Blähton vs. Blähton/Blähglas vs. Blähton/Holzfaserplatten

  • Hallo liebes Forum,


    wir sind absolut Neu in der Welt des Hausbaus und stehen vor der Herausforderung eine Entscheidung bzgl. des Bauunternehmens zu treffen. Wir haben uns bereits mit dem Werkstoff Blähton angefreundet, haben aber hier bereits 3 verschiedene Anbieter, die alle mit dem Blähton anders umgehen (nicht Stein auf Stein, sondern "komplett gegossene Wände"):

    A) baut nur monolithisch mit Blähton, mit gewissen Wandstärken bis ca. 42.5cm (als Sonderformat), sonst 36cm - sagt, dass man keine Dämmung braucht und Blähton an sich schon reicht
    B) baut Blähton mit 42,5cm Stärke, davon wird allerdings ca. 1/3 der Außenseite mit Blähglas vermischt (wegen besserer Dämmung, um gewisse Dämmerte zu erreichen)
    C) baut Blähton mit 36cm und macht grundsätzlich zusätzlich eine Außendämmung mit Holzweichfaserplatten, um auf KfW55 zu kommen

    Wir möchten schon gerne ein gut gedämmtes Haus (Bungalow) haben, EnEV reicht uns aber wahrscheinlich aus - KfW55 ist ein deutlich größerer Sprung. Wir stehen noch am Anfang, wir wollten aber nicht 3 grundsätzlich anderer Systeme miteinander direkt vergleichen, sollten möchten uns für ein Unternehmen unterscheiden und das Mauerwerk ist ein Differenzierungsmerkmal. Aber unabhängig davon, wie schätzt Ihr die 3 Varianten ein - macht eine Blähglas/Blähton-Mischung Sinn? Sind Holzweichfaserdämmplatten wirklich so gut und langlebig wie angepriesen?

    Besten Dank für Eure Meinung
  • Hallo und willkommen im Forum.


    Blähton ist jetzt nicht gerade der ideale Dämmstoff. Nicht umsonst verbauen Hersteller der Steine zusätzlich ein anderes Dämmmaterial in den Kammern der Steine, wie beispielsweise Mineralwolle. Diese Option entfällt, wenn eine Mauer "komplett gegossen" werden soll, wobei mir diese Methode jetzt nicht bekannt ist.


    Wenn Firma A.) behauptet, dass sie mit ihrer gegossenen Wand in 36,5cm Wandstärke U-Werte erreicht die der EnEV genügen, dann würde ich genauer hinschauen. Eine "massive" gegossene Wand aus Blähton, sprich ohne Luftkammern oder sonstige Dämmstoffe, dürfte bei 36,5cm Wandstärke einen U-Wert um die 0,3-0,4W/m²K aufweisen. Wie man das noch EnEV gerecht hinbekommen möchte, ohne weitere Dämmung zu verbauen, das kann ich mir jetzt nur schwer vorstellen.


    Da klingen mir Variante B.) und C.) schon eher plausibel. Wird bei einer Wand mit 42cm Stärke ein Drittel durch Blählgas ersetzt, also ca. 14cm mit Lambda 0,07W/mK, dann kommt die Konstruktion insgesamt in den Bereich 0,24W/m²K. Das klingt dann schon eher EnEV tauglich. DIe Ergänzung einer Wand mit einer Holzweichfaserplatte als Dämmstoff klingt auf jeden Fall plausibel. Hier lässt sich der U-Wert über die Dämmstärke quasi "einstellen". Es stellt sich dann eher die Frage, wie stark man die Wand (Mauerwerk) selbst wählt, und wie stark die Dämmung, damit die gesamte Wand nicht zu dick wird.


    Diese Daten müssen Euch die Hersteller liefern können, schließlich sind sie entscheidend dafür, ob das damit gebaute Haus, die gesetzlichen Anforderungen (EnEV) erfüllt, oder die Fördervoraussetzungen wenn man Fördermittel in Anspruch nehmen möchte.


    Ihr habt Euch für Blähton entschieden, darf man fragen, "warum"?


