form von Augenreizungen, Schleimhautreizungen, Benommenheit, "pelzige" Zunge, Schwellungen im Gesicht, Hautausschlag und Kopfschmerzen. Wie wäre Ihre Einschätzung?


    Die Räume wurden 2016 saniert. Der Stoff wurde 2016 eingebracht.


    Ich habe schon mitbekommen das Isocyanate eher nicht in Frage kämen, weil sie aushärten oder abbinden würden oder so.


    Bei Isothiazolinonen ist das aber anders.

    Zumal Dispersionen nie ganz anbinden.

    Die vorliegende Masse ist zäh, dauerelastisch.



    Vielen Dank für eure Rückmeldungen.


    Mit freundlichen Grüßen.


    Basty

  • Wäre eine solche Verwendung in irgendeiner Weise regelwidrig?

    Die von Dir genannten Dichtstoffe sind zugelassen und wurden anscheinend auch gem. ihren Spezifikationen (max. Temp. +75°C bzw. +90°C) eingesetzt. Von dieser Seite wird man kaum einen Ansatzpunkt finden.


    Oder gesundheitlich bedenklich?

    Was wäre "gesundheitlich bedenklich"? So lange ein geprüfter bzw. zugelassener Dichtstoff entsprechend seinen Spezififkationen eingesetzt wird, wird man unterstellen, dass dessen Anwendung gesundheitlich unbedenklich ist. Man könnte natürlich anerkannte Grenzwerte in Frage stellen, oder durch Untersuchungen nachweisen, dass das Produkt die Spezifikationen (zugesicherte Eigenschaften) nicht einhält. Ein schwieriges und langwieriges Unterfangen mit zweifelhaftem Ausgang.


    Es kommt zu allergischen Reaktionen in Form von Augenreizungen, Schleimhautreizungen, Benommenheit, "pelzige" Zunge, Schwellungen im Gesicht, Hautausschlag und Kopfschmerzen. Wie wäre Ihre Einschätzung?

    Facharzt befragen.


    Wenn das Problem nun seit 4 Jahren auftritt, unabhängig von der Jahreszeit, dann wäre es gut möglich, dass im Rahmen der Sanierung irgendetwas verbaut wurde, das nun zu solchen Problemen führt.

    Was bei diesem Dichtstoff in welchem Umfang ausdünsten kann, das kann ich nicht sagen. Die Menge (1cm x 2cm x 3 Meter) erscheint mir eher gering, als dass es da zu Ausdünstungen im großen Umfang kommen könnte, zumal nach 4 Jahren. Tritt das Problem auch im Sommer auf, dann wäre die Heizung ja nicht in Betrieb. Im Winter hingegen könnte auch trockene Raumluft zu solchen Problemen führen.

    Aber wer weiß, was sonst noch so verbaut wurde.

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  • Wenn tatsächlich Konservierungsmittel - und solche sind Isothiazolinone - der Grund für allergische Reaktionen sind, würde ich mir eher Gedanken um die Wandfarben machen. Dichtmittel haben viel zu wenig Volumen und eine zu kleine Oberfläche um ein Problem sein zu können.


    Ähnliche Auswirkungen haben auch andere nette Stoffe im Wohnumfeld, wie Z. B. Flammschutzmittel, Aldehyde, Terpene etc. etc

    Gruß Werner :)

  • Hi, vielen Dank für eure bisherigen Antworten.


    Wo kommen denn Flammschutzmittel, Aldehyde, Terpene z.B. genau vor?


    Auch der Teppich/Kleber stand im Verdacht Geruch zu erzeugen.

    Bezüglich der Reatkionen nun, aber eher die Dichtmasse.

    Die Wandfarbe wird aber halt nicht 60 ° C warm. Und das allergene Zeug hat nunmal einen Schmelzpunkt von knapp 45 ° C!:

    5-Chlor-2-methyl-2H-isothiazol-3-on | 26172-55-4

    allergien-durch-methylisothiazolinon-mi-in-kosmetika-moeglich.pdf


    2016 wurde ein kompletter Innenausbau vorgenommen, samt Trockenwänden und ein Teppich auf Fließen verklebt. Auch wurde die Decke mit so rechteckigen Platten abgehängt, darunter befinden sich dicke Holzbalken, die die Decke tragen. Das 4 geschossige Bürogebäude stammt aus den 60er Jahren.

    Auch PCP hatte ich im Verdacht.


    Es ist aber eben speziell ein deutlicher Geruch wahrzunehmen, direkt in der warmen aufsteigenden Luft über diesem Heizungsrohr und über dieser Dichtmasse. Auch hat die DIchtmasse selbst, im erwärmten Zustand diesen starken Geruch an sich. Weiterhin kommt es zu typischen Reaktionen dieses Stoffes nach der Stoffdatenbank (Augen, Schleimhaut).


    In einem ChemieForum wurde geantwortet:


    "Die in bestimmten Acryldichtmassen als Konservierungsmittel eingesetzte Isothiazolinone sind allgemein allergen,worauf auf den Verpackungen hingewiesen werden sollte.

    Aufgrund der wasserlöslichkeit können sie mit der Zeit ausgewaschen werden,aber auch direkt ausgasen.