    Ich würde so eine Entscheidung nicht nur an der Wärmedämmung festmachen, wobei die Einhaltung der EnEV sowieso vorausgesetzt werden muss. Eine Wand hat noch weitere Aufgaben zu erfüllen, die unter Umständen Priorität haben könnten. Wie sieht es mit Schallschutz und Hitzeschutz aus?


    Schallschutz ist bei einem EFH in einer ruhigen Wohngegend meist nicht so das Thema, Hitzeschutz hingegen schon eher. Das wären für mich auch wichtige Punkte die man nicht ignorieren sollte, während mir Marketing-Sprüche, wie "gesundes Raumklima", eher egal wären.


    Letztendlich muss man sich mit seiner Entscheidung auch wohl fühlen, völlig unabhängig von technischen Daten.


    Sind Holzweichfaserdämmplatten wirklich so gut und langlebig wie angepriesen?


    Holz ist ein natürlicher Baustoff und seine Langlebigkeit hängt von den Umgebungsbedingungen ab. Würdest Du auch die Langlebigkeit der Dachsparren hinterfragen?

    Eine Holzfaserdämmung die vor Umgebungseinflüssen geschützt ist, was bei einer Fassendämmung der Fall sein sollte, hält länger als ein Menschenleben. Das gilt auch für 99% der anderen Baumaterialien, die entsprechend geschützt, eine gefühlte Ewigkeit ihre Aufgabe erfüllen können.


    Nehmen wir noch einmal das Beispiel Dachsparren. So ein Dachsparren wird problemlos 100 Jahre alt, so lange das Dach "dicht" ist. Ist das Dach hingegen nicht dicht, und es läuft Wasser unter´s Dach, dann kann es passieren, dass so ein Dachsparren nach 10 Jahren am Ende ist.

    Das gilt analog bei einer gedämmten Fassade, egal welcher Dämmstoff verwendet wird. Fassaden die vor 20 oder 30 oder 50 Jahren gedämmt wurden, funktionieren heute noch. Ist die Fassade hingegen beschädigt und die Dämmung ungeschützt, dann ist nach wenigen Jahren das Ende der Fahnenstange erreicht.

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  • Aus Blähton allein lassen sich meines Wissens keine Wände herstellen, da Blähton in Form von Kugeln mit einem Durchmesser von ca. 1 cm die Produktionsöfen verlässt. Insofern liegt hier vermutlich ein Missverständnis vor, möglicherweise nicht nur billigend in Kauf genommen durch die Hausanbieter. Die meisten Baufirmen verarbeiten Blähton heute als Zuschlagstoff zu Stahlbeton (StB), dessen Wärmedämmwirkung so ganz erheblich verbessert wird und verkaufen das Material dann als "Blähtonwände". Treffender wären "Stahlbetonwände mit Blähton als Zuschlagstoff", aber das verkauft sich wohl nicht so gut. Die positiven Eigenschaften des Tons gehen dabei jedenfalls mit Ausnahme der Wärmedämmwirkung nicht in die Stahlbetonwand über. Diese ist in relativ ähnlichem Maß wasserdampfdiffusisonsfähig wie eine gewöhnliche StB-Wand, also fast gar nicht. Allein mit Blähton als Zuschlag ausgeführte StB-Wände reichen meines Wissens im Regelfall nicht aus, um die aktuellen ENEV-Werte zu erreichen. Hierfür bedarf es weiterer wärmedämmender Leichtzuschläge wie besonderer Sande oder Luftporenbildner - oder aber einer zusätzlichen Außendämmung, was eine mögliche Kosteneinsparung wieder zunichte macht. Für Ausführungen in hochdämmenden Stahlbeton gibt es einige sehr schöne Beispiele:


    Infraleichtbeton

    weiteres Beispiel

    Haus Schlaich


    Allen diesen Häusern ist aber gemeinsam, dass der Beton beidseitig, innen wie außen, sichtbar gelassen wurde. Das bringt dann erhebliche Kostenvorteile. Aber ein solches Haus sieht dann auch deutlich anders aus als alle anderen. Das mag nicht jeder Bauherr. Mir gefällt es.

    mit Gruß aus Berlin, der Skeptiker


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