    Wieviel hängt von den Umgebungsbedingungen ab,aber auch von der Fugemasse selbst.

    Es gibt Fugenmassen für verschiedene Verwendungszwecke/Eisatzbereiche.

    In der Nähe eines Heizkörpers dürfte die Ausgasungsrate deutlich höher sein als in anderen,kühleren Bereichen."

    (Insothiazolinone bei Hitze - Organische Chemie - ChemieOnline Forum)


    Bitte helft mir weiter mit möglichen Tipps.

    Nächsten Donnerstag kommt die BG (Unfallkasse) zur Begehung.


    Vielen Dank im Voraus.

    Basty

  • Wie groß ist der Raum? (inkl. Höhe)

    Wie wird der Raum belüftet?

    Wieviele Personen halten sich in dem Raum wie lange auf?

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  • Kommen folglich die allergischen Reaktionen nur beim Beheizen des Raumes?

    Wobei das für mich nicht alleine ein Hinweis wäre. Es könnte auch sein, dass ein Stoff anderswo immer ausdünstet und erst durch die veränderte Luftfeuchte ( trockenere. Luft) dann die Reaktionen schneller/deutlicher erfolgen.


    Ich finde es ganz massiv schwierig, bei einer solchen Vielzahl von neuen Baustoffen den Verursacher herauszufinden.

    Nothing is forever, except death, taxes and bad design


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  • Bitte helft mir weiter mit möglichen Tipps.

    Du machst einen Fehler. Du denkst nur an die Stoffe selbst, nicht aber an deren Konzentation. Benzin ist hochgiftig, aber was passiert wenn man davon 1 Tropfen in den Bodensee gibt?


    Dein link mit den Kosmetika ist hier nicht besonders hilfreich, denn es macht auch einen Unterschied, ob der Stoff ausgast und in die Luft gelangt, oder in einer Crème gebunden und direkt auf die Haut aufgetragen wird.

    Der Schmelzpunkt ist hier irrelevant, das Zeug bleibt ja in der Acrylmasse gebunden. Wenn schon, dann wäre eher der Siedepunkt von Interesse.


    Wir sind täglich umgeben von giftigen Stoffen, die aber in Konzentration vorliegen, die für den menschlichen Körper unbedenklich sind. Bei der Dichtmasse verhält es sich ähnlich, und ein Geruch alleine macht noch keinen Giftstoff.


    Hier wäre vielleicht mal eine Raumluftanalyse angesagt. Für einen Stoff der in der Raumluft eine bedenkliche Konzentration annimmt, müsste es eine größere Quelle geben als die paar Gramm Dichtstoff. Die Überlegung in Richtung Wandfarbe als Ursache klingt für mich eher plausibel, denn da handelt es sich um eine große Fläche. Bei Wandfarben würde ich aber aufgrund der geringen Masse davon ausgehen, dass nach 4 Jahren Ruhe ist


    Übrigens, selbst normaler Hausstaub kann auf einem heißen Heizungsrohr einen unangenehmen Gerucht verursachen. Wer schon einmal einen Heizlüfter genutzt hat, der über Monate ungenutzt in der Ecke stand, der weiß was ich meine.


    Hat schon mal jemand an Elekronik gedacht? PC, Drucker, Kopierer? Das Thema ist zwar zwischenzeitlich hinreichend untersucht, und moderne Geräte sind unbedenklich, aber vielleicht steht ja in der Ecke ein Kopierer aus dem Mittelalter, der was weiß ich in die Luft bläst.


    Zum Nutzerverhalten und Beheizung hast Du auch noch nichts geschrieben. Im Winter könnte auch trockene Raumluft die genannten Symptome hervorrufen. An sich müsste man auch untersuchen, ob die Personen bei einem längeren Aufenthalt außerhalb der Räume beschwerdefrei sind. Das zu beurteilen ist aber schwierig, denn hier kommt auch die Psychologie in´s Spiel. Ein Hautausschlag lässt sich noch erkennen und einschätzen, ein trockener Hals, Schwindelgefühl, jedoch nicht. Wenn jemand fest davon ausgeht, dass der Arbeitsplatz ihn krank macht, dann wird er sich außerhalb der Arbeitsräume immer besser fühlen.


    Das Thema Heizen&Lüften spielt auch eine Rolle, dazu hast Du Dich noch nicht geäußert. Zu den Raumgrößen und Anzahl der Personen auch nicht.

    Ich würde empfehlen auch mal einen Blick auf das Raumklima zu werfen, zumindest Temperatur und rel. Luftfeuchtigkeit, im Idealfall auch so Dinge wie CO2. Gerade im Winter wird das Lüften gerne mal vergessen. Hier kann eine kontrolierte Lüftung (automatisiert) Abhilfe schaffen. Zusätzlich könnte man auch über Luftreiniger nachdenken.

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  • ein deutlicher Geruch wahrzunehmen,

    Gülle stinkt bestialisch, aber der Geruch erzeugt keine Allergien (ausser Brechreiz vielleicht)

    Ich würde auch zu einer Raumluftanalyse und einer ergebnisoffenen Suche raten. Hier soll für ein festehendes Ergebniss ein Beleg gesucht werden

    Meine Beiträge sind Meinungsäusserungen